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vom 08.11.2004

Trauerkundgebung in Splietau

Rede von Lilo Wollny am 8. November

Liebe Freundinnen und Freunde


Bis gestern Mittag waren wir alle bester Laune! Am Freitaabend hatten wir eine großartige Kundgebung am Trafohaus in Gorleben. Viel mehr Teilnehmer als wir erwartet hatten, waren unserem Aufruf gefolgt. Die Stimmung war super! Dann am Sonnabend die Auftaktkundgebung in Dannenberg: zugegebenermaßen doppelt so viele Leute wie im vorigen Jahr.

Keine Spur von dem in den Medien herbeigeredeten „Abbröckeln des Widerstandes“. Und so viel junge Menschen! So viel Trecker wie schon lange nicht mehr, es war unglaublich! Ein tolles Gefühl von „sie-können-uns-nicht-kleinkriegen“, „der Kampf-geht-weiter, nichts-war-umsonst“ breitete sich aus. Wie freuten wir uns über die Unterstützung aus aller Welt, besonders wenn von Blockaden in Frankreich die Rede war. Wie freuten wir uns, als wir hörten, in Frankreich haben sich Leute an die Gleise gekettet! Der Eindruck „wir sind nicht alleine, unser Widerstand wird verstanden und letztenendes werden wir siegen“ wurde immer stärker! Und dann, mitten hinein in die tolle Stimmung, die schreckliche Nachricht ‚der Castorzug hat einen Menschen überrollt, ihm wurden die Beine abgefahren’. Lähmendes Entsetzen! Wie konnte das passieren?!

Und dann, einige Zeit später hieß es: der junge Mensch ist seinen Verletzungen erlegen. Vorbei war es mit dem Lachen. All die Freunde, die mit uns am Info-Punkt in Gorleben die Schreckensmeldung erhielten, standen wie erstarrt. Minutenlang war absolutes Schweigen. Und eigentlich ist dies auch die einzige Art, wie man auf die schreckliche Nachricht reagieren kann. Wie kann man für ein solches Ereignis die richtigen Worte finden? Unsere Trauer ist nicht zu beschreiben! Wir haben den Mann nicht gekannt, aber war unser Freund - ja, er war unser Bruder. Wie wir war er der Überzeugung, dass ein Ende gemacht werden muss mit der Atomwirtschaft. Sein Einsatz hatte das Ziel, Leben zu schützen, Leben zu erhalten – nun hat er sein Leben verloren! Und wir stehen fassungslos dabei. Natürlich kommen Fragen auf. Eine dieser Fragen lautet: wie kommen Menschen dazu, so etwas zu machen? Sind sie sich nicht der Gefahr bewusst, in die sie sich begeben? Antwort darauf können nur die Akteure selbst geben. Sicher sind sie keine Selbstmörder.

Sie hoffen bestimmt – oder sind davon überzeugt, dass sie sich entweder rechtzeitig befreien können, oder dass – und das ist ja der Sinn der Sache – der Zug so lange stehen bleibt, bis sie die Gleise verlassen können. Nun hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Ein junger Mensch ist tot! Wer traut sich da, nach Schuld zu fragen? Wie immer spricht man von einer Verkettung ‚unglücklicher Umstände: da war der Hubschrauber gerade zum Auftanken, die Stelle lag hinter einer Kurve und war nicht einzusehen. Die Lokomotive konnte wegen des unglaublich hohen Gewichtes das von hinten drückte, nicht rechtzeitig bremsen. Sind das Tatsachen, die geeignet sind, die Katastrophe zu entschuldigen? Die Berliner Zeitung fragt: „Rechnen die Franzosen mit so wenig Widerstand, dass ein Atomtransport dort herumfahren kann wie ein Vorortzug?’

Wenn das so ist, ist die Gefahr, in der viele Menschen sind, ganz und gar unabsehbar!’. Solange den Herrschaften, die uns heute regieren, nichts anderes einfällt, als uns eine Armee von BGS und Polizei mit Knüppeln und Wasserwerfern entgegenzustellen, statt unseren Protest ernst zu nehmen, wenn der Widerstand den Medien erst dann eine Meldung wert ist, wenn Steine fliegen, dann werden immer wieder Menschen Unternehmungen ersinnen, von denen sie glauben, sie könnten den Widerstand voranbringen.

Habt Ihr bis jetzt von einem einzigen Politiker ein Wort gehört zu dem tragischen Vorfall? Es scheint ihnen keinen Kommentar wert zu sein. Armes Deutschland!

Gestern standen wir vor der bangen Frage: wie soll es jetzt weitergehen und wie werden die verschiedenen Gruppen auf die Katastrophe reagieren? Wie werden sie es schaffen, mit der Wut fertig zu werden, die sich neben der Trauer in unserem Inneren breit macht? Oder wird die Bestürzung so groß sein, dass sie die Bewegung lähmt? Mit Freude habe ich den ganzen Tag verfolgt, wie der Widerstand unverändert friedlich vorangetragen wird. Es ist zu hoffen, dass auch die Herrschaften, die uns gegenüber stehen, in gleicher Weise mit den Gegebenheiten umgehen. Dann wird der Protest wie immer stark aber friedlich verlaufen. Es ist zu hoffen, dass den Politikern langsam klar wird, dass sie vergeblich darauf hoffen, dass der Widerstand von selber sanft entschläft. Wir halten durch, bis sie endlich zur Vernunft kommen und begreifen: sie kriegen uns nicht klein!

Danke fürs Zuhören, lasst Euch nicht unterkriegen.

Bearbeitet am: 08.11.2004/ad


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