GORLEBEN RUNDSCHAU

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August

2008

 

AUSGABE 5

Inhalt:

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Atomlobby wittert Morgenluft

... und wir lassen uns kein X für ein U vormachen. Der Widerstand lädt ein ins Wendland!

Morgenluft wittert die Atomlobby, verbreitet Optimismus, apostrophiert ihre Renaissance. Wer 1 Euro 60 Cent für einen Liter Benzin blechen muss, der weiß: da hilft nur die Atomkraft. Macht alles billiger.

Der amerikanische Präsidentschaftskandidat McCain will gleich 45 Atomkraftwerke. Was er nicht weiß: Strom ist für andere Zwecke da. Was er nicht wissen will: Das ist teuer. Es dauert auch, bis so ein Kraftwerk fertig ist. Aber ich vergaß: es gibt elektrische Heizdecken, Ventilatoren, Kühlschränke und Heizspiralen. Jeder friert oder schwitzt. Alltagserfahrung. Strahlung aber schmeckt, spürt man eben nicht. Atomkraft ist, so sagen sie nun alle, auch gut für´s Klima. Die abschmelzenden Gletscher und ein grünes Grönland gibt es ständig im Fernsehen, das kann man sehen. Bilder über den Widerstand gegen Atomkraft oder die überzeugenden Argumente nur selten.

Das „unheimliche Comeback“ der Atomkraft wird übrigens schon seit langem herbeigeredet. Am 9. Oktober 1981 titelte die New York Times, „Der Präsident präsentiert Pläne für die Renaissance der Atomenergie“. Der Präsident hieß Ronald Reagan, Neu-Bestellungen für Atommeiler aber gab es keine. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ sah im Sommer 2004 ein nukleares Roll-Back voraus …

Die nüchternen Fakten: Weltweit sind 439 Reaktoren in Betrieb, 35 Anlagen in Bau, davon ein Drittel schon seit über 20 Jahren. Die 439 Atomkraftwerke decken in etwa 16 Prozent der globalen Stromerzeugung, das sind nicht einmal 3 Prozent der Endenergieversorgung, denn Strom deckt ja nur einen geringen Teil des Energiebedarfs. Richtig: in Asien werden 14 Reaktoren neu gebaut, in Westeuropa nur zwei.

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Dennoch versucht die internationale Atomlobby schon seit vielen Jahren jene Renaissance der Atomkraft herbeizureden. Mal ist die Stromlücke der Grund, mal das Klima, mal der Preis. Zum Glück ist der Trend ein anderer: Im Zeitraum von 1989 bis 2007 ist die Anzahl der Reaktoren weltweit nur von 423 auf 439 gestiegen, also um nicht einmal einen Reaktor pro Jahr. Im April 2008 werden außerdem fünf Meiler weniger betrieben als noch im Jahr 2002, als der historische Höchststand von 444 Blöcken erreicht wurde.

In 21 der 31 Länder, in denen Atomkraftwerke betrieben werden, ist der Anteil von Atomenergie am Strommix im Vergleich zum Jahr 2003 zurück gegangen. In den 27 EU Mitgliedsländern waren 1989 insgesamt 177 Kernreaktoren in Betrieb. Ende 2007 war ihre Zahl auf 146 Blöcke zurückgegangen. Diese rückläufige Entwicklung der Atombranche hat vor langer Zeit eingesetzt. Der Wiederbelebungsprozess zieht sich offensichtlich hin.

Noch gibt es viel Rauch um nichts. Die Unionsparteien und die FDP machen sich stark für die Verlängerung von Laufzeiten. Diese spülen den AKW-Betreibern 200- 300 Mio. Euro jährlich in die Kassen – pro Reaktor. Die SPD hält am sogenannten Atomkompromiss, dem Auslaufmodell Atomkraft, fest. Der Wahlkampf 2009 ist voll entbrannt. Doch zuvor, im Herbst 2008, stehen zwei andere wichtige Ereignisse an: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel lädt zu einem Endlagersymposium in die Hauptstadt ein, eine Woche später rollt der nächste Castorkonvoi aus der französischen WAA Cap de La Hague nach Gorleben und die Atomkraftgegner/innen im Wendland laden zu Protest und Widerstand ein. Dort wird immer noch für den Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. Dem Medienhype zum Trotz.

Was wir alles wissen: Atomkraftwerke sind kein Beitrag zum Klimaschutz. Schon heute ist eine Kilowattstunde Atomstrom mit südafrikanischem Uran mit 126 Gramm CO-2 belastet – ein modernes Gaskraftwerk mit Kraft-Wärme-Koppelung bringt es auf 150 Gramm CO-2 pro Kilowattstunde. Fragen Sie mal die 4.500 Uranarbeiter der ehemaligen Wismut AG in Böhmen und Sachsen, wie sie mit ihren Krebserkrankungen umgehen, die – ja das ist Deutschland – als Berufskrankheit anerkannt sind. Oder die Tuareg im Norden des afrikanischen Staates Niger, die seit einem Jahr gegen den Uranabbau rebellieren.

Was noch? Es gibt eine auffällige Häufung von Krebsfällen im Umkreis von Atomkraftwerken. Normalbetrieb macht Krebs. Es gibt frei erfundene Rechenparameter für die Sicherheit der Castorbehälter. Das behaupten nicht die Atomkraftgegner, sondern Fachleute des Bundesamtes für Strahlenschutz, die sich die Antragsunterlagen der Gesellschaft für Nuklearservice angesehen haben. Die Castoren stehen in luftigen Hallen in der Nachbarschaft der Atommeiler, in Ahaus und in Gorleben herum. Dort, und das weiß natürlich nicht jeder, sind es bisher 80 Castoren auf 420 Stellplätzen verteilt. Neuerdings weiß man auch, dass in der Asse II bei Wolfenbüttel radioaktive Lauge illegal in der Tiefe des Schachts gepumpt wurden und dass das Wasser unkontrolliert einsickert. Sogar die Zahl der Fässer, die dort in den 60er Jahren abgekippt wurden, ist exakt bekannt. 124.494 mit schwachaktivem und 1.293 mit mittelaktivem Müll. Man wusste übrigens schon bei der Inbetriebnahme der Kaligrube, dass es nicht erst in ein paar Tausend Jahren zu einem Wassereinbruch kommen würde.

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Geologen ist bekannt, dass sich Parallelen zwischen der Asse II und Gorleben aufdrängen: Vor allem dass es kein Deckgebirge gibt mit hinreichend dicken Tonschichten, die den Salzstock bzw. die Atommüllbehälter im Salzgestein gegen Wasser abschirmen. Für die Asse hat Prof. Werner Schneider von der TU Braunschweig die entsprechende Kartierung vorgenommen. Für ihn ist die Asse ein „wissenschaftlicher Nullinger“. Vor einem Endlager im Salzstock Gorleben warnten seit den 80er Jahren der Kieler Quartärgeologe Prof. Klaus Duphorn und der Hamburger Geographie-Professor Klaus Grimmel. Doch für die mächtigen Vier – Eon, RWE, EnBW und Vattenfall – wie auch ihre politischen Protagonisten ist Gorleben „eignungshöffig“. Die Betonung liegt auf der Hoffnung.

Nur wenigen Journalisten ist bekannt, dass die hochradioaktiven Abfälle in Gorleben bislang nicht im Salz gelagert werden. Viele Menschen im Wendland hingegen hoffen, dass das so bleibt, obwohl das Moratorium in Gorleben 2010 ausläuft. Danach könnte mangels Alternativen in Gorleben weiter gebuddelt werden. Wer das Strategiepapier des Bundesumweltministers Sigmar Gabriel gelesen hat, weiß, dass er trotz der Zweifel an der Eignung Gorlebens und trotz der Havarie in der Asse II in Gorleben ein Versuchslabor einrichten möchte. Kühn verzichtet er auf eine zweite natürliche Barriere, allein das Wirtsgestein soll für eine Million Jahre Sicherheit bieten. Welche Hybris! Die Endlagersuche ist zwischengeparkt. Auf der Überholspur befindet sich die Bundeskanzlerin. Auf der letzten Bundespressekonferenz vor der Sommerpause macht sie sich stark für die Fortsetzung der „Erkundung“ des Salzstocks Gorleben. Eine wahre Kakophonie im Regierungslager.

Damit es alle wissen:

Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen.

Wir demonstrieren für den Atomausstieg, den Umstieg auf regenerative Energien, Energieeffizienz. Wir sind auf der Straße, wenn der Castor rollt. Wir lassen uns kein X für ein U vormachen. Wir fordern das Ende der Bauarbeiten im Salzstock Gorleben.

Was wir schon wissen: der näXte Castor soll um den 8. November herum anrollen. Aber niX Genaues weiß man noch nicht. Aktuelle Nachrichten findet man zwischenzeitlich unter www.bi-luechow-dannenberg.de
oder - ruft doch mal an 05841 46 84.
Spenden erwünscht.

Wolfgang Ehmke


Salz als Wirtsgestein?

Strahlenschäden im Salz, häufig als Radiolyse bezeichnet

Bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle in Steinsalz wird die vom Abfall emittierte Strahlung im umgebenden Salz absorbiert. Dabei kann es zur Bildung von Strahlenschäden kommen.

Salz wird in Na und CL aufgespalten und es kann anschließend explosive Rückreaktionen geben. Diese bleiben möglicherweise nicht auf die unmittelbare Nähe eines Behälters begrenzt, sondern können durch die entstehenden Schwingungen weitere Bereiche beeinflussen und zu ernsten Veränderungen der Salzstock-Struktur im Gebiet der Einlagerung der Abfälle führen.

Es hat in Deutschland Versuche zur Erforschung der Bedingungen, unter denen es zu solchen Schädigungen kommt, gegeben. Sie wurden abgebrochen. Heute werden entsprechende Forschungsarbeiten im Wesentlichen nur noch in den Niederlanden durchgeführt. Auf Grund der jetzt bereits vorliegenden Ergebnisse hat die Niederländische Regierung die Option Endlagerung im Salzstock schon vor über 10 Jahren gestoppt.

Die RSK hat der 35. Sitzung am 13.05.2004 unter Hinzuziehung von Prof. den Hartog/Universität Groningen darüber beraten. Prof. den Hartog hatte auch zuvor bereits an verschiedenen Meetings in Deutschland teilgenommen und hatte mehrfach Gelegenheit, über seine Forschungen zu sprechen. Bei ausnahmslos jedem Treffen, auch dem des Jahres 2004, wurde als Fazit u. a. festgestellt, dass es weiteren Forschungsbedarf auf diesem Gebiet gibt.

In einer späteren Stellungnahme vom 09.03.2006 kommt die RSK dessen ungeachtet zu folgender Bewertung:

Wenn hochradioaktive Abfälle in dickwandigen Behältern, wie z. B. Pollux-Behältern endgelagert werden, können wegen der Abschirmwirkung durch die Behälter praktisch keine Strahlenschäden im umgebenden Steinsalz auftreten, da die Gesamtdosis im Steinsalz zu gering ist. Selbst bei Unterstellung explosionsartiger Rückreaktionen kann eine Beeinträchtigung der Integrität der Barriere Salzgestein insgesamt durch Strahlenschäden ausgeschlossen werden. Das Problem ist also als gelöst anzusehen.

Damit ist Prof. den Hartog nicht einverstanden.

In einem Kommentar zur RSK-Stellungnahme drückt er sein Erstaunen darüber aus, dass die deutsche Seite seit über 20 Jahren dieselbe Meinung vertritt, ohne Erwähnung oder Berücksichtigung seiner Forschungsergebnisse. Fast alle experimentell erarbeiteten Ergebnisse stammen aus dem Groninger Institut. Das Wissen über die Strahlenschädigung ist trotzdem noch sehr begrenzt.

Eine Entscheidung auf dieser völlig unzureichenden Wissensbasis, Salz als Wirtsgestein zu wählen, ist nicht zu verantworten.

Christian Ruhsert


R o l l e n d e r  W i d e r s t a n d

Spaß und Ernst bei der Bustour der Bürgerinitiative Umweltschutz entlang der Castorstrecke

„Super - Klasse - tolle Sache“ so bedankten sich viele der fast 200 Teilnehmenden der vier Bustouren, die jeweils am Sonntag Nachmittag von Harlingen über Dannenberg nach Gorleben führten.

An Bord waren Vertreter der INI 60 und Neuzugezogene, Touristen aus anderen Bundesländern, sogar aus den Niederlanden, England und Österreich, ein Gymnasialdirektor aus Hannover, der im Herbst mit einer kompletten Jahrgangsstufe das Wendland besucht, generell Menschen zwischen 8-80 Jahren.

Spaß pur waren die Geschichten um den Gorlebener Widerstand, die Lilo Wollny, Birgit Huneke, Wolfgang Ehmke und Rebecca Harms den Mitreisenden gekonnt berichteten. So wurde bei der ersten Fahrt Martin Donat (Vorsitzender des Kreis-Atomausschuss) während der Kaffeepause bei Siegmund Schmaggel in Breese/Marsch von zwei täuschend echten verdeckten Ermittlerinnen festgenommen. „Alltag im Wendland während der Castorzeit“, lösten Constanze Schrader von der Theatergruppe „Fiese Matenten“ die Szene später auf. Silke Lakin von den Gorleben Clowns `kehrte den Atommüll unter den Teppich’. Bei der nächsten Fahrt tauchte während der Kuchenpause bei Marlies Steffens in Nebenstedt Trommellehrer Benno Fischer mit zwei Trommlern auf und begleitete die Reisegruppe mit afrikanischer Trommelmusik bis vor das Erkundungsbergwerk im Gorlebener Wald – Surrealismus pur.

Bei der vierten Fahrt überraschte der Geigenvirtuose Johannes Ammon und der Gitarrist Franz Klahn mit beeindruckenden Kostproben ihrer Fähigkeiten die Gäste während der Kaffeepause bei Marlies.

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Zusätzlich zu den vier schon genannten Reiseleitern am Mikrophon berichteten Jutta von dem Bussche und Martin Nesemann über Widerstandskonzepte an der Schiene „Wider s tanz“ im November, in Hitzacker und der Seerauer Brücke, so dass auch der Ernst der Sache nicht zu kurz kam. Polizeicontainerdorf, Verladekran, Splietauer Tunnel, Gusborner Kreuze, Grippeler Nadelöhr, Laaser Kessel & Zirkuszelt waren einige der Stationen, bis die Fahrt vor das Zwischenlager bei vielen Reisenden ein mulmiges Gefühl auslöste, angesichts der Wetterschutzhalle mit 80 Castorbehältern hochradioaktiven, Wärme entwickelnden Atommülls. Die Kühlung erfolgt über die „Naturluftzirkulation“ durch die gut sichtbaren Lüftungsschlitze an Boden und Decke der Halle. Zwecks Kostenminimierung wurde auf Filteranlagen verzichtet. Die Außenwände der Halle sind zum unteren Bereich hin von 20 auf 50 Zentimeter Dicke verstärkt, um eine erhöhte Strahlenabschirmung zu erreichen. Denn sowohl Gamma- als auch Neutronenstrahlung wird durch die Behälterwände nur unzureichend abgeschirmt. „Strahlung gibt es hier keine und einen Flugzeugabsturz hatten wir noch nicht “, berichtete die Dame an der Pförtnerloge auf die Frage nach der Sicherheit der Anlage. Diese kabarettreife Einlage war allerdings nicht bestellt.

Vor dem Erkundungsbergwerk gab es spezielle Informationen zu der Endlagerproblematik: Dass es weltweit kein Endlager für hochradioaktiven Müll gibt, die Asse als Pilotprojekt für Gorleben vermASSElt ist – weil „absäufig“ - und der Baustopp (Moratorium seit 200) für das Bergwerk in Gorleben nicht für eine alternative Standortsuche genutzt wurde. Über dem Gorlebener Salzstock fehlt seit der letzten Eiszeit das schützende Deckgebirge über 7,5 qkm, der ebenfalls schützende Gipshut fehlt an vielen Stellen und es gibt wie in der Asse wasserleitende Anhydrite bis in die Einlagerungstiefen hinab. Wir setzen uns deshalb vehement gegen eine Endlagerung von Atommüll in das Gorlebener Bergwerk ein!

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Nachdem man nun 40 Jahre lang hochrangigen Wissenschaftlern, mit Millionenbeträgen ausgestattet, die Aufgabe übertragen hatte, das Atommüllproblem zu lösen, ist die propagandistische, volksverdummende Frage: „Ja wohin soll er denn nun, der Atommüll ?“ der Atomindustrie an die Atomkraftgegner ein schlechter Witz, gleichbedeutend mit dem Eingeständnis ihrer absoluten Unzuverlässigkeit und Unfähigkeit. Von Skrupellosigkeit, wie bei der ASSE II zu besichtigen, ganz zu schweigen. Darin waren sich die Mitreisenden PolitikerInnen aus Europaparlament, Bundestag, Niedersächsischem Landtag und Kreistag von SPD, Grünen und die Linke einig. Die Sorgenfalten erzeugende Betroffenheit wurde auf der Rückfahrt durch die köstliche Persiflage von Walter Dlugosch abgemildert, der in professioneller Manier Marcel Reich-Ranicki und Inge Meysel als Atomkraftbefürworter bzw. Atomkraftgegner zu Wort kommen ließ.

Organisiert wurden die Fahrten vom neuen Mitvorsitzenden der BI, Gerhard Harder, der auch als Hobby-Busfahrer fungierte. Der Reisebus wurde von der Firma Irro zu besonders günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt, so dass über die Spendeneinnahmen während der vier Fahrten die Kosten für die BI im Portokassenbereich lagen. Der Schulterschluss bei der uneigennützigen Planung, Durchführung und Mithilfe so vieler unterschiedlicher Menschen macht Mut und gibt Kraft für die kommenden Herausforderungen. Insofern sehen wir der bundesweiten Großdemo in Gorleben am 08.11.08 mit gespannter Erwartung entgegen.

Gerhard Harder


AKW - Laufzeitverlängerung: Propaganda, Greenwash & "Killing Fields"

Die wenig diskutierten "Killing Fields" der AKW-Laufzeitverlängerung

Die Atomindustrie und ihre Lobbyisten in den Parlamenten wollen die alten Atomkraftwerke länger laufen lassen und damit gut verdienen. Über Randaspekte dieser Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke wird in der Öffentlichkeit sehr intensiv diskutiert.

Die wichtigsten Aspekte dieser Debatte, die mit der AKW-Laufzeitverlängerung verbundene zunehmende Gefahr katastrophaler Unfälle, das Krebsrisiko und die mit langen Laufzeiten verbundenen satten Gewinne der Energiekonzerne, fallen in dieser Debatte und der Medienberichterstattung häufig unter den Tisch und dies hat seine Gründe.

Die Atomlobby hat Werbeagenturen beauftragt, die Laufzeitverlängerung in den Medien, der öffentlichen Meinung und politisch durchzusetzen, aber auch um den Neubau von AKW, zuerst einmal in Frankreich und in der Schweiz, zu forcieren. Eine der größten PR-Firmen der Welt, Burson Marsteller, hat im Auftrag der Öl- und Kohleindustrie jahrelang Kampagnen zur Verharmlosung des Klimawandels organisiert. Jetzt arbeitet Burson Marsteller für die Atomindustrie. Im Zusammenhang mit der medialen Durchsetzung der Gentechnik hat Burson Marsteller eine wichtige Strategie entwickelt, die jetzt auch bei den PR-Kampagnen für die Gefahrzeitverlängerung und für neue AKW zur Anwendung kommt: “Wer eine Gefahrtechnologie politisch und medial erfolgreich durchsetzen will muss die"Killing Fields" meiden.” Die “Killing Fields” sind die Themenbereiche, bei denen die Gen- oder Atomlobby in der öffentlichen Meinung nur verlieren kann. Dies sind bei der Laufzeitverlängerung für AKW die zunehmenden Unfallgefahren, Kinderkrebs und AKW und die satten Profite durch die Risikoverlängerung. Über diese zentralen Themen soll öffentlich nicht diskutiert werden. Analysieren Sie einmal die Mehrzahl der Medienberichte unter diesem Aspekt oder schauen Sie sich die Wikipedia-Seite zum Thema Laufzeitverlängerung an. Die Manipulationskampagnen der Atomindustrie sind erschreckend erfolgreich.

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Laufzeitverlängerung und atomare Gefahren

Alternde, laufzeitverlängerte AKW vergrößern die Unfallgefahr. Durch den Dauerbeschuss mit Neutronen aus der Kernspaltung, extrem hohe Temperaturen und Temperaturunterschiede, mechanische Belastung und Korrosion altern die einzelnen Bauteile der Atomkraftwerke, das Risiko eines Unfalls durch Materialermüdung steigt. Zwar werden immer wieder alte Reaktoren mit neuer Technologie nachgerüstet, doch die Kombination aus alter Technik des letzten Jahrhunderts und neuer Technik birgt bisher unbekannte Probleme und Risiken. Während Wärmetauscher, Reaktordeckel, Rohrstücke und andere Teile unter teilweise immensen Kosten und Risiken für die AKW-Arbeitnehmer (und insbesondere für die Leiharbeiter) ausgetauscht werden können, kann das am stärksten von der Neutronenstrahlung belastete Reaktordruckgefäß nicht ausgetauscht werden. Haarrisse wachsen und der Stahl wird spröde und korridiert. Im März 2002 entdeckten Experten bei der Überprüfung des Atomreaktors „Davis Besse“ in den USA eher zufällig, dass der Stutzen des Reaktordeckels bereits zu drei Vierteln durchgerostet war – ohne dass es zuvor jemand gemerkt hatte. Grosse Risse im Reaktordruckgefäß oder ein Abriss der Hauptkühlmittelleitung führen zwangsläufig zum nicht beherrschbaren Super-GAU.

Alte Siedewasserreaktoren: Gefährliche technologische Dinosaurier

Auf Grund ihrer besonders veralteten Technologie (nur ein Kühlkreislauf / Einführung der Steuerstäbe nur von unten / Wasserstoffbildung...) stellen gerade die Siedewasserreaktoren ein besonderes Risiko dar. 6 der derzeit noch laufenden 17 Meiler in Deutschland und 2 der 5 Reaktoren der Schweiz sind Siedewasserreaktoren. Die beiden Skandalreaktoren Brunsbüttel und Krümmel sowie der Beinahe-GAU-Reaktor Forsmark in Schweden sind Siedewasserreaktoren. Und deswegen müssen alle Siedewasserreaktoren so schnell wie möglich vom Netz, auch wenn die abgeschriebenen AKW den Betreibern satte Profite bringen. Seit Mitte der 80er Jahre zeigte sich bei Siedewasserreaktoren des US-Herstellers General Electric (GE), dass sie entgegen den ursprünglichen Annahmen sehr anfällig für Spannungsrisskorrosion sind.

Laufzeitverlängerte AKW und Krebs

Aus einer Studie, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007 veröffentlichte, geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Die Studie zeigt, dass auch im weiteren Radius um AKW die Kinderkrebshäufigkeit zunimmt. Der prozentuale Anteil sinkt zwar, dafür nimmt aber die Anzahl der kranken Kinder zu, denn dort wohnen und leben mehr Kinder als in direkter Nähe des AKW. Gerade die alten Siedewasserreaktoren mit nur einem Wasser- Dampfkreislauf sind berüchtigt für die Abgabe von Radioaktivität im so genannten "Normalbetrieb".

Atomkraftwerke, Laufzeitverlängerung und Geld

Bei der Debatte um Laufzeitverlängerung verwundert immer wieder die Vehemenz mit der die Atomlobby, Atomkonzerne und Atomparteien für ein höheres Atomrisiko streiten. Warum werden die Gefahren nicht gesehen? Die Antwort ist einfach. "Its the money stupid“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbyisten aber viel Geld: Die Heinrich-Böll-Stiftung hat die satten Gewinne berechnet, welche die Triebfeder der Atomlobby sind: „Für die älteren – und in den nächsten Jahren zur Stilllegung anstehenden – Atomkraftwerke ergeben sich „Zusatz“erträge von durchschnittlich 200 bis 300 Mio. Euro jährlich, für die neueren Anlagen summieren sich die jährlichen Zusatzerträge auf 300 bis 400 Mio Euro.

Alte und neue AKW sind gefährlich

Die Nutzung der Atomenergie in neuen und alten AKW ist eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Der Ausstieg aus dieser gefährlichen Technologie muss schnell erfolgen. Der Versuch der Atomindustrie und der Atomlobby den “Atomausstieg”, diesen viel zu zögerlichen Kompromiss, zu Fall zu bringen ist mehr als ein Skandal. Die Umweltbewegung hatte den schlecht ausgehandelten
“Atomausstieg” in der Vergangenheit aus einer Vielzahl von Gründen kritisiert. Jetzt droht sogar das Scheitern dieses schlechten Kompromisses.

Neben den Gefahren für Leben und Gesundheit zeigt die bisher sehr einseitige Debatte auch die undemokratische Macht großer Konzerne und der PR-Industrie. Die “Killing Fields” der AKW-Laufzeitverlängerung, insbesondere die zunehmenden Gefahren laufzeitverlängerter AKW´s müssen in den Mittelpunkt der Debatte gerückt werden.

Axel Mayer
BUND Geschäftsführer


Doch hochaktiver Müll in Asse

Vor 30 Jahren wurden abgebrannte Brennelemente eingelagert

Im niedersächsischen Atommüllendlager Asse liegt entgegen offiziellen Beteuerungen doch hochradioaktiver Abfall.

Diesen Vorwurf erheben Bürgerinitiativen, atomkritische Wissenschaftler und Politiker der LINKEN. Gleichzeitig wurde bestätigt, dass die radioaktiv belastete Lauge im Bergwerk aus korrodierenden Atommüllfässern stammt.

Dokumente, deren Kopien der Zeitung Neues Deutschland vorliegen, zeigen, dass zwischen 1973 und 1976 mindestens 94 Fässer mit kugelförmigen Brennelementen aus einem Versuchsreaktor im Kernforschungszentrum Jülich in die Asse gebracht wurden. Die Fraktion der LINKEN im Niedersächsischen Landtag spricht sogar von »mehreren hundert Fässern mit hochradioaktivem Atommüll« in der Asse. Zwar deklarieren die Begleitpapiere die radioaktiven Kugeln als schwach aktiven Müll, doch der Göttinger Chemie-Professor Rolf Bertram sagt: "Die Grafitkugeln sind bestrahlte Brennelemente und fallen natürlich unter die Rubrik hochradioaktiv."

Die in Beton eingegossenen Grafitkugeln aus dem Versuchsreaktor enthalten den Papieren aus Jülich zufolge unter anderem die radioaktiven Stoffe Cäsium-134, Scandium-46, Europium-154, Ruthenium-155, Antimon-124 sowie das radioaktive Kohlenstoff-Isotop C-14. Bertram wies gestern zudem daraufhin, dass sich im Endlager Asse rund ein Kilogramm des hochradioaktiven Stoffes Americium-241 befindet. "Americium ist ein Zerfallsprodukt von Plutonium und der stärkste Alpha-Strahler, den es überhaupt gibt", so der Wissenschaftler. Bertram ist einer von drei Experten, die den Landkreis Wolfenbüttel zum Thema Asse fachlich beraten.

Die Grafitkugeln stammen aus einem von 1959 bis 1966 in Jülich gebauten Prototypen für den später in Hamm errichteten Hochtemperaturreaktor (HTR). Hochtemperaturreaktoren werden mit Gas statt mit Wasser gekühlt. Sowohl der Versuchsreaktor in Jülich als auch der Leistungsreaktor in Hamm wurden nach etlichen Pannen stillgelegt.

Unterdessen bestätigen neue Untersuchungen, dass die bislang ungeklärte radioaktive Vermischung von Salzlauge in der Asse von verrostenden oder undichten Atommüllfässern in mindestens einer Lagerkammer herrührt. Nach dem vom Umweltministerium in Hannover vorgestellten Gutachten der Technischen Universität Clausthal und des Forschungszentrums Jülich hat die Lösung Kontakt mit dem Atommüll gehabt. Die mit Cäsium-137 und anderen radioaktiven Stoffen verstrahlte Lauge tritt seit Jahren in 750 Metern Tiefe auf. Grenzwerte wurden zum Teil um das Zehnfache überschritten. Laugenzuflüsse gibt es zudem in höheren Bereichen des Endlagers, dort dringen täglich etwa zwölf Kubikmeter Flüssigkeit in das Bergwerk ein.

Der Landrat von Wolfenbüttel, Jörg Röhmann (SPD), wirft dem Betreiber des Bergwerkes Versäumnisse vor. Den Umgang mit radioaktiv belasteter Lauge bezeichnete Röhmann als »undifferenziert und planlos«. Er sagte: "Das sind Bergleute, die verstehen bis heute nicht, dass es um hoch gefährliche Atomabfälle geht."

Die Grünen-Landtagsfraktion sieht sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt. "Ganz offenbar lecken die Fässer schon nach 30 Jahren", sagt Fraktionschef Stefan Wenzel. Zugleich kritisierte er, die Öffentlichkeit werde nur scheibchenweise informiert.

Reimar Paul


Grünes Licht für Gorleben?

Bundesumweltminister Gabriel legt Entwurf für Sicherheitskriterien für die Endlagerung vor.

Das Bundesumweltministerium hat einen Entwurf der „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle“ veröffentlicht und fordert zur Diskussion auf.

Eine erste Durchsicht des Entwurfs zeigt, dass – wie erwartet - von einem Mehrbarrierensystem abgerückt wird. Das gewählte Wirtsgestein – der „ einschlusswirksame Gebirgsbereich“, wie es in dem Entwurf heißt – soll im Zusammenwirken mit geotechnischen Verschlüssen (Schachtverschlüsse, Dämme und Versatz) nunmehr allein gewährleisten, dass die Biosphäre nicht radioaktiv belastet wird. Bisher galt, dass neben dem gewählten Wirtsgestein in tiefen geologischen Formationen wie Salz, Ton oder Granit nicht nur technische, sondern auch weitere natürliche Barrieren einen sicheren Einschluss des Atommülls gewährleisten sollten. In der Gorleben-Debatte kam dem Deckgebirge bekanntlich eine weitere gewichtige natürliche Barrierefunktion zu. Wir sind alarmiert.

Nicht nur Wassereinbrüche und das Absaufen eines Endlagers müssten ausgeschlossen werden, so ist es im Entwurf nachlesbar. Das ist eigentlich lapidar und wurde auch für die beiden Atommülldeponien Asse II und Morsleben, die gerade absaufen, in der Planungsphase ausgeschlossen. So schnell holt die Realität der Planer ein. Wie sieht es hingegen mit den Rinnsälen und Wasseräderchen, den Wasserwegsamkeiten aus, wenn für eine Million Jahre Sicherheit versprochen wird? Doppelt hält besser! Wir brauchen, um es bildhaft zu sagen, Gürtel und Hosenträger. Rückt Sigmar Gabriel von diesem Prinzip ab, weil Gorleben dann automatisch aus dem Kreis möglicher Standorte ausscheidet? Schließlich plädiert Sigmar Gabriel für ein Versuchslabor in Gorleben und außerdem, Gorleben mit anderen Standorten zu vergleichen. Wiederholt hatten Fachleute auf das Manko verwiesen, dass wasserführende Schichten direkt auf dem Salzgestein liegen und keine hinreichende Abschirmung durch Ton vorhanden ist. Da drängt sich eine alarmierende Parallele zum absaufenden Atommülllager Asse II auf!“

Das Endlagersymposium, das auf Einladung des Bundesumweltministers von 30. Oktober bis zum 1. November 2008 in Berlin stattfindet, wird für die Debatte einen geeigneten Rahmen bieten. Wir werden uns dort in die Debatte argumentativ und demonstrativ einmischen.

Glück auf!

Wolfgang Ehmke

 


MAYAK- eine 51 Jahre währende Katastrophe

Am 29. September 1957 um 4:20 ereignete sich das Unglück. Ein Atommüllbehälter explodierte im weltweit größten Atomkomplex Mayak, in der Stadt Ozyorsk, in der Region Chelyabinsk.

Radioaktives Material mit einer Gesamtdosis von 20 Millionen Curie wurden freigesetzt, von der Verseuchung sind 270 000 Menschen in 217 Städten und Gemeinden betroffen.

Über 10 000 Menschen haben alles verloren, was sie hatten: persönliche Dinge, Haus und Vieh. Und die Tragödie setzt sich bis in die heutige Zeit fort. Noch immer werden verstrahlte Landstriche bewohnt, die Folge sind Krankheit und Tod.

Noch immer werden verstrahlte Landstriche bewohnt

Die Opfer werden nicht anerkannt, bekommen keine staatliche Unterstützung. Der Atomkomplex Mayak betreibt bis heute eine Wiederaufarbeitungsanlage, eine Konditionierungsanlage mit Zwischenlager sowie eine Pilotanalage zur Herstellung von MOX- Brennelementen. Der Fluss Techa und der Karachay See gehören zu den am schlimmsten verstrahlten Orten des Planeten. Die 8 fache Gesamtdosis an Radioaktivität wie die des Tschernobylunfalles wurde hier bisher verklappt.

Die russische Umweltorganisation „Ecodefense!“ hat mit Unterstützung der Heinrich- Böll- Stiftung Berlin eine Ausstellung zum 50. Jahrestag realisiert, die nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Fotos, die beeindrucken.

Kerstin Rudek

http://ecodefense.baltic.net.ru/stash/exhibition/index_eng.htm


Europäischer Uran-Aktionstag

Die BIU Lüchow Dannenberg beteiligt sich am internationalen Uranaktionstag am 20. September mit Informationen auf dem Lüchower Marktplatz und einer Abendveranstaltung.

Referent Peter Diehl, vom World Information Service on Energy (WISE), berichtet um 19.30 Uhr, "Alte Post", Dannenberg, in einem Bildervortrag über die Folgen der Verseuchung von Mensch, Tier und Umwelt zwischen Uranabbau und Brennelementfertigung. Bei international besuchten Anti - Atomkonferenzen in Dortmund, Helsinki und Ahaus wurde beschlossen, mit dem länderübergreifenden Uranaktionstag ein Zeichen zu setzen.

In vielen Ländern wird Uran abgebaut und sind Uranfabriken in Betrieb. Der multinationale Urenco-Konzern beispielsweise ist einer der weltweiten Uran-Akteure und betreibt Urananreicherungsanlagen (UAA) in Capenhurst (GB), Almelo (NL) und in Gronau (D). Eurodiff, eine Tochterfirma vom französischen Konzern Areva, betreibt die Atomanlage in Tricastin-Pierrelatte. Der jüngste Unfall in Tricastin zeigt wie wichtig Widerstand gegen diese menschenverachtende Politik ist. Dort sind erhebliche Mengen an uranverseuchtem Wasser (es war die Rede von 75 bis 360 Kilo Uran) in die Umwelt gelangt, woraufhin die örtlichen Behörden die Verwendung des Trinkwassers untersagten. Anfang 2005 wurde zum Beispiel trotz Protesten der Ausbau der UAA Gronau genehmigt. In den Niederlanden läuft ein Genehmigungsverfahren zum Ausbau der UAA Almelo. In Frankreich wird ebenfalls ausgebaut, dafür übernimmt Areva die Patente von Urenco. Zunehmend gerieten in den letzten Jahren Uranhexafluoridtransporte von Gronau nach Russland, und von Frankreich nach Gronau in den Mittelpunkt der internationalen Widerstandsaktivitäten.

Uran wird ständig für die Produktion von Brennelementen für Atomkraftwerke (auch für Atomwaffen) benötigt. Urantransporte finden hierfür regelmäßig quer durch Europa und der Welt statt. Die internationale Zusammenarbeit gegen diese Politik muss weiter ausgebaut werden, denn sie bringt erhebliche Gefahren für Mensch und Natur mit sich. Der Widerstand muss am Anfang der atomaren Brennstoffspirale beginnen:
Uranabbau, Uranverarbeitung, Urantransporte und Urananreicherung / Brennelementefertigung. Der Hahn muss jetzt und überall zugedreht werden! Werdet aktiv ! Was tun? Wir rufen dazu auf, am Samstag, dem 20. September 2008 aktiv zu werden. Wir, das sind anti-atom-bewegte Menschen und Initiativen aus Russland, Deutschland, Frankreich, Finnland etc., die anlässlich von internationalen Anti-Atomkonferenzen 2008 in Dortmund, Helsinki und Ahaus beschlossen haben, einen gemeinsames Zeichen gegen die mit der Uranförderung und Nutzung verbundenen Gefahren für Mensch und Natur zu setzen. Wir bieten einen Rahmen für gemeinsamen Protest am 20. September an.

Es soll wie folgt laufen: Jede lokale Initiative oder Gruppe wählt ihre bevorzugte Protestform aus: egal ob Infoveranstaltung oder Straßentheater, ob direct action des zivilen Ungehorsams oder Pressekonferenz, ob Demonstration oder Zivilinspektion einer Atomanlage. Platz für neue Ideen, Spontaneität und Phantasie muss gegeben sein. Die zahlreichen Facetten der weltweiten Uranmachenschaften der Atomlobby sollen im Fokus der gemeinsamen Proteste stehen: Uranabbau, Atomtransporte, Anreicherung, militärische Nutzung von Uran, etc.

Deine Initiative will mitmachen? Wir wollen diesem Protest eine internationale Dimension geben. Damit wir eine Übersicht über geplante Protestveranstaltungen bekommen, freuen wir uns darüber wenn Du deine Initiative/Protestaktion ins Wiki ( http://uranium-action-day.info ) einträgst oder die Informationen an info=at=uranium-action-day.info verschickst. Vergiss bitte nicht, Ort, Uhrzeit und Kontaktdaten anzugeben.

Greenkids


Probebohrungen in Hamburg Altona

Endlagerstandorte beteiligen sich an Erkundung von Salzstöcken zur Förderung von Akzeptanzproblemen

Nachdem nun die bereits vor Monaten angekündigte Veröffentlichung „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle“ des Bundesumweltministeriums vorliegt, wurde die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) umgehend aktiv.

Als Teilhaberin der „Münchhausen- Gesellschaft zur Förderung von Akzeptanzproblemen“ (GeFAP) wirkte sie mit am Bau eines Erkundungsbergwerkes zur Untersuchung des Salzstockes Othmarschen- Langenfelde auf seine Eignung als Atommüll-Endlager.

Am Montag, den 18. August pünktlich um 10 Uhr, begannen die Arbeiten in Hamburg am Spritzenplatz. Zahlreiche BauarbeiterInnen mit Helmen errichteten einen 7m hohen Bohrturm, auf den ein Förderrad montiert wurde. Baumaschinen, Rüttelplatte und ein Generator mit ohrenbetäubendem Lärm sorgten für das richtige Ambiente.

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Zeitgleich machten sich Menschen in weißen Strahlenschutzanzügen aus Papier- der Transport sollte ja sicher sein- in Hamburgs S- und U- Bahnen mit „Atommüllfässern“ auf den Weg, um den entsprechenden Sachzwang zu schaffen. „Irgendwo muss der Müll ja hin?!“ Gegen Mittag trafen die auf Sackkarren transportierten Fässer dann am Salzstock- Erkundungsbergwerk Othmarschen- Langenfelde ein.

Das 10- jährige Moratorium (die Denkpause/ der Baustopp) in Gorleben, das 2000 wegen geologischer, juristischer und politischer Zweifel in Kraft getreten war, wurde bisher nicht genutzt. Daher hat es sich die „Münchhausen- Gesellschaft zur Förderung von Akzeptanzproblemen“ nun zur Aufgabe gemacht, das Dilemma der nicht gelösten Atommüll- Entsorgung in die Öffentlichkeit zu tragen. So standen dann auch etliche Anwohner und Anwohnerinnen staunend vor dem Baustellenschild.

So wie nur wenige Menschen wissen, dass es einen sehr wohl begründeten Baustopp in Gorleben gibt, leben die meisten Menschen in der Bundesrepublik in dem Glauben, die Castortransporte würden am Ziel ihrer Reise in Gorleben unterirdisch in einem Bergwerk endgelagert, Dass die hochradioaktiven Atommüllbehälter mit ungewisser Zukunft in einer luftigen Halle stehen, lässt die Debatte um Laufzeitverlängerungen und neue Atomkraftwerke in einem anderen Licht erscheinen.

Die Entsorgung und das Endlagerdilemma dürfen beim Thema Atomkraft nicht ausgeblendet werden!

Weitere Probebohrungen sind in Planung, gemeinsam mit den Initiativen von der Asse, Morsleben und Schacht Konrad könnte in Kürze die Förderung von Akzeptanzproblemen in dafür geeigneten Orten betrieben werden. Eignungshöffig erscheinen hierfür Orte in Bayern als auch Berlin, in das Ende Oktober vom Bundesumweltministerium zu einem Symposium zur Endlagerung eingeladen wird.

Bewerbungen als Baufachkraft und Atommüllfassspedition bitte ans BI Büro: 05841 4684

Kerstin Rudek


Herbstkonferenz der Anti-AKW-Bewegung

05. - 07. September 2008 in Braunschweig

Im Zentrum der Konferenz steht eine fünfstündige Arbeitsphase in Arbeitsgruppen am Samstag. Wir schlagen vor, diese für die Diskussion der aktuellen Situation zu nutzen und die Frage, wie wir damit umgehen. CO2 und Preisfrage - argumentieren oder ignorieren. Renaissance, Laufzeitverlängerungen oder Ausstieg ? - Wo setzen wir an, mit welchen Kräften und mit welchen Mitteln. Die Ergebnisse sollen im abendlichen Plenum zusammengetragen werden. Das Abschlußplenum am Sonntag sollte ganz im Zeichen der nächsten Aktionen, etwa der Demonstration am 8. November in Gorleben, und gemeinsamen Projekte stehen.

Mehr dazu: www.herbstkonferenz08.de

Wir bitten alle Standorte, Initiativen und Gruppen ihre Arbeit in Wandzeitungen und Plakaten darzustellen. In Vorbereitung sind bereits eine Ausstellung zur ASSE II und Plakate aus 4 Jahrzehnten Atomkontroverse in Süd-Ost-Niedersachsen.

Dieses mal geht es um viel: Die Rede ist von Renaissance, gepokert wird um Laufzeitverlängerungen. Im Vorfeld der Bundestagswahl pfeift die Energiewirtschaft auf den rot/grünen Atomkonsens und die Parteien entdecken die Atomenergie als Wahlkampfthema. Nach wie vor ist die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Atomenergie, macht davon aber wenig Gebrauch. Und Tag für Tag gibt es neue Katastrophenmeldungen von der Atomtechnik.

Einladung:
Wir laden alle, die in dieser brisanten Situation etwas für den Ausstieg aus der Atomenergie tun wollen ein, vom 5. - 7. September 2008 zur Herbstkonferenz nach Braunschweig zu kommen.

Programmplanung:
Die Vorbereitungsgruppe schlägt vor, die aktuelle Situation und das gemeinsame Vorgehen der Anti-AKW-Bewegung ins Zentrum der Konferenz zu stellen.

Unter dem Titel „30 Jahre Widerstand gegen Atomenergie- Na und ?“ beginnen wir die Konferenz am Freitag Abend mit einer Standortbestimmung.

Für das Eröffnungsplenum am Samstag wünschen wir uns eine begrenzte Zahl von Kurzbeiträgen (maximal 5 Min.), die die aktuelle Situation aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Wer sich mit einem Thema anmeldet, wird vorab auf die Redeliste gesetzt. Wenn es keine Vorabmeldungen gibt, werden wir uns um einige (kontroverse) Beiträge bemühen.

Besonders wichtig sind uns die Arbeitsgruppen am Samstag Nachmittag (13.30 - 18.30 Uhr), weil hier erfahrungsgemäß die wirkliche Meinungsbildung stattfindet. Wir bitten Vorschläge für Arbeitsgruppen schriftlich einzureichen, damit wir sie auf der Homepage ankündigen können.

Wir möchten die Ergebnisse der Arbeitsgruppen auf einem abendlichen Plenum am Samstag zusammenfassen und hier auch die Abschlusserklärung besprechen, um das Abschlussplenum am Sonntag ganz für die Vorbereitung der nächsten Aktionen und Projekte nutzen zu können.

Zeigt’s uns:
Ein ziemlich großer Raum im Grotrian (so heißt das Gebäude, in dem wir tagen) steht für Ausstellungen, Plakate und Infomaterial zur Verfügung. Bitte nutzt die Möglichkeiten.

Wir wünschen uns von möglichst jedem Standort, von Initiativen und Organisationen Bilder, Plakate und andere Schaustücke aus der eigenen Arbeit. Sagt uns, was ihr braucht (Stelltafeln, Tische, Technik) und wir werden es besorgen.

Presse
Wir begrüßen, wenn die Presse über die Anti-AKW-Bewegung berichtet und werden sie zur Konferenz einladen.

Dabei gehen wir davon aus, dass in Arbeitsgruppen nicht oder nur nach Absprache fotographiert und gefilmt wird und das Journalisten, die an Arbeitsgruppen teilnehmen wollen, dies in der Arbeitsgruppe selbst klären.

Abschlusserklärung:
Wer über die immer währenden Weisheiten der Anti-AKW-Bewegung hinaus konkrete Anliegen in die Abschlusserklärung einbringen möchte, wird gebeten, konkrete Formulierungsvorschläge für sein Anliegen (Aktion, Projekt, besondere Bedeutung, wie auch immer) vorzubereiten oder uns möglichst bald zukommen zu lassen.

Anmeldung:
Die Anmeldung kann formlos über eMail erfolgen. Dabei bitten wir (bei Gruppen und Organisationen) die ungefähre Zahl der TeilnehmerInnen, sowie ggfs. Wünsche (Übernachtung, Stelltafeln usw.) anzugeben. Für die Anmeldung und Vermittlung von Schlafplätzen steht zudem ein online- Formular zur Verfügung.
anmeldung-at-herbstkonferenz08.de

Übernachtung:
Wir vermitteln auf Wunsch private Schlafplätze. Bitte bei der Anmeldung angeben.

Tagungsbeitrag/Spenden:
Wir bitten alle TeilnehmerInnen um den üblichen Tagungsbeitrag von 15,-€. Da hierdurch die Kosten für Vorbereitung und Durchführung in der Regel nicht vollständig gedeckt werden, sind wir weiterhin auf Spenden angewiesen. Beiträge und Spenden können im Tagungsbüro bezahlt werden oder mit Stichwort "Herbstkonferenz" vorab auf das Konto 37 87 52 - 302 der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V. bei der Postbank Hannover (BLZ 25010030) überwiesen werden.

Tagungsort:
Die Herbstkonferenz findet im Grotrian, einem Gebäude der TU Braunschweig statt, in dem früher Klaviere gebaut wurden. Eingänge: Zimmerstraße 24 und Bültenweg 88.

Anreise:
Der Tagungsort ist vom Bahnhof aus gut mit Bus und Straßenbahn zu erreichen. Details dazu auf der Homepage. Hier findet sich auch eine google-map zur Routenplanung für die Anreise mit Auto. Auf Wunsch schicken oder mailen wir aber auch alles nochmal zu.

Vorbereitungsgruppe:
Die Tagung wird vom Anti-Atom- Referat des ASTA der TU Braunschweig ausgerichtet. In der Vorbereitungsgruppe beteiligen sich:
Anti-Atom-Plenum- Braunschweig,
Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V.,
ASSE-II-Koordinationskreis,
IPPNW-Regionalgruppe Braunschweig,
RobinWood Regionalgruppe Braunschweig
sowie Einzelpersonen.

Mehr Informationen:
www.herbstkonferenz08.de

Kontakt:
info=at=herbstkonferen08.de
(für alle Fragen)
anmeldung=at=herbstkonferenz08.de
(Anmeldung / Bettbörse)
diskussion=at=herbstkonferenz08.de
(für Beiträge zur Homepage)
Telefon vor der Konferenz:
0531 / 89 56 01 (Peter Dickel)
Konferenztelefon wird kurzfristig bekannt gegeben.


Die BI zieht um & vergrößert sich

Aus dem „nur“ BI-Büro wird jetzt ein BI-Büro im Kommunikationszentrum der Bürgerinitiative Umweltschutz. Statt der 1 ? kleinen Räume mit Abstellkammer nebenan gibt es ab sofort ein ganzes Haus, in dem es mehrere Büros, einen kleinen gemütlichen Aufenthaltsbereich mit Terrasse, Tagungsraum für alle Gruppensitzungen und einen Lese-/Medienraum geben wird.

Die Öffnungszeiten bleiben die gleichen:
Mo, Mi, Fr, Sa: 9-12 h & Di, Do 15-18 h.

Auch die Telefonnummer bleibt dieselbe: 05841-4684. Ihr findet uns weiterhin in Lüchow, jetzt auf der anderen Seite der Langen Straße: Rosenstr. 20, neben dem Kino. Wir freuen uns, wenn ihr das Haus mit Leben füllt und wir gemeinsam dort die Vorbereitungen für die jetzt anstehenden Projekte Endlager-Symposium Berlin, Castortransport im November und Rückbau des Erkundungsbergwerkes Gorleben in Angriff nehmen.

Also schaut doch mal vorbei: zum Handanlegen beim Renovieren oder Umziehen, Kaffeeschlürfen & Räume besichtigen oder dem ersten Ortsgruppentreffen ....

Festumzug & Einweihungsfeier entnehmt der EJZ bzw. BI-Seite www.bi-luechow-dannenberg.de

P.S.: Aufgrund der Wohlgesonnenheit der alten & neuen Vermieter kann der Umzug schon im September über die Bühne gehen & die Mehrkosten für die Rosenstraße sind vergleichsweise gering. Aber auf Spenden sind wir im Herbst dringend angewiesen:

Konto: 44 060 721 bei der Sparkasse Lüchow, BLZ: 258 50 110 Vielen Dank !

Atomkraftwerke abschalten - Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg!

Unterzeichnen Sie die Erklärung: Eigentlich soll der Atomausstieg endlich greifen: Vier Reaktoren stehen vor der Abschaltung. Doch die Atomlobby will längere Laufzeiten für ihre AKWs erwirken - und den Atomausstieg auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Jetzt müssen wir Bürger/innen die Abschaltung durchsetzen. Sagen Sie Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg! Unterzeichnen Sie unsere Erklärung! Die Erklärung und die Unterschriften veröffentlichen wir als Anzeigen in großen Tageszeitungen und bei medienwirksamen Aktionen.

Wir Bürgerinnen und Bürger sagen Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg! Atomkraftwerke müssen abgeschaltet werden, denn:

• Das Risiko von Unfällen steigt kontinuierlich. Die deutschen Reaktoren werden immer maroder. Die Gefahr eines SuperGAUs nimmt mit jedem Betriebsjahr zu. Vor Terrorangriffen sind Atomreaktoren nicht effektiv zu schützen.
• Atomkraft macht Strom nicht billig, sondern Konzerne reich.
• Der Atommüll strahlt unbegrenzt.
• Atomkraft schützt nicht das Klima.
• Strom ist genug da. Das Umweltbundesamt hat es vorgerechnet.
Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz gehören die Zukunft! www.campact.de

Impressum

Die "Gorleben-Rundschau" erscheint 10-12mal jährlich und wird herausgegeben von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

Für Neuerungen und produktive Anregungen sind wir immer ansprechbar. Es ist erwünscht, eigene Texte zum Thema Atomkraft, Gorleben und erneuerbare Energien einzubringen; sie werden gerne veröffentlicht, sofern sie in den Kontext der Ausgabe passen.

 Redaktion: H. Eckert, W. Taubitz, F. Althoff
Bildmaterial:  G. Harder
Mitarbeit:  W. Ehmke, C. Ruhsert, G. Harder, A. Mayer, R. Paul , K.Rudek, Greenkids, P. Dickel, www.campact.de
Auflage: 1'000

BI-Büro, Drawehner Str. 3, 29439 Lüchow Tel.: 05841 / 46 84 Fax: 05841 / 31 97

Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr, Sa: 9-12 Uhr, Di, Do: 15-18 Uhr.

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Bearbeitet am:10.09.2008/ad

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