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"Die Welt" v. 21.03.01 Castor-Polizisten drücken die Schulbank Vor dem Einsatz in Gorleben geben Beamte aus Niedersachsen den Bayern Unterricht in Deeskalation Von Sebastian Mahner München - Rund 1000 bayrische Polizisten drückten in dieser Woche die Schulbank, bevor sie Ende März mithelfen, den Castor-Transport nach Gorleben zu sichern. Vor allem sollen sie lernen, die Demonstranten besser zu verstehen. "Beide Seiten haben in der Vergangenheit Fehler gemacht - jetzt wollen wir ein besseres Konfliktmanagement einführen", sagt Oberkommissar Jens Hinrichs von der Polizei in Lüneburg, die den Einsatz leitet. Mit einem Kollegen bereitet er die Polizisten in Nürnberg und München auf den Einsatz im niedersächsischen Wendland vor. "Sie sollen die Sorgen und Nöte der Menschen im Wendland kennen lernen", erklärt Hinrichs. Dort lebten die Menschen schon seit vielen Jahren mit dem Problem der Atomtransporte. "Die Leute dort sind keine Krawallmacher", sagt Hinrichs. Es sei aber verständlich, dass sich die Anwohner beschweren, wenn ein Trupp Polizisten in Kampfmontur bei einem Bäcker einkaufen gehe. Das wolle man in Zukunft vermeiden. Ein Sprecher der Castor-Einsatz-Leitung in Lüneburg spricht gar von einer "Besatzermentalität", die bei den Menschen im Wendland aufgrund solch ungewollter Provokationen aufkomme. Neben einer bessern Kenntnis der Besonderheiten des Wendlands geben Hinrichs und seine Kollegen den Polizisten auch allgemeine Tipps, wie sie Krisen bei Demonstrationen am besten managen. Die bayerischen Polizisten seien von den norddeutschen Lehrern durchaus angetan. Anfangs hätten manche nachgefragt: "Was wollt ihr denn?", erzählt Hinrichs. Aber letztendlich sei das Interesse bei den bayerischen Beamten sehr groß gewesen. "Schließlich gibt es auch bei den Polizisten, die bei Castor eingesetzt werden, Ängste". Ein Großteil der Bereitschaftspolizei habe noch nie an einem Castor-Einsatz teilgenommen und viele seien erst Anfang Zwanzig. Das ist einer der Gründe, warum sich die bayerischen Grünen noch weitere Fortbildungen wünschen. "Ich sehe diese Vorbereitung positiv", äußert sich der Landesvorsitzende Jerzy Montag. Allerdings seien zweieinhalb Stunden für einem gründliche Vorbereitung zu wenig. Im Münchner Innenministerium will man hingegen nicht von einer "Nachhilfe" für die bayerischen Polizisten sprechen. Natürlich würden die Beamten auf den Einsatz vorbereitet, allerdings vor allem in taktischer und rechtlicher Hinsicht, weil sich die Gesetzgebung in Niedersachsen von der Bayerns unterscheide, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Dass die bayrischen Polizisten von den Norddeutschen Kollegen neue Strategien zur Konfliktlösung lernten, sei allerdings so nicht richtig. Die bayerischen Polizisten sind ohnehin nicht für eine besonders harte Vorgehensweise bekannt. Jens Hinrichs: "Die Beamten aus Bayern sind im Wendland sehr beliebt(Anm. des CASTOR-Säzzers: täuscht Euch da bitte nicht! Aber knüppeln konnten die "Berliner" brutaler, zumindest beim letzten Transport ...) - das mag auch an ihrem Dialekt liegen".
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Bearbeitet am: 21.3.01/dm