Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V.
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vom 30.06.1999

Ein Moratorium in Gorleben ist überfällig - der Salzstock ist als nukleares Endlager für

alle Arten von Atommüll ungeeignet

 Es waren geopolitische Gründe, die 1976/77 den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) dazu bewogen hatten, Gorleben als Standort für ein nukleares Entsorgungszentrum zu bestimmen. Prof. Gerd Lüttig, zu jener Zeit Vizepräsident des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung, sagte auf einer öffentlichen Veranstaltung im Herbst 1993, Albrecht habe sich über die Grenznähe der DDR-Atommülldeponie Morsleben geärgert. Gorleben sei „dritte Wahl" gewesen. „Da wird sich die Ostzone schön ärgern, habe Albrecht gesagt. Einwände von Geologen habe Albrecht mit den Worten abgetan: „Ihr kommt auch noch zu eurem Recht." (FR 27.11.93)

Wissenschaftlich fragwürdig war von Beginn, auf eine vergleichende Untersuchung verschiedener Wirtgesteine verzichtet zu haben. Trotzdem hatten bereits 1984 5 von 9 Experten vor dem Innenausschuß des Bundestages gegen eine weitere „Erkundung" des Salzstocks gesprochen.

Aus Sicht der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Lüchow-Dannenberg ist es nicht nachvollziehbar, daß aus den gravierenden Mängeln der Vergangenheit heute unter veränderten politischen Vorzeichen nicht die notwendigen Schlüsse gezogen werden.

Fest steht,

  • daß der Salzstock nicht durch eine hinreichend mächtige und lückenlose Tondecke von den grundwasserführenden Schichten abgeschirmt ist;
  • daß der Salzstock nicht in Ruhe ist, sondern bis in die jüngste geologische Vergangenheit aufgestiegen ist;
  • daß ungewöhnlich zahlreiche Lösungs- und Gaseinschlüsse bis in unerwartet große Tiefen, sowie Bruchverformungen, auch im NaCl, und große Volumina extrem wärmeempfindlicher Carnalliteinschlüsse, sogar im vorgesehen Endlagermedium älteres Steinsalz (Na2) anzutreffen sind.

Der Ausbau des Endlagers war von Laugenzuflüssen gekennzeichnet. Ein Laugeneinbruch ereignete sich im Frühjahr 1996 beim Ausbau horizontaler Strecken in 900 m Tiefe, nur 60 m vom Schacht II entfernt, damit war der Mindestabstand zwischen Schächten bzw. dem Einlagerungsbereich und Störzonen (75m) unterschritten. (FR Ostern 1996)

Würden die Kriterien, die die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bei der Suche nach Alternativen zu Gorleben zugrunde legte, auf den Salzstock Gorleben angewandt, so wäre die Einstellung aller Arbeiten im Wendland zwingend notwendig. Bislang wurde mit dem wissenschaftsfernen Begriff der „Eignungshöffigkeit" die Kritik am Salzstock Gorleben erstickt.

Als Atomkraftgegner/innen verschliessen wir uns nicht der Debatte um die nukleare Entsorgung. Die sofortige Stillegung aller Atomkraftwerke würde den Weg frei machen für Standortsuche. Die Lagerung aller Abfälle in einer Deponie ist vernünftig. Ob Salz oder andere Gesteinsarten als Wirtsgestein in Frage kommen, muß neu und ergebnisoffen diskutiert werden, die Arbeiten in Gorleben sind jedoch pure Geldverschwendung und gehören sofort eingestellt. Wir wehren uns in diesem Zusammenhang auch gegen alle Versuche, den Strahlenmüll in „Billigländer" zu transferieren.

 Literatur: BGR (1995) Endlagerung stark wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen Deutschlands. Untersuchung und Bewertung von Salzformationen.

Wolfgang Ehmke
0171/ 5454 684

Bearbeitet am: 30.06.1999/ad


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