| GORLEBEN RUNDSCHAU |
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Juli2008
AUSGABE 4 |
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Castor-Skandal: Sicherheitsprobleme offenlegen!Schönrechnungen, Trickserei, Unzuverlässigkeit Betriebsgenehmigung entziehen!Schönrechnungen, Tricksereien, Unzuverlässigkeit. Das sind die offensichtlichen
Markenzeichen der deutschen Castor - Behälterbauer. "Defizite des Antragstellers bei
grundlegenden Fragestellungen", beklagt die Bundesanstalt für Materialprüfung
(BAM). Im Klartext, die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) hat versucht die Behörde
mit geschönten Rechenmodellen auszutricksen, um Genehmigungen zu ergaunern. Diese wird von der GNS - Tochter Brennelementlagergesellschaft (BLG) betrieben. Statt nun Konsequenzen zu ziehen, hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) den im November zu erwartenden nächsten hochradioaktiven Transport mit einem französischen Behältertyp (TN 85) genehmigt. Auch gegenüber unserer Forderung nach Offenlegung der sicherheitsrelevanten Unterlagen stellt sich die Genehmigungsbehörde taub. Damit wird zusätzlich erschwert, Klagerechte ausreichend wahrnehmen zu können. Wegen erhöhten Abbrands der bis Mitte 2005 aus deutschen Atommeilern nach La Hague gelieferten Brennelemente und der daraus resultierenden höheren Wärmeleistung des Atommülls sollte ein neuer Behälter entwickelt werden. Dieser muss die höhere Temperatur aushalten und die enorm erhöhte Gamma- und Neutronenstrahlung abschirmen können. Die Wärmeleistung erhöht sich von bislang 45 kW um über 20% auf 56 kW. Wie die Süddeutsche Zeitung (29.04.05) berichtete, hat es im Zulassungsverfahren für den neu entwickelten deutschen Castorbehälter HAW 28M Unstimmigkeiten gegeben. Die BAM moniert, dass für das Zulassungsverfahren Modelle so verändert worden seien, dass sie bestimmte Ergebnisse brächten. Nächster Skandal: Obwohl der Behältertyp HAW 28M noch gar nicht zugelassen ist, hat die GNS schon Exemplare gebaut. Wir prangern seit Jahren an, dass die Sicherheit der Behälter mit hochgefährlichem Atommüll ohne realistische Testreihen lediglich mit Rechenmodellen behauptet wird. Auch bei Falltests mit dem französischen und deutschen Behälter wurden nur verkleinerte Modelle benutzt. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Originalbehälter ist äußerst zweifelhaft. Falltests mit kleinen Modellen Auch der Physiker und Castor-Experte Wolfgang Neumann von der Gruppe Ökologie aus Hannover bemängelt, dass keine umfassenden Informationen zu den Behältern zugänglich sind. Sowohl der im November zu erwartende französische Behältertyp TN 85, als auch der noch nicht genehmigte deutsche Castor HAW 28 M hätten keine ausreichenden Prüfungen durchlaufen. Wolfgang Neumann: "Die für die neuen Behältertypen durchgeführten Fallversuche sind zwar zu begrüßen, aber sie wurden leider nur mit verkleinerten Modellen durchgeführt. Für wirklich belastbare Aussagen reichen Fallversuche mit verkleinerten Modellen nicht aus, da nur ein Teil der wesentlichen Sicherheitsaspekte mit einfachen Skalenfaktoren auf die Originalgröße übertragbar sind." Bei den Versuchen mit kleinen 1:3 Modellen verschöben sich die sicherheitsrelevanten Parameter erheblich. Beispielsweise wiege ein Modell lediglich 15 Tonnen, während das Original gut 100 Tonnen wiegt. "In Bezug auf das Zulassungsverfahren für den CASTOR HAW 28M ist zu vermuten, dass die GNS nicht in der Lage ist, Unterschiede zwischen den Ergebnissen der praktischen Versuche und der Berechnungen zu erklären. Dies zeigt die Problematik der theoretischen Sicherheitsnachweise." Auch zu Risiken von Flugzeugabstürzen auf Zwischenlager nahm Neumann Stellung: "Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil von April 2008 zum Zwischenlager am AKW Brunsbüttel eindeutig festgestellt, dass Betreiber von Atomanlagen zur Vorsorge gegen gezielten Flugzeugabsturz und andere Einwirkungen verpflichtet sind und diesbezüglich auch ein Klagerecht für Anwohner besteht. Dies trifft logischer Weise auch für das Transportbehälterlager Gorleben zu." Die Rechtshilfe Gorleben prüft derzeit die Klagemöglichkeiten. Schutzpflicht wird vernachlässigt Es ist unglaublich, wie Ämter, Genehmigungsbehörden und Politik ihre Schutzpflicht
gegenüber der betroffenen Bevölkerung vernachlässigen. Entspricht doch allein das
Inventar eines Behälters etwa 20% der bei der Tschernobylkatastrophe freigesetzten
Strahlung. So erklärten im Februar 2005 Experten des BfS vor dem Rat der Stadt
Dannenberg, dass wirkliche Tests gemäß ihrer Interpretation der Vorschriften der
Internationalen Atomenergiekommission nicht erforderlich seien. Für die Zulassung
reichten auch Berechnungen aus, die sich auf Tests mit ähnlichen Behältern oder Modellen
beziehen, die in den 70er und 80er Jahren vorgenommen wurden. Das Amt habe diese
Berechnungen auch nicht selbst durchgeführt oder überprüft. Das sei Aufgabe der von den
Strahlenschützern beauftragten BAM. Welche Berechnungen diese im Einzelnen vornahm, und
wie weit diese sich auf Daten der Behälter-Hersteller berufen, könnten sie nicht
beurteilen. Reale Tests wie beispielsweise Fall- und Brandversuche, lehnt das BfS aus
Kostengründen ab. Francis Althoff Strahlende LaugeIn Gorlebens Pilotanlage, dem Salzbergwerk Asse II droht ein GAU24. Juni 2008. Krisengipfel in Berlin. Sigmar Gabriel, Bundesumweltminister (SPD), Dr. Annette Schavan, die CDU-Forschungsministerin, und Kettensägen-Sander, Umweltminister in Hannover (FDP), treffen sich in Berlin, reden über die absaufende Asse, reden sich heraus, keiner will die politische Verantwortung übernehmen. Sie gründen eine Arbeitsgruppe . Dabei liegt auf der Hand: Die Strahlensuppe wurde illegal verpresst, Wassereinbrüche waren schon Ende der 60er Jahre absehbar. Die Zuverlässigkeit der Betreiber ist dahin, die GSF - heute Helmholtz Zentrum München - hat sich auf die Knochen blamiert, aber die Zuständigkeit bleibt wegen des großartigen Sachverstands Ministerin Schavan Anfang des Jahres bei ihrem Besuch vor Ort in der Hand jener Akteure, die das Atommülldilemma zu verantworten hätten. Achtung: das nächste Forschungslabor wird in Gorleben geplant! Warum beschäftigen wir uns mit der Asse, haben wir zuviel Zeit? Mit einer rhetorischen Frage eröffnete Gerhard Harder am 20. Juni die erste Veranstaltung der Bürgerinitiative Umweltschutz zum Atommülldilemma im gut besetzten Saal der Alten Post in Dannenberg. Im Gegenteil, die Zeit läuft uns davon, das Moratorium in Gorleben läuft aus, mahnte Harder. Aber die Bezüge zwischen der Asse und Gorleben seien der Grund für diese Veranstaltung. Was in der ehemaligen Kaligrube bei Wolfenbüttel geschehe, dürfe sich in Gorleben nicht wiederholen. Jahrelang galt die Asse als Prototyp für Gorleben, jetzt kämpfen Anwohner
der havarierten Atommülldeponie dafür, den Strahlenmüll herauszuholen, bevor es zu
spät ist. Täglich fließen 12 Kubikmeter Wasser in die Schachtanlage, und zwar
unkontrollierbar. Der Schacht droht abzusaufen. Das Wasser wird bisher aufgefangen und in
den Grubensumpf abgepumpt. Doch nun wurde publik, die Laugen sind kontaminiert. Mit
Cäsium-137, Strontium, Radium und Plutonium. Das Helmholtz Zentrum, die Betreiberin der
Anlage, beschwichtigt, für Menschen und Umwelt bestünde keine Gefahr, obwohl geringe
Mengen der Salzlösung bereits auf der Sohle aufgefangen werden, in denen nukleare
Abfälle lagern. In der Asse II stapelte die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF), heute das
Münchener Helmholtz Zentrum, zwischen 1967 bis 1978 124.494 schwachradioaktive Fässer
und 1.293 mit mittelradioaktiven Abfällen. Ein Großteil der Fässer wurde einfach
abgekippt und schon bei der Einlagerung beschädigt. Lauge sickert seit 1988 in die
Salzstöcke ein. Das Fluten der Anlage mittels eines Magnesiumschutzfluids solle das
drohende Desaster, das Absaufen, abmildern. Das Helmholtz Zentrum München nennt diese
Variante euphemistisch Nassverwahrung. Strömungsbarrieren sollen verzögern,
dass die Atommüllfässer schnell umspült werden. Der Einbau der ersten drei
Strömungsbarrieren wurde im Frühjahr abgeschlossen. Trotz der Havarie des Atommülllagers preist das Helmholtz Zentrum München auf seiner Internetseite die Asse immer noch ungeniert als Forschungsfeld. In der Schachtanlage Asse, einem ehemaligen Salzbergwerk, wurden von 1965 bis
1995 Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Endlagerung radioaktive Abfälle in
Salzformationen durchgeführt. Eine Einlagerung von radioaktiven Abfällen findet seit
1979 nicht mehr statt. Als Dienstleistungseinrichtung des Helmholtz Zentrums München
steht die Schachtanlage allen Interessenten zur Durchführung von Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten für die sichere Endlagerung radioaktiver und chemisch-toxischer
Abfälle unter realistischen Bedingungen zur Verfügung. Bis 2017 soll die Schließung der
Schachtanlage nach Bundesberggesetz vollzogen sein.Quelle: (www.
helmholtz-muenchen.de/asse/asse-home/index.html) Wolfgang Ehmke "Endspiel um Atomkraft?"Ende Mai war ich in Prag. Leider nicht um mit Milan Horacek über den Prager Frühling zu diskutieren. Ich war beim ENEF. Dieses Kürzel steht für "European Nuclear Energy Forum". Dahinter steckt die Europäische Kommission. Und hinter der steckt die Atomindustrie Europas. Gemeinsam und dabei unterstützt von einigen EU-Staaten hatte man sich im Herbst 2007 vorgenommen, einen vorurteilsfreien und enttabuisierten Dialog um die Zukunft der Atomenergie zu organisieren. Selbst Kritiker der Atomspaltung sollten in diesem Forum zu Wort kommen. Tatsächlich befanden sich unter den ca. 200 Teilnehmern auch zwei Vertreter von Anti-AKW Gruppen. Zählt man mich dazu, dann waren wir schon drei. Nach zwei großen ENEF-Veranstaltungen in Bratislava und in der letzten Woche in Prag und etlichen Sitzungen in Arbeitsgruppen kann ich eines festhalten: Ich bekenne, meine (Vor)-Urteile bestehen fort. Die Sprecher der Atomwirtschaft, die in Prag aufgetreten sind, halten die fehlende Akzeptanz für die Atomkraft für das größte atomare Risiko. Sie fürchten weder große Unfälle, noch sehen sie ein größeres Problem in der Endlagerung von Atommüll. Sie ignorieren oder relativieren Gefahren durch Terrorismus ("Aber liebe Frau Harms, Al Qaida könnte doch auch ein Chemiewerk angreifen!") Und gegen die Bombe in den falschen Händen - also gegen Proliferation - hat man ja Muhammed El Barradei und den Nichtweiterverbreitungspakt. Und weil der bisher Lücken hatte (man denke an Nordkorea) oder Widersprüche (z.B. in Sachen Iran), weil es einfach gar nicht gut lief, will man sich jetzt bessern. Dazu gelobten Kommissionspräsident Barroso und El Barradei jüngst, ihre Zusammenarbeit zu verstärken, um in Entwicklungsländern die Grundlagen für Atomkraft zu schaffen. Überall da wo es bisher weder institutionelle noch rechtliche Grundlagen für die Atomkraftnutzung gibt, wollen EU und IAEA helfen. Denn die Verbreitung der Atomkraft in der Welt ist das gemeinsame Ziel. Besonders drängt es den tschechischen Ministerpräsidenten Topolanek an die Pro-Atom-Front. Er fordert die verstärkte Zusammenarbeit der Pro-Atom-Mitgliedstaaten. Mir schien, er würde am liebsten eigenhändig anpacken in Temelin. Aber bevor es dort um den nächsten Block gehen wird, wird es wohl aus Brüssel grünes Licht für Mochovce geben. Beim ENEF wurde hier und da gemunkelt, dass ENEL wegen revidierter Kostenkalkulationen Abstand nimmt von diesem verrückten Plan, Reaktoren ohne Containment zu bauen. Unter vier Augen wurde auch schon mal von dem einen oder anderen aus der deutschen Atomwirtschaft die Belene- oder Mochovce-Strategie der Konkurrenz kritisiert. Auf dem Podium und vor Publikum wird darüber vornehm geschwiegen. Diskussion ohne Tabus eben. Nachts auf der Moldau war es schöner. Bei Greenpeace im Boot hatte ich nicht nur die großen Projektionen gegen den atomaren Wahn im Blick. Ich konnte auch sehen, wie Hunderte Passanten auf der Karlsbrücke fasziniert die Demonstration beobachteten und immer wieder applaudierten. Das Endspiel um die Atomkraft hat begonnen. Noch sind wir stark aufgestellt. Und das ENEF ist viel zu hermetisch und selbstreferenziell, um überzeugend zu sein. Die Folgen des Erdbebens in China auf dortige Atomanlagen kamen nicht vor. Der jüngste schwere Störfall in Spanien: No comment. Und dass Areva in Flamanville ähnlich große Probleme am Bau hat, wie in Finnland, dass erfuhren wir erst Tage später aus der Presse. Überhaupt war das ENEF in Prag eine sehr französische Veranstaltung. Ein Vorgeschmack auf die französische Ratspräsidentschaft. Allons enfants... Rebecca Harms Stoppt die Tritiumbelastung unserer Gewässer - Stoppt die Atomindustrie!Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) dokumentiert in einem eigenen Projekt, die radioaktive Belastungen durch den Betrieb der Atomkraftwerke am Beispiel der steigenden Tritiumableitungen. Die scheinbare High-Tech-Ausstattung der Kraftwerksbetreiber ist nicht in der Lage diesen radioaktiven Stoff aus dem Wasser zu entfernen. Deshalb wird er in die Flüsse geleitet. Man hofft, dass sich die Belastung so stark verdünnt, dass die Schädigungen in der Natur und bei den Menschen nicht mehr der Atomindustrie zugeordnet werden können. Mit diesem Projekt will der BBU die Gefährdung für Mensch und Umwelt durch die Betrieb der Atomkraftwerke aufzeigen. Hierfür werden eigene Messungen durchgeführt und die Ergebnisse veröffentlicht. Tritium ist ein besonders problematischer radioaktiver Stoff. Er hat die gleichen chemischen Eigenschaften wie Wasserstoff und wird somit zum Bestandteil von Wasser. Bei dem Tritium aus Reaktoren geht man davon aus, dass er entweder über die Lunge oder den Magen-Darm -Trakt in den Körper gelangt und sich dann gleichmäßig verteilt. Auch kann dieser Stoff durch die Haut in den Körper eindringen. (1) Seine Aufnahme führt zu einer gleichmäßigen Strahlenbelastung aller Organe. Es kann im Körper organisch gebunden werden und bei seinem radioaktiven Zerfall noch nach Jahrzehnten den menschlichen Körper schädigen und Krebs hervorrufen. Während ein unbelasteter Fluss unter 2 Bequerel pro Liter (Bq/l) Tritium aufweist,
werden in den Flüssen unterhalb der Einleitungen von Atomkraftwerken oft das 15 bis
30-fache festgestellt. 2006 wurden im Main bei Wipfeld unterhalb des von E.on betriebene
Atomkraftwerkes Grafenrheinfeld sogar 100 Bq/l gemessen. (2) Wegen der geringen
Überwachung mit nur jährlich 12 Proben bei aber sehr stark schwankenden Belastungen ist
damit zu rechnen, dass zeitweise auch noch höhere radioaktive Aktivitäten vorliegen.
Entgegen den offiziellen Messergebnissen behauptet die E.on Kraftwerk GmbH, Betreiberin
und Mitbetreiberin von 13 Atomkraftwerken in ihrer Umwelterklärung 2007 für das
Atomkraftwerk ISAR: Die langjährige Messungen im Rahmen der Überwachungsmaßnahmen
zeigen, dass die Abgaben an radioaktiven Stoffen aus den Kernkraftwerken so gering sind,
dass sie in der Umgebung nicht nachweisbar sind. (3) Im Widerspruch hierzu fand der
BBU im Mai letzten Jahres im Neckar sogar noch im Raum Mannheim 16 Bq/l Tritium, das nur
aus dem 125 km entfernten Atomkraftwerk Neckarwestheim stammen kann. Die Einträge des Radionuklids Tritium hatten sich bei AKW Isar bereits zwischen 1991 und 2002 verdoppelt. (5) Im Jahr 2007 erhöhten sich die Werte weiter auf 24000 Milliarden Bq/a. Die großzügig ausgelegte Genehmigung erlaubt ihnen sogar die Einleitung von 48000 Milliarden Bq im Jahr. Eine weiteren Erhöhung der Belastung ist schon jetzt gestattet. (3) Beim AKW Emsland in Lingen wurden 2006 am Auslaufbauwerk radioaktive Spitzenbelastung im Abwasser von 4690 bq/l gemessen. Oberhalb der Einleitung konnten in der Ems keine Tritiumbelastung nachgewiesen werden. Da trotz dieser sehr hohen und stark schwankenden Aktivität nur sieben Proben im ganzen Jahr untersucht wurden ist das eigentliche Ausmaß der radioaktiven Verseuchung der Ems nicht bekannt. Im Rahmen des BBU-Projektes werden daher weitere Messungen durchgeführt. Erste Untersuchungen wurden veranlasst. In einer Kühlwasserprobe des Atomkraftwerkes Neckarwestheim, die vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer (BBMN e.V.) Neckar gezogen wurde, fand man im Februar 50 Bq/l. Dieser Wert ist noch recht niedrig. Nach dem offiziellen Messungen 2006 schwankt die Belastung bei acht Untersuchungen zwischen 41 und 234 Bq/l. Zum einen werden durch die Einleitungen der AKWs in den Flüssen hohe Tritiumbelastungen, zum anderen bei Kleinkindern in der Nähe der AKWs hohe Krebshäufigkeiten festgestellt. Die Erklärung von E.on Kernkraft : Unsere Umweltpolitik orientiert sich an dem Grundsatz, die Belastungen von Mensch und Umwelt so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar und zuverlässig unterhalb der Grenzwerten zu halten, (3) reicht absolut nicht aus. Denn was ist für einen profitorientierten Konzern vernünftigerweise erreichbar? Das Tritium lässt sich in der Abwasserreinigung nicht vom Wasser trennen und in die Umwelt abgegeben. Da die Ursache für die Krebshäufigkeit in der Nähe von Atomkraftwerken nicht bekannt ist, fordert der BBU auch mit Blick auf alle Einleitungen, die radioaktive Stoffe enthalten den sofortigen Atomausstieg. Dipl.-Phys. Harald Gülzow, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand vom BBU und Koordinator des Tritium-Projektes Quellen: Jahrestagung Kerntechnik 2008Eine Neubewertung der Atomenergie fordert das Deutsche Atomforum auf seiner jährlichen Heerschau, die in diesem Jahr vom 27. - 29. Mai in Hamburg stattfand. Das fanden auch die KritikerInnen, die die Veranstaltung mit Aktionen begleiteten. Angesichts der realen Gefahren, wie sie mit Brunsbüttel, Krümmel, ASSE II oder der Kinderkrebsstudie deutlich geworden sind, sei eine Neubewertung der Risiken erforderlich. Das Atomforum macht ernst. Um aus dem Lagerdenken auszubrechen, will der Präsident des Deutschen Atomforums, Dr. Walter Hohlefelder, zukünftig nicht mehr nur von Kernenergie sprechen, sondern auch von Atomenergie. Schön, wenn Reformen nichts kosten. Bei der Neubewertung, so Hohlefelder offen und ehrlich, gehe es jetzt um eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Anlagen. Die einen sehen dies als Brücke in eine völlig veränderte energiewirtschaftliche Zukunft, wir sehen eine langfristige Perspektive der Kernenergie. Die Frage muss jetzt nicht entschieden werden, aber wichtig ist, dass wir uns alle Energieoptionen offen halten." Wie immer begann die Jahrestagung am Dienstag mit grundsätzlichen Positionsbestimmungen im Rahmen einer Plenarsitzung. Dr. Hans-Josef Zimmer, Technik-Vorstand des Energiekonzerns EnBW (Energie
Baden-Württemberg AG) reklamierte trotz aller Diskussionen um Ressourcenschonung und
Klimawandel: Global betrachtet stehen wir vor einem Jahrhundert der
Kohleverstromung." Eine Lösung der Probleme, die die Energiewirtschaft in
Deutschland hat, sieht Zimmer in einer zunehmenden Europäisierung unserer
energiepolitischen und energiewirtschaftlichen Strategien und der damit einhergehenden
energiepolitischen Diskussionen". Ein krasser Bruch dann auf der Pressekonferenz der KritikerInnen in der Mittagspause.
Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe, der als Journalist für taz und SPIEGEL 15
Jahre lang die Jahrestagungen beobachtet hat, verweist darauf, dass die Zahl der
Atomreaktoren weltweit sinke. Weltweit von 444 Anlagen in 2002 auf 439 Anlagen in 2007,
deutlich noch in Europa von 177 Anlagen (1988) auf 146 Anlagen (2007). Führte die
Internationale Atomenergieorganisation 1990 noch 83 Neubauten an, ist derzeit nur noch von
34 Anlagen die Rede. 10 davon wurden bereits zwischen 1972 - 1987 begonnen, darunter
Reaktoren vom Tschernobyl-Typ, deren Fertigstellung wohl kaum zu erwarten ist. Auch für
Rosenkranz ist die Neubewertung eine gute Idee: Das Risiko sei in den letzten Jahren
deutlich gewachsen, für ihn persönlich werde insbesondere auch das Risiko
terroristischer Angriffe unterschätzt. Statt einer Renaissance der Atomenergie gäbe es
nur eine Renaissance der Ankündigungen. Und schließlich: Wo immer Regierungen ihre
Energieversorger zum Bau von Atomkraftwerken drängen, verlangen diese umgehend massive
staatliche Subventionen. Nicht nur das Katastrophenrisiko macht Atomkraftwerke
einzigartig: Sie sind auch die einzige Technologie, die 54 Jahre nach ihrem kommerziellen
Start überall auf der Welt erneut ´Markteinführungshilfen´ erfordert. Nur stört das
in diesem Fall viele eingefleischte Marktliberale nicht." Die schöne bunte Bilderbuchwelt der Atomenergie sei immer dann zu Ende, wenn die Realität anfängt, meinte Peter Dickel von der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V. für die Koordination der Endlagerstandorte mit Verweis auf Brunsbüttel, Krümmel, die Kinderkrebsstudie und nicht zuletzt die ASSE II. Wir haben uns an den Endlagerstandorten viel zu lange darauf eingelassen, über zukünftige Sicherheit zu spekulieren. Aber wer heute in der Diskussion um Atommüll noch ernst genommen werden will, muss sich mit den Fakten aus der Vergangenheit auseinander setzen. In der ASSE II kann der Einschluss der Radioaktivität nicht mal für 150 Jahre sichergestellt werden, gemessen an geforderten 1.000.000 Jahre also überhaupt nicht." Nach dem Konsens" zwischen Schröder-Bundesregierung und AKW-Betreibern hätten auch viele KritikerInnen gehofft, dies sei ein Weg zum Ausstieg. Wenn die Stromwirtschaft diesen Pakt jetzt gerade zu der Zeit kündige, in der es zunehmend technische Probleme gibt, Gefahren deutlich werden und der Atommüll in der ASSE II baden geht, hätte dies Konsequenzen. 2007 haben zwar noch nicht Tausende demonstriert, aber an vielen Orten Hunderte. Wer die Verfasstheit der Anti-AKW-Bewegung kennt, kann absehen, was das bedeutet." Am Vorabend der Jahrestagung kamen 800 Menschen im Hamburger Schanzenpark zu einer Veranstaltung Kein Forum dem Atomforum" mit Beiträgen und der Musikgruppe Rantanplan zusammen. Der 1. Tag der Jahrestag wurde von den KritikerInnen mit einer Dauerkundgebung begleitet. Peter Dickel Schadensersatz für Panzer-AngriffDurfte der Fahrer eines Räumpanzers den Traktor eines Bauern rammen, um ihn vom Protest gegen einen Castortransport nach Gorleben abzuhalten? Nein, hat eine Richterin am Landgericht Lüneburg in ihr Urteil geschrieben, und dem Landwirt aus Metzingen Schadensersatz für den zerstörten Vorderreifen zugesprochen. Im November 2004 war es auf einem Acker am Rand der Göhrde zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Polizeieinheiten gekommen, nachdem ein Weg durch Strohballen unpassierbar gemacht worden war. Diese gipfelten in einer Verfolgungsjagd zwischen Treckern und einem Räumpanzer. Nach dem vergeblichen Versuch, jemanden von den Demonstrierenden dingfest zu machen, kehrte das Sondereinsatzfahrzeug eine viertel Stunde später zum Ort des Geschehens zurück und rammte dort eine zurückgebliebene Zugmaschine. Nach Ansicht des Gerichts stellte diese Maßnahme eine "rechtswidrige und schuldhafte Amtspflichtverletzung" dar. Eine "objektive Gefahr" habe zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden. Dies sei rechtlich aber eine zwingend notwendige Voraussetzung für die Anwendung unmittelbaren Zwangs durch Polizeibeamte. Das Verhalten des Panzerfahrers wertet die Richterin als schuldhaft, da der Schaden bewusst und gewollt herbeigeführt worden sei. Damit habe der Beamte seine Pflicht zu rechtmäßigem Verhalten verletzt.
Francis Althoff In der BI rumort esPauschale Vorwürfe, die BI ist zu links, die BI ist nicht mehr unsere BI. Beschimpfungen und Verleumdungen in Interviews und Leserbriefen. Was sind die Hintergründe? Wie alles gibt es eine Vorgeschichte. Über 30 Jahre BI hinterlassen ihre Spuren. Ich will aber nur etwas mehr als ein Jahr zurückgehen, bis zu der Zeit, als ich in den Vorstand der BI gewählt wurde. März 2007, Vorstandswahlen. Wie üblich hatte sich der bisherige Vorstand bemüht, ein neues Team zusammenzustellen. Die bisherige Vorstandsspitze wollte sich zurückziehen, aber ihre Erfahrung trotzdem als Beiratsmitglieder dem neuen Vorstand zur Verfügung stellen. Das neue Team wurde per Blockwahl, dass heißt in einem Wahlgang als gesamtes Team ohne Gegenstimmen gewählt. In einer anschließenden Aussprache, wurde gefragt, ob es in diesem Jahr ein BI-Fest geben wird. Ein altgedienter Vorständler meinte dazu, dass jetzt erst einmal der G8 Gipfel anstände und hierfür keine Zeit sei. Was zwar falsch war, denn das G8-Engagement endete ja nach Ende des Gipfels ca. 2 Monate später und wurde noch auf der Sitzung von mir korrigiert. Aber daraus machte der Redakteur fk: Die Hauptaufgabe sieht der BI-Vorstand allerdings nicht in Gorleben, sondern am Ostseestrand. Man sei stark in den Vorbereitungen für den G 8-Gipfel engagiert, erklärte der wieder gewählte Kassenführer (Name). Für anderes, etwa die Vorbereitung für ein Widerstandsfest, habe man den Sommer über keine Kapazität übrig. Der Bericht und ein Bild in der EJZ, dass die beiden neuen Vorsitzenden mit geballten Fäusten zeigt (die eine die linke, die andere die rechte Faust) sorgte dann auch für große Unruhe in der BI. Noch bevor der neue Vorstand das erste Mal zusammenkam, gab es von ehemaligen Vorständlern eine eMail-Flut mit dem Tenor, die BI driftet nach links. Einladungen zu Kellergesprächen, offene Vorstandssitzungen zum angeblichen Linksruck brachten wenig Erhellung. Das ganze Jahr über wurden viele Veranstaltungen gemacht, Arbeitsgruppen zu
Endlagerung und zur Kinderkrebsstudie gegründet. Dass wir viel gemacht haben, wurde auch
von den Kritikern oft betont. Auf keiner der offenen Vorstandssitzungen sind Kritiker erschienen und haben konkrete
Ideen vorgestellt, nicht gesagt, was sie schlecht fanden, nicht gesagt, was wir statt dem,
was wir getan haben, hätten tun sollen. Auf die Idee, dass wir als größte Bürgerinitiative Deutschlands zu vielen aktuellen Themen im Atombereich Stellung nehmen müssen, und nicht nur im Atombereich, sondern auch in den Bereichen der Grundrechtsverletzungen, kam er nicht. Und an Grundrechten werden bei uns nicht nur das Demonstrationsrecht verletzt, unser grundsätzlicher Protest gegen Gorleben ist doch der Kampf für das Grundrecht auf Leben und Gesundheit. Das sich die Gorleben-Rundschau nicht nur mit dem Salzstock Gorleben und der Castorhalle befassen kann ist ebenfalls kein Beweis dafür, dass wir uns nicht um Gorleben kümmern. Die Asse z.B., über und zu der wir dieses Jahr sehr viel gemacht haben galt ja lange Zeit als das Musterbeispiel für Gorleben, säuft ab. Und genau hier können wir die für Gorleben wichtigsten Aussagen machen: Haben die Politiker und Wissenschaftler vor 40 Jahren gelogen, oder haben sie sich geirrt, als sie ewige Sicherheit versprachen? Allmählich müsste klar sein wie wichtig die Asse für Gorleben geworden ist. Auf der Mitgliederversammlung kam dann der Vorwurf die BI hat einen Linksruck gemacht. Natürlich sind wir keine Rechten. Und wieder: es würde zu wenig zu Gorleben gemacht. Wie immer blieb es bei den nebulösen Andeutungen, niemand sagte konkret: Da hättet ihr das tun sollen, das wäre das nötig gewesen. Oder besser: Ihr solltet in Zukunft das und das machen. Aber wenn die eigenen Ideen fehlen, für pauschale Verdächtigungen reicht es immer. Auf Vorschlag einer Gruppe, die sich selbst Dissidenten nennt, wurde die Vorstandssitzung im März um vier Wochen verschoben. Eine Aussprache über die zukünftige Ausrichtung der BI sollte mit Impulsreferaten beginnen. So wurde es auch gemacht und am 27.4.2008 wurde eine Strategiediskussion mit Impulsreferaten eröffnet. Die dafür angesetzte Stunde wurde nicht gebraucht, da es fast keine Diskussion gab. So gab es eine große Pause, bis um 16:00 Uhr die eigentliche Mitgliederversammlung begann. Hier wurde vor allem über Verfahrensfragen diskutiert, die Rechtsanwälte mussten etliche Punkte klären. Der größte Teil des bisherigen Vorstandes wollte sich als Team wiederwählen lassen, verstärkt durch einige Neue, die sich teilweise erst auf der Mitgliederversammlung meldeten. Spontan wurde auch für den Posten des Vorsitzenden ein neuen Bewerber ins Team genommen. Aber ein Team hat auch seine Grenzen und auch das wurde genau aufgezeigt: Zwei Menschen, die sich in der Vergangenheit als nicht teamfähig erwiesen haben, die Alleingänge lieben, sich selbst präsentieren oder nur rumpoltern, wollte man nicht im Team haben. Zunächst aber wurde abgestimmt, ob es eine Teamwahl (die Satzung spricht von Blockwahl) geben sollte. Nachdem die Mehrheit eine solche Blockwahl wollte, wurde dann das Team mit beinahe 2/3 Mehrheit gewählt (Die Dissidenten, sprachen dann von undemokratischem Vorgehen, plötzlich ist die Satzung undemokratisch. Die Satzung wurde aber lange vor der Zeit des jetzigen Vorstandes verabschiedet, federführend geändert von den jetzigen Kritikern. Der Wunsch der Vorsitzenden, die Bürgerinitiative möge nun gemeinsam gegen die Atomanlagen kämpfen verhallte ungehört. Die Vorsitzende wandte sich auf der Mitgliederversammlung an die bisherigen Kritiker mit der Bitte um Unterstützung: Macht uns kräftiger als wir im letzten Jahr waren, so dass wir wieder mehr Gewicht kriegen, Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. Leider wurde gerade das Zitat von Gustav Mahler von Einigen benutzt, um es aus dem Zusammenhang gerissen gegen den BI-Vorstand zu benutzen. In Leserbriefen nur halb zitiert wurde die Grenze zur Diffamierung überschritten. Über diese Auseinandersetzungen freuen sich sicherlich unsere Gegner. Ja Gegner, die gibt es auch noch. Und die gilt es zu bekämpfen. Und das sind nicht die Menschen die hier gegen die Atomanlagen kämpfen, sondern die Atommafia. Im Herbst steht nicht nur der nächste Castortransport an, nein die Kriterien für eine Endlagerung werden vorgestellt, in Berlin ist ein großes Endlager-Symposium geplant. Und ein Jahr vor dem Auslaufen des Moratoriums und vor der nächste Bundestagswahl haben wir weiß Gott genug damit zu tun, unseren Widerstand zu forcieren. Der Vorstand der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg wird sich nicht beirren lassen und weiter inhaltliche Arbeit machen. Die Endlager-Kampagne 2008/2009 ist gut angelaufen. Wer Kritik daran hat, soll kommen und diese äußern. Alles kann noch besser gemacht werden. Neue Ideen sind willkommen. Wir haben die Chancen, das Endlager zu verhindern, das können wir und das wollen wir! Gerhard Förster Popanze, hinter denen nichts stecktBI-Mitgründerin und ehemalige Ehrenvorsitzende Marianne Fritzen kritisiert das Erscheinungsbild der Bürgerinitiative UmweltschutzUrantransport nach Russland gestopptUrantransport von Gronau nach Russland stand 77 Minuten still. Französische Aktivistin seilte sich erneut vor dem Zug ab. Am 4. Juni 2008 wurden erneut 1000 Tonnen gefährlichen abgereicherten Uranmüll in Form von UF6 aus Gronau von der Firma Urenco transportiert. Die heiße Fracht soll noch in den kommenden Tagen nach Russland verschifft werden. Zahlreiche AtomkraftgegnerInnen hatten wieder Protest angekündigt. So fand eine Demonstration in Münster statt. Der Zug traf aber mit erheblicher Verspätung in Münster ein. Grund dafür war die Abseilaktion einer französischen Aktivistin bei Steinfurt-Borghorst. Die Bilder vom 16. Januar 2008 sind haften geblieben. Damals wurde der Uranzug bei Metelen durch die Kletteraktion einer Französischen Aktivistin, Cécile Lecomte, für beinahe 7 Stunden gestoppt. Am gestrigen Mittwoch hing sie wieder oberhalb von der Schiene, um Ihren Protest gegen die Atomkraft kund zu tun. Der Hubschrauber hatte sie entdeckt, als sie an einer in etwa 15 Meter Höhe angeschlagenen Traverse (quer gespanntes Seil) hing. Der Zug kam etwa 70 Meter vor Ihr zum stehen, als sie sich in etwa 6 Meter Höhe abseilte."Solange Atommüllanlagen in Betrieb sind, werde ich meinem Widerstand kreativ Ausdruck verleihen". So Lecomte. Und sie fährt fort: "Urenco hat angekündigt, die Urantransporte nach Russland ab 2009 einzustellen. Die heiße Fracht soll aber dafür in die Zukunft nach Pierrelatte in Frankreich gebracht werden. Aus der Sicht, aus dem Sinn... Die Gefahr wird dadurch aber nicht geringer!" "Fantasie ist eine Waffe" Die Polizei reagierte zunächst sehr nervös auf die Aktion, ein Polizist versuchte die Aktivistin mit Pfefferspray zu attackieren. Er vergiftete sich aber selbst. Die Presse wurde an ihrer Arbeit erheblich behindert und kam kaum ran. Die Bundespolizei rückte recht schnell mit einer Spezialeinheit nach. Anders als im Januar, wurde sie nicht per Hubschrauber aus Sankt Augustin eingeflogen. Die Spezialeinheit wird seit Januar nämlich "für alle Fälle" nach Münster verlegt, wenn ein Atom-Transport stattfindet. Die Räumung verlief ansonsten Störungsfrei. "Fantasie ist eine Waffe", kommentiert die Lüneburger Aktivistin. "Ich kann sehr gut klettern - ich bin sogar Frankreichmeisterin in Sportklettern gewesen - und setze meine Fähigkeiten entsprechend ein." Die gut gelaunte Aktivistin wurde etwa eine Stunde nach Ende der Aktion nach Beschlagnahme ihrer Kletterausrüstung von der Polizei vor Ort entlassen. Ihr Fazit: " Für mich ist es eine gelungene Aktion. Ich will durch solchen Aktionen deutlich machen, dass die Gefahren der Atomenergie uns alle angehen. Radioaktivität macht keinen Halt an der Grenze. Auf eine eventuelle juristische Auseinandersetzung und Anklage vor Gericht bin ich vorbereitet. Das macht mir keine Angst. Ich weiß wofür ich stehe und ich werde mich entsprechend verteidigen. Kriminell ist die Atomindustrie". Wir sehen uns beim nächsten Atom-Transport! Egal ob in der Luft oder auf der Schiene. Cecile Lecomte/Unbeugsames Eichhörnchen Aushebelung der Grundrechte gerichtlich bestätigtDas Oberverwaltungsgericht Lüneburg (OVG) hat die Aushebelung des Versammlungsrechts durch "Allgemeinverfügungen" zum Castortransport nach Gorleben im November 2004 bestätigt. Die Klagen der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) gegen die von der damaligen Bezirksregierung Lüneburg erlassenen mehrtägigen und eine Strecke von mehr als 70 km Länge umfassenden Demonstrationsverbote wurden für rechtens erklärt. Ebenso wurde das Verbot einer von der BI angemeldeten Demonstration auf einer Straße, die nicht für den Castortransport geeignet ist, vom OVG nicht beanstandet. Auch die Klage der Widerstandsgruppe "X-1000mal quer" wurde abgewiesen. "Bei einem Außerkraftsetzen von Grundrechten darf der Bürger erwarten, dass jede einzelne Maßnahme genauestens protokolliert wird, um ihre Angemessenheit überprüfen zu können", kommentiert ein BI-Sprecher. Es sei deshalb umso erstaunlicher, dass die für das Versammlungsverbot zuständige Dezernatsleiterin vor Gericht erklärt, dass es keine Unterlagen zu ihrer Entscheidung gäbe, sondern "alles in ihrem Kopf" stattfände. Es gäbe wohl Einsatzpläne der Polizei, aber da stehe für die Sache nichts Relevantes drin. Außerdem seien sie geheim. Da eine Revision abgelehnt wurde, wird eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht Karlsruhe eingereicht. BI-Anwältin Ulrike Donat hofft dort auf eine "demokratiefreundlichere Entscheidung, da eine Prüfung der Gefahrenprognosen für die Versammlungsverbote vom OVG nicht justitiabel gemacht wurde". Die Beweisanträge der Bürgerinitiative, mit denen u. a. die der "Abwägung" zugrunde legenden Polizeiberichte, die sämtlich in den Unterlagen fehlen, mit für den Prozess herangezogen werden sollten, wurden vom OVG abgewiesen. Lapidare Begründung: "Nicht entscheidungsrelevant", oder "nicht ausreichend substantiiert". So konnte die Behauptung der Versammlungsbehörde, die in die Demo-Verbotszone einbezogenen Verbindungsstraßen zwischen der Nord- und Südroute, die nachweislich nicht für die über 120-Tonnen schweren Transporte geeignet sind, würden als "Ausweichroute" erforderlich sein, und von der Polizei benötigt, um deren Kräfte von der Nord- zur Südroute bewegen zu können, nicht überprüft werden, da der diesbezügliche Beweisantrag abgewiesen wurde. Auch der dem Gericht vorgetragenen Wunsch nach einem Ortstermin oder dem genauen Studium des Kartenmaterials, mit dem hätte nachgewiesen werden können, dass kein Veranstaltungsort in Hör- und Sichtweite des Castortransports außerhalb der Demo-Verbotszone verfügbar war, wurde vom Gericht ignoriert. Stattdessen wurde die Behauptung der Versammlungsbehörde ungeprüft ins Urteil übernommen: "In Hör- und Sichtweite der Transportstrecke standen hinreichende Möglichkeiten zur öffentlichkeitswirksamen Durchführung von Protestversammlungen zur Verfügung". (Aktz. 11 LC 138/06 3 A 143/04) Francis Althoff
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Bearbeitet am:04.08.2008 /ad