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vom 18.10.2002

Kurzzusammenfassung Redebeitrag zur internationalen Pressekonferenz in Strassburg 20.10.02

    Es sind nun bald 60 Jahre seit dem Bau der ersten Atombombe vergangen. Neben dem unsäglichen Leid, mit dem die Menschheit dadurch konfrontiert wurde, fiel dabei auch zum ersten Mal Atommüll an. Heute, sage und schreibe 3 Generationen später, ist weltweit immer noch keine sichere Endlagerung der inzwischen gewaltig angewachsenen Atommüllberge möglich. Trotz des Wissens um die international Alle betreffende Verseuchungsgefahren, auch in der sogenannten „zivilen Nutzung" der Atomenergie, wird von der verantwortlichen Politik nicht die einzig richtige Konsequenz des Atomausstiegs gezogen.

Keine Maus der Welt käme auf die Idee, eine Mausefalle zu bauen. Harrisburg, Tschernobyl, die nächsten Katastrophen bleiben vorprogrammiert.   Wir brauchen keine neuen Reaktoren, keinen Europäischen Druckwasser-Reaktor. Wir brauchen eine demokratiefreundliche Energiewende. Die sogenannte „zivile Nutzung" der Atomenergie wird, und das nicht nur nach unseren Erfahrungen in Gorleben, mit gewalttätigen, paramilitärischen Mitteln gegen den Willen der Bevölkerung durchgeboxt. Der regelmäßige Einsatz von 20.000 Polizisten mit Helikoptern, Wasserwerfern, Hunde- und Pferdestaffeln, kommt einer Vergewaltigung gleich und ist eines demokratischen Rechtsstaates unwürdig. Wirtschaftliche Interessen der Atomindustrie dürfen nicht kriegerisch über Grund- und Menschenrechte gestellt werden.  

In der Frage der Rücktransporte von deutschem Atommüll werfen uns Politiker vor, wir würden keine nationale Verantwortung tragen. Dem halten wir energisch entgegen, dass wir uns seit Jahren an Protesten gegen Transporte nach La Hague oder Sellafield beteiligen. Der deutschen Atompolitik werfen wir vor, dass diese mehr als offensichtlich nationale Verantwortung ablehnt. Stattdessen findet ein nuklearer Problemtransfer in andere Länder statt. Kein einziges Gramm Uran wird in Deutschland für Atommeiler abgebaut. Mit den riesigen strahlenden Abraumhalden werden Menschen auf anderen Kontinenten belastet. Wiederaufarbeitungsanlagen in Deutschland konnte die deutsche Anti-Atom-Bewegung mehrfach erfolgreich verhindern. Wo bleibt die internationale Verantwortung, wenn deutscher Atommüll nach Frankreich und England verschoben wird? Schlimmer noch: Nach der deutschen Strahlenschutzverordnung würden Giftschleudern wie in La Hague und Sellafield gar nicht erst genehmigt. (siehe Beiblatt, Studie Ökoinstitut) Trotzdem wird die schleichende Verseuchung der französischen Bevölkerung aus rein wirtschaftlichen Interessen in Kauf genommen.  

Deutsche Transporte in Wiederaufarbeitungsanlagen haben dabei noch anders für Skandale gesorgt: Nach dem 1998 für Furore sorgenden Kontaminations-Skandal, waren sie jahrelang verboten. Messungen hatten ergeben, dass die Transportbehälter eine Außenkontamination bis zum 10.000fachen des gesetzlich Erlaubten aufwiesen. Seit 3 Monaten ist der nächste Skandal publik, bislang ohne Konsequenzen. Das deutsche TV-Nachrichten-Magazin „plusminus" berichtete über mangelhafte und gar nicht vorhandene Stossdämpfer bei den Beladebehältern. Diese sind entscheidend für die Bruchsicherheit der Glaskokillenbehälter, die mit einem radioaktiven Inventar, vergleichbar mit 1/5 des Tschernobyl-Fallouts, befüllt sind. Das Zwischenlager in Gorleben hat jahrelang, mangels korrekter, für die Betriebsgenehmigung vorgeschriebener Behälter-Stossdämpfer, einfache Holzbohlen beim Abladevorgang benutzt.

Hier trifft die Steinzeit trifft auf Hightech. Bleibt zu hoffen, dass die Holzbohlen nicht wurmstichig sind. Nach momentanen Auflagen dürfen die Behälter in der Halle nur in einer Höhe von 25 cm bewegt werden. Diese 25 cm Höhe entsprechen einer Aufprallgeschwindigkeit von knapp 4 km/h. Also müßte eigentlich aus Sicherheitsgründen der komplette Transport von La Hague nach Gorleben mit 4 km/h „Tempo" schleichen. Allein für 100 km bräuchte der Transport also 25 Stunden. In den USA sind übrigens Transporte mit 6 km/h gesetzlich vorgeschrieben.        

Wir sind hier in Strassburg, um die internationale Solidarität der Atomkraftgegner zu verdeutlichen. Es wird nicht funktionieren, in Atomfragen kritische Menschen eines Landes gegen ein anderes ausspielen zu wollen! Radioaktivität kennt keine Grenzen, unsere Solidarität auch nicht! Wir protestieren zusammen mit unseren französischen Freundinnen und Freunden gegen weitere Transporte nach La Hague. Wenn es, wie aufgezeigt, keine sicheren Behälter für die Rückfahrt gibt, darf erst gar nichts nach Frankreich oder Großbritannien rollen! Wir protestieren energisch gegen den Bau eines „Europäischen Druckwasser-Reaktors" (EPR), wie es vielleicht bald vom französischen Parlament beschlossen wird. Schon seit Jahren gibt es eine deutsche Boykott-Bewegung gegen den EPR-Mitplaner Siemens. Wir unterstützen auf partnerschaftlicher Ebene die Initiativen um das Endlagerprojekt Bure. Unsere internationale Zusammenarbeit ist alltäglich und nicht nur bei dieser Versammlung hier in Strassburg.   Wir protestieren gegen die Atomindustrie,

  • weil diese umweltzerstörend und todbringend ist,
  • weil sie überflüssig und ungeheuer teuer ist,
  • weil sie die dringend erforderliche Energiewende behindert,
  • weil sie aufs Engste mit der Atombombe und der globalen Verseuchung verknüpft ist,
  • weil weltweit das Entsorgungsproblem nicht gelöst werden kann,
  • weil sie zwangsläufig einen demokratiefeindlichen Polizei- und Überwachungsstaat mit sich bringt,
  • weil die Regierungen die wirtschaftlichen Interessen der mächtigen Energiekonzerne schützen und dafür unsere Grundrechte opfern!!!

Bei Rückfragen:
Francis Althoff 0049-5843-986789 + 0049-5841-4684
Jacques Schuler 0049-170-9394684

Bearbeitet am: 18.10.2002/ad


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