CSU-Chef Huber setzt auf Gorleben -
"ein Schmarrn" kontert die Bürgerinitiative Umweltschutz
Der Streit um Gorleben und die Atomkraft geht in die nächste Runde: CSU-Chef Huber will den Atomausstieg kippen, weil er Atomstrom für billig hält, und fordert die Fertigstellung Gorlebens als nukleares Endlager. Nachdem schon die Bundeskanzlerin in ihrer Sommer-Pressekonferenz für den Weiterbau in Gorleben plädierte, zog Erwin Huber nun nach.
Einen Beitrag Bayerns zur nuklearen Entsorgung lehnt er in bekannter Sankt-Florians- Manier ab, weil das Lager in Gorleben fast fertig sei. Huber wörtlich in der in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin: Und zu sagen, das schütten wir wieder zu, fangen irgendwo anders von vorne an, das würde uns 30 Jahre zurückwerfen. Das Gegenteil sei richtig, kontert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI). Bisher wurde im Salzstock Gorleben nach Bergrecht, nicht nach Atomrecht gebuddelt.
Ein atomrechtliches Planfeststellungsverfahren würde sich nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz noch rund 15 Jahre hinziehen. Geologische Bedenken und Planungsmängel - ein Suchverfahren ohne Alternativen entspräche nicht dem Stand von Wissenschaft und Forschung, eine Bürgerbeteiligung sieht das bisher genutzte Bergrecht nicht vor und Prozesse könnten am Ende das Aus für die Einbahnstraße Gorleben bringen. Also was für ein Schmarrn, kommentiert die BI Umweltschutz die Ferndiagnose des CSU-Chefs. Interessant sei allerdings die Offenheit, mit der der bayrische Politiker die Erkundung in Gorleben mit dem Fertigbau gleichsetzt. Wenn Unionspolitiker von Gorleben sprechen, so ist jetzt klar: Erkundet wird gar nichts, es wird gebaut, warnt die Bürgerinitiative.
Wer wie Erwin Huber die geologischen Bedenken gegen die Eignung Gorlebens, die ein Resultat der Tiefbohrungen waren, übergeht, könne sich in Morsleben oder der Asse II ansehen, wie schnell eine Atommülldeponie havariere. Unkontrollierte Wasserzuflüsse und Einsturzgefahr, das sind die Folgen einer hemdsärmeligen Atompolitik.
Erwin Huber möge sich besser um das Versagen des Münchener Helmholtz Zentrums kümmern, das die Asse II betreibt.