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In dieser Legislaturperiode müssten nach dem "Atomausstiegsfahrplan"
vier Atomkraftwerke vom Netz gehen. Um dies zu verhindern tüfteln die Betreiber an einem
Restlaufzeitentausch.
Folgende Lage und "Spielregeln" liegen den Berechnungen für das
"atomare Sudoku" zugrunde. Im Jahr 2008 müsste der Meiler Biblis A und im Jahr
2009 die AKW Neckarwestheim 1, Biblis B und Brunsbüttel vom Netz gehen. Die Atomstromer
RWE, Eon,Vattenfall und EnBW sind deshalb mit konzernübergreifenden Rechenspielen
beschäftigt, wie sich Restlaufzeiten so übertragen lassen, dass sie die Uralt-Meiler in
Zeiten einer erhofften atomkraftfreundlichen CDU-Regierung retten können. Möglich macht
diese nukleare Tauschringbörse unter rotgrün erfolgte Zusagen, den nicht ans Netz
gegangenen Meiler Mülheim-Kärlich in Berechnungen zum genehmigten
Atomstrommengenkontingent berücksichtigen zu dürfen.

Das Kleingedruckte in den zuvorkommenden "Atomkonsens"-Verträgen ermöglicht
den Betreibern obendrein Reststrommengen beliebig zwischen ihren Konzernen zu verteilen.
Die puren Kapitalinteressen der Atomkonzerne selbst an ältesten Pannen-Meilern
verdeutlicht drastisch, dass Sicherheitsinteressen der Bevölkerung schlicht als
geschäftsstörend eingeordnet werden. Schließlich haben sich Regierungen jeglicher
Couleur bislang bestens dadurch "bewährt, durch Großeinsätze der Polizei
Finanzinteressen der Atomstromer gegen "geschäftsschädigende Störenfriede" zu
verteidigen. Die Konzern-Bosse können es sich beim Rechnen bequem machen. Notfalls wird
der Kritik übende Teil der Bevölkerung dann eben kriminalisiert und diverser Grundrechte
beraubt. In der nächsten Ausgabe der Gorleben Rundschau werden Kampagnen gegen
Laufzeitverlängerungen vorgestellt.
G 8 - Gipfel der Ignoranz
Betroffen von Kriminalisierung und Grundrechtsberaubung ist nicht nur die Anti-Atom-
Bewegung.
Vor allem Ereignisse um die G-8- Gipfel, dem Treffen der sich für wichtigst haltenden
Staats- und Regierungschefs zeigen Polizeieinsätze weltweit das Ausmaß, wie vehement
Finanz- und Machtinteressen gegen die Bevölkerung durchgesetzt werden. Beim letzten
Treffen der Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Japans, Großbritanniens,
Frankreichs, Italiens, Deutschlands und Russlands stand auch die weltweite Forcierung des
Baus von AKW auf der Tagesordnung. Russlands Präsident Putin bot den USA und
Interessierten ein Endlager für Atommüll in Sibirien an. Bush wiederum zeigte sich
interessiert an billigen russischen Brennelementen. Das Thema Atomkraft, egal ob im
sogenannten "zivilen", oder militärischen Bereich, steht regelmäßig auf der
Tagesordnung. Bei G-8 Gipfeltreffen nehmen sich die "Mächtigeren" und
"Stärkeren" das Recht, Beschlüsse zum eigenen Vorteil gegenüber der Mehrheit
der Weltbevölkerung zu fassen.
Im Frühsommer 2007 soll der G8-Gipfel in Heiligendamm an der mecklenburgischen
Ostseeküste bei Rostock stattfinden.Tagungsort wird das Nobelhotel Kempinski sein.
Aktuell findet bei Bad Doberan ein Vorbereitungscamp, das Camp-Inski, zu Aktionen beim
Gipfel statt (www.camp06.org). Der Anti-Atom-Bewegung bieten sich im Focus weltweiter
Medien vielfältige Möglichkeiten, sich an den Protesten in Heiligendamm zu beteiligen.
Auch beim Castortransport nach Gorleben im November wird es die Möglichkeit geben, sich
über den Stand der Vorbereitungen gegen den G-8-Gipfel zu informieren und Aktionsideen
auszutauschen.
Castortransport Mitte November
Nach unseren bisherigen Informationen soll der nächste Transport mit zwölf
hochradioaktiven Glaskokillenbehältern am Wochenende 11./12. November im französischen
La Hague starten. Die Vorbereitungen im Wendland für bunte und kreative Proteste sind
längst im Gange. Ihr seid herzlichst eingeladen euch zum Tag X mit eurer Fantasie an den
x-zessiven X-kursionen zu beteiligen.
Francis Althoff
Anreicherungsanlage Gronau als Schnittstelle
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnt vor einer Zunahme geheimer
Atomfuhren in Deutschland.
Bevor Uran in Atomkraftwerken zum Einsatz kommt, durchläuft es mehrere Produktions-
und Veredelungsstufen. Der Urangehalt der abgebauten Erze beträgt im Schnitt 0,2 Prozent.
In energieintensiven Aufbereitungsfabriken meist in der Nähe der Minen oder
Tagebaue wird das Uran konzentriert. So entsteht das Handelsprodukt »Yellow
Cake«, das in der Regel 70 bis 75 Prozent Uran enthält. Davon benötigt ein
1300-Megawatt-Atomkraftwerk vom Typ Biblis für eine Ladung Brennelemente etwa 400
Tonnen,wofür mehrere hunderttausend Tonnen Uranerz abgebaut werden müssen.
Dieses und auch das »Yellow Cake« weisen die natürliche Isotopenzusammensetzung von
rund 0,7 Prozent spaltbarem Uran (U) 235 zudem 99 Prozent U 238 sowie (in Spuren) U
234 auf. Leichtwasserreaktoren benötigen aber einen U-235- Anteil von etwa drei
Prozent. Das Uran muss also angereichert werden.Davor wird es in Konversionsfabriken wie
in Pierrelatte in die chemische Verbindung Uranhexafluorid (UF 6) umgewandelt.Von der
südfranzösischen Stadt geht das giftige und radioaktive UF 6 per Bahn zu den
Anreicherungsanlagen in Gronau und im niederländischen Almelo dort wird der Anteil
von U 235 auf drei bis vier Prozent erhöht.
Die Transportstrecke führt über das Rhonetal und das Rheinland. Die Züge passieren
Saarbrücken,Trier, Koblenz, Bonn, Duisburg und Lünen. In einem Offenen Brief an die
Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann warnt der BUND vor der steigenden Zahl von
Atomtransporten. Nach Recherchen des Umweltverbandes passieren Züge mit UF 6 alle zwei
Wochen den Bonner Bahnhof. Dabei versuchten Behörden und Betreiber, die Transporte
»unter völliger Geheimhaltung durchzuführen«. Der BUND vermutet, dass weder
Anliegerkommunen noch örtliche Rettungsdienste und Feuerwehren informiert sind. Ende Juni
löste im Trierer Güterbahnhof ein wartender UF 6-Transport aus Pierrelatte laut
Medienberichten Großalarm aus, nachdem ein Strahlendetektor in einem benachbarten
Industriebetrieb erhöhte Radioaktivität anzeigte. Beamte der Trierer Polizei und der
Bundespolizei sperrten das Gelände weiträumig ab, während ein ABCErkundungszug der
Feuerwehr und Spezialisten des Eisenbahnbundesamts mit Messgeräten anrückten. Reimar
Paul

Gronau-Betreiber Urenco verdient an US-Milliardenauftrag, und
damit auch E.ON und RWE
Während sich beim Thema Kernenergie die öffentliche Debatte seit Monaten um
iranische Pläne und Anlagen dreht, bauen die USA ihr ziviles Atomprogrammm massiv aus.
Zu den geplanten oder bereits in Auftrag gegebenen Anlagen zählt neben neuen
Atomkraftwerken, zwei Wiederaufarbeitungsfabriken und einem Endlager auch eine
Urananreicherungsanlage (UAA). Den Zuschlag zum Bau dieser UAA erhielt jetzt das
Firmenkonsortium Louisiana Energy Services, an dem der deutsch-britischniederländische
Urankonzern Urenco maßgeblich beteiligt ist.An der Urenco wiederum halten die deutschen
Energiemultis E.ON und RWE ein Drittel der Anteile.
Weitere Partner bei Louisiana Energy Services sind das Unternehmen British Nuclear
Fuels, Betreiber der skandalträchtigen Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield, sowie
mehrere kleinere US-Firmen. Die UA-Anlage soll nach Angaben der US-Atomaufsichtsbehörde
rund 1,2 Milliarden Euro kosten und bereits im Jahr 2008 oder 2009 ihren Betrieb
aufnehmen. Als Standort wurde Eunice im Bundesstaat New Mexico benannt. Die Anlage wird
mit der zuletzt viel diskutierten Gaszentrifugen-Technik arbeiten. Die von Urenco
betriebenen Urananreicherungsanlagen im deutschen Gronau, im britischen Capenhurst und im
niederländischen Almelo funktionieren ebenfalls nach dieser Methode.Auch Brasilien und
bekanntlich der Iran werkeln an Urananreicherungsanlagen mit Zentrifugen- Technik. In
Anreicherungsanlagen wird Uran für die Nutzung in Atomkraftwerken vorbereitet. Im
Natururan beträgt der Anteil von Uran 235 nur etwa 0,7 Prozent, der große Rest besteht
aus dem Isotop Uran 238.
In AKW ist aber ein Anteil von drei bis vier Prozent Uran 235 erforderlich. Für die
Anreicherung muss das Uran zunächst in einem chemischen Prozess in gasförmiges
Uranhexafluorid (UF 6) umgewandelt werden, um es dann durch die hintereinander
geschalteten Zentrifugen zu jagen. Das leichtere Uran 235 wird durch die Rotationskraft
vom Uran 238 getrennt und aus den Zylindern abgepumpt. Grundsätzlich können diese
Fabriken Uran auch so hoch anreichern, dass es zum Bau von Atombomben genutzt werden kann.
Bislang arbeitet in den USA nur eine alte Urananreicherungsanlage, sie ist bereits seit 30
Jahren in Betrieb.
Die Versorgung vieler US-amerikanischer Atomkraftwerke mit »Brennstoff« erfolgte
daher bislang aus dem Ausland. Auch die Urananreicherungsanlage Gronau, die derzeit auf
das Dreifache ihrer bisherigen Kapazitäten hochgerüstet wird, soll bereits
ausgehandelten Verträgen zufolge künftig Meiler in den USA mit angereichertem Uran
beliefern. Die internationalen Verflechtungen der Atomwirtschaft werden auch in anderen
Bereichen des US-Atomprogramms deutlich.
Das Energieministerium in Washington hat kürzlich dem Unternehmen Uranium Disposition
Services den Auftrag zu Neubau und Betrieb von zwei Wiederaufarbeitungsanlagen erteilt.
Sie sollen in Paducah, Kentucky, und Portsmouth, Ohio, entstehen. Mit Fabriken wird
abgebrannter Kernbrennstoff zur Wiederverwendung in Kernkraftwerken aufbereitet. Uranium
Disposition Services ist ein Konsortium, an dem unter anderem der französische
Atomkonzern Framatome ANP beteiligt ist. US-Präsident George W. Bush hat zudem die
Errichtung eines zentralen Endlagers für Atommüll formell bewilligt. Senat und
Abgeordnetenhaus stimmten dem Vorhaben zu. Das Lager in den Yucca Mountains im Bundesstaat
Nevada soll ab dem Jahr 2010 gut 70 000 Tonnen hoch radioaktiver Abfälle aufnehmen.
Reimar Paul
Camp Inski 2006 - schon ein Jahr vorher am Start sein.
Einmal im Jahr treffen sich die Regierungschefs der acht mächtigsten Staaten
der Welt. Sie sprechen über die für sie wichtigsten Entwicklungen der Weltwirtschaft und
Weltpolitik.
Der große Einfluss dieser Staaten bringt es mit sich, das Entscheidungen die bei
g8-meetings getroffen werden, für große Teile der Welt direkte, massive Folgen haben.
Ihre Politik steht für Ausbeutung,Armut und Unterdrückung, der Globalisierung des
Krieges, des sozialen Angriffs und der Migrationsbekämpfung. Unsere Welt sieht anders
aus, wir wollen eine gerechte und gleichberechtigte Welt errichten, die sich an
menschlichen Grundbedürfnissen orientiert und Ausbeutung,Ausgrenzung und Gewalt
überwindet.
2007 treffen sich die Regierungschefs der G8 in Deutschland, im Kempinski Grand Hotel
in Heiligendamm an der Ostseeküste. Die Proteste gegen die Gipfel sind seit Jahren
symbolische Orte eines kollektiven und vielstimmigen "YA BASTA!"- "Es
reicht" geworden. Die Gipfelproteste in Prag, Göteborg, Genua und anderswo bis hin
zu den Protesten in Gleneagles und St. Petersburg, stehen für vielschichtige
Bewegungserfahrungen im Themenfeld Internationalismus. In unserer Mobilisierung für 2007
wollen wir die Gipfelproteste 2006 in Russland und der vorherigen Gipfel analysieren und
reflektieren; und dies als bewusste Zwischenetappe.
Um eine inhaltliche und praktische Kontinuität der Proteste zu gewährleisten, haben
wir die Idee des Camp Inski 2006 entwickelt, des internationale Anti-G8-Camps? schon ein
Jahr vor dem Gipfel. Hier wollen wir uns sowohl mit der menschenverachtenden, neoliberale
Umstrukturierung der Welt befassen, als uns auch über internationale ganz
unterschiedliche Widerstandspraxen austauschen. Die Erfahrungen und Energien aus den
vergangenen Jahren wollen wir bis zum Gipfel 2007 nutzen, um einen breiten, entschlossenen
und wirkungsvollen internationalen Widerstand zu organisieren.
www.camp06.org

Abmahnserie trifft völlig Unschuldige und begünstigt die
Abzocker
Der Abmahnungsmissbrauch ist auch bei uns ein einträgliches Geschäft so berichten ab
und an die einschlägigen Fachzeitschriften.Wenn es einen plötzlich selber trifft, wie im
Falle der Castor-Nix-Da- Redaktion ist es dann doch vorbei mit der Gelassenheit. Uns sind
6 solcher Fälle bekannt, wobei der gleiche Brief "serienbriefmäßig"
verschickt wurde und das gleiche Logo betraf.
Seit Jahren werden auf der Internetseite ww.castor.de Vorgänge rund um das Thema
Atomenergie und CASTORTransporte dokumentiert. Dabei wurde auch auf ein Flugblatt der
Demo-Sanis aus dem Wendland hingewiesen. Diese verwandten ein Logo, das aus einem roten
Kreuz mit einer geballten Faust bestand. Das war dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein Dorn
im Auge und es flatterte eine Abmahnung ins Haus des Web-Seitenbetreibers, gespickt mit
Abmahnungskosten in Höhe von 2450 Euro. Dass das Logo schon seit den 1920er Jahren von
linken Gruppen benutzt wurde und auch der Verfasser unbekannt ist, war kein
Hinderungsgrund für eine Klage. Die Castor-Nix-Da-Redaktion gab eine geforderte
Unterlassungserklärung ab, um den Streit beizulegen. Die 2450 Euro wollte man dann doch
nicht so ohne weiteres bezahlen und so brachte die Zahlungsweigerung dem Web-Betreiber
eine Klage vor dem Amtsgericht ein. Die endete mit einem Vergleich, bei dem der Beklagte
doch noch 1225 Euro berappen musste. Süffisant ist dann auch der Umstand, dass das DRK
immer noch ein Gesetz zur Prozesskostenbefreiung aus dem 3. Reich in Anspruch nimmt,obwohl
es sich nicht als Nachfolgeorganisation des Nazi-Rot- Kreuz versteht.
Stellt sich die Frage, ob sich das DRK nun mit den Blutspenden nicht mehr "über
Wasser halten kann",wenn es mit solch fragwürdigen Abmahnungen ihre Kasse aufbessern
muss.Auf jeden Fall führt ein karitativer, sozial eingestellter Verein hiermit seinen
Gründungsgedanken ad absurdum.
Albert Doninger
Das Nuklearforschungszentrum GKSS bei Geesthacht feiert heute 50jähriges
Bestehen. Gegründet wurde es von Atomforschern, deren Karrieren im Faschismus begannen
und in der BRD ungebrochen fortgesetzt werden konnten mit durchaus brisanten
Resultaten
Daß Wissenschaftler auch heute in Deutschland an der Atombombe forschen, wird
offiziell geleugnet. Dennoch gibt es eine Vielzahl ernst zu nehmender Hinweise, daß eine
solche Forschung seit Gründung der Bundesrepublik bis in die Gegenwart nicht nur
geduldet, sondern mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. So wurde bekannt, daß am
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) Garching bei München mit atomwaffenfähigem
Uran hantiert wird.
Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) hatte noch unter ihrem
früheren Vorsitzenden Hans Blix von der deutschen Bundesregierung gefordert, auf
den Einsatz hochangereicherten Urans im Forschungsreaktor Garching 2 zu verzichten. Dieser
Forderung schloß sich 1997 auch Mohammed El Baradei, der heutige Vorsitzende der IAEO,
an. Doch selbst der Protest der USA an die deutsche Bundesregierung, in dem von einem
Bruch des Atomwaffensperrvertrages die Rede war, blieb wirkungslos. Und in welchen
deutschen Forschungszentren an der Atombombe geforscht wird, ist selbst vielen
Wissenschaftlern nicht bekannt.

Angesichts der jüngsten Kriegsdrohungen gegen den Iran hat die Bundesregierung allen
Grund, jegliche Atomwaffenforschung geheimzuhalten. Der iranischen Staatsführung wird
vorgeworfen, nicht allein am Bau »friedlicher« Atomkraftwerke, sondern auch am Bau einer
Atombombe interessiert zu sein. Dabei hat die bisherige Geschichte gezeigt, daß
sämtliche Staaten, die in den Besitz des Know-hows zum Bau von Atomkraftwerken gelangten,
auch Ambitionen zeigten, in den »Club der Atommächte « aufzurücken.
Nicht zuletzt die USA selbst haben längst in aller Öffentlichkeit eingeräumt, daß
sie den Atomwaffensperrvertrag mißachtet haben, indem sie innerhalb der letzten zehn
Jahre Miniatomwaffen (»Mininukes«) entwickelten. Groß ist offenbar die Versuchung,
diese nun auch zu testen. Jetzt drohen US-Regierung ebenso wie der französische
Präsident Chirac dem Iran mit einem atomaren Erstschlag, um so zu verhindern, daß das
iranische Regime sich die Besitzer von Massenvernichtungsmitteln zum Vorbild nimmt.
Vertuschter Unfall
Seit 1990 das Kriegswaffenkontrollgesetz geändert wurde, ist es der Bundesrepublik
nach Paragraph 16 nunmehr auch offiziell erlaubt, im »Rahmen der NATO«
Atomwaffenforschung zu betreiben. Daß Deutschland tatsächlich bis in die jüngste
Vergangenheit Ambitionen zeigte, die in der Folge des Zweiten Weltkriegs auferlegte
Beschränkung in der Atomwaffenforschung zu beseitigen, zeigt sich nicht nur am Beispiel
Garching.
In unmittelbarer Nähe des AKW Krümmel, rund 30 Kilometer vor den Toren Hamburgs,
liegt das Kernforschungszentrum Geesthacht; es trägt den irreführenden Namen
»Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt GmbH« (GKSS).Am
heutigen Mittwoch feiert diese nach eigener Darstellung zivile Forschungseinrichtung mit
etlichen Veranstaltungen ihren 50. Geburtstag. Zu einem Festakt in der Hamburger
Fischauktionshalle sind laut GKSS »über tausend Gäste aus Politik,Wirtschaft und
Wissenschaft« geladen. In einer offiziellen »Information zur Geschichte des
GKSS-Forschungszentrums« findet sich kein einziges Wort zu Waffenforschung oder
militärischen Verbindungen. Die Broschüre erweckt vielmehr den Eindruck, bei der GKSS
handele es sich um eine Forschungseinrichtung der Umweltbewegung.
Am 12. September 1986 wurde bei einem Brand auf dem Gelände der GKSS radioaktives
Material freigesetzt. Immer mehr Fakten deuten darauf hin, daß es sich um einen Unfall
bei Experimenten zur Entwicklung von Mini- Atombomen (»Mininukes«) handelte (siehe auch
jW vom 1.April 2006). Über Jahre hin wurde von Atomlobby, Behörden und Politik versucht,
diesen Unfall zu vertuschen. Nach der für Leukämie typischen Latenzzeit von vier Jahren
wurde ab 1990 in einem engen Kreis um die Atomanlagen eine eklatante Häufung von
Leukämieerkrankungen, überwiegend bei kleinen Kindern, registriert. Eine Häufung von
Leukämiefällen in dieser Konzentration ist bisher weltweit sonst nirgendwo beobachtet
worden.
Brisante Funde
Durch international anerkannte Wissenschaftler einer Untersuchungskommission, mit Hilfe
der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, der »Bürgerinitiative gegen Leukämie in
der Elbmarsch« und nicht zuletzt durch einen couragierten Dokumentarfilm, produziert im
Auftrag des ZDF, der am 2.April 2006 um 23.30 Uhr gesendet wurde, kommt nun allmählich
Licht ins Dunkel eines »Skandals, der in Deutschland seinesgleichen sucht« (Frankfurter
Rundschau). Zeugen, die den Brand beobachtet hatten, meldeten sich erstmals öffentlich zu
Wort.
Radioaktive Kügelchen, die sich an einer Vielzahl von Stellen um die GKSS fanden,
erwiesen sich nachdem sie mehrfach durch Institute in staatlichem Auftrag als
völlig harmlos qualifiziert worden waren als industriell gefertigt und in ihrer
Zusammensetzung hochgefährlich.
Diese sogenannten Mikrosphären enthalten Plutonium,Americium, Curium und Thorium in
Konzentrationen, die so in der Natur nicht vorkommen. Eine Untersuchung an der Minsker
Sacharow-Universität durch den international renommierten Experten für
Plutoniumverortung Professor Wladislaw Mironow ergab zudem, daß es sich weder um Fall-Out
früherer oberirdischer Atomwaffenversuche noch um Spaltprodukte aus der Wolke der
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl handeln kann. Die Mikrosphären sind mit einer
Titanummantelung versehen.Art und Aufbau der Mikrosphären verweisen darauf, daß sie aus
einer Hybridanlage stammen, bei der Kernreaktionen zur Energiefreisetzung genutzt werden
sollten.Wurden an der GKSS, wie es zahlreiche Indizien nahelegen, Experimente
durchgeführt, die der Entwicklung von Miniatombomben dienten?

In der schleswig-holsteinischen Landesregierung ist das Sozialministerium für die
Reaktorsicherheit zuständig. Die GKSS mit ihrem Forschungsreaktor fällt in dessen
Zuständigkeit. Auf Anfrage erklärte die Pressesprecherin des Sozialministeriums Randy
Lehmann, es seien keine weiteren Untersuchungen der an der Sacharow-Universität Minsk
analysierten Mikrosphären vorgesehen. Im übrigen sei die Übergabe von Proben durch die
»Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch« sowohl vom Ministerium als auch von
der GKSS verweigert worden. Die Umweltschützer verweisen darauf, daß diese Kügelchen
ohne großen Aufwand in der Umgebung der Atomanlagen zu finden seien. Im übrigen wurden
die Proben, die an der Sacharow-Universität untersucht wurden, in Anwesenheit eines
Notars genommen. Das Kernforschungszentrum bei Geesthacht ist bereits seit seiner
Gründung in die Entwicklung von Militärtechnologie verwickelt. 1989 erschien eine
Dokumentation mit dem Titel »Atomforschung in Geesthacht Schleichwege zur
Atombombe?« Eine fünfköpfige Redaktionsgruppe des Arbeitskreises »Atomwaffenverzicht
ins Grundgesetz!« deckte auf, daß die GKSS gemeinsam mit anderen Kernforschungszentren
eine Infrastruktur aufgebaut hatte, die Plutoniumwirtschaft im Labormaßstab ermöglichte.
Der frühere Forschungsminister Volker Hauff (SPD) wird in der Dokumentation mit der
Äußerung zitiert, es handele sich dabei um eine ausreichende Infrastruktur zum Bau einer
Atombombe. Die Geesthachter Forscher beschäftigten sich demnach bereits seit den 50er
Jahren mit Atombombentechnologie. Atomtransporte aus Geesthacht fuhren unter anderem
direkt in die militärische »Wiederaufarbeitungsanlage « im französischen Marcule. Ein
weiterer in dieser Schrift dokumentierter Transport erweist sich aus heutiger Sicht als
weitaus brisanter: Im Zeitraum zwischen dem 15.9.1986 also drei Tage nach dem Brand
und dem 14.9.1987 wurden »bestrahlte Brennstabsegmente « nach Karlstein
verfrachtet. Offen ist, ob es sich um Karlstein am Main, den Sitz der Atomanlage,
Siemens-KWU, handelt. Von »Segmenten« ist in Transportprotokollen sonst nie die Rede.
Brennstäbe sind versiegelt und unterliegen der Spaltstoffkontrolle der IAEO. Auch der
Zielort Karlstein ist als »Endlager« reichlich dubios. Eigentlich ein Fall für die
Staatsanwaltschaft.
Wurzeln im Faschismus
Gegründet wurde die GKSS 1956 von den Kernphysikern Erich Bagge und Kurt Diebner. Wer
sich mit der Geschichte der Entwicklung einer deutschen Atombombe in der Nazizeit befaßt
hat, kennt diese Namen. Sie stehen neben Otto Hahn, Carl Friedrich Freiherr von
Weizsäcker und Werner Heisenberg auf der Liste der zehn deutschen Kernphysiker, die von
den Alliierten vom 3. Juli 1945 bis zum 3. Januar 1946 im englischen Farm Hall interniert
wurden. Kurt Diebner war von Beginn an Leiter des NS- »Uranprojekts« und Gründer einer
Forschungseinrichtung in Gottow auf dem Gelände der Heeresversuchsstelle Kummersdorf.

Im Herbst 1944 begann Diebner in Gottow mit einem neuen Reaktorversuch, in dessen
Verlauf es zu einem Unfall kam. Die Umstände sind bis heute nicht eindeutig geklärt,
aber es müssen dabei mehrere Mitarbeiter verstrahlt worden sein. Nachgewiesen sind
Versuche Diebners zwischen 1943 und 1944, mittels Implosion thermonukleare Reaktionen
einzuleiten. Ein »Verfahren zur Verwertung der Fusionsenergie von Deuterium und Tritium
mit Hilfe konvergenter, periodischer Verdichtungsstöße« hat Diebner nach dem Zweiten
Weltkrieg alsbald zum Patent angemeldet (Patent-Nr. 1414759). Diese später als
ICFVerfahren (Inertial Confinement Fusion oder Trägheitseinschlußfusion) bekannte
Methode hat Jahrzehnte später der US-amerikanischen Entwicklung von Mini-Atombomben zum
Durchbruch verholfen. Forschungsschwerpunkte auf dem ICF-Gebiet existierten in den 80er
Jahren nicht nur im GKSS, sondern auch im Kernforschungszentrum Karlsruhe, der
Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt und am eingangs erwähnten IPP
Garching. 1947 gründete Diebner in Hamburg die Firma Durag.Ab Mai 1955 meldete er auch
gemeinsam mit Professor Erich Bagge zahlreiche Reaktorpatente an. Darunter befinden sich
unter anderem Patente zum Schnellen Brüter sowie zur Plutoniumgewinnung und -separation.
Zwei Patentanmeldungen erfolgten 1955 zusammen mit Dr. Friedwardt Winterberg zu
thermonuklearen Bomben (Mininuke, boosted weapon). Am 4. März 1957 erschien Diebners Name
in der deutschen Presse mit der Ankündigung, er habe das »Geheimnis der
Kernverschmelzung« enträtselt. Das Nachrichtenmagazin Spiegel brachte am 20. März 1957
einen größeren Artikel darüber, doch die wissenschaftlichen Erwartungen konnten nicht
erfüllt werden. Die Erforschung der Fusion blieb dennoch weiterhin Diebners Spezialgebiet
und führte zu weiteren Patentanmeldungen.
Hitlers »Uranprojekt«
Erich Bagge arbeitete in der Nazizeit in der »Gruppe Diebner«, benannt nach dem schon
erwähnten Leiter des Kernforschungsreferats in Hitlers Heereswaffenamt, Dr. Kurt Diebner.
Die mit großem Enthusiasmus vorangetriebene Arbeit dieser Gruppe bestand in der
Entwicklung einer deutschen Atombombe. 1939 war das Jahr, in dem der globale Wettlauf um
die Atombombe begann. Von den Nazis wurde bereits Anfang 1939 der Präsident der
Physikalisch-Technischen Reichsanstalt und Mitglied im Reichsforschungsrat, Prof.Abraham
Esau, mit der Organisation einer Geheimkonferenz beauftragt.Auf dieser Konferenz zum
»Uranproblem«, die in Berlin am 29.April 1939 stattfand, wurde eine Reihe von wichtigen
Festlegungen getroffen. So wurden umgehend die in den böhmischen Gruben von Joachimsthal
geförderten Uranerze der alleinigen deutschen Nutzung unterstellt. Das NS-»Uranprojekt«
wurde ins Leben gerufen; deutsche Kernphysiker wurden in Forschungsgruppen
zusammengefaßt, um effektiv an der Entwicklung der Atombombe zu arbeiten.
Parallel arbeiteten im Nazi-Deutschland Forschergruppen um Paul Harteck an der Uni
Hamburg (später in Celle: Isotopentrennung!), um Heisenberg und Döpel an der Uni
Leipzig, um Bothe am Kaiser-Wilhelm-Institut für Medizin (KWI), Heidelberg, und um von
Weizsäcker und Wirtz am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin an derselben
Zielsetzung. Das Heereswaffenamt beschlagnahmte in der Folgezeit das KWI in Berlin und
setzte dort Diebner als Leiter ein. Ziel der ab 1939 im »Uranprojekt« koordinierten
Forschergruppen war wie eine Reihe erhaltener Unterlagen beweist die
Schaffung der technischen Grundlagen zum Bau der Atombombe. Bereits im März 1943 hatte
die Gruppe um Harteck herausgefunden, daß durch die Hintereinanderschaltung mehrerer
Zentrifugen die nötige Anreicherung von Uran-235 erreicht werden kann.

Bagge bestritt zwar in späteren Jahren gelegentlich, jemals etwas mit der Entwicklung
der Atombombe zu tun gehabt zu haben. Doch seine eigenen Schriften legen Zeugnis darüber
ab, daß er eine zentrale Rolle bei dieser »kriegswichtigen Forschung« der Nazis
gespielt hatte. Zusammen mit Diebner veröffentlichte er 1957 ein Taschenbuch, in dem auch
sein Tagebuch über diese Zeit veröffentlicht ist (Bagge/Diebner/Jay: Von der
Uranspaltung bis Calder Hall, Reinbek 1957). Zwischen 1941 und 1943 entwickelte Bagge die
Isotopenschleuse, ein Gerät zur Anreicherung des Urans bis zu einem bombenfähigen Grad.
Auch Erich Bagge faßte nach dem Zweiten Weltkrieg in der jungen Bundesrepublik schnell
wieder Fuß. Bereits 1948 wurde er zum Außerordentlichen Professor und Abteilungsleiter
des Physikalischen Staatsinstituts in Hamburg berufen. Er gründet das Institut für Reine
und Angewandte Kernphysik der Uni Kiel. Durch Professor Bagge bestand von Anfang an eine
enge Verbindung mit dem Forschungsreaktor Geesthacht, der später durch die Gesellschaft
für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt (GKSS) als Trägerorganisation
betrieben wurde.

Als Publikationsorgan gab Professor Bagge die Zeitschrift Atomkernenergie heraus.
Mitherausgeber war Professor Kraut von der Bundeswehrhochschule in Neubiberg. Im
erweiterten Herausgeberkreis sind die Namen Friedwardt Winterberg und Prof.Walter Seifritz
zu finden. Letzterer ein Schweizer Atomwaffenspezialist vom Atomzentrum Würenlingen.
Winterberg veröffentlichte in dieser Fachzeitschrift 1956 einen Beitrag, der technische
Details verschiedener thermonuklearer Reaktionen behandelt und spezifische Kenntnisse von
der Funktionsweise der Wasserstoffbombe verrät. Bei der Wasserstoffbombe handelt es sich
um eine Atombombe, deren Wirkungsweise auf der Energiefreisetzung durch Kernfusion beruht.
Bagge unterhielt auch immer enge politische Kontakte. Nach dem Zweiten Weltkrieg sicherte
ihm sein Sitz in der Atomkommission Einfluß im Atomministerium. Er konnte sich zudem
freundschaftlicher Beziehungen zum zuständigen Minister Franz Josef Strauß rühmen.
Neben Diebner und Bagge waren beim Aufbau der GKSS weitere Personen mit unrühmlicher
Vergangenheit beteiligt. So Paul Harteck (auch er stand auf der Liste der zehn
einflußreichsten deutschen Kernphysiker und gehörte während der NS-Zeit zur »Gruppe
Diebner«) und der zum Generaldirektor der AG Weser aufgestiegene Heinrich Schliephake,
der 1944 als Direktor bei Blohm+Voss maßgeblich bei der Einrichtung eines KZ-Außenlagers
mitgewirkt hatte.
Nachgewiesen werden können darüber hinaus Auftragsarbeiten der GKSS für die
Bundeswehr in den 60er Jahren. Franz Josef Strauß, 1955 und 1956 Atomminister, von 1956
bis 1962 Wehr minister und von 1966 bis 1969 Finanzminister in einer »schwarz-roten«
Bundesregierung, bekannte in seiner Autobiographie stolz: Bereits 1958 hatten der
deutsche, der französische und der britische Außenminister bei einem Geheimtreffen ein
Abkommen zur geheimen Produktion von Atomwaffen unterzeichnet.
Die wissenschaftlichen Einrichtungen und Erkenntnisse der GKSS wurden insbesondere von
der deutschen Industrie genutzt. Darunter befanden sich prominente Rüstungskonzerne wie
MTU München, Rheinmetall, Rohde & Schwarz, HDW Kiel und das durch seine
U-Boot-Blaupausen bekannte Ingenieurkontor Lübeck (IKL). Mehrfach arbeitete die GKSS auch
direkt mit militärischen Einrichtungen zusammen, so mit den Bundeswehruniversitäten in
Hamburg und München. In den 80er Jahren führte die Wehrwissenschaftliche Dienststelle
der Bundeswehr für ABC-Schutz Bestrahlungsversuche in den Forschungsreaktoren der GKSS
durch.
Mauer des Schweigens
Im November 2004 äußerte der Münchner Strahlenmediziner Edmund Lengfelder, Mitglied
der Leukämie-Kommission, gegenüber der Süddeutschen Zeitung (2.11.2004) den Verdacht,
daß es sich bei den gefundenen Mikrosphären um PAC-Kügelchen handele. Die Bezeichnung
PAC leitet sich ab von den drei Isotopen Plutonium,Americium und Curium. Solche Kügelchen
wurden als Bestandteile der Brennstoffkugeln des Hochtemperaturreaktors (THTR) in
Hamm-Uentrop produziert, der nach nur zweijährigem Betrieb im Jahr 1989 stillgelegt
werden mußte.

Die im THTR eingesetzten Brennelementkugeln mit einem Durchmesser von rund sechs
Zentimetern enthalten jeweils mehrere tausend PAC-Kügelchen. Diese oder ähnlich
aufgebaute Mikrosphären könnten so Lengfelder auch benutzt werden, um
damit unter Laserbeschuß nukleare Miniexplosionen auszulösen. Etliche Physiker aus dem
Umfeld des GKSS veröffentlichten Publikationen in Fachzeitschriften, die ihr Interesse an
eben jenen Experimenten belegen. Lengfelder vermutet, daß es am 12. September 1986 bei
entsprechenden illegalen Experimenten zu einem schweren Unfall kam; ein solcher
Hintergrund wäre ein plausibles Motiv für die hartnäckige »Mauer des Schweigens «
(ZDF). Darüber hinaus ist es naheliegend, daß mit einem solchen Skandal 1986 in der
Bundesrepublik nur ein halbes Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
ein tatsächlicher Ausstieg aus der Atomenergie, wie er in Italien zu jener Zeit
realisiert wurde, auch in der BRD besiegelt gewesen wäre.
»Das Geständnis eines Unfalls (...) hätte den Atomenergie- Konzernen das Geschäft
vermutlich auf Dauer verdorben«, so die Frankfurter Rundschau. Ein weiterer Fund
bestätigt die Vermutung Lengfelders: Der Berliner Physiker Sebastian Pflugbeil von der
»Gesellschaft für Strahlenschutz « stieß auf Dokumente des MfS über bundesdeutsche
Nuklearforschungen. In diesen Unterlagen der Abteilung 5 der Hauptabteilung XVIII von 1987
ist tatsächlich von »Mininukes« die Rede, an denen in der BRD gearbeitet werde und die
man mit Hilfe eines Röntgen-Lasers zur Explosion bringen könne. Darin heißt es:
»Interessanterweise sind in der letzten Zeit die erfolgversprechendsten Fusionskonzepte
in einer ganz anderen Richtung angelegt worden«, die ergeben hätten, daß bei
»Fusions-Fissions- Kügelchen eine andere Anwendung wesentlich interessanter ist«. Das
werde »durch die Zielrichtung der US-amerikanischen Atompolitik unterstützt«, bei der
»das Streben der Kernwaffenforschung eindeutig zu kleineren und leichteren Kernladungen
(...) geht«.Weiter ist in diesem MfS-Dokument die Rede von Kügelchen mit Abmessungen im
Millimeter- bis Zentimeterbereich, die enorme Sprengstärken entwickeln. Gegen diesen
Dokumentenfund des früheren DDR-Bürgerrechtlers Pflugbeil wurde auffallend schnell das
Totschlagargument in Stellung gebracht, sämtliche Stasi-Unterlagen seien allein zur
Desinformation produziert worden.
Aufklärung blockiert
Der Brand in der GKSS war nicht der einzige größere Unfall in jener Zeit, der unter
den Teppich gekehrt werden sollte. Im Januar 1987 ereignete sich eine Explosion im
NUKEM-Werk in Hanau, die nicht völlig vertuscht werden konnte. Nach offiziellen Angaben
wurde bei der »Panne« lediglich eine Person durch Freisetzung von Plutonium aus einer
kleinen Probe kontaminiert. Laut Aussagen eines mit der Untersuchung der Betroffenen
betrauten Wissenschaftlers seien jedoch tatsächlich 36 Arbeiter einer Strahlendosis weit
über dem zulässigen Grenzwert ausgesetzt gewesen. Viele dieser Arbeiter seien heute an
Krebs erkrankt, doch sie würden nicht an die Öffentlichkeit gehen,weil sie um ihre
Betriebsrente fürchteten.

Als das von der Explosion zerstörte Gebäude in Hanau 2003 abgerissen und nach den
entsprechenden Entsorgungsrichtlinien abgetragen wurde, war die Beteiligung der örtlichen
Behörden unvermeidbar. NUKEM-Ingenieur Paul Börner äußerte während dieser Arbeiten
gegenüber einem Beamten: »Jetzt, wo es verjährt ist, kann ich es Ihnen ja sagen: Das
ist das Gebäude, das uns damals hochgegangen ist.« Protokolliert ist diese Aussage in
den Akten der Hanauer Staatsanwaltschaft. Anfang 1987 war Joseph Fischer Umweltminister in
Hessen. Laut Zeugen war er vom Ausmaß des Unfalls in Hanau, sowohl von den Hintergründen
als auch von den Folgen, umfänglich informiert.Auch er hielt dicht. In der Umgebung der
Unfallstelle in Hanau fanden sich ebenfalls ominöse Brennstoffkügelchen.

Im Unterschied zu jenen in der Umgebung von Geesthacht hatten sie jedoch keine
auffällige Häufung von Leukämiefällen zur Folge.Wurde in Geesthacht und in Hanau an
verschiedenen Konzepten zur Entwicklung der Mini- Atombombe geforscht? Eine genauere
Untersuchung der verschiedenen Mikrosphären mit Durchmessern von fünf, 20 und 50
Mikrometern hätte längst darüber Aufschluß geben können. Doch eine Aufklärung konnte
bislang von einer gemeinsamen Front aus Atommafia, Behörden und Politikern jeglicher
Couleur blockiert werden.
Klaus Schramm
"Ingewahrsamnahmen" beim Castor- Transport 2001 rechtswidrig -
Verstoß gegen den Richtervorbehalt
Mehr als viereinhalb Jahre nach dem CASTOR- Transport 2001 haben Atomkraftgegner vom
Bundesverfassungsgericht (BVerfG) bestätigt bekommen, daß ihre
"Ingewahrsamnahme" durch die Polizei im November 2001 bei Laase gegen das
Grundgesetz verstieß.
Freiheitsentziehungen seien wegen des Verstoß gegen den Richtervorbehalt (Art. 104,
Abs. 2 GG) rechtswidrig, ergibt sich aus einem Beschluß vom 2. 6. 2006, der jetzt bekannt
wurde (AZ: 2 BvR 2118/05).Auch nachts wäre bei CASTOR-Transporten und damit verbundenen
Massendemonstrationen "ein Bedürfnis für die besondere Regelung des richterlichen
Eildienstes" gegeben. Die Betroffenen waren am 13. November 2001 gegen 23:18 Uhr auf
ihren Motorrädern von der Polizei außerhalb der Versammlungsverbotszone festgehalten und
in die Gefangenensammelstelle gebracht worden; die Richter hatten hingegen ihren
"Dienst" bereits gegen 22:00 Uhr beendet.Weiter, so das
Bundesverfassungsgericht, seien die ordentlichen Gerichte auch für eine nachträgliche
Überprüfung der Rechtswidrigkeit der Polizeimaßnahme zuständig. Das beinhalte auch die
Prüfung der Rechtmäßigkeit einer körperlichen Durchsuchung. Und die Gerichte hätten
auch zu prüfen, ob der Vollzug solche Freiheitsentziehung nicht einer
"Ersatzbestrafung" gleichkäme; "Gründe für die Auswahl des Standorts der
Gefangenensammelstelle, deren Kapazitätsausgestaltung und die Frage einer zureichenden
Ausstattung" hätten von den befaßten Gerichten entsprechend gewürdigt werden
müssen, so das BVerfG.
Am 13.November 2001 hatte sich hinter dem südlichen Ortsausgang von Laase Richtung
Gorleben bereits am Nachmittag gegen 15:30 eine Straßenblockade von 200 Menschen als
Protest gegen den CASTOR-Transport gebildet, die per Lautsprecherdurchsage der Polizei um
16:02 aufgelöst wurde.Mit der Räumung begannen die Einsatzkräfte dann gegen 16:35. Die
Kläger vor dem Verfassungsgericht gehörten zu einer Gruppe von Motorradfahrern, die
Stunden später gegen 23:18 aus einem Wald kommend von der Polizei außerhalb der
Demo-Verbotszone aufgehalten wurde. Sie hatten Decken, Zelte, Schlafsäcke und anderes
Camping- Zubehör dabei. Die Polizei nahm die Betroffenen dann "in Gewahrsam",
und verfrachtete sie am frühen Morgen gegen 5:35 Uhr in die Gefangenensammelstelle
Neu-Tramm. Nachdem der CASTOR gegen 7:09 Uhr im Gorlebener Zwischenlager eingetroffen war,
wurden sie innerhalb der nächsten dreiviertel Stunde freigelassen. Vor dem Amtsgericht
Dannenberg hatten die Motorradfahrer beantragt, festzustellen, daß die damalige
Freiheitsentziehung dem Grunde nach, der Dauer nach und wegen der Behandlung während der
Freiheitsentziehung rechtswidrig gewesen war.
Diesen Anträgen gab das Amtsgericht in einem Beschluß vom 1.April bzw. 17. Juni 2004
statt. Die damalige Bezirksregierung Lüneburg reichte gegen die amtsgerichtliche
Entscheidung Beschwerde beim Landgericht Lüneburg ein. Die Landrichter hoben den
Beschluß der Dannenberger auf, und verwiesen zur erneuten Entscheidung zurück. Eine
Beschwerde gegen die Entscheidung des Landgerichts Lüneburg hatte vor dem
Oberlandesgericht (OLG) Celle keinen Erfolg. Daraufhin korrigierte das Amtsgericht
Dannenberg seine ursprüngliche Entscheidung, wies einen Feststellungsantrag einer
Atomkraftgegnerin zurück,wobei es Erwägungen des OLG Celle aufgriff, und dabei die
Voraussetzungen einer Ingewahrsamnahme nach §18 des Niedersächsischen
Gefahrenabwehrgesetzes (NgefAG) als gegeben annahm.

Es hätte eine Reihe von Anhaltspunkten gegeben, die aus Sicht der Polizei auf die
Absicht, an der Demonstration teilzunehmen, hingedeutet hätten. Eine persönliche
Anhörung der Betroffenen sei entbehrlich gewesen, und auch "vorhersehbare
Unannehmlichkeiten" nicht geeignet, eine Rechtswidrigkeit der Ingewahrsamnahme zu
begründen. Das "Unverzüglichkeitsgebot" sei auch nicht verletzt worden, da die
Ingewahrsamnahme nur 8 Stunden gedauert habe. Auch wegen des Aufwands für
Personalienfeststellung, körperliche Durchsuchung und Transport in die
Gefangenensammelstelle hätte eine richterliche Entscheidung frühestens mitten in der
Nacht beantragt werden können, zu einer Zeit also, in der das Amtsgericht nicht besetzt
gewesen sei. Als die Richter wieder im Dienst waren, sie die Freilassung bereits
angeordnet gewesen.Auch bestünde wegen der Kürze des eigentlichen Polizeigewahrsams
keine Notwendigkeit zu umfassender Verpflegung oder eines sonst aufwendigen
Begleitprogramms.
Am 8. November 2005 wies das Landgericht Lüneburg Beschwerden gegen diese aufgrund der
OLG-Vorgaben veränderten Entscheidungen des Amtsgerichts Dannenberg dann zurück, womit
der ordentliche Rechtsweg für die Betroffenen ausgeschöpft war, und nur noch die
Verfassungsbeschwerde vor dem Obersten Deutschen Gericht möglich war mit nun
positivem Ausgang für die Atomkraftgegner.
"Es ist erschreckend, wie mühsam es für Bürger ist, sich während der
Ausnahmezustands in der CASTOR-Zeit gegen Einschränkungen grundgesetzlich garantierter
Rechte zu wehren", kommentiert ein Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg
(BI) die erfolgreiche Verfassungsbeschwerde. Schlimm sei insbesondere, daß sich auch
obere Gerichte nicht gegen polizeiliche Rechtsbrüche stemmen, sondern stattdessen dem am
Grundgesetz orientierten Amtsgericht Dannenberg Vorgaben zur Einschränkung wesentlicher
Grundrechte gemacht hatten.

Nun müssen die Lüneburger Landrichter nach dann bald fünf Jahren die Fälle erneut
aufrollen. "Nur durch unsere unerschütterliche Geduld, sei es auf der Straße, an
der Schiene, oder auf dem Rechtsweg, werden wir unsere Grundrechte, auch das Recht auf
körperliche Unversehrtheit gegen die Atomkraftnutzung durchsetzen können", so der
BI-Vertreter weiter.Kein Land, keine Region dürfe weiterhin zur Atommüllkippe verkommen.
Dagegen werden sich die Menschen aus dem Wendland immer wieder wehren und ihre Erfahrungen
weitergeben. "Gegen CASTORTransporte, Polizeistaat, Zwischenlager und Endlager. Im
Wendland und überall".
Dieter Metk und RA Ulrike Donat
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Vor sechs Jahren wurde die erste Anti-Atom-Sendung im freien Radio bermuda.
funk in Mannheim / Heidelberg produziert und läuft mittlerweile in
sechs verschiedenen Radios. Seit neuestem kann die Sendung für alle Radios
im Internet heruntergeladen werden. Zusätzlich können die einzelnen
Beiträge der Sendung und auch andere Beiträge zum Thema Anti-Atom von
allen kostenlos runtergeladen werden. Die Sendung steht nur Radios zur
Verfügung, da es sonst Probleme mit der GEMA geben könnte.
Ziel des Projektes ist es, eine Struktur aufzubauen, die unabhängig von
Einzelpersonen eine regelmäßige Radiosendung produziert. Das Prinzip wird
schon erfolgreich von zip-fm (http://zip-fm.reportnet.de/index.php) angewendet,
dem Nachrichtenmagazin der freien Radios. Es funktioniert folgendermaßen:
Viele Leute an verschiednen Orten produzieren Beiträge, die ins
Internet geladen werden. Daraus produziert eine Person oder Redaktion
eine ganze Sendung, die allen zur Verfügung steht.
Da restrisiko im Laufe der Zeit eine stärkere Verbreiterung gefunden hat,
haben wir uns dafür entscheiden, solch ein Projekt aufzubauen, damit die
Sendung weiterlebt. Deshalb hoffen wir, dass immer wieder neue Leute zu
dem Projekt dazustoßen und ihren Teil dazu beitragen. Das kann geschehen
durch das erstellen von Beiträgen, dem Zusammenstellen der Sendung oder
auch der Bekanntmachung und Pflege der Internetseite.
Nähere Informationen: www.restririko.tv,
Andreas Frank |
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