Go Gorleben?
In der zweiten Novemberwoche 2002 rollt der mit 12
Behältern bisher größte anzunehmende Castortransport von der Wiederaufbereitungsanlage
La Hague nach Gorleben. Dort, oder in einem noch nicht existierenden Endlager, strahlt der
Dreck dann die nächsten 48.000 Jahre. Dieser Zeitraum ist jenseits der menschlichen
Vorstellungskraft. Wir sehen das Licht von Sternen die längst erloschen sind.
Aber ohne Kredit ist der Kapitalismus nicht denkbar und
die Nutzung der Atomenergie ist ein billiger Kredit auf die Zukunft für den Profit von
Heute. Atommülltransporte dienen dem Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. Hier noch einmal
die Argumente zu wiederholen ist langweilig. Der beschlossene »Ausstieg aus der
Atomenergie« ist eine Bestandsicherung für die Atomindustrie für die nächsten 30
Jahre. Der Weiterbetrieb der Atomanlagen bedeutet Gewalt. Sie ist Vorraussetzung und
Ergebnis des atomaren Normalbetriebs. Die Produktion von Atomstrom ist unmittelbar
verbunden mit der Produktion einer gewaltbereiten Sicherheitsmaschine. Jeder
Castor-Transport nach Gorleben erfordert zur Durchsetzung die Tendenz des Polizeistaats.
Das Wendland wird zu einer exterritorialen Sonderzone in der paramilitärische
Polizeitruppen umfassende Verbote exekutieren.
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Doch das atomare Empire kann zur Lösung des Problems
nicht einfach eine Droiden-Armee einfliegen lassen, denn die Artikulation des Widerspruchs
findet auf einem sozialen Planeten statt und dessen Boden trägt bekanntlich keine
Roboter. Auf dem sozialen Terrain sind die weichen Faktoren wie Öffentlichkeit und
Legitimität entscheidend. Das hat der Atomstaat erkannt. Er versucht mit einer Übermacht
an Klon-Kriegern das Zusammenkommen der widersprechenden Menge und damit ihre
Wahrnehmbarkeit zu verhindern. Aber Legitimität gewinnt er dadurch nicht. |
Die Gewissheit politisch und moralisch
im Recht zu sein nützt uns wenig wenn wir unsichtbar bleiben. Widerstand in Gorleben
bedeutet heute in erster Linie die Wiederaneignung des sozialen Raums, die Verteidigung
des Rechts in unserer Unterschiedlichkeit zusammen zu kommen um als öffentlicher
Widerspruch sichtbar zu sein. Das ist existenziell und die gewaltförmige Zurückweisung
dieses eigentlich selbstverständlichen Bedürfnisses durch den Atomstaat zeigt die
Schärfe des Konflikts. Hier kann nicht von Befriedung gesprochen werden den Befriedung
bietet integrative Angebote. Unterbindung, Abschreckung und Frustration sind die Mittel
und Ziele der Repression. |
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Der soziale Raum ist nicht leer. Er ist angefüllt mit
der sozialen Praxis legitimer Grenzüberschreitungen. Das ist der Kern kollektiver
Widerstandserfahrung.Die Möglichkeit unmittelbar in den Transportablauf einzugreifen kann
der befreiende Augenblick sein in dem wir in den Verhältnissen tanzen. Das lassen wir uns
nicht nehmen. Und das treibt den politischen und materiellen Preis in die Höhe. Das
bedeutet Wiederaneignung des sozialen Raums. Sicherheitspolitik ist die Konservierung des
Status Quo. Aber der Sicherheitsstaat lernt von uns. Wir dürfen die Einladung zur
Konfrontation auf seiner Ebene der Gewalt nicht annehmen sondern müssen dorthin
ausweichen wo wir die soziale Praxis bestimmen. Hinter der alltäglichen Langeweile und
ihren scheinbaren Gewissheiten verbirgt sich eine Welt von Möglichkeiten die wir nur
entdecken können wenn wir uns trauen in sie hinein zu treten. Das ist risikoreicher als
das Betreten einer Ikea-Filliale aber auch wesentlich spannender.
Go Gorleben!
Erwarteter Transporttermin:
Mo. 11. Di. 13. Nov.
Auftaktdemonstration:
Sa. 09. Nov. 13.00 Uhr in Gorleben Anlaufstellen für
Aktionen und
Schlafplätze: Infowiesen in den Orten Dahlenburg und
Metzingen
Info Hotline
der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg: 0511 - 900 12 50 666
Informationen im Internet unter:
www.castor.de
www.bi-luechow-dannenberg.de
www.x1000malquer.de
Bestellung des Plakates unter:
infoladen wuppertal
markomannenstr. 3
42105 Wuppertal
InfoladenWuppertal@gmx.de
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