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vom 05.02.2004

Geheime Atomstudie jetzt teilweise öffentlich

Eine Zusammenfassung des bislang geheimgehaltenen Gutachtens der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) zum Gefahrenpotential gezielter Flugzeugabstürze auf Atomkraftwerke konnte nicht länger der Öffentlichkeit vorenthalten bleiben. Nachdem der österreichische Abgeordnete der GRÜNEN, Peter Pilz, das geheime Gutachten öffentlich auf dem Münchener Marienplatz verteilt hat und es auch beim BUND auf seiner website www.bund.net abrufbar ist, liegen Kopien auch im Lüchower BI- Büro für die interessierte Bevölkerung zum Mitnehmen bereit.

Das Gutachten kommt zu dem Fazit, dass gezielte Flugzeugabstürze an allen Atommeilern in Deutschland einen Supergau auslösen können. Neun AKW's würden noch nicht einmal den Absturz eines kleineren Verkehrsflugzeuges überstehen. Ein Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg hält es für skandalös, dass die Bevölkerung „aus strategischen Gründen“ ein Jahr lang trotz des gewaltigen Katastrophenpotentials belogen wurde. „Die angekündigten hilflosen Pläne bei einem Luftangriff die Atommeiler zu vernebeln sind im Zeitalter der Navigationsleitsysteme lächerlich und leicht als dummer Vernebelungsversuch der Bevölkerung auszumachen. Wer von den Verantwortlichen jetzt trotz besseren Wissens nicht sofort Sorge trägt Atomanlagen stillzulegen, nimmt bewusst Katastrophen in Kauf“.

Nach den Flugzeuganschlägen in New York ließ das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auch in den Genehmigungsverfahren für neue dezentrale Zwischenlager Anschlagsrisiken mit zivilen Großflugzeugen prüfen. Die BI vermutet unseriöse Hintergründe bei der Erstellung dieser Gutachten. So ist doch der jahrelang für die Sicherheit der Zwischenlager zuständige BfS-Verantwortliche Bruno Thomauske nach Bekanntgabe der Ergebnisse in eine hochdotierte Spitzenposition beim Atommüllverursacher HEW- Vattenfall gewechselt. Laut Gutachten bleibe bei einem Absturz eines Großflugzeugs auf ein Zwischenlager mit einer Wandstärke von 1,2 m die Gebäudestandsicherheit gewährt. Beim Absturz auf Zwischenlager mit erheblich geringerer Wandstärke, wie z. B. Gorleben und Ahaus könne „bei einem ungünstigen Auftreffen schnell fliegender harter Trümmerteile oder eines beschleunigten Dachbinders die Integrität einzelner Behälter beeinträchtigt sein. Dies kann zu einer Erhöhung der Leckagerate bei einigen wenigen Behältern führen“.

Auf der BfS-Internetseite wird dazu zusammenfassend festgestellt, dass „die Transport- und Lagerbehälter auch im Falle des gezielten Absturzes eines Großflugzeuges die wesentliche Schutzfunktion des sicheren Einschlusses der radioaktiven Stoffe gewährleisten. Weiter ist dort nachzulesen, dass der Eingreifrichtwert für den Katastrophenschutz und überhöhte Werte der Schilddrüsendosis nicht erreicht würden. Dazu ein BI-Sprecher: „ Es ist erstaunlich, dass das Strahlenschutzamt nicht darüber informiert scheint, dass die Schilddrüsenfunktion gefährdende radioaktive Jodisotope zwar in AKW's, aber nicht im Gorlebener Zwischenlager vorhanden sind“.

Die BI fordert eine nachvollziehbare öffentliche Untersuchung und die sofortige Schließung der Atomanlagen. In einem Brief an das Bundesumweltministerium ist gleichzeitig angefragt worden, ob auch Gorleben bei einem Fliegerangriff vernebelt werden soll und eine entsprechende Anlage bereits installiert sei.

Francis Althoff 05843-98 6789 0170-939 4684

Bearbeitet am: 05.02.2004/ad


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