Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V.
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vom 23.03.2003

Mit Neuer Kraft dem Atomstaat entgegen / Einstimmig gegen den Krieg

Bi Umweltschutz Lüchow-Dannenberg hat neuen Vorstand / Arbeitsschwerpunkt: Verhinderung des Endlager-Standorts Gorleben

" Wir, die Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg vom 22.03.2003 in Trebel (Wendland), verurteilen den militärischen Angriff auf den Irak. Die Mittel der friedlichen Lösung wurden nicht ausgeschöpft. Wir als Atomkraftgegner sind besonders in der Pflicht, uns für das Leben einzusetzen. Krieg ist keine Lösung von Konflikten. Wir sagen: NEIN ZUM KRIEG!"

Diese Resolution hat die Mitgliederversammlung der BI Umweltschutz Lüchow-annenberg am vergangenen Sonnabend (22. 3. 2003) einstimmig beschlossen. Traum-Wahlergebnissse auch konnte der neue Vorstand in den wendländischen "Trebeler Bauernstuben" verbuchen. Jeweils einstimmig, ohne Gegenstimmen, bei Enthaltung der Kandidaten wurden alle Kandidaten in ihr "Amt" gewählt - das gab es in der 26jährigen B-Geschichte bislang noch nie. Ein Vertrauensvorschuß, der den neuen/alten Vorständlern bei ihrer kommenden Arbeit ein dringend notwendiges zusätzliche Kraftpolster geben kann. Das ist auch erforderlich: stehen doch nicht nur "schon wieder" CASTOR-Tranporte in Aussicht, sondern gilt es, die Zeit zu nutzen, um sich auf allen Ebenen dem drohenden Endlagerstandort Gorleben entgegenzustellen.

 

Nachdem die bisherige Vorsitzende Rosi Schoppe aus privaten Gründen "nur noch" im Beirat der BI tätig sein kann, hat Lucia Wente diese Aufgabe übernommen. Die Kasse wird auch im nächsten BI-Jahr wieder von Wolfram Taubitz geführt, zum Schriftführer wurde IDAS-Motorrad-Fahrer Horst Eckert gewählt. Als Gruppendelegierter tritt Dieter Reckers an, und die Presse wird weiter im Team von Francis Althoff und Dieter Metk betreut. In den Beirat, der zusätzlich zum "Geschäftsführenden" Vorstand voll mit in Diskussionen und Arbeit integriert ist, werden neben Rosi Schoppe wie im Vorjahr Wolfgang Ehmke, Jacques Schuler und Heinrich Messerschmidt aktiv bleiben. Dazugekommen sind Tanja Porsiel, auch IDAS-Bikerin und Torsten Koopmann.

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"Wir haben noch knapp drei Jahre Zeit" stellte vor den über 50 erschienenen BI-Mitgliedern Wolfgang Ehmke fest. Knappe Zeit, um die politische Weichenstellung zur Verhinderung des Gorlebener Endlagers mit intensiver "Lobbyarbeit" zu beeinflussen. Noch sei die Tür ein wenig offen, müsse die Bundesregierung dazu gezwungen werden, nicht nur Farbe zu bekennen, sondern durch konkrete Gesetze vor Ende dieser Legislaturperiode den zu befürchtetenden Gorleben-Castor-Zwischen-Endlager Automatismus zum Stoppen zu bringen. "Wenn wir es in dieser Zeit nicht schaffen", so Ehmke, bestünde die Gefahr, über ein Vierteljahrhundert Anti-AKW-Kampf endgültig zu verlieren. Schon jetzt wurde mit jedem CASTOR-Transport ein Stück Endlager-Standort Gorleben zementiert, wenn nach Inbetriebnahme der dezentralen AKW-Zwischenlager die Transporte in die Wiederaufbearbeitung und die damit verbundene sofortige Rückname der Glaskokillen aus La Hague und Sellafield entfallen, hätte auch der Widerstand gegen CASTOR-Transporte seinen Schrecken für die Atomlobby verloren. Wichtig sei, dass die Bundesregierung in die Pflicht genommen werde, ihren eigenen Ansprüchen gemäß die Ergebnisse des Arbeitskreis Endlager (AKEnd) zügig umzusetzen, und wie vorgeschlagen, die Standortfindung mit realer "Erkundung" an mindestens zwei Orten unter wissenschaftlich-geologischer und sozialverträglicher Sicht in Angriff zu nehmen. "Das Geld dazu ist da, es kann gemäß Atomgesetz problemlos aus den Milliarden-Rückstellungen der Atomstromer genommen werden", so habe kürzlich eine juristische Darstellung auf einer Tagung der Evangelischen Akademie in Loccum nachgewiesen. Klar sei für die Anti-AKW-Bewegung aber auch, dass sie sich nicht als Feigenblatt für die Standort-Findung missbrauchen lassen dürfe. Die Gorlebener Erfahrungen müssten definitiv dazu genutzt werden, in möglichen Standortgemeinden klarzumachen, sich nicht mit hübschen Solebädern und überdimensionierten Mehrzeckhallen ihre soziale Verträglichkeit abkaufen zu lassen.

Wolfgang Kühr, Gast aus Lingen mit dem ersten dort genehmigten AKW-Zwischenlager und BBU-Vertreter, wies auf den trickreichen Versuch des Bundesumweltministeriums hin, AKW-Gegner bei der Standortsuche konkret auszugrenzen. So sei der "Deutsche Naturschutzring" als Dachverband von "Umweltverbänden" bereits dabei, sich passende Vertreter für das noch festzulegende Gremium zusammenzusuchen. Schon am kommenden Montag seien im Auftrag des BMU gezielt Verbände zu einer Telefonkonferenz zusammengerufen worden, um --ohne vorherige schriftliche Arbeitsbeschreibungen oder gar Thesenpapiere -- ihren Willen zur Mitarbeit zu erforschen. Die Initiativen an den real existierenden Endlager-Standorten Asse, Morsleben und dem genehmigten Schacht Konrad, sowie hier aus Gorleben, sollen seiner Einschätzung nach von vornherein aus diesen Gremien ausgegrenzt werden. Der BBU werde gegen diese Machenschaften schärftstens intervenieren, kündigte Kühr an. Es könne doch nicht angehen, dass Reiter- und Jägervereine unter Ausgrenzung der Anti-AKW-Bewegung die Federführung bei einer Endlagersuche übernehmen, so Kühr bei der BI-Mitgliederversammlung.

Dieter Metk

Bearbeitet am: 23.03.2003/ad


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