Castor - Sicherheitsprobleme offen legen
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg (BI) fordert, technische Probleme bei weiteren Castortransporten in die oberirdische Gorlebener Zwischenlagerhalle offen zu legen und realistische Testreihen durchzuführen. Wie die Süddeutsche Zeitung (29.04.05) berichtete, hat es im Zulassungsverfahren für einen neuen Castorbehälter Unstimmigkeiten gegeben. Demnach beklagt die Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) in einem Schreiben an die Castor- Hersteller bereits im Dezember letzten Jahres "Defizite des Antragstellers bei grundlegenden Fragestellungen".
Die BI weist seit Jahren darauf hin, dass die Sicherheit der Behälter mit hochgefährlichem Atommüll ohne realistische Testreihen lediglich mit Rechenmodellen behauptet wird. "Es ist nicht nachvollziehbar, wie Ämter, Genehmigungsbehörden und Politik ihre Schutzpflicht gegenüber der betroffenen Bevölkerung vernachlässigen", beklagt ein BI-Sprecher.
So erklärten im Februar 2005 zuständige Experten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) vor dem Rat der Stadt Dannenberg, dass wirkliche Tests gemäß ihrer Interpretation der Vorschriften der Internationalen Atomenergiekommission (IAEA) nicht erforderlich seien. Für die Zulassung reichten auch Berechnungen aus, die sich auf Tests mit ähnlichen Behältern oder Modellen beziehen, die in den 70er und 80er Jahren vorgenommen wurden. Das Amt habe diese Berechnungen auch nicht selbst durchgeführt oder überprüft. Das sei Aufgabe der von den Strahlenschützern beauftragten BAM. Welche Berechnungen diese im Einzelnen vornahm, und wie weit diese sich auf Daten der Behälter-Hersteller berufen, könnten sie nicht beurteilen. Reale Tests wie beispielsweise Fall- und Brandversuche, lehnt das BfS aus Kostengründen ab.
"Angesichts der mehr als 30 Millionen Euro an Polizeikosten, die regelmäßig zur Durchsetzung der Transporte ausgegeben werden, ist dieses Kostenargument haarsträubend", kommentiert ein BI-Sprecher. "Die Sicherheit der Bevölkerung muss im Vordergrund stehen, nicht Finanzinteressen der Atomindustrie". Die BI kündigt Proteste gegen weitere Transporte an, die einen "unnötigen Sachzwang auf ein Endlager im untauglichen Gorlebener Salzstock" verursachen