Castortransporte von Karlsruhe nach Gorleben
BI: Plutoniumhaltiger Atomeintopf kann nicht heimlich nach Gorleben verfrachtet werden
Für 2007 sind Castortransporte aus der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) in das Gorlebener Zwischenlager und das Zwischenlager in Lubmin bei Greifswald beantragt. Für die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg (BI) entpuppen sich damit die Aussagen des niedersächsischen Innenministers Schünemann im nächsten Jahr Castortransporte nach Gorleben wegen Polizeiüberlastung abzusagen als reines Ablenkungsmanöver. Der Innenminister solle Klartext reden und weder die Sicherheitsprobleme der Castorbehälter verschweigen (BI-Pressemitteilung 26.06.06), noch versuchen die öffentliche Aufmerksamkeit nur auf Transporte aus dem französischen La Hague zu lenken.
Hintergrund: Beim Betrieb der WAK sind zwischen 1971 und 1990 über 200 t abgebrannter Brennelemente aus Forschungs- und Leistungsreaktoren aufgearbeitet und dabei über 1 t Plutonium abgetrennt worden. Dabei fielen knapp 70.000 Liter hochbrisantes Strahlengebräu an, dass in Spezialtanks permanent gerührt und gekühlt werden muss, damit es zu keiner Kettenreaktion kommt. In der vor der Fertigstellung stehenden Karlsruher Verglasungsanlage soll die plutoniumhaltige Brühe bei 1150 Grad Celsius in Bor-Silikat-Glas eingeschmolzen werden. Danach soll der verfestigte Atomeintopf als hochstrahlende Glaskokillen in 1,3 m hohe 150-l-Stahlbehälter abgefüllt und in Castorbehältern verstaut werden.
Die Genehmigungsbehörden gaben grünes Licht zur Einrichtung eines so genannten Transport-Bereitstellungsplatzes für sechs Castoren. Das Stuttgarter Umweltministerium stufte den Bereitstellungsplatz als nicht nach Atomrecht zu genehmigen ein. Durch die Notwendigkeit verschärfter Sicherheitsanforderungen verdoppelten sich in den vergangenen Jahren die Abrisskosten der WAK auf etwa 1,9 Milliarden Euro. Da die Energieversorger keine Nachschusspflicht haben, müssen nach Angaben der Betreiber jetzt der Bund als über 90-prozentiger Hauptfinancier und das Land Baden-Württemberg die Finanzierung der Mehrkosten regeln. Der bislang bereitgestellte Betrag soll bis zum Spätherbst aufgebraucht sein (SWR 28.09.05).
Wenn seitens der Politik geäußert wird, es würden 2007 keine Transporte nach Gorleben rollen, so ist dies nur auf den Absender La Hague bezogen. Der vermutliche Ausfall eines Transports aus La Hague 2007 liegt weder an Polizeiüberforderung durch die WM noch den G8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm, sondern an Sicherheitsproblemen des Castorbehälters, fasst der BI-Sprecher zusammen. Der geplante Transport des hochstrahlenden Atomeintopfs aus Karlsruhe zeigt die Planlosigkeit von Politik und Atomindustrie in der Entsorgungsfrage auf. Die Verantwortlichen sollen sich nicht einbilden, dass die Proteste gegen das untaugliche Endlagerprojekt Gorleben durch Geheimtransporte ausgehebelt werden könnten.