Atomkraftdebatte: Atommüll - Entsorgung wird ausgeblendet
Knapp zwei Jahre vor den nächsten Bundestagswahlen ist der Streit um die Zukunft der Atomkraft voll entbrannt. Auch wenn es "nur" um die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atommeiler und nicht um kostspielige Neubauten geht, werde aus Sicht der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. bei einer Abwägung von Kosten und Risiken der Atomkraft ein gewichtiger Faktor, die ungelöste nukleare Entsorgung, von den Lobbyisten bewusst ausgeblendet.
"Die Medienkampagne für die Verlängerung der AKW-Laufzeiten und die Mär vom billigen Atomstrom ist zu durchsichtig angelegt, es geht den Akteuren nicht um gesellschaftliche Verantwortung, sondern um Profite", warnt ein BI-Sprecher. Wer Atommeiler monatelang repariere und dabei auf eine erhoffte Kursänderung in der Atompolitik schiele, mache sich in der Debatte um die Energieträger der Zukunft unglaubwürdig.
Kosten hingegen würden auf die Steuerzahler abgeladen. Die havarierten Atommülldeponien Asse II und das Endlager Morsleben schlügen bei den Müllverursachern mit keinem Cent zu Buche. Eine vergleichende Standortsuche alternativ zu Gorleben, wie sie inzwischen politisch und wissenschaftlich als Mindestvoraussetzung bei der Endlagersuche anerkannt sei, müsse von den Verursachern des Mülls getragen werden. "Wer an der Atomkraft verdient, muss auch dafür zahlen", so die Bürgerinitiative.
Befürchtet wird seitens der Gorleben-Gegner, dass es massive Abstriche in der Sicherheitsphilosophie bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle geben wird. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat für den Herbst zu einem Endlagersymposium in die Hauptstadt eingeladen, auf dem die Sicherheitskriterien für eine Endlagerung erläutert werden sollen. "Aus den Erfahrungen in der Asse II muss unbedingt der Schluss gezogen werden, dass als Sicherheitsbarriere das Deckgebirge unverzichtbar, also eine wasserabweisende durchgehende Tonschicht vorhanden ist", fordert der BI-Sprecher. Das erste in Deutschland eingerichtete atomare Endlager, der Schacht Asse II, säuft ab, radioaktive Lauge greift die Fässer an.
Was in der ehemaligen Kaligrube bei Wolfenbüttel geschehe, dürfe sich in Gorleben nicht wiederholen, warnt die Bürgerinitiative. In Gorleben gab es Laugennester und ungeklärte Wasserzuflüsse in der Phase des Abteufens der Schächte. Geologen warnten vor den Wasserwegsamkeiten und dem porösen Deckgebirge. Aber die Protagonisten des nuklearen Weiter-So machten auch mobil, um das Moratorium in Gorleben zu kippen, warnt die Initiative.
Am Wochenende hatten Atomkraftgegner im Wendland ihre Strategie hinsichtlich des nächsten Castortransports nach Gorleben beraten. Ihr Ziel ist es, die Themen Energieeffizienz, Einsparmöglichkeiten, atomare Risiken und das Atommülldilemma in ihrer Kampagne zu bündeln. Der nächste Castortransport wird kurz nach dem Endlagersymposium in der ersten Novemberhälfte erwartet.