GORLEBEN RUNDSCHAU

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Dezember

2006

 

AUSGABE 10

Inhalt:

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Beeindruckender Widerstand

Größerer Protest als erwartet

Zur Hauptdemonstration gegen die Castortransporte nach Gorleben haben sich mit über 6000 Teilnehmern weit mehr Menschen beteiligt, als im Vorfeld erwartet. Damit ist ein deutliches Signal an Politik und Atomindustrie geschickt worden. Der Druck von der Straße gegen die irrsinnige Atompolitik wird nicht nachlassen!

Die Bundesregierung ist aufgefordert den maroden Gorlebener Salzstock dicht zu machen. Es muss endlich ein Ende damit haben die Polizei zur Durchsetzung der finanzieller Interessen der Atomindustrie auf die Grundrechte wahrnehmende Bevölkerung zu hetzen. Wir werden uns die Strassen nicht verbieten lassen und entschlossen und fantasievoll weiter streiten, bis das letzte AKW abgeschaltet ist! Die vielfältigen Aktionen zum Castortransport in Frankreich und Deutschland haben gezeigt, dass der Widerstand quicklebendig ist. Und auch die „Nach Tschernobyl-Generation“ hat beeindruckend und selbstbewusst gezeigt, wem die Zukunft gehören wird.

Versammlungsfreiheit immer und überall

An die 1000 SchülerInnen hatten am Freitag Vormittag in Lüchow ihr Recht auf Meinungsfreiheit eingefordert und gegen die Castor-Transporte demonstriert.

Diese Demo wurde von der Versammlungsbehörde mit Hinweis auf die Schulpflicht zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt verboten. Eine spontan gegründete Elterninitiative meldete daraufhin eine Demonstration gegen das Demonstrationsverbot an, zu der auch die SchülerInnen eingeladen wurden.

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„Wir, die SchülerInnen, WählerInnen und SteuerzahlerInnen von morgen wollen unser Recht auf Meinungsfreiheit und ganz besonders das der Versammlungsfreiheit immer und überall wahrnehmen dürfen“, erklärte die 17jährige Anna unter begeistertem Applaus der Jugendlichen und Eltern.
Der neue Landrat des Landkreises Lüchow Dannenberg, Jürgen Schulz, sprach sich in einem Grußwort bei der Hauptdemonstration am Samstag gegen den Atomstandort Gorleben aus.

Ursula Schönberger von der AG Schacht Konrad prangerte dort an: „Die Beispiele der beiden existierenden Endlager ASSE II und Morsleben zeigen, dass die Atomindustrie immer nur nach dem Motto gehandelt hat: Hauptsache, wir haben den Müll billig los - was kümmern uns die späteren Probleme. Wir dürfen nicht zulassen, dass dies so weiter geht. Der radioaktive Müll kann nicht sicher eingeschlossen werden“.
Mandy Rother aus der Vorbereitungsgruppe Energieforum vom Protest gegen den G8-Gipfel im nächsten Jahr in Heiligendamm hielt fest: “Seit 1975 treffen sich die G8 zu informellen Kamingesprächen und maßen sich an, die Energiepolitik für die ganze Welt zu bestimmen. Ihre Energiesicherheit heißt nicht die Energieversorgung für alle Menschen zu sichern, sondern zielt auf die Sicherung ihrer Herrschaft.“
Rother forderte unter großem Beifall zu einem bunten und fantasievollen Protest gegen den G8-Gipfel auf.

Verantwortliche zurRechenschaft ziehen

Martin Ott, Bio-Landwirt aus dem vorläufigen schweizerischen Endlagergebiet Benken hielt in seiner Rede fest: „Eigentlich müsste nach dem Gesetz des Lebens, nach dem ich als Bio-Landwirt produziere, jeder Tag, an dem die Risikotechnologie Atomkraft Strom und in der Folge ewig strahlenden Müll produziert, strafbar sein. Die Verantwortlichen und die, die das Ganze verteidigen, müssen nach meinem Rechtsempfinden zur Rechenschaft gezogen werden“. Jochen Stay von der Initiative Xtausendmalquer fasste in seinem Redebeitrag zusammen: „Die Anträge auf Laufzeitverlängerung sind eine Kampfansage. Wir antworten heute an die Adresse der Stromkonzerne. Wir nehmen die Aufforderung zum Tanz an. Der Streit um die Atomenergie beginnt von Neuem“.
Die kreativen Aktionen von der Rallye Monte Göhrde über die Clowns-Army bis zu den Pyramiden auf der Transportstrecke haben vielen Menschen nicht nur Mut gemacht. Trotz allem Ernst der Lage hat die bunte Vielfalt und der Zusammenhalt der Menschen auch große Lust auf Gegenwehr und weitere Proteste geweckt. Der Widerstand in Gorleben war kein „Muss-ja-Termin“, sondern hat beeindruckt, mit Lebensfreude, Widerstandsgeist und Zukunftsperspektiven. Das macht Hoffnung auf eine Verbreiterung der Proteste. Das Land gehört den Lebendigen, Atomanlagen abschalten!

Francis Althoff


Nu geit dat los ...

Ein Satz, der in den letzten Wochen bei unseren Vorstandstreffen immer wieder fiel. Heute stehen wir hier, weil der Castorzug um 19.47 in Valogne (Frankreich) losfährt, zum 10. Mal.

Nu geit dat los, wenn überall an den Transportstrecken Menschen an die Schiene und auf die Straße gehen um gegen diese unberechenbare und totbringende Technologie zu demonstrieren, für uns und die Zukunft , der nächsten 50.000 Generationen.

Nu geit dat los, wenn die Allgemeinverfügung der Polizei kommt die uns wie jedes Jahr unsere Rechte auf Versammlungsfreiheit nimmt, an der Strecke und auf der Straße.

Nu geit dat los, wenn die Polizeikolonnen alljährlich in den Landkreis einfallen, uns Tag und Nacht behindern und beobachten. Wir gehen auch für ihre Kinder und Familien auf die Straße und an die Schiene.
Nu geit dat los, wenn sich die SchülerInnen treffen, um ihre Demo vorzubereiten, die in diesem Jahr verboten wurde, mit der Begründung Schulpflicht steht vor Versammlungsfreiheit … Lachhaft … keiner Schule gelingt es die Pflichtunterrichtsstunden zu geben, wo bleibt da die Schulpflicht???? ... und das Recht auf Bildung????

Respektvoll schauen wir auf die junge Generation, die sich in dieses brisante umweltpolitische Thema einmischt und reinhängt.

Nu geit dat los, wenn Haus und Hof geöffnet werden für Freunde und Gäste aus In- und Ausland.
Für Menschen, die alljährlich kommen um gemeinsam mit uns phantasievoll und entschieden gegen diesen unberechenbaren Wahnsinn zu demonstrieren und politische Diskussionen zu führen.
Die Straße gehört uns, das lassen wir uns auch in diesem Jahr nicht nehmen.
Ich wünsche allen für die nächsten Tages Besonnenheit, Willensstärke und Mut und Phantasie.
Nu geit dat los.

Margita Freund


SchülerInnendemo mit Schikanen behindert

Eltern-Ini meldet Demo gegen Demoverbot an

Am Freitag, den 10. Nov. sollte um 9.30 Uhr in Lüchow die SchülerInnen-Demo gegen den diesjährigen Castortransport stattfinden. Von der Anmeldebehörde wurde der Beginn der Demo nicht akzeptiert. Es sei am Freitag um diese Zeit noch Schule und somit Schulpflicht.

In das gleiche Horn bläst die Schulbehörde: es gibt Rundschreiben an die Schulen mit dem Tenor, Schulpflicht stünde über Versammlungsrecht und Beurlaubungen und Abwesenheit seien nicht hinzunehmen
Jetzt waren wir Eltern gefordert

1. Wenn wir Unterrichtsausfälle aus Lehrermangel und Raumnot beklagen, wird es mit der Schulpflicht oder dem Recht auf Unterricht nicht sehr genau genommen. Für uns ist daher dies Argument im Zusammenhang der SchülerInnen-Demo nur vorgeschoben,

2. Ein ganzer Tag Unterrichtsausfall war wegen eines Schützenfestes in Clenze an der KGS möglich. Wo blieb da die Schulpflicht?

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3. Wir finden es gut und unterstützen es, wenn unsere Kinder sich gesellschaftspolitisch engagieren. Das gehört zu unseren Erziehungszielen. Wir würden es begrüßen, wenn die Schulen auch eine Erziehung zu verantwortungsvollen aufgeklärten BürgerInnen zum Ziel hätten und in solchen Fragen mehr Zievilcourage und Mut zeigten. Wir unterstützten unsere Kinder bei der Teilnahme an der Demo und tragen etwaige Repressalien mit bzw. wollen uns dagegen gemeinsam zur Wehr setzen.
Eltern-Ini: Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt!

i.A. R. Dubs


Sorry, dass es uns gibt......

Auf der SchülerInnen-Demo gehaltene Rede

In der letzten Woche durften wir uns wieder einmal mit Polizei und Vertreter vom Kreishaus wegen der Schülerinnendemo beratschlagen.

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Wir machen den Damen und Herren dort reichlich Kummer und Sorgen, ohne uns wäre ihr leben viel einfacher und deshalb wollen wir ihre Ratschläge annehmen und hiermit öffentlich präsentieren:

unsere Offizielle Entschuldigung

Lieber Hauptmann von der Polizei und natürlich auch allen anderen Atomkraftfreunden und Freundinnen einen wunderschönen guten Tag. Dadurch, dass uns die Demo verboten wurde sind wir mal so richtig zum Nachdenken gekommen. Uns ist aufgefallen, dass es nun endlich an der Zeit wäre, zur Vernunft zu kommen und uns zu entschuldigen.

Also...

Entschuldigung, dass wir mit dem Motto:„I dont go to school today“ Gruppenzwang ausüben, mit dem Ziel zum kollektiven Schulschwänzen aufzurufen. Entschuldigt, das wir bisher gedacht haben, IHR, die Polizei, würdet Gruppenzwang ausüben. das ist natürlich quatsch. ihr lauft ja nur zufällig alle gleich gekleidet rum. ihr setzt ja nur zufällig alle gleichzeitig eure Helme auf, zieht eure Schlagstöcke nur wenn ihr gerade Lust habt, ihr bildet auch kein ketten und marschiert nicht. ihr zwingt auch keine andren Leute zu irgendetwas, z.B. ihre Demo ausfallen zu lassen ... wie dumm von uns so was zu denken, ausgerechnet von euch, den Vorkämpfern für Individualismus und Spontanität. Wir entschuldigen uns dafür, dass Eier Wurfgeschosse sind, das sie hart sind und Sachen kaputt machen. Es tut uns leid, dass wir so scheiße militant sind. Wir entschuldigen uns für die Wodkaflaschen und die enthemmende Musik. Wir bedauern zutiefst, dass wir ein paar Leute heute auf die Straße bekommen haben. Entschuldigung, dass wir nicht kompromissbereit sind und mit euch kooperieren. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir uns unsere Demo einfach nicht verbieten lassen und unsere Fresse nicht halten.

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Es tut uns unsagbar leid, dass wir nicht an die Sicherheit Gorlebens glauben. Entschuldigt bitte das wir auch nicht an euch glauben. Uns tut es unsagbar leid, dass wir unsere Rechte kennen. Wir bekennen, dass wir nur Schülerinnen und Schüler sind. Wir tun alles für euch, wir küssen euch die Füße und es tut uns leid, dass doch einige zubeißen.

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Sorry, dass es uns gibt ...

Vorbereitungsgruppe i.A. Lykke&Louisa


Auszug aus der Bestätigung der Schülerinnen-Demo

1.Der für den 10. November geplante Aufzug mit Kundgebung beginnt um 11.30 (nach Beendigung der 4. Unterrichtsstunde) und endet – der Anmeldung entsprechend – um 15 Uhr auf dem Marktplatz in Lüchow.

Begründung der Auflagen

Der von Ihnen für die Schüler-Demonstration vorgesehene Zeitraum von 9.30 Uhr bis 15 Uhr liegt in der Kernunterrichtszeit des Schulstandortes Lüchow. Mit Bezug auf die vorstehenden Ausführungen ist die Erteilung einer Unterrichtsbefreiung zur Demonstrationsteilnahme in der Kernunterrichtszeit grundsätzlich ausgeschlossen. Den Termin im angemeldeten Umfange zu bestätigen, hieße einer Schulpflichtverletzung Vorschub zu leisten. Bei den bevorstehenden Protesten anlässlich des Castor-Transportes handelt es sich darüber hinaus nicht um Spontandemonstrationen, sondern es ist vielmehr von sich bei Castor-Transporten wiederholten Protesten auszugehen. Eine Teilnahme an solchen Demonstrationen ist in der Regel auch außerhalb der Unterrichtszeit möglich, ohne dass das Demonstrationsanliegen weniger nachhaltig verfolgt werden könnte. Bei der Rechtsgüterabwägung ist für den Landkreis Lüchow-Dannenberg aber auch die besondere Situation des öffentlichen Personennahverkehrs zu beachten, der gerade für den zentralen Schulstandort Lüchow auf die Unterrichtszeiten der allgemeinbildenden Schulen ausgerichtet ist …

Mit freundlichen Grüßen, Landkreis Lüchow-Dannenberg

Der Landrat


Pyramiden gegen den Atomstaat

Erneut erfolgreiche Blockade der Castortransportstrecke

Wie die Bäuerliche Notgemeinschaft erfuhr, gelang es einigen ihrer Mitglieder durch tatkräftige Unterstützung der wendländischen Bevölkerung, den Einsatzkräften ein Schnippchen zu schlagen und ihnen ihre Castor-Suppe kräftig zu versalzen.

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Trotz massiven Polizeieinsatzes mit Repressionen und Bespitzelung, weiträumiger Versammlungsverbote und Einschüchterungsversuchen bereits im Vorfeld des Castortransportes, konnte erneut die Straßentransportstrecke auf der Südroute sowie auf der Nordroute in den Ortschaften Klein Gusborn und Langendorf blockiert werden.

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In diesem Jahr wurden fahrbare Betonpyramiden gebaut, an denen sich ab 19.22 Uhr in der Ortschaft Klein Gusborn und ab 21 Uhr in Langendorf jeweils 4 Mitglieder der Bäuerlichen Notgemeinschaft und des Gorleben Widerstandes angekettet hatten. Ihre Konstruktion und Verankerung im Strassenasphalt ließ hoffen, dass die Polizei es nicht einfach haben wird, diese protestmittel so einfach beiseite zu schieben.

Die wendländischen Pyramiden wurden mit den Symbolen der vier Stromkonzerne EON, Vattenfall, RWE und EnBW versehen, um die Aufmerksamkeit auf die Betreiber der Atommeiler und Atommüllproduzenten zu lenken. Für die Blokkierer stehen die Pyramiden von Gizeh als Zeichen für die Vergänglichkeit aller von Menschenhand geschaffenen Werke, sie bröckeln bereits nach nur 4000 Jahren.

Aber Stromkonzerne und Politiker maßen sich an, die Sicherheit von hochradioaktiven Atommüll über 1.000.000 Jahre zu garantieren.

Nach dem Beinahe-Gau in Forsmark / Schweden, der geplanten Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und der Aufhebung des Moratoriums für den Salzstock Gorleben gilt für die bäuerlichen Aktivisten um so mehr:

„ Wir handeln in Notwehr!“

Sie fordern: „Schluss mit der Entsorgungslüge und der Produktion von weiteren Atommüll“.
Mit ihrer spektakulären Protestaktionen wollen die Gorlebengegner den Menschen Mut machen und sie zum Mitmachen bei Demonstrationen anregen. Seit fast 30 Jahren beteiligen sie sich an dem Protest gegen die Atomanlagen in Gorleben. Bereits die dritte Widerstandsgeneration nimmt an den Aktionen gegen den Castortransport teil.

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Der Widerstand im Wendland kennt keine Nachwuchsprobleme und das lässt auf einiges hoffen für kommende Transporte ...

Nadin Timme, Christin Timme


Vielfacher Rechtsbruch

Anwaltlicher Notdienst und Ermittlungsausschuss Gorleben kritisieren Verhalten der Polizei scharf

Auch in diesem Jahr beging die Polizei bei der Durchführung des Castor-Transports vielfachen Rechtsbruch gegenüber DemonstrantInnen, AnwältInnen und BewohnerInnen des Wendlands.

Bei der Treckerblockade in Pudripp am Freitagabend wurden in einem überzogenen Poilizeieinsatz 20 Trecker beschlagnahmt, obwohl eine schriftliche Sicherstellungsverfügung hierzu fehlte.
Die Personen im Kessel bei der Blockade in Pudripp mussten sich ohne jede Rechtsgrundlage einer erkennungsdienstlichen Behandlung unterziehen: Sie wurden aufgefordert, vor laufender Kamera ihre Personalien vorzutragen. Die Polizei sammelt anscheinend Daten für biometrische Dateien. Die betroffenen Personen sollten Widerspruch gegen diese Maßnahme einlegen und auf Löschung der Daten bestehen.

Auch gegenüber den RechtsanwältInnen hat sich das Verhalten der Polizei erneut nicht verbessert. Trotz der Zusicherung der Polizeidirektion vor dem Transport, die Berufsausübungsfreiheit zu gewährleisten, wurden AnwältInnen vielfach an Straßensperren aufgehalten und konnten so nicht oder nur verspätet zu ihren MandantInnen gelangen. Vor allem bei der Blockade-Aktion in Langendorf haben sich die nordrhein-westfälischen Einheiten anmaßend aufgeführt. Auch der Presse, Ärzten und Seelsorgern wurde der Zugang zu den AktivistInnen verwehrt. Zwei Anwälte wurden sogar kurzfristig in Gewahrsam genommen, als sie sich weigerten, sich von ihren Mandanten zu entfernen.

Hinsichtlich der Ingewahrsamnahmen hat die Polizei aus den vielfältigen Verfahren, die sie in den letzten Jahren verloren hat, nicht gelernt.

Es gab 100 Ingewahrsamnahmen. Die meisten dieser Freiheitsentziehungen waren rechtswidrig. Entweder wurden Personen in die Gefangenensammelstelle (GeSa) nach Lüchow gebracht, obwohl weder Gründe für einen Gewahrsam noch für einen Haftbefehl vorlagen und sie sich vor Ort ordnungsgemäß ausweisen konnten.

Die Vorführung vor das zuständige Gericht wurde meistens umgangen. Lediglich zwei Ingewahrsamnahmen wurden vom Amtsgericht Dannenberg bestätigt.

Wie die vorhergehenden Transporte hat daher auch dieser Transport gezeigt, dass die Polizei nicht gewillt ist, den Transport mit rechtstaatlichen Mitteln durchzusetzen. Die schnelle Durchführung des Transports geht vor die Achtung von Grundrechten.

EA Gorleben


Mein Urlaub im Wendland ...

1. Urlaubstag

Suche nach der passenden Unterkunft

Endlich ist es soweit, die erholsame Zeit des Jahres ist angebrochen. Es muss nur noch ein geeignetes Feriendomizil gefunden werden. Das Glück war auf meiner Seite und ich habe via Internet ein Ferienhaus zum absoluten Schnäppchenpreis gefunden. Es liegt im Wendland und macht einen recht netten Eindruck, dass es zudem noch frei ist, hat mich sehr überrascht. Also mal schnell die sieben Sachen zusammenkramen und ab ins Auto damit.

2. Urlaubstag

Anreise

Die Anreise ins Wendland gestaltet sich recht unproblematisch, auch dass es die letzten 100 km keine Autobahn mehr gibt, wird als nicht weiter tragisch empfunden, so sieht man doch wenigstens etwas von der Landschaft. Diese ist sehr ländlich und besteht aus zahlreichen kleinen Dörfern, in denen es tatsächlich noch Tante Emma Läden gibt. Es erinnert mich sehr an meine Kindheit und zaubert mir prompt ein Lächeln ins Gesicht. Auch das Ferienhaus ist idyllisch gelegen und die Welt scheint in Ordnung zu sein.

3. Urlaubstag

Einkaufsbummel entpuppt sich als Fehler

Um die nötigen Vorräte für die nächsten Tage zu besorgen, beschließe ich, in die nächst größere Ortschaft zu fahren. Hier scheint irgendwas im Argen zu sein. Es ist ein massives Polizeiaufgebot vor Ort, was mich aber nicht weiter stören sollte. Ob die Einen suchen?

Auf dem Rückweg begannen jedoch merkwürdige Vorfälle. Eine Treckerausstellung mitten auf der Straße, wo zudem noch kostenlos für Essen und Trinken gesorgt wurde. Da ich die nötige Zeit im Gepäck hatte, beschloss ich mir diesen Gratissnack nicht entgehen zu lassen.

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Plötzlich wie aus dem nichts, scheint sich das Polizeiaufgebot hierher zur Teckerausstellung verlagert zu haben und ich beschließe meinen Heimweg fortzusetzen. Leider war die Polizei der Meinung, dass ich noch ein wenig warten solle. Kurze Zeit später ertönte jedoch eine Durchsage durch einen Lautsprecher das die Kreuzung bitte geräumt werden solle. Die Polizisten vor mir waren jedoch immer noch der Meinung, dass ich noch ein wenig auf der Kreuzung warten solle.

Irgendwie schon eine merkwürdige Gegend dachte ich mir, oder versteh ich hier einfach die Ansage irgendwie falsch? Nein, die gleiche Ansage erfolgte noch 2 mal, ich hatte also alles richtig verstanden, nur dass die Beamten mich immer noch nicht gehen lassen wollten. Weitere 3 Stunden später hatten sie dann jedoch endlich ein Einsehen und ließen mich mit 2 Anzeigen nach einer polizeilichen Erkennung endlich durch einen Wassergraben zurück zu meinem Auto waten. Damit mir nichts geschehen konnte natürlich mit einer Polizeieskorte.

4. Urlaubstag

Beschluss mich gegen diese Behandlung zu wehren

Nach einer schlaflosen Nacht, folgte der Beschluss mich gegen diese Behandlung zu wehren. Also ging es erneut in Richtung dieser merkwürdigen größeren Ortschaft. Hierbei fiel mir auf, dass die Suche scheinbar immer noch kein Ende hatte. Die Polizeiwache wurde von meiner Seite schnell gefunden. Da sie jedoch von zusätzlichen Polizisten außerhalb des Gebäudes bewacht wurde, stellte sich nun jedoch endgültig die Frage, wo ich eigentlich gelandet war.

Auch in der Wache benahmen sich die Beamten recht merkwürdig und reagierten sehr genervt, als ich erwähnte, dass ich Anzeige erstatten wolle. Ich bekam prompt erklärt, dass sie seit Dienstbeginn nichts anderes machen würden als Anzeigen aufnehmen und diese alle gegen ihre Kollegen gerichtet seien. Mit etwas Mühe konnte ich den nun noch etwas mehr genervten Beamten dann aber doch noch davon überzeugen, dass Anzeigen aufnehmen zu seinem Beruf gehöre. Als er dann jedoch fragte gegen wen denn die Anzeige gerichtet sei, dachte ich eigentlich er würde mich verstehen als ich sagte gegen die Polizei. Dies war jedoch nicht so, und er erteilte mir nun endgültig genervt Hausverbot. Da es sich bei mir ja nun um einen sauerländer Sturkopf handelt, der sich nicht so schnell entmutigen lässt, wurde also nach einer weiteren Dienststelle gesucht.

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Als diese gefunden war, bekam ich auch hier zu hören das sie schon den ganzen Tag mit Anzeigen beschäftigt waren und eigentlich keine Lust mehr hätten. Da sie sich beide schon kurz vor der Pension befanden, verstanden sie jedoch sehr schnell, dass diese aufzunehmen ihr Beruf war. Mit der modernen Technik jedoch nicht so richtig vertraut, wurde aus einer einfachen Anzeige ein tagesfüllendes Unterfangen. Zu meinem Glück durfte ich während sie es ins Reine schrieben mal schnell einen Kaffee trinken gehen. Was jedoch nicht wirklich etwas gebracht hat, da sie bei meiner Rückkehr immer noch mit genau dieser Anzeige beschäftigt waren.

Freundlicherweise durfte ich dann noch mal gehen, was von meiner Seite nun zum Essen genutzt wurde. Auch bei der zweiten Rückkehr war die Anzeige immer noch nicht ganz fertig.

5. Urlaubstag

Spazierfahrt

Heute wollte ich den Ärger nun endgültig vergessen und mit der Erholung bei einer Spazierfahrt beginnen. Nach ca. 20 km begannen die merkwürdigen Ereignisse jedoch erneut.

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Ich stieß hier auf einen Konvoi von Einsatzfahrzeugen, dessen Anfang selbst hier im Flachland nicht zu erblicken war. Schon wenige Kilometer weiter stellte ich entsetzt fest, dass in dieser Region scheinbar jeder Einwohner Polizist sein muss. Wie sonst kann es möglich sein, nicht nur einen nicht zu übersehenden Konvoi vor mir zu haben und zusätzlich noch ein Spalier von Beamten rechts und links zu haben? In der Erinnerung an den 3. Urlaubstag, habe ich in der nächsten Ortschaft unter Einsatz allem Mutes und getrieben von Lungenschmacht lebensmutig den Zigarrettenautomaten besucht, bevor es zurück zur Ferienwohnung ging.

6. Urlaubstag

Panikartige Abreise

Nunmehr unter Verfolgungswahn leidend und komplett urlaubsreif, panikartig die Koffer gepackt und hektisch, vorzeitig die Heimreise ins Sauerland angetreten. Hier angekommen kann ich es immer noch nicht fassen das hier keine Polizisten in den Waldwegen stehen. Selbst in den größeren Ortschaften suche ich bislang noch vergeblich nach dem mittlerweile gewohnten Bild mit Wasserwerfen, gepanzerten Räumfahrzeugen und Polizeikonvois.

Gehört das Wendland vielleicht zum Irak?

Von diesen Erlebnissen geschädigt, den Entschluss gefasst, dem Polizeistaat die Rote Karte zu zeigen!

Joachim Schmidt, Drolshagen


Eine Aufforderung zum Stromwechsel

Strom bleibt doch Strom?!

Unzählige Quellen speisen Bäche und Flüsse, die sich in einem einzigen großen See vereinigen. Von dort fließt ES über verzweigte Lebensadern zu allen Menschen im ganzen Land.

Halt! Bevor Sie jetzt weglaufen (oder umblättern), versichere ich Ihnen, daß dies nicht der Beginn eines religiösen oder gar esoterischen Exkurses ist. Der hier ist eher wissenschaftlich-physikalischer und politisch-wirtschaftlicher Natur. Oder sagen wir mal: ein ganz alltägliches, praktisches Thema, über das Sie schon immer mal einen Abend mit jemandem reden wollten. Letzteres stimmt zwar, klingt aber zu schwach, denn ich kann Ihnen sogar eine gehörige Portion Spannung versprechen – sozusagen Hochspannung! Unterm Strich gesehen, geht es – wie bei jedem guten Thema – um Leben und Tod. Insofern hat diese Geschichte sogar Sex. Aber hören (bzw. lesen) Sie selbst! Ich versichere Ihnen: Es dauert nur fünf Minuten. Und das Beste: Den Ausgang der Geschichte bestimmen Sie! Ja, das ist hier quasi interaktiv, Sie können mitentscheiden. Auch über Leben und Tod – jedenfalls, wenn Sie es in größeren, nennen Sie es ruhig „ganzheitlichen“ Zusammenhängen betrachten. Seien Sie ehrlich! Das wollten Sie doch immer schon mal. Geschichte machen: Daumen hoch – Freispruch, Daumen runter – Kopf ab! Ohne zeitraubende Diskussionen mit anderen, außer dem eigenen Gewissen – vielleicht. Also los! Es geht um...? Na? Mann oh Mann (Frau oh Frau)! Haben Sie ‘ne lange Leitung! Es geht um „Die Stromversorgung!“. Nein! Hiergeblieben! Sie haben es versprochen! Hinsetzen! Und Zuhören! (Oder in Ihrem Fall: Weiterlesen!) Bitte!

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Also: ES kommt für die meisten einfach aus der Steckdose, und die blumige Überschrift illustriert nichts weiter als das Prinzip der Verteilung von elektrischem Strom – vom Kraftwerk (Quelle) bis zum Verbraucher (Mensch). Das, was der Mensch verbraucht, entnimmt er aus dem großen See, der aber nie austrocknen darf. Also müssen die verschiedenen Quellen immer mindestens soviel Strom produzieren und in den See „hineinlaufen“ lassen, wie die Menschen (und Fabriken) entnehmen.

„Na und?“, werden Sie sagen und herzhaft gähnen.

Aber Moment! Das oben beschriebene Prinzip funktioniert nämlich auch umgekehrt: Wird weniger Strom aus der Steckdose entnommen, also weniger verbraucht, muß auch weniger produziert werden.

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Oh Gott, wie mein alter Herr: „Licht aus! Oder haben wir Säcke vor den Türen!“ Hört das denn nie auf?, werden Sie jetzt zwischen schmalen Lippen hervorpressen und sich mit der flachen Hand verzweifelt gegen den Schädel schlagen. Aber das ändert auch nichts daran, daß der Alte nun mal Recht hatte. Und außerdem haben Sie schon wieder das Licht auf dem Klo angelassen! Und Ihr Fernseher läuft auf Stand-by!

Strom bleibt zwar immer nur Strom, aber in Wirklichkeit doch nicht.

„Jetzt reicht’s!“, mögen Sie denken, und wir können das an dieser Stelle für Sie dann auch abkürzen.
Also: Die Quellen gehören ganz wenigen und die kassieren bei den vielen Menschen am anderen Ende der Leitung ab, was das Zeug hält. Weil die Besitzer der meisten Quellen unverschämt viel Gewinn machen wollen, produzieren sie den Strom so billig wie möglich, zum Beispiel mit alten, längst abgeschriebenen Atomkraftwerken, die dann allen Menschen jederzeit um die Ohren fliegen können.

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„Ja, das ärgert mich doch schon lange!“, merken Sie plötzlich auf, denn jetzt scheint’s um was Wichtiges zu gehen: Erstens um Geld und zweitens um Sicherheit! Oder umgekehrt! Je nach dem, wo Sie Ihre Prioritäten setzen.

Aber was haben wir oben gelernt? Das Prinzip funktioniert auch umgekehrt, sozusagen von hinten nach vorne, von der Steckdose bis zum Kraftwerk, vom Verbraucher bis zum Besitzer der Quelle. Punkt eins: Der Mensch kann sich glatt aussuchen, von wem er Strom kauft. Das ändert zwar nichts daran, daß man etwas dafür bezahlen muß, aber man muß den GAU vor der Haustür ja nicht auch noch selbst finanzieren. Punkt zwei: Der Mensch kann sich aussuchen, was für Strom er kauft!

„Strom bleibt doch Strom!“, werden Sie vielleicht insistieren, aber wir können auch gerne noch mal von vorne anfangen. „Nee, bloß nicht!“, entgegnen Sie rasch.

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Also: Strom wird, zum Beispiel, in Atomkraftwerken produziert. Die können explodieren, dann gibt’s ganz viele Tote und Sieche. Und selbst ohne Unfall ist der Atommüll so giftig, daß noch Ihre Urenkel und deren Urenkel etwas davon haben – Krebs und andere Geschwüre. Und das Uran, das man dazu braucht, ist auch demnächst alle, also wird’s irgendwann richtig teuer. Oder in Kohlekraftwerken: Die stoßen ganz viel Kohlendioxid aus, heizen die Erdatmosphäre auf, das Eis an den Polen schmilzt weg, der Meeresspiegel steigt, das Klima ändert sich, die einen saufen ab, die anderen verdursten. (Die Wissenschaft streitet sich noch, ob Sie in der Norddeutschen Tiefebene erst verdursten und dann absaufen oder umgekehrt.)

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ARD und ZDF in der ersten Reihe am Verladekran

Und die Kohle zum Verbrennen ist auch nicht ewig vorhanden, und wenn die alle ist, ist es leider schon zu spät. Und bis dahin wird’s auch immer teurer. Bei Öl ist es dasselbe, bei Gas auch. Nur bei Sonne, Wind, Wasser & Co. ist es anders. Die Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen ist nicht gefährlich, produziert keine hochgiftigen Abfälle, und ihr Preis bleibt stabil – weil der Nachschub unendlich vorhanden ist. Mit steigender Nachfrage und effizienterer Technik wird’s mittelfristig sogar billiger.

„Ja, super, dann gibt’s ja ‘ne Lösung!“, werden Sie mich jetzt unterbrechen und nervös von einem Bein aufs andere treten, aber ich bin noch nicht fertig.

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Jedes Tröpfchen Strom, das durch Sonne, Wind, Wasser & Co. produziert wurde und das die Menschen am Ende der Leitung aus dem See nehmen, sorgt dafür, daß dieses Tröpfchen nicht aus dreckigen Quellen in den See nachfließen muß. Sie erinnern sich: Der Wasser- (bzw. Strom) spiegel im großen See, der nicht austrocknen darf. Oder, für Experten, wie Sie jetzt einer sind: Jede Kilowattstunde aus regenerativen Energiequellen sorgt dafür, daß eine Kilowattstunde aus Atom- oder Kohlekraftwerken nicht produziert werden muß. Verbrauchen ganz viele Menschen nun sauberen anstelle von dreckigem Strom, so werden automatisch mehr regenerative Kraftwerke gebaut und gleichzeitig dreckige Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet.

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„Ja, alles klar. Aber ich muß jetzt wirklich los!“, bricht es aus Ihnen heraus. „Wohin denn? Es ist November, arschkalt und stockdunkel draußen“, werde ich indiskret fragen, obwohl mich das ja gar nichts angeht. „Na, wohin wohl? Es ist November, arschkalt, dunkel und wir sind im Wendland“, antworten Sie. Da geht mir ein Licht auf: „Ach so, zur Castordemo! Na, da will ich Sie nicht länger aufhalten! Nur eine Frage noch: Beziehen Sie noch Atomstrom oder sind Sie schon zu einem Öko-Strom-Versorger gewechselt?“

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Wenn ich Glück habe, antworten Sie: „Selbstverständlich habe ich gewechselt!“ Doch die statistische Wahrscheinlichkeit für diese Antwort liegt im Gorleben-Landkreis Lüchow-Dannenberg bei lediglich 4 Prozent. Von den anderen 96 Prozent werden sich viele peinlich berührt abwenden und vornehmen, nächste Woche endlich diesen schon x-tausendmal geplanten, langweiligen, staubtrockenen, verdammten, aber eben doch wichtigen Wechsel hin zu einem Ökostromanbieter zu machen. Das kostet Sie fünf Minuten und keinerlei Unannehmlichkeiten. Den ganzen Wechselvorgang macht Ihr neuer Anbieter für Sie. Am Besten, Sie schreiben sich folgende Telefonnummern mit Kugelschreiber auf den Arm. Ja, gleich neben die EA-Nummer, dann können Sie jederzeit von der Demo direkt aus anrufen oder eben hinterher. Keine Angst, die Nummer erinnert Sie auch noch drei Tage später an Ihr Vorhaben, denn: Duschen ist in der Sitzblockade oder der GESA eh nicht drin!

GPenergy Tel.: 040 - 80 81 10 - 330
Lichtblick Tel.: 0180 - 2 - 66 06 60
Elektrizitätswerke Schönau Tel.: 07673 - 8 88 50
www.atomausstieg-selber-machen.de

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Ach so, ich gehe natürlich auch mit zur Demo. Denn mit dem Stromwechsel allein ist der Atomausstieg dann doch nicht getan! Und da können wir uns im Polizeikessel ja mal über was anderes Spannendes unterhalten. Zum Beispiel über „Die Öl-Zentralheizung“. Oder im Gefangenentransporter über „Das Autofahren“. Also, ich meine: die Gefahren von beidem für die Umwelt. Oder so. Oder Sie erklären das mit der Stromversorgung mal einem netten Polizisten, der sich auch nachts in der Kälte die Füße plattsteht.

Am Besten, Sie beginnen mit den Worten: „Unzählige Quellen speisen Bäche und Flüsse ...“

Mathias Edler


Info der Demosanis: 146 Verletzte

Vom DRK und den Demo-Sanis wurden 146 Verletzte versorgt. 11 Verletzte kamen ins Dannenberger Krankenhaus, darunter 4 mit schweren Kopfverletzungen. Allen geht es inzwischen wieder gut. Der Rest waren Frakturen, Schnittwunden, Verstauchungen, Unterkühlung. Bei dem Polizeieinsatz nach Durchfahrt des Transports in Laase bekam eine Sanitäterin Pfefferspray in die Augen, eine andere wurde umgeschubst.


Offener Brief an Minister Gabriel

Einladung zu einer öffentlichen Veranstaltung

Sehr geehrter Herr Gabriel,

wie geht es weiter mit dem geplanten Endlagerstandort Gorleben?

Vor zehn Tagen sind erneut 12 Behälter mit Glaskokillen in das Zwischenlager Gorleben geprügelt worden. Somit stehen nunmehr 80 CASTOR-Behälter hier im Wendland.

Warum wird nun auch unter Ihrer Regie mit Castortransporten zusätzlich Druck auf ein Endlager in Gorleben gemacht, obwohl angeblich eine ergebnisoffene Suche geplant wird? Sie haben just am Straßentransporttag in der „Welt“ angekündigt, eine vergleichende Suche nach „geeigneten“ Endlagern zu beginnen. Gleichzeitig wollen Sie das „Moratorium“ in Gorleben aufheben. Damit setzen Sie faktisch Weiterbau und Fertigstellung des „Erkundungsbergwerks“ zum Endlager um.

Die Menschen hier im Wendland sind lange genug von Atomindustrie und Politik veräppelt worden. Wir möchten endlich klare Aussagen. Legen Sie auf den Tisch, warum „Gorleben“ überhaupt „geeignet“ sein soll, warum Sie weiterbauen und damit weitere Milliarden verschwenden wollen!

Seit Jahrzehnten ist klar, dass ein Nichteignungskriterium für ein „Endlager“ eine fehlende zusätzliche geologische Barriere als Schutz vor Eindringen von Wasser ist. Und genau diese ist in Gorleben bekanntermaßen nicht vorhanden. Wir fordern Sie deshalb auf, konsequent und verantwortungsbewusst zu handeln und den Standort Gorleben aufzugeben!

Warum wollen Sie trotz besseren Wissens das untaugliche Endlagerprojekt in Gorleben weiter ausbauen lassen? Wollen Sie tatsächlich weiter dafür sorgen, dass „in Gorleben das meiste Geld investiert“ wurde, und sich damit dem Diktat des Kapitals beugen? Wir wollen umgehend Klarheit, bevor Sie Endlagersuche und Aufhebung des „Moratoriums“ umsetzen lassen!

Die besorgten Menschen im Wendland, die sich seit 30 Jahren gegen die Atommafia und den Atomstaat wehren und wie Einwohner kaum einer anderen Region von deren Machenschaften betroffen sind, erwarten, dass Sie vor Ort in einer öffentlichen Veranstaltung Rede und Antwort stehen.

Teilen Sie uns einen Termin mit, an dem Sie uns noch vor Weihnachten erklären, was Sie mit uns und den betroffenen nachfolgenden Generationen in den nächsten 1 Million Jahren vorhaben.

Francis Althoff


Die „Vier von Bure“ unterstützen

In der Nacht vom 17. auf den 28. August, unmittelbar vor dem Festival gegen das geplante Endlager im lothringischen Bure, haben rund 50 junge Leute, genervt vom Polizeiaufgebot, vor dem Zaun der Anlage ihrer Wut freien Lauf gelassen. Vier von Ihnen wurden vorläufig festgenommen und fünf Tage in Gewahrsam gehalten, bevor sie vor dem Gericht in Bar-Le-Duc zu schweren Strafen verurteilt wurden.

 

Blanche, Thyl, Mickael und Reny wurden neben Beleidigungen für schuldig befunden, einige Strohballen angezündet und Kiesel auf Ordnungskräfte geworfen zu haben. Blanche, Thyl und Mickael wurden zu 10 Monaten Haft auf Bewährung und einem zweijährigen Aufenthaltsverbot in den Departements Meuse und Haute-Marne verurteilt. Reny erhielt 6 Monate auf Bewährung. Außerdem sollen je 500 Euro Schadenersatz an sechs Gendarmen bezahlt werden. Ein Wachmann forderte 15.000 Euro, die Atommüll-Agentur ANDRA 10.000 Euro, da der Anstrich des Zaunes auf einer Fläche von 1 qm gesäubert werden müsse. Ende August ließ die ANDRA dann verlauten, dass sie 100.000 Euro als Schadenersatz für die Unterbrechung ihres Betriebs für 30 Stunden fordere, sowie 15.000 Euro für den Schutz der Anlage durch Ordnungskräfte und 9.200 Euro für Sachschäden.

Beim letzten Prozesstermin am 13. November wurde nicht mehr von insgesamt 124.000 Euro Schadenersatz gesprochen, sondern von 9.684 Euro inkl. MwSt., obwohl die ANDRA MwSt. nicht zahlt. Für das Tor, an dem eine kleine Stelle am nächsten Tag schwarzer geworden ist, beantragt die ANDRA 1.600 Euro. Die Anwältin aus Bar-le-Duc hat gefragt, wie ein Strohfeuer am Haupteingang eine Baustelle 500 m weiter stoppen konnte: „Thyl und Blanche können einfach die von der ANDRA erwähnten Schäden nicht verursachen, so weit können sie Steine nicht werfen! Schäden müssen echt und repariert sein und das „Opfer“ darf kein Geld damit verdienen. Die ANDRA beweist nicht, dass Thyl und Blanche die Schäden verursacht haben, sie beweist auch nicht dass die Schädigung echt ist“.

Peter Desoi

Zur Unterstützung der Prozesskosten ist folgendes Spendenkonto eingerichtet: Stichwort Bure, Kto. Nr. 42016923, Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, BLZ 258 501 10


(nur) wer schreibt, bleibt!

In diesen Tagen machen wir Geschichte. Die Chefetagen von Polizei, Politik und Energiewirtschaft haben rund um den Castor genauestens registriert, wie heftig der Atom-Streit wieder aufflammen kann. Unsere vielfältigen und einfallsreichen Demonstrationen und Aktionen waren dafür ein guter Anfang.

Das Bild, das sich die breite Öffentlichkeit davon machen kann, ist ein anderes: Nett, brav und wirkungslos hätten wir unseren Protest geäußert, schreibt die Presse. Berichte von beherztem und beharrlichem Widerstand? Fehlanzeige! Dafür sorgt schon die public-relations-Arbeit der Polizei. Die reden uns klein. Wir selbst müssen dafür sorgen, daß andere das entstandene Feuer mit anfachen können. Gemeinsam mit Dir und mit Dir! Was wir erlebt haben an Schiene und Straße ist Teil unserer eigenen Geschichte. Die kann uns niemand nehmen. Aber damit wir in die Geschichte eingreifen, müssen wir unsere Erfahrungen mit anderen teilen. Schreib auf, was Du erlebt hast! Befrag Deine Freundinnen und Freunde! Sammle Berichte, schicke Fotos! Rufe an oder komm zum Erzählen vorbei!

Redaktion, Castor-Dokumentation 2006, Tollendorf 9, 29 473 Göhrde
05862 - 985 990

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.

Für Neuerungen und produktive Anregungen sind wir immer ansprechbar. Es ist erwünscht, eigene Texte zum Thema Atomkraft, Gorleben und erneuerbare Energien einzubringen; sie werden gerne veröffentlicht, sofern sie in den Kontext der Ausgabe passen.

 Redaktion: H. Eckert, W. Taubitz, F. Althoff
Bildmaterial: M. Golletz, T. Voigt, www.bilderbeute,
I+W Lowin, umbruch bildarchiv, Subkontur, D. Metk
Mitarbeit: F. Althoff, aaa redaktion, P. Desoi, EA Gorleben, N. & C. Timme, M. Edler, J. Schmidt, Eltern Ini i.A. R. Dubs, Vorbereitungsgruppe i.A. Lykke & Louisa,   M. Freund
Auflage: 2'500

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Bearbeitet am:29.09.2006 /ad

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