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vom 01.11.1999

Gorlebenwiderstand im französischen La Hague

Kommt es zur Wiederaufnahme von Castortransporten aus deutschen Atommeilern in die französische Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague, wird dies für die Atomkraftgegner/innen aus dem Wendland ein weiterer Aktionsschwerpunkt. "Wir warten nicht länger, bis die Kokillen mit den verglasten hochradioaktiven Abfällen aus der WAA nach Gorleben rollen, um uns dann quer zu stellen, " sagte Wolfgang Ehmke auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der örtlichen Bürgerinitiativen in La Hague und der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg am Samstag in Cherbourg. Im Gegenzug kündigte ein Vertreter von Greenpeace in Cherbourg logistische Unterstützung für den Fall an, dass die sechs Behälter mit dem verglasten Müll, die derzeit auf dem Firmengelände in La Hague lagern, auf Fahrt nach Gorleben gehen. Symbolisch wurden die Tore der Castorverladestation in Valogne von den Wendländern "an die Kette gelegt".

Die 20 köpfige BI-Delegation hatte auf ihrer La Hague-Reise ein dichtgedrängtes Besichtigungs- und Diskussionprogramm zu absolvieren. Die Gastgeber führten sie zu brisanten Plätzen: oberflächennah wurden schwach- und mittelaktive Abfälle auf dem WAA-Gelände verbuddelt, die Pipe-line, über die die radioaktiven Abwässer in den Ärmelkanal geführt werden, war eine weitere Station. Messsungen hatten eine deutliche Strahlenbelastung in den Ufersedimenten ergeben, der Strand werde aber nicht gesperrt, um die Strahlengefahr herunterzuspielen, erläuterte Dider Anger, Deputierter der französischen Grünen im Regionalparlament.

Einig waren sich die französischen und deutschen Atomkraftgegner/innen vor allem darin, dass die Wiederaufarbeitung beendet werden soll. Die "UP 3", einer der Anlagenteile, ist zu 40% durch die deutschen Atomstromer für die Wiederaufarbeitung ausgebucht, seit dem Transportestopp als Folge des Kontaminationsskandals, wurden aber seit über einem Jahr keine abgebrannten Brennelemente mehr angeliefert. Die WAA wäre selbst bei einer Kündigung der WAA-Verträge noch voll ausgelastet mit der Verarbeitung der 60 t Plutonium zu einem nicht waffen- bzw. brennelementfähigen Mix mit Atommüll, erklärte Didier Anger.

Natürlich mache man in Frankreich Druck, dass der WAA-Müll entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen nicht in La Hague gelagert wird, erfuhren die Lüchow-Dannenberger/innen. Die Umweltgruppen in der Normandie zeigten aber auch Verständnis für die "Quersteller" aus dem Wendland, die zur Klärung des Kontaminationsskandals ihre Strafanzeige in der letzten Woche erneuerten. Die gemeinsame Position: es müsse Schluss sein mit dem Risikotransfer von einem Land in eine anderes: die Verantwortung für die Rücknahme der Abfälle liege bei den jeweiligen AKW-Betreibern, diese sollten die Lieferungen stoppen und den bereits angefallenen Müll verwahren. Auf der Stunkparade in Berlin am 13. November wird als Ausdruck der Solidarität auch ein Bauer aus La Hague sprechen.

Eine weitere deutsch-französische Kooperation der Umweltgruppen zeichnet sich bereits ab: das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigte unlängst Leertransporte französischer Behälter des Typs NTL 10 und TN 17 aus Biblis bzw. Isar nach La Hague. Diese sollen in Frankreich dekontaminiert und dann wieder zur Beladung zurückgeschickt werden: "Für die Anti-AKW-Bewegung ist das nichts anderes als der Count-down zur Wiederaufnahme der Transporte. Proteste sind jetzt in Deutschland und Frankreich zu erwarten."

 Wolfgang Ehmke
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Bearbeitet am:01.11.1999 /ad


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