| Pressemitteilung der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V. | |||
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DER ATOMAUSSTIEG - ob er aber zügig kommt, oder ob er gar -nicht kommt, ist nicht gewiss!
| Zum 100 Tageprogramm
von Rot-Grün gehört die Novelle des Atomgesetzes: der Förderzweck der Atomkraft soll
entfallen, die Deckungsvorsorge für den Schadensfall wird drastisch erhöht und die
Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente soll verboten werden. Ein Jahr lang soll mit
der Atom-Wirtschaft im Rahmen von Konsensgesprächen über den Ausstieg aus der
Atomenergie und Entsorgungsstrategien verhandelt werden. Scheitern diese Gespräche, so
wird ein Atomausstiegsgesetz auf den Weg gebracht, in dem "un-umkehrbar" das
Ende der Atomkraft festgeschrieben wird - so die Kurzformel der Koalitionsabsprache
zwischen SPD und Grünen zum Thema Atom.
Dabei gab es sogar Kompromißlinien. Die Grünen wollten den Atomausstieg nach der Formel 1 + 5 nach Inkrafttreten eines Ausstiegsgesetzes: Ein Jahr dauert der verfassungsrechtlich gebotene "schonende Übergang", wenn unbefiistete Genehinigungen im nachhinein befiistet werden. 5 Jahre später wäre unter der Prämisse eines entschädigungsfreien Ausstiegs das letzte AKW vom Netz. Für viele, die sich mit dem Restrisko nicht abfinden wollen, war mit diesem Gesetzentwurf, der in Aussicht stellte, daß innerhalb zweier Legislaturperioden alle Atommeiler stillgelegt würden, schon die Schmerzgrenze weit überschritten. Man braucht wahrlich keine prophetischen Qualitäten, um hervonzusagen, daß mit dem imperialen Schröder und seiner SPD eine Beftistung der AKW-Laufzeiten kaum machbar ist. Diese Verschiebetaktik ist zu durchsichtig, birgt am Ende innerkoalitionären Sprengstoff, und der Konflikt mit der"Basis" ist vorgezeichnet.
Gar keinen Grund zur Freude, sondern allein Zur Skepsis haben die Beschlüsse zur weiteren Endlagersuche ausgelöst. Morsleben und der Schacht Konrad bei Salzgitter werden aufgegeben. Dort kann nämlich kein hochradioaktiver Müll gelagert werden. Das abgespeckte Atomprogramm macht es auch überflüssig, drei Endlager zu betreiben bzw. zu erkunden, eine Deponie wird reichen. Das ist billig. Der marode Salzstock in Gorleben bleibt im Spiel, hier wurde lediglich ein Moratorluin verabredet. Kommt es zum Vergleich mit anderen geologischen Formationen bislang ungenannter Standorte, droht am Ende das Kostenargument den Ausschlag zu geben: immerhin wurden in Gorleben bereits 1.8 Milliarden DM im Salzgestein verbuddelt. "Unumkehrbart" sollte der Atomausstieg festgeschrieben werden, wie paßt eine Moratoriumsidee, die alles offen hält dazu? Gar nicht. Jürgen Tiittin hat auch nirgendwo erklären können, wie - ohne ein Ausstiegsgesetz der Ausstieg unurnkehrbar wird. Eine Sprechblase! Auch das ist billig. Ob am Ende die Entsorgung weiter an Gorleben kleben bleibt, wird schon 1999 ersichtlich: die heiße Inbetriebriahme der Pilot-Konditionierungsanlage in Gorleben ist entsprechend terminiert. Und damit wäre RotGrün in Bonn mit ihrem Umweltminister Jürgen Trittin schon blamiert, wenn statt eines Atornausstiegs die Inbetriebnahme einer weiteren Atomanlage - und das ausgerechnet in Gorleben - genehmigt würde. Neue Spielräume einer rot-grünen Bundesregierung in der Atom- bzw. Energiepolltik müssen konsequent genutzt werden. Der Widerstand im Wendland geht weiter, denn auch der Atomausstieg braucht eine starke Lobby. Rollt jedoch ein nächster Castor, so stellen wir uns quer! Atomtransporte werden nicht sicherer, nur weil der Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Reaktorminister Jürgen Trittin heißen. |
Bearbeitet am: 08.11.1988/ad