Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V.

Drawehnerstr. 3 29439    LÜCHOW Tel. +49 (58 41) 46 84 Fax +49 (5841)  31 97

Bürozeiten: Mo., Mi., Fr. & Sbd.: von 9-12 Uhr Di. &  Do.:   15-18 Uhr

E-mail für  die Presse:

Mails an diese Adresse bitte nur für Presseleute, andere können wegen Zeitmangel nicht beantwortet werden.

Adresse bitte von Hand eingeben oder unser Kontaktformular verwenden
E-mail: Adresse bitte von Hand eingeben oder unser Kontaktformular verwenden
Spendenkonto

"Spende zugunsten der BI Umweltschutz  Lüchow-Dannenberg e.V." sind Steuerabzugsfähige Spenden.

vom 24.06.2008

In Gorlebens Pilotanlage, dem Salzbergwerk Asse II droht ein GAU

BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg fordert vom Berliner Krisengipfel "ehrliche Konsequenzen"

"Die Vorgänge um die Asse berühren auch das Endlagerkonzept in Gorleben". Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) fordert angesichts des Berliner Krisengipfels, über ein Notfallscenario für das absaufende Atommülllager bei Wolfenbüttel auch die Konsequenzen für das sogenannte Erkundungsbergwerk Gorleben zu ziehen. "Der Prototyp für Gorleben, das Bergwerk Asse II säuft ab. Es müssen ehrliche Konsequenzen gezogen werden, Gorleben kommt wegen des fehlenden Deckgebirges zur Abschirmung von Wasser als Atommülldeponie nicht in Frage", so ein BI-Sprecher. Die Einrichtung eines Versuchslabors in Gorleben - von Umweltminister Sigmar Gabriel favorisiert - wird deshalb mit Vehemenz abgelehnt.

Jahrelang galt die "Asse" als Prototyp für Gorleben, jetzt kämpfen Anwohner der havarierten Atommülldeponie dafür, den Strahlenmüll herauszuholen, bevor es zu spät ist. Täglich fließen 12 Kubikmeter Wasser in die Schachtanlage, und zwar unkontrollierbar. Der Schacht droht abzusaufen. Das Wasser wird bisher aufgefangen und in den Grubensumpf abgepumpt. Doch nun wurde publik, die Laugen sind kontaminiert. Mit Cäsium-137, Strontium, Radium und Plutonium. Das Helmholtz Zentrum, die Betreiberin der Anlage, beschwichtigt, für Menschen und Umwelt bestünde keine Gefahr, obwohl geringe Mengen der Salzlösung bereits auf der Sohle aufgefangen werden, in denen nukleare Abfälle lagern.

Das Dilemma war abzusehen. Prof. Werner Schneider, (TU Braunschweig) stellte auf einer Veranstaltung der BI Umweltschutz am vergangenen Freitag in Dannenberg klar, dass schon bei der Umwidmung der Kaligrube als Atommülldeponie ab dem Jahr 1967 absehbar war, dass es zu Laugenzuflüssen kommen würde. Als Geologe kartierte er die Region und unterstrich, dass es aus seiner Wissenschaftlersicht für die prekäre Situation klare Indizien gab: die Einsturztrichter (Fachbegriff "Dolinen") am Rande des Salzstocks. Das Deckgebirge des Salzstocks sei - ganz im Gegensatz zu anderen - asymmetrisch, auf einer Seite fehlt eine wasserundurchlässige Tonschicht, durch Auswaschungen sei der Boden an dieser Flanke des Salzstocks trichterförmig weggesackt. Die größte Gefahr für ein Salzbergwerk sei generell der Wasserzufluss. Die Laugen verhielten sich hochaggressiv. Befände sich Atommüll in den Schächten oder Kammern, verhielte sich die Lauge hochaggressiv, deshalb der naheliegende Verdacht, dass einige Fässer bereits zerfressen seien. Prof. Schneider: "Die Durchlässigkeit des Deckgebirges war von Anbeginn bekannt. Dass dieses bei der Einlagerung von Atommüll außer Acht gelassen wurde, ist ethisch gesehen ein reiner Nullinger".

Für die Atomkraftgegner im Wendland drängen sich die Parallelen zwischen der Asse und Gorleben auf. Die "Asse" sollte offiziell ein reines Forschungsbergwerk bleiben, aber das politische Hin und Her um die Planfeststellung hinderte Forscher zu keiner Zeit, das Kalibergwerk als Versuchslabor zu nutzen - für Gorleben. Wolfgang Ehmke (BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.) warnte einerseits vor "Kurzschlüssen". Jeder Salzstock sei "individuell", habe seine eigene Struktur, gerade die geologischen Besonderheiten seien nicht eins zu eins von der Asse auf Gorleben übertragbar. Aber die Betreiber der Asse selbst hätten bis in die jüngste Zeit die Pilotfunktion Gorleben hervorgehoben. Zum einen wurden sog. »in-situ-Versuche« durchgeführt: Radioaktive Abfälle wurden mit Zement und tritiumhaltigem Wasser angemischt, das man durch Röhren in unterirdische Kavernen leitete. Zum anderen wurden radioaktiv strahlende Kobalt-60 Quellen eingebracht, um zu studieren, wie sich Salz verhält, wenn es erwärmt wird.

Das hochbrisante Projekt, mit wärmeentwickelnden hochradioaktiven Kokillen aus der US-Atomfabrik Hanford unter Tage zu experimentieren, wurde Anfang der 90er Jahre wegen des massiven öffentlichen Protests gestoppt. Namhafte Gorleben-Befürworter wie der Bergbau-Professor Klaus Kühn setzen unverdrossen auf Salzgestein als Endlagermedium. Kühn bescheinigte der Asse sogar noch Sicherheit, als die Lauge schon floss. Ehmke: "In Gorleben gab es Laugennester und ungeklärte Wasserzuflüsse in der Phase des Abteufens de Schächte. Geologen warnten vor den Wasserwegsamkeiten und dem porösen Deckgebirge. Das Vertrauen in wissenschaftliche und politische Redlichkeit bei der Endlagerforschung und - suche wird gerade vollends verspielt!" Das Moratorium endet im Jahr 2010. Doch der Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, in dessen Wahlkreis die Asse liegt, mache sich gerade stark für ein Versuchslabor in Gorleben. "Nicht mit uns!" sind sich die Gorleben-Gegner einig.

Bearbeitet am: 24.06.2008/ad


zurück zur Homepage

zurück zur Homepage der BI