Pressemitteilung 26.3.2001
Tageszusammenfassung
Wolfgang Ehmke 0171/ 54 54 684
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Pressemitteilung 26.3.2001
Tageszusammenfassung
Seit 6.45 Uhr rollt der Castorkonvoi aus La Hague zum Grenzbahnhof Lauterbourg/Wörth.
85 Tonnen hochradioaktiver verglaster Müll verteilt auf 6 Behälter
sind nur ein Vorgeschmack dessen, was an Wiederaufarbeitungsmüll aus
La Hague nach Gorleben transportiert werden soll: jährlich zwei Sixpacks
in den nächsten 10 Jahren. Im Gegenzug sind 47 Anmeldungen für
Castortransporte beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für
dieses Jahr bereits offiziell bestätigt, 7 würden laut BfS mit
großer Sicherheit nach La Hague rollen, um eine Entsorgungsfiasko
(„Verstopfung“) in den deutschen Atommeilern zu vermeiden. „Diese Planungen
belegen eindrucksvoll, dass es hier nicht um die Abwicklung von Altlasten
der Vergangenheit geht, wie der Bundesumweltminister Jürgen Trittin
(Grüne) ständig beteuert, sondern um das Weiterso mit der Entsorgungslüge
Wiederaufarbeitung“, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke
.
Die Situation an der Castortransportstrecke blieb den ganzen Tag über
angespannt. Rund 600 Menschen gingen der Aktionsgruppe „X-1000-mal-quer“
trotz ständiger Polizeibewachung bei Wendisch-Evern auf die
Schiene. Nach einer stundenlangen Blockade wurden 400 Menschen in Schienenbussen
nach Lüneburg transportiert und in „Verbringungsgewahrsam“ genommen.
Bei Nahrendorf machten sich rund 400 Menschen aus dem „Camp“ zu einer
angemeldeten Mahnwache auf den Weg. Die Polizei kesselte 150 Castorgegner/innen
ein und überführte sie nach Neu-Tramm in die Gefangenensammelstelle.
Seit 21 Uhr werden die ersten Gefangenen wieder frei gelassen.
Sachschaden vermeldeten Spaziergänger, die u.a. bei Govelin feststellten,
dass Schienen auf der Castorstrecke ausgehebelt waren.
In Hitzacker spielten Schülerinnen und Schüler der dortigen
Freien Schule Skat auf den Gleisen und veranstalteten ein Volleyballtournier
am Bahnübergang.
Eine Schüler/innen-Demo führte am frühen Nachmittag
von Dannenberg nach Pisselberg.
400 Fahrradfahrer/innen und Skater machten sich um 16 Uhr auf den Weg:
vom Castorverladekran in Dannenberg nach Gorleben einerseits, vom dortigen
Zwischenlager retour zum Kran andererseits. In Klein Gusborn wurden sie
von der Polizei festgesetzt, weil es „Unruhe“ in Splietau gab. Gemeint
war, dass einige Hundert Castorgegner/innen sich dort auf dem Hof Harms
eingefunden hatten, um die Sandsäcke abzuholen, die am 27. März
zu einem eindrucksvollen Strahlenschutzwall an der Esso-Wiese in Dannenberg
aufgeschichtet werden sollten. Dieser Strahlenschutzwall soll den Abschluss
bilden nach einer Kundgebung am Dienstagabend um 18.30 Uhr auf dem Marktplatz
in Dannenberg mit anschließender Demo zur Esso-Wiese.
Nun wird der Schutzwall nicht mehr ganz so eindrucksvoll hoch, denn
vielen Spaziergänger/innen wurden schon auf dem Weg nach Dannenberg
am Ortsausgang Splietau die Arme lang und sie ließen die Säcke
auf die Transportstrecke plumpsen. „Tag X“ prangte darauf und der mahnende
Hinweis auf den Artikel II des Grundgesetzes, den Schutz des Lebens und
der körperlichen Unversehrheit.
Stundenlang dauerte die Besetzung der Straße an, nachdem Bauern
mit 6 Traktoren in einer Blitzaktion den Ortsausgang Splietau noch zusätzlich
sperrten. Schließlich fuhren noch Traktoren mit Hängern voller
Sandsäcken, die für die Symbolaktion an der Esso-Wiese gedacht
waren, an der Blockadestelle vorbei. 500 bis 600 Menschen rissen die Säcke
von den Anhängern und schichteten sie zu einem Schutzwall auf. Die
Polizei drängte die Menschen schließlich nach vier Stunden Besetzung
die Straße und entfernte die Säcke mit schwerem Räumgerät.
Die Auseinandersetzung verlief glimpflich ohne große Zwischenfälle.
„Trotz der massiven Polizeipräsens gelingt es immer wieder, mit phantasievollen
Aktionen den Widerstandswillen zum Ausdruck zu bringen“, resümiert
die BI. Mit Blick auf die kommenden Tage sei das ein gutes Omen. Tausende
von Atomkraftgegner/innen ließen sich eben nicht in Gewahrsam nehmen:
sie stellen sich quer!
Wolfgang Ehmke 0171/ 54 54 684