GORLEBEN RUNDSCHAU

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Castor
2008
AUSGABE
7

Inhalt:

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Auf nach Gorleben - Atomkraft? Nein danke!
Bundesweite Demo 8.11.08, 13 Uhr in Gorleben
Castor stoppen - Atomanlagen sofort stilllegen!

Die Atomlobby will es wissen:
Nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr sollen nach dem Willen der Stromkonzerne die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert werden. Schon jetzt überziehen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW das Land mit einer beispiellosen Propaganda-Kampagne: Da mutiert Atomstrom zu „Ökostrom“ und „Billigstrom“.

Doch wir wissen:
Atomkraft ist kein Klimaretter. Gerettet werden allein Extraprofite für die AKW-Betreiber. Pro Jahr machen sie mit jedem Reaktor einen Gewinn von jeweils 300 Millionen Euro. Atomstrom ist auch nicht billig, billig ist das Täuschungsmanöver aus Politik und Wirtschaft: Erst werden im Atomkompromiss lange Laufzeiten vereinbart und wenn dann doch die ersten Meiler vom Netz gehen sollen, wird er einfach wieder aufgekündigt.Viele Menschen sind empört.

Zu Recht!
Wir haben nicht immer wieder gegen Atomkraft demonstriert, um dann am Ende mit ansehen zu müssen, wie sich die Atomlobby ins Fäustchen lacht.Atomkraft birgt Gefahren.
Und angesichts dieser Gefahren ist jeder Tag Weiterbetrieb einer zu viel: Störfälle reißen nicht ab. Im Umkreis von AKWs erkranken Kinder an Leukämie. Atomkraft läuft seit 40 Jahren ohne Entsorgung – das ist wahrlich eine politische Provokation!

Der Atommüll strahlt für mehr als eine Million Jahre.
Doch die so genannte „Versuchs-Endlagerung“ im Salzbergwerk Asse II (Wolfenbüttel), dem „Pilotprojekt“ für Gorleben, hat noch nicht einmal 30 Jahre dichtgehalten. Jetzt besteht Einsturzgefahr, mit Cäsium 137 belastete Salzlauge tritt aus und niemand weiß, was mit den 126.000 dort gelagerten Atommüll-Fässer geschehen soll.
Sicherheitsbedenken führten im Gorlebener „Erkundungsbergwerk“ im Jahr 2000 zum Baustopp. Doch dieses so genannte Moratorium soll 2010 auslaufen. CDU/CSU und die Industrie markieren den Starken. Sie wollen Gorleben fertig machen. Schwarz-Rot steht für einen Stillstand in der Suche nach Alternativen. Wir meinen: Hände weg von Gorleben!

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Ein Zwischenlager als Dauerlösung:
Während niemand sagen kann, wo es ein sicheres Endlager geben kann, werden in Gorleben oberirdisch Tatsachen geschaffen. Schon 80 Castor-Behälter stehen in der Lagerhalle.
Mit jedem Castortransport wird die ungelöste „Entsorgung“ offenbar. Im November 2008 ist es wieder soweit: Elf weitere Behälter mit hochradioaktiven Kokillen aus La Hague sollen in der Gorlebener„Kartoffelscheune“ abgestellt werden, der Transport geschützt von tausenden PolizeibeamtInnen.

Jetzt kommt es wieder auf die Anti-Atom-Bewegung an.
Auf alle, die bereits dachten, der Streit um die Atomkraft hätte sich erledigt. Auf alle, die darauf hofften, dass ihre Beteiligung an Demonstrationen dazu geführt hat, den Ausstieg aus der Atomkraft durchzusetzen. Auf alle, die den Stromkonzernen nicht über den Weg trauen. Auf alle, die für Klimaschutz kämpfen aber sich nicht von der Atomlobby für dumm verkaufen lassen. Auf alle, die früher noch zu jung zum demonstrieren waren.

Renaissance der Atomkraft?

Weiterbau in Gorleben?

– Die Herausforderung nehmen wir an.

Wir schalten ab, privat,

und wechseln den Stromanbieter.

Wir drehen auf, öffentlich,

und machen uns auf den Weg zur

Demonstration am 8. November 2008

in Gorleben!

Treffpunkt 13 Uhr in Gorleben

Mehr Infos unter:
www.bi-luechow-dannenberg.de
und www.X-tausendmalquer.de
Castor-Info-Hotline (ab 13.10.08):
01805-252769 oder 01805-ALARMX (12ct/min)

 

Erstunterzeichner dieses Aufrufes:
ROBIN WOOD, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Grüne Liga, IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung, Attac Deutschland, Campact, Urgewald, BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V., X-tausendmal quer, .ausgestrahlt, contrAtom, Jusos in der SPD, Bundesverband, SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V., Bund der Bürgerinitiativen mittlerer Neckar e.V. (BBMN), Bündnis "AKW Brunsbüttel stilllegen - jetzt!", Kampagne "Tschüss Vattenfall", AntiAtom-Gruppe Bonn, Jugendzeitung Utopia, atomplenum hannover, DIE LINKE. Bezirksverband Hamburg-Bergedorf, AG Umwelt, Energie und Verkehr der LINKEN Hamburg, Bündnis 90/Die Grünen, Regionsverband Hannover, Eva Bulling-Schröter, Lutz Heilmann, Hans-Kurt Hill und Dorothée Menzner (alle MdB, DIE LINKE), Dr. Hermann E. Ott, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Leiter Büro Berlin;Fraktion DIE LINKE. im Bundestag" und "Fraktion DIE LINKE. im niedersächsischen Landtag". ( Stand bei Redaktionsschluß )


Resolution des Kreistages Lüchow Dannenberg

Gorleben ungeeignet

Resolution, verabschiedet vom Kreistag Lüchow-Dannenberg am 1.10.2008

1. Der Kreistag Lüchow- Dannenberg stellt fest, dass es sich bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle um ein weltweit ungelöstes Problem handelt. Die bislang unabsehbaren Folgen des Energiehungers einer Generation werden unzähligen kommenden Generationen aufgebürdet. Um die zu entsorgenden Abfallmengen zumindest zu begrenzen, fordert der Kreistag den schnellstmöglichen unverzüglichen und unumkehrbaren Ausstieg aus der überholten Technologie der Kernenergienutzung.

2. Der Kreistag hält den Standort Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Wärme entwickelnden Müll für ungeeignet. Nach den Erfahrungen in der Asse sieht der Kreistag die Einlagerung in Salz als gescheitert an. Ein geeignetes Auswahlverfahren hat nicht stattgefunden und wesentliche Kriterien, wie z. B. das Vorhandensein eines Mehrbarrierensystems mit intaktem Deckgebirge, sind hier nicht gegeben. Der Standort Gorleben ist deshalb als mögliches Endlager nicht mehr in Betracht zu ziehen.
Der Kreistag Lüchow- Dannenberg fordert ein Auswahlverfahren für ein nationales Endlager für hochradioaktive Wärme entwickelnde Abfälle, wie es der AK- End seinerzeit vorgeschlagen hat. Dabei müssen andere Wirtsmedien in das Auswahlverfahren einbezogen werden. Es darf kein Bundesland ausgenommen werden.

3. Bei der Auswahl eines Endlagerstandortes dürfen finanzielle Erwägungen nicht den Ausschlag geben. Es muss ausschließlich um die größtmögliche Sicherheit für die Umwelt und die Bevölkerung gehen. Sicherheitsanforderungen, die besonders auf die Verhältnisse in Gorleben zugeschnitten sind, weist der Kreis-tag entschieden zurück. Vielmehr müssen die Anforderungen die tatsächliche Sicherheit für Mensch und Umwelt über mindestens eine Million Jahre auch unter Berücksichtigung tiefgreifender klimatischer und geologischer Veränderungen gewährleisten.

4. Über die Art und Weise des Standortvergleichs und alle Kriterien und Parameter, die zur Anwendung kommen sollen, müssen in jeder Phase öffentliche, vollständige und verständliche Angaben gemacht werden. Die Information und Beteiligung betroffener Regionen und der Öffentlichkeit sind während des gesamten Verfahrens auf der Grundlage der Aarhus-Konvention durchzuführen. Für ernst gemeinte Beteiligungsverfahren sind Anhörungsrechte keinesfalls ausreichend, der betroffenen Bevölkerung sind vielmehr Möglichkeiten der tatsächlichen Einflussnahme einzuräumen. Der AK End hat hier wegweisende Empfehlungen für den Beteiligungsprozess gegeben.

5. Der Kreistag fordert die vollständige Offenlegung aller Studien, Gutachten und Untersuchungsergebnisse aus dem so genannten Forschungsbergwerk Asse, insbesondere insoweit sie Rückschlüsse auf den Standort Gorleben beinhalten oder vermuten lassen. Der Kreistag fordert die Offenlegung der Auswahlkriterien für die Benennung des Endlagerstandortes Gorleben 1977 und der Abwägung für die damalige Entscheidungsfindung.

6. Der Kreistag stellt fest, dass es sich bei dem Salzstock Gorleben-Rambow keineswegs um einen unangetasteten Salzstock handelt, sondern dass dieser bereits seit Jahren durch ein Bergwerk erschlossen ist.
7. Alle Wissenschaftler, die an dem Endlager-Suchverfahren beteiligt werden sollen, müssen ihren bisherigen wissenschaftlichen Werdegang mit Tätigkeitsfeldern transparent und nachvollziehbar darlegen.


Eigene Standortuntersuchung beim Symposium

Das Geisterschiff rollt nach Gorleben

Berlin ist eine Reise wert, denn nicht nur im Saal, auch im Foyer und vor dem Tagungsgebäude, machen Anti-Atom-Initiativen zum Endlagersymposium auf ihre Anliegen aufmerksam. Eine knappe Woche vor dem Castortransport nach Gorleben bietet sich auf allen Ebenen die Gelegenheit, Flagge gegen die Atompolitik zu zeigen. Atommülltransporte stoppen, Schluss mit der Atommüllproduktion!

Im Foyer des Logenhauses in der Emser Straße bauen die Endlagerstandortinitiativen gemeinsam eine Ausstellung zur Endlagerproblematik auf. "Gorleben und Schacht Konrad, so sicher wie die absaufenden und einstürzenden Endlager Asse und Morsleben" wird das Fazit der Ausstellung sein.

Vor dem Veranstaltungsort sind diverse Protestveranstaltungen angemeldet. So rollt das von den Demonstrationen in Gorleben bekannte "Aktionstheater Markant" mit einem großen Atommüll-Geisterschiff nach Berlin an. Die "Atomianer - Priesterschaft des Atommülls" steht mit einem kultischen Ritus bereit, Informationen über die tödliche Strahlung des Atommülls tausende von Jahren in die Zukunft zu übermitteln.

Und während die Umweltabteilung der Bundesregierung auf den theoretischen Teil setzt, baut die "Münchhausen Gesellschaft zur Förderung von Akzeptanzproblemen" erneut einen Bohrturm zur unmittelbaren Endlagererkundung auf. Denn, diesmal hat der Salzstock Berlin- Wilmersdorf das Rennen um die alternative Standortsuche gewonnen. Wie schon die Probebohrungen in Hamburg - Altona im August diesen Jahres belegen, steht der prompten Einlagerung von Atommüllfässern noch während der Erkundungsphase nichts im Wege. Hierzu werden noch Spediteure mit Sackkarren gesucht, die fleißig an dem Tag kostenlos „Atommüllfässer“ anliefern. Hierzu sind die Berliner Öffentlichen Verkehrsmittel bestens geeignet.

Wir bitten jedoch die Kennzeichnungspflicht zu beachten, Atommüllfässer müssen gelb sein und mit deutlich sichtbaren Radioaktivitätszeichen versehen. Zusätzlich ist ein Strahlenschutzanzug aus weißem Papier zu tragen.

Treffpunkt ab 13 Uhr am Veranstaltungsort Logenhaus, in der Emser Straße.

 


 

Endlagersymposion Berlin 30.10. bis 1.11. 2008

Anhörung über neue Kriterien

Gesellschaftliche Erwartungen und die Anforderungen an eine Langzeitsicherheit von Endlagern stehen im Mittelpunkt eines von Bundesumweltminister Gabriel Syposiums in Berlin. An den Vorbereitungen sind Vertreter aus Lüchow-Dannenberg seit dem Februar 2008 beteiligt, die ihre Erwartungen in einem Interview mit F. K. Kassel der Elbe Jeetzel Zeitung schilderten:

Für den Kreistag nimmt Der Vorsitzende des Atomausschusses Martin Donat (GLW) seit Februar an den Vorbereitungsrunden teil. Pastor Eckhard Kruse vertritt die Kirchengemeinde Gartow, die selbst Eigentumsrechte am Gorlebener Salzstock hält. Außerdem sind über ihn der Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg und die Landeskirche beteiligt. Die Abstimmung erfolge bis hinauf zur EKD, erklärt Kruse. Die verschiedenen Gruppierungen der Gorleben-Gegner schließlich sind durch Asta von Oppen vertreten. Sie sind drei von neun Mitgliedern der Programmkommission, die dieses »Symposion» vorbereitet. Weitere 25 Leute seien in Arbeitsgruppen an der Formulierung der Themen, an der Auswahl von Referenten und der Tagesordnung beteiligt, erklären die drei Lüchow-Dannenberger Vertreter. Informationen erhalten zudem der Landkreis und betroffene Kommunen.

»Es ist wichtig festzustellen, dass es sich nicht um ein Gorleben-Hearing handelt», meint Martin Donat. Es gehe um allgemeine Regeln für atomare Endlager, um die Veränderung der Erkenntnisse bei Kriterien und Verfahren. »Es sind laufend neue Erkenntnisse gewonnen worden», meint Donat. Das vor 15 Jahren möglicherweise gültige Wissen habe sich in der Zwischenzeit nicht unwesentlich verändert. Die von Bundesumweltminister Gabriel so bezeichnete »Katastrophe» im Versuchsendlager Asse gebe dabei den Kritikern recht.

Pastor Kruse hofft, dass mit dem Symposion in Berlin der »Stillstand» in der öffentlichen Diskussion überwunden wird. Die Idee zu einer solchen Anhörung sei stark von Lüchow-Dannenberg ausgegangen. Denn die Region habe ein Interesse daran, auf dem neuesten Stand der Sicherheit zu diskutieren. Schließlich würde in dieser Situation, wo die atomare Endlagerung kein öffentliches Thema mehr ist, der Wiederbeginn der Arbeiten in Gorleben die Festlegung auf diesen Standort bedeuten. »Das Bundesumweltministerium hat ein großes Interesse daran, dass die veränderten Sicherheitskriterien diskutiert werden», meint Kruse. Diese neu formulierten Sicherheitskriterien für ein atomares Endlager für hochradioaktive Abfälle sind seit Ende vergangener Woche auf der Internetseite des BMU zu finden.

In der Programmkommission sitzen Kritiker und bisherige Befürworter des Standortes nebeneinander. Was sie vorgeschlagen haben, ist Ergebnis eines mehrmonatigen Diskussionsprozesses, an dessen Ende eine Einigung stand. So ist das Land Baden-Württemberg als Vertreter jener Gemeinden beteiligt, die an dem schweizer Verfahren zur Endlagersuche teilnehmen. In diesem Zusammenhang stelle Baden-Württemberg Anforderungen an die Schweiz, die es an das deutsche Verfahren nicht stelle, meint Donat. Aber es gehe bei der Endlagersuche um Glaubwürdigkeit. Kein Land außer Deutschland traue es sich, eine Endlagersuche ohne Beteiligung der Bevölkerung zu betreiben, erklärt Asta von Oppen. Hier sind nur die Anhörungen zu diesem Thema öffentlich. Das gilt auch für das im Herbst angesetzte Symposion in Berlin. Eine direkte Beteiligung der betroffenen Bewohner ist nach aktuellem Stand der Endlagersuche nicht vorgesehen.

(Quelle EJZ)


CDU/CSU verdreht Tatsachen

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg (BI) wirft der CDU/CSU Bundestagsfraktion Verantwortungslosigkeit und Verdrehung der Tatsachen in der Endlagerfrage vor.

Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Katherina Reiche, und MdB Dr. Maria Flachsbarth hatten mit der Behauptung "die Endlagerfrage sei lösbar" und "alle bisherigen Erkenntnisse hätten die Eignung gezeigt" gefordert, den Baustopp in Gorleben unverzüglich aufzuheben.

Dabei verschweigt die Atomlobby, dass namhafte mit Untersuchungen beauftragte Geologen von Anfang an vor einem Atommüll-Endlager im Gorlebener Salzstock warnen: Nach Beendigung der Tiefbohrungen hatten sich Mitte der 80er Experten mehrheitlich vor dem Innenausschuss des Deutschen Bundestages gegen Gorleben ausgesprochen. Das "Erkundungsrisiko müsse breiter gestreut werden" war das Fazit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, der Vorläuferbehörde des Bundeamtes für Strahlenschutz. Per Weisung wurden der Bundesbehörde dann aber andere Standortuntersuchungen untersagt. 1995 untersuchte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) 41 Salzstöcke in Norddeutschland auf ihre mögliche Endlagertauglichkeit, allerdings ohne Gorleben vergleichend mit einzubeziehen. Auch nach den Kriterien der BGR wäre Gorleben ausgeschieden. Im Hinblick auf die Frage nach dem "bestmöglichen" Endlager-Salzstock im Sinne des Abschlussberichts des von der Bundesregierung eingesetzten Arbeitskreises Endlagersuche aus dem Jahr 2002 schneidet der Salzstock Gorleben ebenfalls ungünstig ab.

Das Pilotprojekt für Gorleben, der Salzstock Asse II bei Wolfenbüttel, säuft mitsamt 126.000 Atommüllfässern ab. Ob es eine Chance gibt, Teile des Mülls zu bergen, ist unklar. Wie Gorleben hat der Salzstock Wasserkontakt, über den radioaktive Isotope ungehindert in die Biosphäre gelangen können. Der Salzstock der ehemaligen DDR-Deponie Morsleben droht weiter einzustürzen und wird verfüllt. Kanzlerin Merkel schlug als damalige Bundesumweltministerin dazu sämtliche Warnungen der Geologen in den Wind. Und heute? Im bayrischen Wahlkampf argumentierte die Kanzlerin für ein Endlager in Gorleben damit, dass sie "keine Lust" habe, mehr Geld auszugeben.

"Vertrauen herstellen" und "Fragen der Bürger und Fachleute überzeugend beantworten", wie MdB Reiche und Flachsbarth stellvertretend für die CDU/CSU äußern, ist in diesem Zusammenhang ein Hohn! Auch der erneute Einsatz von rund 17.000 Polizisten, die den nächsten Castortransport nach Gorleben im November sichern sollen, ist höchstens ein im Wortsinn "schlagendes Argument", aber kein Beitrag zur Vertrauensbildung in der Bevölkerung. Der Castortransport in die oberirdische Leichtbauhalle schafft nur Druck auf den maroden Gorlebener Salzstock als Endlager und gehört abgesagt!

Francis Althoff


Auslaufmodell Atomenergie — weltweit!

Weltweit sind derzeit noch rund 439 Atomkraftwerke in Betrieb. Im Jahr 2002 waren es noch 444 Reaktoren, seitdem sinkt diese Zahl. Laut der aktuellen Statistik der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO sind derzeit insgesamt nur 34 Atomreaktoren im Bau. Im Jahr 2000 waren es immerhin noch 53 Reaktoren. Schon das lässt erkennen, dass es mit dem Aufschwung der Atomenergie nicht sonderlich weit her sein kann, denn die Tendenz zeigt eindeutig nach unten. Selbst wenn es in Zukunft nur darum gehen würde, den Status Quo zu erhalten, müssten laut Mycle Schneider, unabhängiger Berater für Energie- und Atompolitik aus Paris, bis 2015 zu den derzeit in Bau befindlichen Anlagen noch 69 weitere hinzu kommen. In den folgenden zehn Jahren müssten dann sogar noch weitere 192 Blöcke in Betrieb gehen. Ein Szenario, das sowohl von den Kosten, als auch von den begrenzten Uranreserven schlicht als Traumtänzerei bezeichnet werden kann.

In den USA und Europa ist die Atomenergie nach wie vor auf einem absterbenden Ast. Die Zahl der Reaktoren sinkt und der Anteil an der Stromerzeugung ebenso. Die weltweite Renaissance der Atomwirtschaft ist derzeit bestenfalls eine regionale: Insgesamt 18 der laut IAEO-Statistik 34 in Bau befindlichen Atommeiler entstehen in Indien, China und Russland. Ein kurzer Blick hinter diese nackten Zahlen offenbart ernüchterndes: Drei von den russischen „Neubauten“ sind in den Jahren 1983 – 1986 begonnen worden – also vor der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Sie sind seit über 20 Jahren im Bau. Zwei weitere von den sechs laut IAEO im Bau befindlichen Reaktoren sind überhaupt nicht für die kommerzielle Stromerzeugung vorgesehen. Mit einer Leistung von 35 MW sind es reine Forschungsreaktoren. Insgesamt sind es nach Lutz Mez elf Reaktoren von den 34, an denen schon seit über 18 Jahren gebaut wird. Viel besser sieht es auch nicht in Indien oder China aus. In Indien sind beispielsweise 17 kleine Reaktoren in Betrieb, die 2,6 Prozent des Strombedarfs des Landes decken. Die elf Atomkraftwerke in China erzeugen derzeit 1,9 Prozent des Stroms im Land, fünf weitere sind im Bau. All das sind nicht gerade starke Hinweise, geschweige denn Belege, dass die Atomenergie weltweit im Aufschwung wäre.

Alpträume haben die Atommanger aber vermutlich, wenn sie die Zuwachsraten z.B. bei der Windenergie und den erneuerbaren Energien betrachten.

In Deutschland tragen Wind, Wasser etc. inzwischen mit über 14 Prozent an der Stromerzeugung bei.

Bis zum Jahr 2020 sollen es nach den Plänen der Bundesregierung bereits 30 Prozent sein. Damit wäre die Atomenergie, die heute noch etwa 24 Prozent an der Stromerzeugung leistet, vollkommen überflüssig. Aber auch in anderen Ländern geht die Entwicklung der Windenergie im Vergleich zum Ausbau der Atomenergie rasant voran: Neben den USA, Deutschland und Spanien stehen Indien und China inzwischen auf den Plätzen vier und fünf weltweit. Und in all diesen Ländern wird der Ausbau zügig vorangetrieben. Die indische Regierung geht davon aus, dass in den nächsten Jahren insgesamt jeweils zwei Gigawatt pro Jahr neue Windanlagen ans Netz gehen.

Auch die ökonomischen Grundlagen sind kaum geeignet, dass die Träume der Atommanager Realität werden könnten. Keine Energieerzeugungstechnik ist derart Kapitalintensiv wie die Atomenergie. Und keine hat längere Planungszeiten. Rund 17 Jahre dauert es von der Planung bis zur Inbetriebnahme. Ein Blick auf die beiden einzigen so genannten Reaktoren der dritten Generation, die derzeit in Frankreich und Finnland im Bau sind, machen die enormen Probleme deutlich. Im finnischen Olkiluoto, dem geplanten Vorzeigeprojekt der europäischen Atomindustrie, geht so ziemlich alles schief. Inzwischen liegt der Bau um 24 Monate hinter den Planungen zurück. Die Inbetriebnahme, die ehemals für 2009 vorgesehen war, wird also nicht vor 2012 erfolgen. Ehemals mit einem Festpreis von 3,2 Milliarden Euro zugesagt, sind bis heute Mehrkosten von rund 1,5 Mrd. Euro angefallen. Siemens hat für diese Verluste inzwischen Rückstellungen bilden müssen. Immer wieder kommt es zum Baustopp, weil Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt oder beachtet wurden: Sei es bei Schweißnähten oder beim verwendeten Beton.

Von Renaissance oder Aufschwung der Atomenergie kann also nicht die Rede sein. Das Gegenteil ist richtig:
Die Atomenergie hat
weltweit keine Zukunft.

Dirk Seifert,
Energiereferent ROBIN WOOD, www.robinwood.de/energie


FINGER WEG VON BELENE!

RWE will AKW in bulgarischem Erdbebengebiet bauen

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern, RWE, will ernst machen mit den Bau neuer Atomkraftwerke – und zwar in Osteuropa. Das erste Projekt heißt Belene und soll in der Nähe der gleichnamigen Kleinstadt im Norden Bulgariens errichtet werden. Die Sicherheitsbedenken gegen dieses Projekt sind enorm, denn Belene liegt in einem Erdbebengebiet.

Wegen seismischer Risiken hatten sowjetische Wissenschaftler schon 1983 vor dem Bau eines Atomkraftwerks in der Belene Region gewarnt. 1991 hat die bulgarische Akademie der Wissenschaften diese Bedenken in einem Gutachten bestätigt und 2006 haben sich 12 internationale Banken geweigert Belene zu finanzieren. RWE stellt sich jedoch gegenüber allen Warnungen taub und will 1,5 Milliarden Euro in dieses gefährliche Projekt investieren.

Die Menschen in Bulgarien und Rumänien (der Standort für das AKW ist nur wenige Kilometer von der rumänischen Grenze entfernt) sind besorgt: „Wir möchten nicht jeden Tag mit der Angst leben, dass sich ein zweites Tschernobyl bei uns ereignet,“ schreiben 100 Gemeinderäte aus Südrumänien in einem Protestbrief. Auch die Tatsache, dass in Belene ein noch nicht erprobter russischer Reaktortyp gebaut werden soll, sorgt für Kritik. „Wir wollen nicht als Testkaninchen für die russische Atomindustrie missbraucht werden,“ sagt Albena Simeonova, Sprecherin für eine breite Koalition bulgarischer Umweltorganisationen.

Massiver Widerstand gegen das Projekt kommt aber nicht nur von Umweltorganisationen und besorgten Bürgern aus der Region. Auch der ehemalige Leiter der bulgarischen Atomaufsicht, Dr. Georgui Kastchiev fordert die sofortige Einstellung des Projekts, da „Belene ein nicht tolerierbares Sicherheits- und Umweltrisiko darstellt.“ Dr. Kastchiev hat 30 Jahre Erfahrung im bulgarischen Atomsektor und ist heute leitender Nuklearphysiker am Institut für Risikoforschung der Universität Wien.

In Deutschland wäre ein Projekt wie Belene niemals genehmigungsfähig. Das weiß auch RWE. Schließlich wurde 1988 (nach nur 100 Tagen Betriebzeit) das von RWE gebaute Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich durch Gerichtsbeschluss stillgelegt. Der Grund: das AKW liegt in dem seismisch aktiven Neuwieder Becken. Statt aus dieser Erfahrung zu lernen, will RWE nun an einem weitaus gefährlicheren Standort zwei russische Risikoreaktoren errichten.

Belene ist wie Tschernobyl etwa 1000 Kilometer von Deutschland entfernt. Im Gegensatz zu Tschernobyl soll Belene jedoch mit dem Geld deutscher Stromkunden finanziert werden.

Helfen Sie mit dies zu verhindern. Denn wenn RWE Belene baut, stellt dieses AKW eine Gefahr für uns alle dar.

Schreiben Sie an RWE-Chef Jürgen Großmann und Sagen Sie ihm: Finger Weg von Belene! Eine Briefvorlage können Sie unter www.urgewald.de runterladen oder von der urgewald Geschäftsstelle (02583-1031) anfordern.


Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:
Nachfolgende Zeitungsanzeigen sind in der EJZ erschienen.
Aus Datenschutzgründen haben wir die darin genannten Unterzeichner nicht veröffentlicht.

Atomanlagen
Stilllegen! Sofort!
Die Asse säuft ab. Gorleben soll leben.
Demo in Gorleben am 8. 11. um 13 Uhr
Wir Quickborner sind auch dabei


Atomanlagen stilllegen, sofort !
Die Asse säuft ab – Gorleben soll leben !
Demo in Gorleben am 8. 11. um 13 Uhr
Wir Dannenberger und Umgebung sind auch dabei


Abschalten aller Atomanlagen, sofort !
Heute Asse, morgen Gorleben ?!
Für uns und unsere Kinder
Demo am 08. 11. 08. in Gorleben
Wir Gusborner, Siemener und Zadrauer
sind dabei


Ein Versuchs-Endlager (in der Asse) ist schon eins zu viel!
Eine sichere Lagerung von Atommüll
gibt es nicht.
Da hilft nur eins: Stilllegen! Sofort!
Wir in der Gemeinde Göhrde stellen uns weiter quer: Gemeinsam mit unseren Gästen kommen wir zur Demo am 8.11. und überallhin, wo es Not tut.


Der Castor kommt- wir sind schon da + wir wollen bleiben
Laase, Grippel + Nachbarschaft
Die Asse hat es an den Tag gebracht: Erst wenn der letzte Tropfen Grundwasser verstrahlt ist, werden auch die PolitikerInnen zugeben, dass Gorleben kein „sicheres“ Endlager ist.
Aber unsere Kinder und deren Nachkommen haben ein Recht auf Leben auf unserem Planeten. Wir haben schon zuviel Atommüll, darum alle Atomanlagen stillegen jetzt!


Abschalten aller Atomanlagen, sofort !
Heute Asse, morgen Gorleben ?!
Für uns und unsere Kinder
Auch Langendorf ist Gorleben
Demo am 08. November 2008 in Gorleben
Wir Langendorfer sind auch dabei


07s6.jpg (12452 Byte)LICHTBILDERVORTRAG

Teil 1: 2 Stunden
Tschernobyl - Grundkurs Atomphysik - Energie aus Kernprozessen - Die Funktionsweise eines Atomkraftwerks - Radioaktivität - Halbwertszeiten
Teil 2: 2 Stunden
Gefährdung durch Radioaktivität nach einem Reaktor-Unfall
Der "GAU" und das "Restrisiko" - Vorsorge und Katastrophenschutz -
Der Uran-Bergbau - Entsorgung - Ergänzungen

ULRICH UFFRECHT, Buxtehude uffrecht(at)t-online.de
Der Referent kommt gegen Fahrtkostenerstattung.Die Veranstaltung muss vor Ort organisiert werden. Gegen ein Honorar – je nach Möglichkeiten - ist nichts einzuwenden. Die Vorträge von Herrn Uffrecht, Schulleiter im Ruhestand, eignen sich hervorragend für Schulveranstaltungen.

widersetzen2.jpg (17111 Byte)

Anfahrt für Busse und Privat-PKW
Achtung, wichtig!
Am Tag der Demonstration ist die Strecke Dannenberg - Gorleben überlastet, mit langen Staus ist zu rechnen. Daher unsere Bitte Gorleben von Osten anzufahren:
Von Dannenberg über Lüchow auf der B 493 Richtung Gartow, dann abbiegen auf die K38 Richtung Meetschow, nochmal abbiegen und über die L256 Gorleben und Parkplätze erreichen.

 

Mahnwachen • Infopunkte • Schlafplätze
CASTOR-INFO-HOTLINE 01805 – 2 5 2 7 6 9
Gedächtnisstütze: 01805 – A L A R M X(12 cent/Min)


info-Radio zum Castortransport 2008 —
bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe !!!

Auch in diesem Jahr sind wir wieder zum Castortransport auf dem Äther, denn die Medienöffentlichkeit ist so, wie wir sie uns selbst gestalten. Spannende Informationen zum Castor-Transport, aktuelle live-Berichte über die Geschehnisse in der Region und darüber hinaus und vieles mehr gibt es zu unterschiedlichen Sendezeiten im BürgerInnenfunk auf den UKW-Frequenzen.

Die Sendungen sind live im internet unter www.zusa.de mitzuverfolgen.
HörerInnentelefonnr.: für den direkten Draht ins Radio: 05861-97 96 05,
per e-mail erreicht ihr uns unter: radiofreieswendland(at)meuchefitz.de,
...oder live und in Farbe direkt auf der Essowiese/Dannenberg!


Camp Gedelitz

Wo? Beim Gasthof Wiese am Ortsende Gedelitz Richtung Gorleben, organisiert von X-tausendmal quer unterstützt von attac, BUND-Jugend und Grüner Jugend. Camp steht ab Do 6.11., jeden Abend (Do, Fr, Sa), 20 Uhr Infoveranstaltung zu den Aktionsplänen, tagsüber Bezugsruppenbildung und Aktionstrainings.
Mehr Infos: www.X-tausendmalquer.de
X-tausendmal quer plant diesmal eine große gewaltfreie Sitzblockade im Dorf Gorleben. Die Aktion beginnt am Sonntag, den 9.11., während der Castor noch auf der Schiene ist. Beteiligen können sich alle, schon angekündigt haben sich AktivistInnen von attac, BUND-Jugend und Grüner Jugend.


Widerstand braucht Phantasie und Geld!

Darum:
Spendenkonto der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg e.V.
KSK Lüchow, BLZ 258 501 10, Konto: 004 406 072 1
Spenden zugunsten der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. sind steuerabzugsfähig.


 

DIE beliebte und erfolgreiche Rock- Band
aus dem Wendland,
“unsere Jungs” spielen am 8.11. auf der Demo in Gorleben.
Zurück zu den Wurzeln, Widerstand darf auch Spass machen.
Es geht los um 13 Uhr im Dorf Gorleben.
Wir freuen uns auf Euch!
Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen rockt!

07s7.jpg (8823 Byte)

Impressum

Die "Gorleben-Rundschau" erscheint 10-12mal jährlich und wird herausgegeben von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

Für Neuerungen und produktive Anregungen sind wir immer ansprechbar. Es ist erwünscht, eigene Texte zum Thema Atomkraft, Gorleben und erneuerbare Energien einzubringen; sie werden gerne veröffentlicht, sofern sie in den Kontext der Ausgabe passen.

 Redaktion: H. Eckert, F. Althoff
Bildmaterial:  Privat Archiv von BI Mitgliedern
Mitarbeit:  D. Seifert, Urgewald, und viele andere
Auflage: 2'500

BI-Büro, Rosenstr. 20, 29439 Lüchow Tel.: 05841 / 46 84 Fax: 05841 / 31 97

Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr, Sa: 9-12 Uhr, Di, Do: 15-18 Uhr.

Spendenkonto der BI: KSK Lüchow BLZ 258 513 35 Konto 2 060 721

Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:

Bitte bestellen Sie die Gorleben-Rundschau schriftlich beim BI-Büro oder Drucken Sie diesen Abschnitt zum versenden per Post aus:

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Bearbeitet am:30.10.2008/ad

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