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vom 11.11.2004

CASTOR- Transport 2004

Kommentar 9. November 2004

Wir sind diejenigen, die seit 27 Jahren mit dem Widerstand gegen Atommülltransporte   und ein drohendes Endlager im undichten Salzstock Gorleben für das Leben kämpfen. Deshalb hat uns der Tod des 23­jährigen Sebastian bei einer Aktion gegen den Castortransport bis ins Mark getroffen und zutiefst schockiert. Unser Mitgefühl gehört in diesen Stunden den Angehörigen und allen, die ihn gekannt und gemocht haben. Der Tod des Aktivisten Überschattet die Erlebnisse bei der Auftaktkundgebung am Vortag. Die große Beteiligung gerade von jungen Menschen der "'Tschernobyl-Generation",die genauso alt sind, wie Sebastian, bedeutete die Staffelübergabe an die mittlerweile dritte Widerstandsgeneration.

Die schreckliche Nachricht aus Frankreich hat uns inne halten lassen. Kein Atomtransport kann nach diesem Castor so sein wie zuvor. Wir haben den Protest am letzten Transporttag mit Trauer und Wut in einer neuen Ernsthaftigkeit zu Ende geführt, gerade weil wir diejenigen sind, die im Angesicht des viele tausend Jahre tödlich strahlenden Atommülls für das Leben kämpfen. Wir haben erwartet, dass auch die andere Seite innehält. Wir haben erwartet, dass dieser Transport sofort abgesagt wird: Wenn nicht jetzt, wann denn dann? Wir haben erwartet, dass die Polizei ihren Auftrag den Transport durchzusetzen an die verantwortlichen Politiker in Berlin zurückgibt und klar sagt: So geht es nicht weiter! Stattdessen haben Polizei und Politik kaltschnäuzig den Transport "atombusiness as usual" durchgeführt. Die zuständigen Politiker sind abgetaucht und haben weder eine Stellungnahme, noch die folgerichtige Entscheidung, diesen Atomwahnsinn zu beenden, für nötig gehalten.

Am Ende dieses Castortransportes bleiben viele Fragen offen. Wir müssen und werden Aktionsformen und Risiken angesichts des Todes von Sebastian neu überdenken. Gleichzeitig fordern wir die rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls in Frankreich: Wie konnte es passieren, dass ein schwer bewachter Sonderzug mit dieser gefährlichen Fracht so schnell unterwegs ist, dass er nicht mehr bremsen kann? Wie konnte es passieren, dass die Aktion der französischen Atomkraftgegner unbemerkt blieb? Es stimmt etwas nicht, wenn eine Polizeiarmada jedes Jahr die Interessen von vier privaten Stromkonzernen gegen den Widerstand der Bevölkerung durchboxt. Der Protest wird sich verändern- aber er bleibt bestehen!

Denn: Wir machen keine "Folklore-Veranstaltungen" mit Treckern und bunten Fahnen, weil wir jedes Jahr im November gerade nichts Besseres zu tun haben! Wir haben ein ernsthaftes Anliegen, wir demonstrieren für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder und aller nachfolgenden Generationen. Solange die Politik nicht reagiert bleibt uns nichts anderes übrig, als unseren Protest weiter auf der Strasse zu artikulieren. Jeder Castorbehälter der im Wendland eintrifft, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der unsichere Salzstock Gorleben doch noch zum Endlager gemacht wird.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat das so genannte Erkundungsbergwerk jüngst als "Schwarzbau" bezeichnet, weil die Atomindustrie mit dem heimlichen Ausbau im industriellen Maßstab längst Fakten geschaffen hat. Gleichzeitig hat Jürgen Trittin es in den vergangenen 6 Jahren nicht geschafft, eine neue Standortsuche per Endlagersuchgesetz auf den Weg zu bringen. Dafür müssen die gleichen Kriterien gelten wie bei jedem Handwerksbetrieb in diesem Land: Die Politik setzt die Rahmenbedingungen ausschließlich im Sicherheitsinteresse der Bevölkerung und die Abfallverursacher haben diese Standortsuche zu bezahlen. Stattdessen ist im Gesetzesentwurf sogar vorgesehen, den Stromkonzernen die Suche zu überlassen und eine so genannte Veränderungssperre sichert den unsicheren Standort Gorleben zusätzlich.

Kontakt:
Francis Althoff, Handy: 0170/9394684
Dieter Metk, Handy: 0177 / 91 44222

Bearbeitet am: 11.11.2004/ad


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