Nebenstrecke

Erlebnisse eines Touristen

Schon kurz nachdem Gregor X dieses für ihn bislang unbekannte Land betrat, merkte er: hier ist alles anders. Anders als in der Großen Stadt. Irgendwie. Was bloß fehlte ihm? Da waren die Menschen. "Wenden", das wusste er schon, nannten sie sich. Was aber war es da bloß noch? Betrieb war in der kleinen Stadt, wie bei ihm zu Hause. Gedränge auch. Auf dem Marktplatz, bei "Aldi" an der Kasse. Die Schlange wächst. Die alte Dame sucht umständlich nach den passenden Pfennigbeträgen im Geldbeutel. Es bleibt ruhig, gelassen; kein Scharren der Füße, niemand beginnt demonstrativ, seinen Einkaufswagen hin- und herzuschieben.

Wo war er?

Weg, weit weg von der Großen Stadt. Abgeschnitten von der Welt. Der Autobahn. Der Bundesbahn - fast. An der Station einer Nebenstrecke.

Nix los. Dachte Gregor. Hier, für dieses tote Gleis, wurde gerade eine Sieben Millionen teuere Brücke gebaut? So jedenfalls hatte er in der Zeitung gelesen, sogar in der Großen Stadt! Der Kartenschalter auf diesem Bahnhof sollte zum Jahreswechsel geschlossen werden. Mangels Nachfrage. Doch nun stand Gregor X schon wieder in einer Schlange. Am Schalter. Eine Fahrkarte wollte er kaufen.

Diese merkwürdigen Menschen! So bunt gekleidet. Munter miteinander schwatzend. Hier wird ein Neuankömmling freudig begrüßt. Da ein anderer spontan umarmt. Scherze werden gemacht. Immer wieder schnappt Gregor X einen Gesprächsfetzen auf. Das Wort "Notbremse" sorgt offensichtlich immer wieder für allgemeine Heiterkeit. Oder "Belastungsprobe". In der Großen Stadt hätten solche Begriffe ganz andere Reaktionen der Menschentraube ausgelöst. Der Schalter wird geschlossen. Kein Murren der Wartenden, allgemeines Gejohle und Gefeixe in den Gesichtern. Bei fast allen.

Denn einige stehen abseits. Haben starre Gesichter, kein Lächeln. Werden sie deshalb gemieden? Irgendwie sind sie auch anders gekleidet. Haben die gleich grüne Montur an. Sie kommen Gregor X bekannt vor. Wie aus der Großen Stadt.

Die Schalterhalle leert sich. Der Bahnsteig neben dem einzigen Gleis ist gut gefüllt. Zur Hälfte. Die andere Hälfte bleibt leer. Dazwischen wieder Grüngekleidete. Stehen in einer Reihe nebeneinander. So was hat Gregor X auf dem Bahnhof der Großen Stadt auch noch nicht gesehen.

Der Zug kommt. Pünktlich. Er scheint gut gefüllt. Wieder die lachenden, winkenden Menschen hinter den Fenstern. Und die mit den starren Gesichtern dazwischen. Die Grüngekleideten. Nun halten die wenigen Waggons. Doch niemand steigt aus. Die Türen bleiben geschlossen. Wieder diese Menschen im Grünen Tuch. Zu zweit, zu dritt stehen sie vor jeder Tür, versperren diese.

Das Einsteigen dauert. Denn nur eine Tür am Zuganfang ist geöffnet. Merkwürdige Sitten herrschen in diesem Wendland, denkt Gregor X. Trotzdem: Niemand flucht, niemand schubst. Immer noch das entspannte Lachen in den Gesichtern, das verschmitzte Leuchten in den Augen der Buntgekleideten. Warum nur haben sie Ortschilder auf lange Stangen montiert? "Gorleben", "Platenlase", "Jameln", "Tolstefanz" - was für Namen! Und warum nur halten sie gekreuzte Latten und Holzbretter in den Händen, so leuchtend gelb angemalt?

Auch in der Großen Stadt gibt es seltsame Menschen, das weiß Gregor X. Die verhalten sich manchmal auch irgendwie merkwürdig. Haben gleichfalls gekreuzte Holzstücke zum Symbol auserkoren. Doch nicht in Form eines "X". Auch die treffen sich Sonntags in großen Gebäuden. Manchmal tragen auch sie ihre Holzkreuze vor sich her. Die sind dann aber meist vergoldet. Und oft ist auch eine Puppe mit angebracht. Doch gelacht und gescherzt wird nicht, bei den Menschen in der Großen Stadt.

Gregor X kennt die Symbole auch aus seiner Stadt. Da sind sie aber einheitlich groß und aus Blech. Und weiß gestrichen, mit roten Enden. Aber sie stehen fest verankert an den Bahngleisen. Die Menschen hier jedenfalls halten sich nicht an Größe, Farbton oder Material. Gelb sind sie aber alle. Manche haben sie sich an die Jacken geheftet, andere tragen sie als Ohrschmuck, einer sogar als Brillenersatz. Was ist das bloß für ein seltsamer Menschenschlag? Eine Sekte?

Nur manchmal entweicht das Lachen aus den Gesichtern. Wenn einer der Grünlinge sich zwischen sie schiebt. Oder wenn sie von Nagetieren reden, die hier anscheinend ungeliebt sind. Wenn von der Brücke die Rede ist, die anscheinend extra für einen Biber-Transport gebaut wurde. Diese Menschen scheinen sehr darum bemüht, ihre Bildung herauszustellen. Denn nie reden sie vom Biber, der langsam in den Naturschutzgebieten wieder heimisch werdend, sich auszubreiten scheint. Immer wieder aber hört Gregor X dessen lateinischen Namen: Castor. Und den wollen sie blockieren, sich querstellen, ihn stoppen.

Mehr als eine halbe Stunde dauert es, bis Gregor X endlich im Zug ist. Nun versteht er auch, warum lediglich eine Tür zum Einsteigen geöffnet wird. Bei den "Wenden" scheit es sich um notorische Schwarzfahrer handeln - kriminelle. Jeder, der den Zug betritt, muß seine Fahrkarte vorzeigen. Viele haben keine, und müssen einzeln zahlen. Manche wollen auch dabei betrügen, zeigen eine gefälschte Bahncard vor, mit einem Maulwurf statt ihres Passbilds. Und lachen dabei. Aber sie scheinen gefährlich zu sein, diese Menschen. Der Schaffner wird von vier der muffligen Grünuniformierten beschützt. So was kennt Gregor X dann wieder, von Kontrollen in den Zügen der Großen Stadt.

Verspätung, viel Verspätung hat die Bahn. Jeder weitere Aufenthalt auf den fünf Kilometern bis zum nächsten Halt muß um jeden Preis vermieden werden. Um jeden. Merkwürdiges Land! Selbst die Notbremsen sind bewacht, der Zugführer allemal. Jede einzelne Notbremse. Auch im Klo. Wenn das nicht gar abgesperrt ist. Je drei, vier der so anderen, grüngekleideten Herren - auch Damen - stehen vor den roten Griffen, die sonst doch nie irgendeine Beachtung finden. Lassen sie keine Sekunde aus den Augen. Ihr persönliches Schicksal scheint daran geknüpft, daß niemand diesen Griff mit dem kleine Haltefädchen erreichen kann. Eine merkwürdige Bahnstrecke ist das. In keiner Großen Stadt, und man darf es Gregor X glauben, er ist viel herumgekommen, und auch sonst nirgendwo im Großen Land, hat er so etwas jemals gesehen.

Der Tongamann

Mühsam quält sich Gregor X durch den Gang in den zweiten Waggon. Immer wieder stehen die Grünbetuchten im Weg, In der Großen Stadt ist es üblich, in überfüllten Zügen und Bussen nach hinten durchzugehen, in diesem besonderen Zug gilt das nicht für alle Fahrgäste. Breitbeinig steht der große Blonde mit den kurzen Haaren zwischen den Sitzen, seine Jacke nur halb zugeknöpft. Massig sieht er aus, in seiner Montur, fühlt sich offensichtlich wohl, wie er da steht, im Neonlicht der Zugbeleuchtung. Unter den Augen der Fahrgästinnen schiebt er seinen schwarzen Stab ganz langsam in die Öffnung zwischen Weste und Hose, zieht in stückweise wieder heraus, um ihn dann erneut verschwinden zu lassen. Gejohle und Gelächter, Kommentare. "Mann, ist der dick Mann", "Welch ein Kerl, welch ein Knüppel", "Oh, der ist aber stark, Dein schwarzer Stock". Die versteinerten Mundwinkel des Rambo-Man zucken nun doch, ein wenig errektiv, sichtlich werden die anfeuernden Rufe der Damen genossen.

Auch solche Vorstellungen kennt Gregor X aus der Großen Stadt. Da sind die Blonden Jungs aber nicht grün gekleidet, sondern in schwarzes Leder gehüllt.. Und diese Shows finden nicht in öffentlichen Bahnwaggons statt. Und es kostet mehr als eine Fahrkahrte für drei DM, in den gewissen Etablissements.

Der Android

Mitten im Gang steht eine Statue. Unbeweglich. Gregox X will vorbei. Es gelingt ihm nicht. Die Statue ist nicht aus Marmor, aus Gips wohl auch nicht. Und wieder in dieses grüne Tuch gehüllt. Sehr gut nachgebildet, den anderen, menschlicher aussehenden Wesen in Uniform ähnelnd. Doch völlig regungslos. Glasaugen starren durch den Waggon. Kein Blinzeln, kein Zucken, die Pupillen weit aufgerissen. Zwei Mini-Fernsehkameras scheinen in die Augäpfel eingebaut. Ferngesteuert. Ein schwarzer Knopf am Ohr. Höchste Konzentration ins Gesicht gemeißelt. Ohne Minenspiel. Jede Bewegung um die Statue herum bleibt unbeachtet. Die Augen aber scheinen alles, jedes Detail zu registrieren. Höchstauflösend. Die Bilderkennungssoftware läuft wohl in einem getrennten Prozeß ab. Keine Kommunikation mit den "Kollegen" in Tuchfühlung. Nur dem Knopf im Ohr lauschend. Als es etwas lauter wird im Zug, doch eine Reaktion. Die lederbehandschuhte Hand bewegt sich zum offenen Ohr, schirmt es gegen den Lärm ab. Also doch keine Statue. Ein Android. Er lässt sich gerade Grips einflößen - anscheinend.

Gregor X denkt an einen Kinobesuch. Ihn fröstelt urplötzlich. Es scheint, als tropfe Wasser vom Waggondach. Blade Runner. Hieß der Film noch so? Ein Science-Fiction. Das hier aber war Realität. Und nicht Kino.

Die Knarre

Im schlechten Film schien Gregor X tatsächlich zu sein. Oder im Gruselkabinett. Ein neuer Service der Deutschen Bahn AG? Er musste versuchen, sich an diesem grünen Athleten vorbeizuquetschen. Dem Bauch, der sich demonstrativ vorwölbt. Der darüber befindlichen schusssicheren Weste. Zwei Knöpfe sind offen. Dazwischen steckt etwas. Gregors Blick fällt auf etwas Schwarzes, metallenes. Ein Griff. Wie in einem billigen Krimi, aber eindeutig: Da steckt eine Knarre. Gregor X erschrickt, wird bleich. Schaut in das Gesicht des Westenträgers. Der hat Gregors panische Reaktion bemerkt. Sein Mund verzerrt sich zu einem breiten, höhnischen Grinsen.

Die Pranke

Endlich ist Gregor X am Ende des Ganges angelangt. Hier hofft er, ein wenig mehr Luft zu bekommen. Sieht wieder in lachende, nicht in fratzenhaft grinsende Gesichter. Die der Buntgekleideten.

Ihnen scheint es nichts auszumachen, dass die stocksteifen Männer und Frauen in Grün überall herumstehen. Sie versuchen mit ihnen ins Gespräch zu kommen, zu schäkern. Manchmal, kaum merklich, huscht ein kleiner Anflug von Lächeln über die Gesichter. Und hier und da wird auch geantwortet. Ein wenig scheint sich die Spannung aufzulösen.

Nur einer, ein Zwei-Meter-Mann, nimmt seine Aufgabe todernst. Wieder geht es um die roten Griffe im Waggon. Eine alte Dame, sicher weit über 70, ziemlich klein und gedrungen. Ihr Kopf reicht dem Mann gerade an die Brust. Sie deutet auf das schwerbewachte Etwas. Kaum heranreichen könnte sie, vielleicht, wenn sie sich auf die Zehen stellen würde. Der Zweimetermann reagiert sofort. Seine rechte Hand verdeckt den Griff. Vollständig. Das schwarze Leder, das sie umhüllt, lässt die Hand noch riesiger erscheinen. Kein Millimeter ist mehr von dem Rot des Griffs zu sehen. Starr, wie angegossen, wie festgenagelt ruht die Pranke, schützt den gefährdeten Schaltmechanismus.

Mit welchen gefährlichen Mächten steht diese alte Frau im Bunde. Daß sie offensichtlich einem so großen Mann so viel Angst und Panik wegen des von ihm speziell bewachten Hebels einflößt. Eine Hexe?

Hundert Xe über einem Fluß

Der Zug wird langsamer. Das scheint die Stimmung zu verändern. Die Buntgekleideten schauen sich an, fragend - und wieder lachend. Sie beginnen zu zählen. Rückwärts. Erwartungsvoll, wie beim Count-Down zum Jahrtausendwechsel, was würde passieren? Sie fangen an zu schunkeln, das Zählen geht langsamer, die Pausen werden länger.

Die Gesichter der Grüngekleideten, wenn sie bis dahin nicht schon in Selbstgefälligkeit erstarrt waren, werden nun endgültig regungslos, einzelne mit Schweißperlen auf der Stirn. Nur im Schritttempo bewegt sich der Zug noch, durch die Bäume sieht Gregor X, dass sie wohl auf einem Damm langfahren müssen, in der Ferne eine weite, ebene Weide, schwarzweiß-geflecktes Rindvieh ist zu sehen, dazwischen - wieder diese Grüngekleideten, und jede Menge grün-weißer Autos.

Als das große Gejohle aus Hundert Kehlen losbricht, wird Gregor X klar: Hier und jetzt ist der Höhepunkt dieser Sektenveranstaltung erreicht. Und tatsächlich: Jede Menge Xe ziehen am Fenster des Zuges vorbei. Nicht gelb, wie die, die die Buntgekleideten am Revers tragen, sondern blauschwarz. Fest verschraubt miteinander, damit niemand eines stehlen könne und - ebenso intensiv bewacht wie die roten Hebel im Zug, von Scheinwerfern in gelbes Licht getaucht, in mehreren Etagen übereinander angebracht.

Das muß das Übel gewesen sein, auf das sich die Fahrgäste dieses Zuges eingestellt hatten, die Grünen wie die Bunten. Die Brücke des Schreckens. Hinter sich gebracht. Die Bahn beschleunigt wieder, langsam.

Gregor X kann wieder klarer sehen. Und hören. Wieder ist von "Belastungsprobe" die Rede. Und von einer "gelungenen Aktion". Gelöste Menschen beglückwünschten sich gegenseitig. Auch in die starren Gesichter der gut-grün-betuchten kommt wieder etwas Leben. Ein zufriedenes Lächeln in manchen, wie es Gregor X heute noch nicht gesehen hatte, ein triumphierendes Grinsen in anderen.

Mr. W. und die Dienstnummer

Nur an dem einen Ende des Abteils gibt es weiteres Gejohle, Pfeifen und Buh-Rufe. Ein Mann ist in die Ecke gequetscht, einen kleinen Jungen auf dem Arm, kann sich kaum bewegen zwischen dem Feuerlöscher und der Abteilabtrennung. Der kleine Junge heult vor Schmerz. Der Arm eines Grünbetuchten drückt dem Vater auf die Kehle, ein anderer hält dessen Hand unerbittlich fest. Was hatte er getan? Als das Abteil zu schaukeln begann, nach Halt suchend, in die Höhe gegriffen, und war er dabei dem Roten Hebel etwa zu nahe gekommen?

Es bereitet den anderen Grünuniformierten sichtlich Mühe, ihren Kollegen in Ringerstatur davon zu überzeugen, dass er Vater und Sohn Luft zum Atmen lassen müsse. Nach Minuten, immer noch jähes Entsetzen auf der Stirn, liäßt er endlich von den beiden ab, der Zug hat den Zielbahnhof schon fast erreicht.

Gregor X meint, ein Zeichen auf der Stirn des Sohnes zu sehen, einer Narbe gleich, wie ein "W". "W" wie Widerstand? Und ist der Vater nicht auch ein wenig merkwürdig gekleidet, mit seiner dunkelblauen, weiten Hose? Dem roten Seidenschal, der Schärpe, mit Sternen darauf? Mr. W., so kann Gregor X den flüsternden Gesprächsfetzen der Umstehenden entnehmen, halten einige für einen Wendländischen Zauberer.

Wußte das auch der Grüne, als er die beiden gewaltsam in die Ecke drückte? Befürchtete er, dass dieser mit seinem Zauberstab und einem Hokuspokus das ganze Massenaufgebot seiner Kollegen ad absurdum führen könnte? Die Angst des menschlichen Bullen, Angst vor Rache aus dem Zauberreich, weicht ihm jedenfalls nicht von der Stirn.

Und die Angst vor seiner eigenen Nummer. Auf keinem Fall zeigen will er diese, nicht im Zug, nicht später auf dem Bahnhof. Sein Vorgesetzter hingegen scheint die Sache weit weniger mysteriös einzuschätzen, so daß der Fleischklotz schließlich mit der Nummer herausrückt. Auf dem Bahnhof erst, abseits von Zeugen, und auch nicht im Original, sondern per Hand vom Kollegen auf einen Zettel geschrieben. Die Nummer - ein Fetisch? Immer noch sitzt die Angst im Gesicht, die tiefsitzenden Angst des Ringerbullen. Angst vor dem Zauberkünstler?

MenschInnen

Endstation einer merkwürdigen Zugfahrt. Zum Aussteigen werden nach und nach auch weitere Türen geöffnet, wieder von den Strengen Blicken der Grünen genauestens beäugt. Die Buntgekleidten strömen aus dem Zug, zielstrebig dem Bahnhofsvorplatz zueilend, wo es Kaffee, Kuchen und ein reiches Acessessoir von farbigen Plakaten, gelben Xen und grünen Fahnen anzuschauen gibt. Ein Jahrmarkt fast. Im Zug bleiben die Grünen zurück. Gregor X muß wieder an ihnen vorbei.

Und er ist wieder überrascht. Waren da nicht auch Menschinnen darunter? Die eine, die neben dem Ringer gestanden hat, als dieser Vater und Sohn bedrängte. Hat sie nicht Schweißperlen auf der Stirn, steht ihr der Schreck und die Empörung über das Verhalten des Kollegen nicht ins Gesicht geschrieben? Und - lachen da nicht zwei, als sich der X-bebrillte ausführlich und wortreich für die Bewachung der Fahrt auf der Nebenstrecke bedankt?

Gregor X wusste: Er hatte Neuland betreten. Ein altes, stolzes Land zwar, das hatte man ihm schon gesagt, als er die Reise hierhin begann. Doch daß alles so anders, so neu und ungewohnt für ihn war, in dieser Wenden Land, damit hatte er, der schon viele Kontinente bereist hat, nicht gerechnet,. Diese Menschen waren anders, als die, die er bisher in der Großen Stadt und auch sonst im Großen Land getroffen hatte.

Vielleicht würde er wieder kommen. Sicher sogar. Dieses Wendland muß er näher kennen lernen. Ende März vielleicht. Dazu haben ihn mehrere der Buntgekleideten eingeladen.

Möglicherweise würde er sich auch ein gelbes Holzkreuz basteln. Und sich auf die Schienen stellen, neben die Brücke mit den vielen, fest zusammengeschraubten Xen. Denn die Menschen hatten ihn beeindruckt.

Den Mann aus der Großen Stadt.

 
 
 
 

Alte Damen

Am Bahnhof

Bewacht

Keine Notbremse

Eingekreist

 
 
 
Dieter Metk


Fotos: randbild, Timo Vogt

Bearbeitet am: 12.2.01/dm


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