| Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V. | |||
|
vom 21.05.1999
Wissenschaftlich
begründeter Baustopp in Gorleben angemahnt
| "Ich bin für ein Moratorium beim
Endlagerbau in Gorleben, aber gegen unüberlegte Schnellschüsse aus Bonn"- mit
diesen Worten forderte der Vorsitzende der von Umweltminister Jürgen Trittin neu
begründeten Endlagerkommission, der Kieler Quartärgeologie Prof. Dr. Kurt Duphorn, einen
fachlich und wissenschaftlich begründeten Baustopp in Gorleben ein. Die Begründung für
einen überfälligen Stopp der Bauarbeiten im Salzstock Gorleben lieferte Duphorn am
Donnerstagabend auf einer öffentlichen Veranstaltung der Bürgerinitiative Umweltschutz
(BI) Lüchow-Dannenberg in Trebel gleich selbst: die fehlende Tonschicht über dem
Salzgestein, die kontaminierte Wässer gegenüber der Biosphäre abschirmen könnte, die
zerklüfte Störzone des Anhydrits, die den Salzstock durchzieht, und die Hydraulik der
wasserführenden Schichten, die dazu führt, daß Salzwasser in der Lucie, am Höhbeck und
in Groß Wootz auf der anderen Elbseite an die Oberfläche drängt. Duphorn forderte die
Veröffentlichung der Bohrergebnisse und der Hydraulikversuche ein, die auf dem Gebiet der
ehemaligen DDR vorgenommen wurden. Die Auswahl des Salzstocks sei nicht wissenschaftlich,
sondern politisch begründet gewesen, aber der Ausstieg aus Gorleben müsse eben fachlich
gut begründet sein und dürfe nicht auf dem Rücken der dort beschäftigten Bergleute
"über Nacht" forciert werden. Würden die Kriterien der Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) für die Eignung von Salzstöcken, wie sie in einer Studie 1995 veröffentlicht wurden, auf Gorleben angewandt, so sei der Salzstock als Endlagerstätte für hochradioaktive Abfälle nicht mehr in der Diskussion, sekundierte Dipl-Geologe Jürgen Kreusch (Hannover) von der Gruppe Ökologie. Kreusch hatte an der Studie der Heinrich-Böll-Stiftung zu alternativen Entsorgungsstrategien unter der Prämisse des Atomausstiegs mitgewirkt. Er plädierte wegen der geforderten Langzeitsicherheit für ein "gutes" Deckgebirge bei der Einrichtung einer Endlagerstätte, auch deshalb sei Gorleben nicht geeignet. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke kritisierte, daß die Trittin-Administration den geologischen Sachverstand der Gorleben-Kritiker ignoriere. Ein Moratorium in Gorleben sei gut zu begründen und gegenüber der weitergehenden Forderung der sofortigen Beendigung des Projekts "nur zähneknirschend" hinnehmbar. Ehmke: "Nach wie vor unverständlich ist aus unserer Sicht, daß in der Endlagerkommission Kritiker der bisherigen Entsorgungspolitik in der Minderzahl sind, während die Jasager aus den Ämtern der CDU-Ära sogar in Doppelbesetzung in der Kommissionstätigkeit zum Zuge kommen." Wolfgang Ehmke |
Bearbeitet am: 21.05.1999/ad