Gorleben - Proteste gegen Castor-Transport
Am Castor-Verladekran im wendländischen Dannenberg stellen sich seit 9 Uhr morgens Atomkraftgegner gegen den Transport eines neuen Castor-Probebehälters nach Gorleben quer. Die Kreuzung am Verladekran ist zusätzlich durch das Abstellen von Fahrzeugen der Demonstranten unpassierbar. Sie fordern aus Sicherheitsgründen die sofortige Aufgabe der Gorlebener Atomanlagen.
Der Protest richtet sich im Kern gegen die Pläne, den Gorlebener Salzstock trotz jahrzehntelanger wissenschaftlicher Warnungen durch die Vorbereitung weiterer Atommüllfuhren als Endlager zu zementieren. Castortransporte in die oberirdische Zwischenlagerhalle in Gorleben sind überflüssig und bedeuten eine Vorfestlegung auf den Standort, fasst der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg zusammen. Dabei ist seit Jahrzehnten bekannt, dass der Gorlebener Salzstock mit seinem Grundwasserkontakt ein Atommüllklo mit Spülung nach oben wäre. Viele Menschen im Wendland lassen sich diesen unverantwortlichen atomaren Irrsinn nicht bieten und verlangen Gorleben endlich stillzulegen und keinen weiteren Atommüll mehr zu produzieren.
Hintergrund zum Probe-Castor ohne Atommüll: Es scheint Sicherheitsprobleme beim Bau des neuen Castortyps (HAW 28 M) zu geben. Dieser sollte ursprünglich 2006 eine verkehrsrechtliche Zulassung bekommen und in diesem Jahr mit heißem Müll nach Gorleben rollen. Der Transport mit heißem Müll ist abgesagt. Der exakte Stand der Dinge zum Behälter wird der Öffentlichkeit bislang trotz Anfragen bei Genehmigungsbehörden verschwiegen.
Seit Jahren ist den Betreibern der Atomkraftwerke bekannt, dass wegen erhöhten Abbrands der Brennelemente und der daraus resultieren höheren Wärme des Atommülls ein Behälter entwickelt werden muss, der diese Temperaturen aushält und die enorme Gamma- und Neutronenstrahlung abschirmt. Die Wärmeleistung erhöht sich von 45 kW auf enorme 56 kW. Etwa eine Minute Aufenthalt in 1 m Entfernung von einem unabgeschirmten Castor würde beim Menschen eine tödliche Dosis verursachen. Das Gesamtinventar eines Behälters entspricht etwa 20% der bei der Tschernobylkatastrophe freigesetzten Strahlung.