Zahlen über die Arbeit der DEMO-SANIS vom 28.02. bis 5.03.1997
Eingesetzte Demo-Sanis: ca.125 (RettungssanitäterInnen, RettungshelferInnen, HeilpraktikerInnen, MasseurInnen, Krankenschwestern/-pfleger, Arzt-/Zahnarzthelferinnen) aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Sanis waren zum überwiegenden Teil den Camps zugeteilt und übernahmen dort im Schichtdienst die Betreuung der Sanistationen. Diese waren Teils in festen Häusern, Teils in geheizten Zelten untergebracht. Diese Stationen waren immer mit zwei Sanis besetzt. Die anderen Sanis wurden zu Fuß oder im eigenen Fahrzeug entlang der Castorstrecke eingesetzt.
Eingesetzte Ärzte: 27 Ärzte aller Fachrichtungen, davon die Hälfte aus Lüchow-Dannenberg, der Rest hauptsächlich aus Norddeutschland. Die Ärzte waren auf den Rettungswagen, in den Camps, in privat eingerichteten Behandlungsräumen und entlang der Transportstrecke im Einsatz. Nicht gerechnet haben wir die Ärzte, die mit eigener Ausrüstung ohne unsere Koordination entlang der Castorstrecke unterwegs waren.
Eingesetzte Rettungswagen: 9 davon zwei aus Dannenberg, zwei aus Hamburg, zwei aus Hameln, drei aus Mainz. Von den Mainzern wurde uns zusätzlich eine Funkanlage zur Verfügung gestellt. Die Rettungswagen erforderten den Einsatz von 27 Personen. Die Organisation der Wagen aus Mainz und Hameln, die Unterbringung und die Verpflegung hatte Michael
Kölln von der Fa. Dölecke Dbg. übernommen. Sämtliche Leistungen aller Rettungswagen wurden kostenlos erbracht. Die Fahrzeuge legten während ihrer Einsätze ca. 2300 km zurück (die teilweise sehr lange Anfahrt nicht mitgerechnet). Dabei wurden 98 Transporte gefahren, von denen ca. 40 ins Kreiskrankenhaus nach Dannenberg gingen und die restlichen in die Sani-Stationen. Alle Teams haben uns die Unterstützung für einen evtl. stattfindenden nächsten Castortransport schon zugesichert. Einhellig wurde festgestellt, daß eine so massive Behinderung durch die Polizei noch nie erlebt worden ist.
Das DEMO-SANI Team: 9 Personen sorgten auf der Wiese für die Organisation, die Komrmunikation und die Leitung der Rettungswagen. Zusätzlich wurde von uns noch ein Sani-Zelt und die Verbandstoff-und Decken- ausgabe unterhalten. Decken, Verbandstoffe, Medikamente wurden von Apotheken, Sanitätshäusern, Arzt-/Zahnarztpraxen und Privatleuten gespendet. Demo-Sanis, die ohne eigene Ausrüstung angereist waren wurden von uns mit einer Sanitasche ausgestattet. Wir vermittelten weiterhin die Behandlung bei Augenärzten, Gynäkologen, Chirurgen, Internisten und Allgemeinmedizinern. Zwei Dannenberger Apotheken waren uns überdies mit schneller, unbürokratischer und kostenloser Unterstützung eine große Hilfe. Denn es war mehrfach nötig Material oder Medikamente schnell zu besorgen.
Verletzte: Die Demo-Sanis und die Ärzte hatten ca. 300 Einsätze von denen 98 durch die Rettungswagen übernommen worden sind. Es gab 24 Schwerverletzte, von denen 2 mit Hubschraubern in die Universitätsklinik HH-Eppendorf, bzw. in die Med. Hochschule Hannover gebracht werden mußten. Das Spektrum der Verletzungen reichte von leichten Prellungen über Würgemale und Verstauchungen und Platzwunden bis zu geplatzten Trommelfellen (Wasserwerfer), Bänderrissen, leichten und schweren Augenverletzungen, einem Bein- und mehreren Armbrüchen, einigen Nasenbeinbrüchen. Ein Demonstrant wurden mit dem Verdacht auf Milzriß, ein weiterer mit Verdacht auf Schädelbruch im Dannenberger Krankenhaus behandelt, nähere Angaben konnten wir nicht bekommen. Darüber hinaus wurden ca. 50 Personen versorgt, die nicht im Zusammenhang mit den Demonstrationen behandlungsbedürftig geworden waren. Die Angabe der Verletzten bezieht sich nur auf die von Demo-Sanis versorgte Personen. Es besteht bei uns keine Meldepflicht, wie sie bei der Polizei üblich ist. Demzufolge kann die tatsächliche Zahl der verletzten Demonstranten noch höher einschätzt werden.
Diese Zusammenstellung wurde von Heiko Rehe (05864/1257) verfaßt. 7. März 1997, 0:20 Uhr
Besondere Vorkommnisse bei der Arbeit der DEMO-SANIS vom 4. und 5.März 1997
Massive Körperverletzung von zwei Berliner Demo-Sanis am 5.3.
gegen 1°° in einem Waldstück bei Quickborn. Ein Sani wird
festgenommen und später vom Notarzt Rir haftunfähig erklärt,
der zweite wurde hilflos im Wald aufgefunden und in das
Kreiskrankenhaus Dannenberg transportiert.
Vom EA aufgenommen.
5.3.97 gegen 3°°. -Bedrohung eines Rettungssanitäters in
einem Krankenwagen mit der Schußwaffe. Er war zu einem Notfall
an der Kaserne in Tramm gerufen worden. Vom EA aufgenommen.
-Leibesvisitation eines Fahrers, der dazu aus dem Fahrzeug
gezerrt wurde und Durchsuchung von 4 Retttungswagen, die am
Verladekran während der Räurnung stationiert waren. Dabei
Sachbeschädigung (Dienstbekleidung 520,- und Uhrarmband 40,-).
Funküberprüfung der Fahrzeugfunkgeräte. Die beteiligten
Rettungssanitäter durften während dieser längeren Aktion nicht
telefonieren. -Die Funkstation für die Rettungswagen in
Quickborn wird von der Polizei besetzt und es wird auch hier eine
Funküberprüifung vorgenornmen. Für die beiden letztgenannten
Aktionen wurde als Begründung auf angebliche Störgeräusche bei
der Funkverbindung mit den Polizeihubschraubern verwiesen.
Von EA aufgenommen?
5.3.97 gegen 15°° Behinderung der Weiterfahrt eines im
Einsatz befindlichen Dannenberger Rettungswagens mit Arzt an
Bord. Ein Patient mit einer Nasenbeinfraktur soll in das
Kreiskrankenhaus Dannenberg transportiert werden. Feststellen der
Personalien aller Fahrzeuginsassen. Erhebliche Verzögerung des
Transportes.
Vom EA aufgenommen?
4.3.97 nachmittags: Behinderung der Einsatzfahrt eines
Hamburger Rettungswagens bei Jasebeck durch den Einsatzleiter
einer Essener Hundertschaft (Jensen) und anschließendes
Platzverbot.
Vom EA aufgenommen.
Verbot der Durchfahrt für eine (ausgewiesene) Ärztin bei
Grippel durch die Polizei am 5.3.97. Nicht im Noteinsatz, sondern
Kontrollfahrt.
Nicht vom EA aufgenommen.
Nach mehreren Telefonaten mit der Einsatzleitstelle des DRK
Dannenberg (05861/4040) um Informationen üiber durch das DRK
erfolgte Krankentransporte zu bekommen, werde ich unter
Bezugnahme auf diese Gespräche von einem BGSBeamten
zurückgerufen, der mir ein paar spärliche Informationen
zukommen läßt. Wird weiter recherchiert. 5.3.97 um ca. 1445:
Körperverletzung eines Demo-Sanis bei der Versorgung eines
Verletzten bei Laase durch die Polizei. Der Sani kniete bei einer
am Bein verletzten Person um sie zu versorgen. Etwas abseits gab
es einen Schlagstockeinsatz der Polizei gegen Demonstranten, die
Demonstranten warfen mit Steinen. Der Castortransport war bereits
durchgefahren. Der Sani war durch unser Logo, das er auf dem
Rucksack mit sich führte gekennzeichnet. Plötzlich stürmten
mehrere Polizisten auf die beiden zu. Trotz lauten rufens, daß
er Sani sei, wurde er durch Schlagstockeinwirkung an Beinen,
Rücken, Kopf und Schulter verletzt. Andere Polizisten schlugen
auf den am Boden liegenden Verletzten ein. Anschließend wurde
gegen den Rucksack des Sani getreten und der Inhalt ausgekippt.
Als der Sani seine Verbandmaterialien einsammeln wollte zertrat
ein Polizeibeamter die Augenspülflasche des Sani. Von diesem
Vorfall gibt es wahrscheinlich Filmaufnahmen (RTL und eine andere
Person).
Vom EA aufgenommen?
Bei Pölitz wurde am 5.3.97 gegen 1445 eine Person durch
Schlagstöcke an Hüfte und Beinen verletzt. Als sie kriechend
durch den Wald den Polizisten zu entkommen versuchte wurde
beobachtet, wie sich ein Polizist breitbeinig über den
offenkundig Verletzten stellte und mit dem Gummiknüppel weiter
auf ilm einschlug.
Vom EA aufgenommen?
Am 4.3. um 13° wurde ein Privat-PKW (PKW war mit dem
Demo-Sani Logo gekennzeichnet), besetzt mit zwei
Rettungssanitätern in Dienstkleidung und einem Demo-Sani aus der
Sanistation Quickborn, auf der Rückfahrt von einem Fehlalarm,
von zwei Polizeifahrzeugen eingekeilt und zum Stehen gebracht.
Die anschließende Fahrzeug und Ausweiskontrolle zog sich über
45 min. hin. Es fielen unter anderem Kommentare wie "Sanis
für Gerümpel" (Einheit Biene 42 ? ).
Nicht vom EA aufgenommen.
Dieses Protokoll wurde von Heiko Rehe (05864/1257) niedergeschrieben. 6.Marz 1997, 21:45
Bearbeitet am 16.07.1997