Bildkassette mit Zertifikat

Günter Zint - Zeitzünderfotos

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Marianne Fritzen BI-Vorsitzende 1979 GORLEBEN

Dieses Foto wurde auf
Silber-Gelatine-Barytpapier von
Günter Zint persönlich
vergrössert und rückseitig signiert

zint_logo.jpg (1474 Byte)Copyright by Günter Zint
http://www.panfoto.de/News.html

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Berlin 1968


Die Beatles und Jimi Hendrix im legendären Hamburger Star-Club, Studentenproteste in Paris und Berlin, Ostermärsche  und Anti-Atomkraft-Demonstrationen, Mauerfall und deutsche Einheit – der Fotograf Günter Zint dokumentiert deutsche Zeitgeschichte – engagiert, kritisch, nie unbeteiligt.

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Die Stiftung Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland
Museumsmeile
Willy-Brandt-Allee 14
53113 Bonn

zeigt die Ausstellung (Tag und Nacht geöffnet)

W I L D E Z E I T E N - Fotos von Günter Zint

vom Mai 2007 – Mai 2008 im HAUS DER GESCHICHTE Bonn
U-Bahn-Galerie im U-Bahnhof Heussallee

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Gerhard Schröder in GORLEBEN 1980


Günter Zint - Zeitzünderfotos

»Günter Zint ist Fotojournalist, einer der prominentesten seiner Zunft.« Selbst die Springerpresse kam anlässlich seines 60. Geburtstages im Juli 2001 nicht um Lob für den ungeliebten Fotografen herum. Dabei focht der zu der Zeit gerade einen seiner vielen Kämpfe mit dem Hamburger Verlagshaus. Heute hat er den siegreich beendet. Nach mehr als vier Jahren, durch alle Instanzen und Anwaltskosten im sechsstelligen Bereich, darf die Bildzeitung nicht mehr behaupten, Zint und sein Kampfgefährte Günter Wallraff seien Stasispitzel gewesen. »Nur ein Etappensieg.

Die sind wie Elefanten, die nichts vergessen. Wir sind und bleiben eines ihrer geliebten Hassobjekte«, meint Zint. Seit seiner Mitarbeit an Wallraffs Enthüllungsbüchern »Der Aufmacher« und »Ganz unten« gehört Günter Zint für den Springerkonzern zu den Schurken dieser Republik. Für die Konservativen und ihre Presse, für Polizei, Staatsanwaltschaften, Staatsschützer, Autobahnbauer und die Betreiber von Atomkraftwerken war er nie etwas anderes. Selbst Auftraggebern wie dem »Spiegel« war er letztlich suspekt Nach mehreren Titelgeschichten, die Zint in den 60er Jahren für das Nachrichtenmagazin fotografiert hatte, wurde ihm der Werksvertrag gekündigt. Nicht wegen der Qualität der Fotos wie dessen damaliger Verlagsleiter den Rauswurf erläuterte, sondern wegen einer angeblich zu engen Kooperation mit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund SDS. Dabei nutzte der Verlag Detailinformationen, die - so Zint - nur vom Verfassungsschutz stammen konnten.

Der hatte den 1941 in Fulda geborenen schnell im Visier. Nach einem Volontariat und einer Ausbildung zum Bildredakteur bei der Deutschen Presse Agentur (dpa) arbeitete er als freier Fotograf für die Illustrierte »Quick« und knipste in der Londoner Musikszene für das Magazin »Twen«. Bereits seine ersten großen, kritisch engagierten Bildreportagen über den 6-Tage-Krieg in Israel, Fixer in Amsterdam oder sterbende Vögel in der Ölpest vor der bretonischen Küste erregten mit ihrem kritischen Appellcharakter staatliche Aufmerksamkeit. »Ich bin nicht objektiv«, formulierte schon der Zwanzigjährige die Haltung, mit der er Missstände so direkt und aufrüttelnd wie möglich fotografisch beschreiben wollte: »Ich war entschlossen, dabei deutlich zu sprechen.« Seine Kamera entdeckt stets die »schreckliche Schönheit unseres alltäglichen Kampfes um eine sinnvolles Überleben«, kommentiert der Bielefelder Professor für Fotografie Jörg Boström.

Günter Zint hat nie einen Hehl daraus gemacht, sich mit seinen Bildern einmischen und Unruhe stiften zu wollen. Besorgnis erregend wurde das für den Staatsschutz allerdings erst, als Günter Zint - »von den Stiefeln der Polizei in den Sozialismus getreten«(SPIEGEL) - sich mit seiner Kamera heimischen Problemzonen zuwandte und zum fotografischen Arm der Kernkraftgegner wurde. Ob Brockdorf, Grohnde, Brunsbüttel, Kalkar, Wackersdorf oder Gorleben - keine der großen, meist gewalttätigen Auseinandersetzungen um die Kernkraft, die Günter Zint nicht mit der Kamera beobachtet hätte. Aber was heißt schon beobachten ? Zint hat sich auch beim Kampf um die Meiler eingemischt. Günter Wallraff »Zint ist - in der Tradition eine Filmers wie Joris Ivens stehend - der Typ des mitagierenden, operierenden Teilnehmers am zu dokumentierenden Geschehen. Er ist damit das Gegenteil des heute marktgängigen, von den Medien gezüchteten Sensationsreporters.« Zint-Fotos von prügelnden Polizei-Schwadronen in Gorleben, von den ungeheuerlichen Hubschrauber-Tiefflugangriffen mit Tränengasgranaten auf Demonstranten in Brockdorf füllten deutsche und internationale Zeitungsseiten und sind - so der Hamburger Journalist Gerd-Peter Hohaus - »noch heute Dokumente staatlichen Machtmissbrauchs.« Wohl auch, weil sie eine optische Kraft haben, mit der sie das konkrete Geschehen überdauern und den historischen Konflikt zu einem generellen machen.

Es müssen Tausende von Fotos sein, mit denen Zint den Kampf der Anti-AKW-Bewegung dokumentiert hat. Nur einen Bruchteil davon hat er in Ausstellungen und Büchern veröffentlicht, darunter der Bestseller »Gegen den Atomstaat«, von dem der Verlag Zweitausendeins allein im Jahr seines Erscheinens (1979) fünf Auflagen drucken musste. Nun war Zint da angekommen, wo ihn die Etablierten nicht haben wollten - in der Öffentlichkeit. Wo immer die Widersprüche der Gesellschaft aufeinander prallten, war der »Gebrauchsfotograf« (Zint über Zint ) dabei., ob bei den großen Berliner Demonstrationen gegen den Schah-Besuch oder den Springer-Konzern, ob in Bonn bei der Massendemonstration gegen die Notstandsgesetze oder der Besetzung von St.Petri in Hamburg.

Doch auch mit dem, was Günter Zint tat, wenn er nicht fotografierte, verschreckte er die Obrigkeit. Er gründete mit linken Studenten in Hamburg die erste Pressekommune (APO-PRESS) und dann - zunächst als puren Jux - die ST-PAULINACHRICHTEN. Ein Blatt gegen den Mief nicht nur unter Talaren, eine freche, linke und dennoch äußerst erfolgreiche Boulevardzeitung, mit einer Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren. Das Ende kam, als sich die Gründer - neben Günter Zint der heutige Spiegel-Chef Stefan-Aust, Spiegel Autor Hendryk, M. Broder und der stramm linke Berliner Boulevard Spötter Horst Tomeyer - der Umwandlung der Nachrichten in eine Sexpostille widersetzen und das Blatt verließen.

St Pauli, der sentimentale Kietz, das robuste Rotlichtmilieu, sind bis heute Zints zweite Heimat geblieben. Natürlich mischt er-sich auch da ein: mit Bildbänden, Fotoausstellungen und seinem St.-Pauli-Museum kämpft er gegen Spekulanten, die mit Baggern und Abrissbirnen der eher spießigen Idylle zu Leibe rücken, sorgt sich um ausgemusterte Prostituierte. Ausgangspunkt für dieses gelebte und geliebte Stück Heimat und vermutlich Zints finanziell erfolgreichstes Engagement, war seine Arbeit im legendären Hamburger »Star Club«, Mitte der 60er ein hotspot der jugendlichen Gegenkultur, der zeitweilig als wichtigster Musikladen Deutschlands wenn nicht gar Europas galt.

Türöffner für Zints neue Karriere war seine erste Frau Ada: »Die kam mit der Spencer Davis Group nach Deutschland. Den habe ich dann kennen gelernt und durch ihn_ alle anderen, die im Star Club für Furore sorgten. Plötzlich hing ich mittendrin in der Musikerszene. Da hat sich meine Fotografie total auf die neue Beatwelt eingestellt.« Rasch wurde Günter Zint zum Hausfotograf des Clubs, Dabei interessierte ihn nicht die schnelle Story. Er hatte Spaß an der aufgeladenen Atmosphäre und Lust auf widerspenstige Charaktere. Er lebte mit den Stars vor, auf und hinter der Bühne, hing mit den Beatles und Frank Zappa in den Kneipen rund um den Club, tourte als Szenekenner mit Jimmy Hendrix durch Hamburg und wurde Teil des Milieus.

Dieser Nähe Zints zu seinem neuen Objekt verdanken wir intensive, ungeschminkte fast scheue private Porträts der Rock- und Popidole jener Jahre. Zint fotografierte die Stars als Freund, seine Bilder zeigten junge Menschen, die mit bis dahin ungehörten Akkorden und heißen Rhythmen eine neue, eigene Welt ins Schwingen und die etablierte Ordnung ins Schwanken brachten. Fotos, die nicht die hysterische Show, sondern ein selbstbewusstes Lebensgefühl dokumentierten. »Nach den abschreckenden und deprimierenden Erlebnissen mit Voyeurismus und Sensationsgier der großen Medien, in einem knallharten Abhängigkeitsverhältnis zu den Redaktionen, das keinen Spielraum für individuelle Freiheiten gab, kam
die Arbeit im Star Club einem Befreiungsschlag gleich«, schreibt Annja Rüter-Natorp in ihrer Magisterarbeit »Günter Zint Fotograf der sozialen Bewegungen«.

Doch der Star-Club-Job war nicht nur ein Befreiungsschlag, sondern auch ein gutes Geschäft. »Ich hab im Star Club die Schaukästen gemietet und so einen Star-Club-Fotoservice angefangen. Da konnten die Leute per Post bei mir Bilder ziehen, dafür haben wir die Agentur Pan-Foto gegründet.« Alle großen Plattenlabels rissen sich um Zints emotionale Starporträts für ihre Plattenhüllen.

Bis heute sind die fotografierten Beatlegenden die Goldreserve des Fotounternehmens Zint. Ob im Berliner Willy-Brand-Haus, dem Daimler-Chrysler Zentrum in Bremen oder im Convention Center im holländischen Utrecht, Zints »Portraits of Music« sind seit den 80er Jahren ein Dauerbrenner, drei Bücher zum Thema Verkaufserfolge.- Für den NDR produziert zur Zeit eine umfangreiche TV-Dokumentation mit dem Titel: »Star Club - Die Wiege der Beatles«, gleichzeitig läuft mit großem Erfolg im »Love & Peace Temple« in St. Petersburg die Zint-Ausstellung »Star-Club Die Legende lebt«.
zwischen ist der Mann selber Legende. Vor Jahren hat er sich in der moorigen Gegend zwischen Bremen und Bremerförde im Dorf Fahrendorf ein großes Bauernhaus gekauft, trinkt Bier mit den Bauern, schießt mit den Schützen, organisiert derbe Dorffeste. Er sieht gemütlich aus. Sein spärlich gewordenes Haupthaar ist pflegeleichter als die einstige Popmähne, seinen Bauch zwingt er nicht mehr mit Gürtel - »Hosenträger machen das Leben leichter«. Doch die zufriedene Behaglichkeit, die er ausstrahlt, sollte nicht täuschen. Im Kopf ist er schnell und hellwach. Sein dörfliches Domizil ist trotz aller Gemütlichkeit ein Zentrum der Unruhe, bis in den hintersten Winkel vollgestopft mit der Ernte seiner beängstigenden Sammelwut.

Da lagert der alte Bühnenboden des Star Club, ein paar Quadratmeter davon hat sich Paul McCartney als Erinnerung in einem Londoner Büro verlegen lassen; hier stapelt sich der Nachlass des erfolgreichen Schlagertexters und - Komponisten Ernst Bader, einschließlich dessen letztem Wohnungsinterieur, verstauben die von »Millionen Freiersfüßen wie Brillanten geschliffenen« alten Pflastersteine aus der sündigen Herbertstraße. Jüngste Zint-Trouvaille: Fast 100.000 Fotos und Personendaten - 40 Zentner Glasplatten - von Hamburger Ärzten und deren Familien aus der Zeit von 1930 bis Kriegsende, die das Hamburger Landesmedienzentrum wegschmeißen wollte. Günter Zint wird den Schatz aufarbeiten und eine Dauerausstellung einrichten. Titel: »Galerie der toten Hamburger«.

Mitten drin in diesem chaotisch anmutenden Materiallager sitzen drei Mitarbeiter - ABM-Kräfte - vor High-Tech-Rechnern und sichern das bisherige Lebenswerk Günter Zints für die Zukunft. 75.000 Fotos werden hier für sein elektronisches Archiv digitalisiert, dazu seine Recherchenbibliothek, 3.500 Bände. Ein Ende ist nicht abzusehen, denn leben Ausstellungen, Fernseh- und Buchprojekten fotografiert der 65jährige unermüdlich weiter. Auch nenn es nicht mehr die großen Widerstandsschlachten sind, »einmischen, aufrütteln, Unruhe stiften«, will Günter Zint unverdrossen weiterhin »politisch sein in einem Land, in dem die politische Fotografie einen schweren Stand hat.«

Seit Jahren begleitet er mit der Kamera die schleichende Zerstörung des Sulzbach- und des Fliedetals bei Fulda. durch Autobahn- und Schnellbahnstrecken, Flussbegradigungen und Brückenbauten. »Wasser im Knast« nennt er das Langzeit-Foto-Projekt, mit dem er gegen das absehbare Verschwinden der »Landschaft meiner Kindheit« protestiert. Schöne, ruhige, große Bilder, die trotz der rüden Zerstörungsnut, die sie dokumentieren, immer auch einen Hauch besonnter Vergangenheit enthalten, verletze Erinnerungen, und die Verzweiflung spüren lassen, diesem Vandalismus nachtlos gegenüberzustehen. »Zwischen betonierter Gegenwart und verstrahlter Zukunft bleibt die Kamera eine verzweifelte Waffe und die permanente Revolution ein Mittel wenigsten psychischer Selbstbehauptung. Mir fällt ein Wort dazu ein: "Zeitzünderfotos"«, schreibt Jörg Boström zu den Zint-Fotos in einem Katalogtext der Ausstellung anlässlich des 150. Fotografie-Jubiläums, die in Berlin, St. Petersburg und Freiburg zusehen war.

Der Bielefelder Hochschullehrer versteht Zint als »Epiker, als Erzähler mit Fotografien«. Dem »Gebrauchsfotograf« Zint, ist das vermutlich zu nah an dem was er als Einleitung zu Interviews immer besonders betont: »Ich möchte nicht in die Gunstecke gestellt werden.« Er hält wenig bis nichts von den heute so erfolgreichen für den Kunstmarkt getunten Fotos, ruf denen die Wirklichkeit zur Sinn entleerten grafischen Arabeske gerinnt. »Wenn man ein Foto erkennt, weil es manieriert etwa mit einem Superweitwinkel aufgenommen ist, dann steht das Stilmittel über der Realität. Das ist nicht meine Welt.«.
Und dennoch leben alle Bilder Günter Zints von viel mehr als der puren Dokumentation. Der Gorleben Protest, im Fordergrund ein undurchdringliches Netz von Natostacheldraht, dahinter ein schwer armierter Polizist mit Schäferhund, im Hintergrund aber gleichzeitig Bildmittelpunkt einen schwarzes Holzkreuz mit der Aufschrift »Träume«. Die Schafherde die verängstigt unter zwei Autobahnbetonbrücken eingepfercht ist - So etwas sieht nur einer, der nicht nur den Augenblick, sondern immer auch dessen Ursache und Wirkung im Blick hat und zeigen will.

Die sehr eigenwilligen, interpretierenden Perspektiven, die er findet - der übermächtige Polizeikordon, der eine kleine idyllische Strohdachkate einkesselt und zu schleifen scheint - das ist unabhängig vom aktuellen Anlass ein Bild über flacht und Ohnmacht. Die didaktische Montagetechnik seiner Bilder zeigt nicht nur, was Sache ist, sondern kommentiert die gleichzeitig, ohne zu manipulieren: Ein katholischer Priester segnet die neue Schnellbahntrasse, im Hintergrund ein Transparent: »Wir trauern um das Sulzbachtal«. Die Bilder Günter Zints zeigen, dass er stets Teil und Teilnehmender dessen ist, was er fotografiert. Solche Fotos taugen nicht für den schnellen Verbrauch, sie entfalten eine ungewöhnliche Tiefen- und Langzeitwirkung. »Wenn es Bildjournalisten gelingt, Entwicklungstendenzen herauszufotografieren, in Bildern Bedrohungen sichtbar zu machen, betreiben sie ihr Metier in Funktionen, die man sonst der Kunst zubilligt», schreibt Jörg
Boström. Zintfreund Wallraff schrieb 1982 emphatisch: »Erst nenn das, was heute in .... Gorleben geschieht, nur noch ein
lunkler Punkt in unserer Geschichte ist, erst dann werden (seine) Fotos nie Kunstwerke von Daumier, Goya und Grosz in Museen an den Wänden hängen.« Sie hängen schon: Im Haus der Geschichte, im Deutschen Historischen Museum, im Berliner Gropius Bau und im Museum für Hamburgische Geschichte.

Nicolaus Neumann Garton 2007

Preis: 5 Euro plus Porto

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BI-Büro

Bearbeitet am: 25.06.2007/ad


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