| GORLEBEN RUNDSCHAU |
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Oktober2004CastorAUSGABE 9 |
Inhalt:
Atomkraft oder Demokratie?Das Eine schließt das Andere aus ...Statt einer Ende 2002 pompös von Trittin angekündigten alternativen Standortsuche für ein Atommüllendlager wird durch erneute Castortransporte Gorleben als Standort mit Polizeigewalt durchgeboxt. Obwohl von diversen Wissenschaftlern als untauglich zertifiziert, hält die rotgrüne Regierung jenseits aller Logik weiter an der Gorlebener "Tropfsteinhöhle" fest. Warnende Tatsache bleibt: Es gibt seit der schrecklichen Erfindung der Atombombe vor über 60 Jahren Atommüll, obwohl weltweit niemand weiß, wie überhaupt ein Endlager machbar sein könnte, dass auch nur annähernd sicher das strahlende Erbe der Atomindustrie vor der todbringenden Freisetzung in die Biosphäre bewahren kann. Ein unlösbares komplexes Problem. Für jedes komplexe Problem, so gaukeln Politik und Industrie gerne vor, gibt es immer eine ganz einfache Lösung. "Einfache und billige" Lösungen sind falsch und bedienen nur die Kapitalinteressen der Atomindustrie!
Die Atommüll-Endlagerfrage kann nicht seperiert betrachtet werden. Es gibt Ursachen und Wirkungen. Die Ursachen müssen abgestellt werden, um die Atommüllberge trotz der bekannten weltweiten Entsorgungsmisere nicht weiter ins Gigantische wachsen zu lassen. Trotzdem wird durch den gefährlichen Betrieb der Atomanlagen jeden Tag der strahlende Atommüllberg weiter aufgetürmt. Der von der Bundesregierung eingesetzte Arbeitskreis Endlagersuche stellt fest, dass die tödlichen nuklearen Hinterlassenschaften mindestens eine Millionen Jahre, das heißt, über Eiszeiten und geologische Umbrüche hinweg, sicher vor der Biosphäre abgeschlossen sein müssen. Er stellt weiter fest, dass der Bevölkerung ein Mitspracherecht eingeräumt werden muß. Die Hauptbetroffenen, die uns folgenden und von unseren Entscheidungen abhängigen Generationen können aber nicht dazu befragt werden. Auch das Bundesgericht in Washington befand zum geplanten Endlager am Yucca Mountain, es dürfe nicht gebaut werden, weil kein Sicherheitsnachweis über mindestens 1 Millionen Jahre erbracht werden kann. Solange stellen nicht nur die unvorstellbaren Halbwertzeiten der radioaktiven Strahlung, sondern auch die permanente Wärmeentwicklung eine Gefahr für zukünftige Generationen dar. Bislang gibt es kein Wissen über ein Einlagerungsmedium, dass nicht über längere Zeiträume durch die dauerhafte Wärmeentwicklung beschädigt würde. Zusätzlich müssen die nicht absehbaren geologischen Umbrüche, wie Erdbeben, Eiszeiten, Kontinentalplattenverschiebungen usw. über diesen unvorstellbaren Zeitraum bedacht werden. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Genie und atomarer Wahnsinn Wissenschaftler sollten sich darüber bewußt sein, dass sie von weiten Teilen der Bevölkerung überwiegend als seriöse Wissende, die Lösungen schon finden werden, angesehen werden. Aber diese "Genies", die eine ernsthafte sichere Lösung parat hätten, gibt es nun mal nicht. In jeder Berufsgruppe gibt es genieartige Vertreter, aber auch Mitläufer, oder rein finanziell Interessierte. Die letzteren verkomplizieren mit im wahrsten Sinne des Wortes "billigen" Lösungen die ohnehin unüberschaubare Problematik erheblich. Auch deshalb ist es an der Zeit, Gorleben als Endlagerstandort fallenzulassen und eine für die Bevölkerung nachvollziehbare alternative Suche zu beginnen. Nur dieses wäre im Sinne einer patizipatorischen Demokratie. Zusätzlich droht aber die kritisch abwägende Intelligenz der Wissenschaft schlicht von der normativen Macht des Faktischen übergangen zu werden. US-Präsident Truman erwiderte auf die Frage, warum er den Befehl zum Abwurf der Atombombe auf Japan gab: "Wir konnten es uns nicht leisten, eine Waffe, deren Entwicklung 2 Milliarden Dollar gekostet hat, nicht einzusetzen". In Gorleben sind bereits über 1,3 Millarden im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt worden. Dies darf kein Argument für ein Atommüllgrab sein, dass die Radioaktivität auf Dauer nicht von der Biosphäre fernhalten kann. Die geballte normative Macht des Faktischen ist im November wieder zu besichtigen. Dann wird der nächste Castortransport mit tausenden Polizisten gegen den Willen der Bevölkerung nach Gorleben verfrachtet. Diese Transporte zementieren Gorleben aber als einen Endlagerstandort. Wenn tatsächlich eine Umorientierung in der Endlagersuche angestrebt wird, dürfen logischerweise keine weiteren überflüssige und den Standort festlegende Transporte nach Gorleben erfolgen. Auch die fertiggestellte Pilotkonditionierungsanlage, eine "Atommüllverpackungsanlage übt erheblichen Druck auf ein Endlager in Gorleben aus.Welchen Sinn sollte sie sonst in Gorleben Ben haben? All dies zeigt, dass keine ernsthafte alternative Standortuntersuchungen stattfinden werden. Der Salzstock Gorleben scheint wider besseren Wissens festgelegt. Die bisherigen deutschen Endlagerstandorte in Salz, Asse und Morsleben, sind bereits jetzt in katastrophalem Zustand. Neben den jahrzehntelangen warnenden wissenschaftlichen Kenntnissen, aus denen keine Schlussfolgerung zu einer Stillegung erfolgte, schaffen die unglaublichen Zustände im Endlagermedium Salz an anderen Standorten zusätzlich tiefes Mißtrauen in der übergangenen Bevölkerung.Wen wundert es da, dass durch die nachweisbaren Verflechtungen Beteiligter aus Teilen der Industrie, Finanzwelt, Aufsichtsbehörden und Politik die Bevölkerung empört von einer Atommafia spricht. In Verbindung mit den gigantischen Polizeieinsätzen durch Durchsetzung der wirtschaftlichen Interessen gar von Atom- und Polizeistaat? Jegliche Ansätze eines neuen Vertrauensversuchs durch gleichberechtigte Mitsprache, wie er in den Empfehlungen des AkEnd skizziert ist, werden brutalst durch die Polizeieinsätze ins Gegenteil verkehrt. Die Wissenschaftler des AkEnd wurden mißbraucht, in der Hoffnung eine Massensuggestion würde die Bevölkerung in Hypnose zu versetzen. Wir nehmen die angekündigten Mitspracherechte laut und vernehmlich seit Jahren auf der Strassewahr. Nur, die arrogante und menschenverachtende Antwort bleibt immer die Selbe: "Tatü Tata..." Beim Thema Endlagerung wird obendrein gerne von einer nationalen Verantwortung geredet. Fakt ist aber, dass deutscher schwach- und mittelaktiver Müll bereits im englischen Drigg, nahe der Plutoniumfabrik in Selafield, verbuddelt wird. Im Gegenzug sollen mehr hochradioaktive Glaskokillen als an abgebrannten Brennelementen zur WAA geliefert, nach Deutschland zurükktransportiert werden. Mit La Hague in Frankreich gibt es ähnliche Vertragsverhandlungen. Bei der Frage um Gorleben geht es faktisch also bereits um einen internationalen Endlagerstandort. Ein von der EU eingesetztes Forschungsprojekt mit dem Titel SAPIERR (Support Action Pilot Initiative for European Regional Repositories) erarbeitet seit Jahresbeginn ein Szenario zur Durchsetzung eines multinationalen Atommüll-Endlagers. Überwiegend finanziert aus dem 6. EU-Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung sind bislang 14 EU-Länder am beteiligt:Auch Länder wie Österreich und Italien, die zwar längst per Volksentscheid ihre Atommeiler abgeschaltet haben, für den zuvor produzierten Atommüll findet sich allerdings keine der Bevölkerung vermittelbare Lösung. Während in der BRD weiterhin für den Bestandsschutz der AKW die Lösbarkeit der Entsorgungsfrage suggeriert wird, gibt es eine europaweite Welle des indirekten Eingestehens der Unlösbarkeit. Weil es unmöglich ist, den Strahlendreck Millionen von Jahren sicher vor der Biosphäre einzulagern wird nun vehement international nach einem "Dummen" gefahndet, der seine finanzielle Misere mit einem gigantischen Atommüllgrab etwas aufzubessern erhofft. Sicherheitsnachweise oder Bedenken der Bevölkerung werden dabei wie bislang in Gorleben keine Rolle spielen. Die Menschen in Gorleben mussten bislang die acht größten Polizeieinsätze in der Historie der Bundesrepublik über sich ergehen lassen. Beim nächsten Castortransport wird es erneut einen Demonstrationsverbotskorridor von 72 km Länge und 50 bis 500 m Breite, von Lüneburg bis Gorleben, verhängt. Ein absoluter Ausnahmezustand, ein rechtsfreier Raum für die gegen die Gefahren protestierende Bevölkerung. Unsere Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit und freie wahrnehmbare Meinungsäußerung werden buchstäblich mit Polizeistiefeln getreten. Es ging noch nie nur um eine politische Auseinandersetzung um Atomkraft, sondern um den Erhalt des Fundaments eines demokratisch organisierten Gemeinwesens. Seit 27 Jahren wird der Konflikt zwischen besorgten Bürgern und verantwortlichen Politikern von staatlicher Seite ausgesessen und an Räumtrupps der Polizei delegiert. Dabei werden selbst ganze Dörfer nicht vor Einkesselungen und Ausgangssperren verschont. Hubschrauber, Polizeihundebisse, Pferdestaffeln. Schwerverletzte. Menschenhatz in Gorleben, gegen alle, die den Kapitalinteressen der Atomindustrie im Wege stehen. Zustände die einer modernen patizipativen Demokratie zutiefst unwürdig sind. Beim letzten Castortransport waren 18.600 Polizisten im Einsatz. Das Wendland hat ungefähr 50.000 Einwohner. Stundenlange Ingewahrsamnahmen von über tausend Menschen waren beim Transport der "Normalfall". Würde dieses Szenario eins zu eins bezogen auf drei Millionen Einwohner in Berlin übertragen hieße dies: Bei einem Castortransport nach Berlin würden 1.116.000 Polizisten 60.000 Verhaftungen vornehmen und die Betroffenen aus Platzproblemen wahrscheinlich ins Olympiastadion sperren ... Wir werden auch weiterhin unsere grundrechtlich verbrieften Rechte in Anspruch nehmen und immer wieder fantasievoll und wahrnehmbar gegen den atomaren Wahnsinn protestieren. Für den sofortigen Ausstieg aus der todbringenden Atomindustrie und die Einhaltung der Grundrechte. Und wir werden Zulauf bekommen. Die heranwachsende Tschernobylgeneration wird sich einreihen. Die verantwortliche Politik sollte wissen:Weitere Rituale mit Tausenden von Polizisten, Demonstrationsverbotszonen und Kriminalisierung von Atomkritikern, wird die Tschernobyl-Generation mit Sicherheit nicht von ihrem Kindheitstrauma befreien! Anfang Oktober besuchte ich ein internationales Symposium "gegen den atomaren Wahnsinn" im österreichischem Linz. Die Teilnehmenden, diesmal aus 4 Kontinenten und 17 Ländern, beobachten seit Jahren schockiert den demokratieunwürdigen Umgang mit Atomkritikern nicht nur in Gorleben und haben ihre Solidarität mit der Bevölkerung zugesichert. Wir zeigen Polizei- und Atomstaat die rote Karte! Francis Althoff
Internationale Gorleben-SolidaritätSymposium gegen den atomaren WahnsinnAn einem internationalen Anti-Atom-Symposium am 1. und 2. Oktober im österreichischen Linz, war auch ein Vertreter der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg beteiligt. Schwerpunkt des Arbeitstreffens der TeilnehmerInnen aus 4 Kontinenten waren die Verknüpfungen.der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie und dem Bau von Atomwaffen. Der Sprecher der wendländischen BI faßt zusammen: Der Uranabbau ist nur der Beginn einer Kette von Gewalt und Zerstörung. Bürgerrechte werden mißachtet und indigene Völker vertrieben. Die Nebenprodukte der Brennelementeproduktion - wie das abgereicherte Uran 235 - finden sich als Uranmunition wieder und wurden in den Golfkriegen und auf dem Balkan eingesetzt. Sie verbreiten Elend und. Tod. Landstriche werden radioaktiv verseucht. Atomtransporte finden unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt, oder fallen sogar, wie in Frankreich, unter das Militärgeheimnis. Die umweltzerstörende Wiederaufarbeitung der Brennelemente liefert das Plutonium für die Atombomben. Unter dem Deckmantel Atomprogramm versuchen sich Staaten weltweit an der atomaren Aufrüstung. Auch Europa ist beteiligt. Der EURATOM-Vertrag, einer der drei Gründungsverträge der EU, macht es möglich. Dem wendländischen Vertreter wurde internationale Solidarität mit dem Widerstand gegen die Gorlebener Atomanlagen zugesichert. Dabei wurde auch eine mögliche militärische Rolle der fertiggestellten Konditionierungsanlage mit ihrer Heißen Zelle kritisch hinterfragt. Francis Althoff Internationale Solidaritätserklärung, 2.10.2004 Die TeilnehmerInnen des internationalen Symposiums für eine Welt ohne atomaren Wahnsinn aus 17 Ländern, erklären ihre Solidarität mit den Aktionen in Frankreich und den Demonstrationen in Gronau und Gorleben. Zur Zeit wird ein überflüssiger Transport von Waffenplutonium aus den USA über den Atlantik nach La Hague in Frankreich durchgeführt. Nach der Wiederaufarbeitung wird es in dem eigentlich wegen Erdbebengefahr geschlossenen Plutoniumwerk in Cadarache zu brisanten MOX-Brennelementen verarbeitet. Diese Mischung von Uran- und Plutoniumoxid macht den AKWBetrieb noch gefährlicher. Die Kapazitätserweiterung der Urananreicherungsanlage im norddeutschen Gronau, an der niederländischen Grenze, soll ausgebaut werden. Die Teilnehmer- Innen des internationalen Symposiums stellen sich die Frage, warum die deutsche Regierung den sogenannten Atomausstieg angekündigt hat, es aber zuläßt, dass Brennelemente für 35 AKW's im In- und Ausland produziert werden können. Dadurch ist Deutschland für das Wachstum des internationalen Atommüllberges mitverantwortlich. Es ist eines demokratischen Gemeinwesens zutiefat unwürdig, die privatwirtschaftlichen Interessen der Atomindustrie gegen das Grundrecht auf körperlich Unversehrtheit mit Polizeigewalt durchzusetzen. Atomkraft ist eine tödliche und kriegerische Energie. Ihr strahlendes Erbe bleibt für zukünftige Generationen unbeherrschbar. Die TeilnemerInnen sprechen sich dagegen aus, dass durch weitere Atommülltransporte ein Endlager in Gorleben, dass nicht nur wissenschaftlich umstritten ist, zementiert wird. Schluss mit dem atomaren Wahnsinn! Atomanlagen müssen weltweit abgeschaltet werden! Die Nutzung von Atomstrom bleibt die gefährlichste und dümmste Art, sich einen Kaffe zu kochen. Laßt das Uran in der Erde! Infos zum Symposium unter: www.atomstopp.at "Castor-Wahnsinn" in der SchweizOffenbar hat sich die schweizerische Regierung bei der deutschen mit dem grassierenden Castor- Wahnsinn angesteckt. Anders ist wohl nicht erklärbar welch fragwürdige Jagdszenen auf Schüler-Testdemonstranten sich am 17.9. abspielten. Ausgerechnet der schweizer Zivilschutz (ZVO) der normalerweise zur Personenrettung oder Brandbekämpfung eingesetzt wird, wurde zu dieser Zeit zu einer obskuren Übung abkommandiert. Die Inszenierung: Im nördlichen Nachbarland (Deutschland) führen seit Wochen politische Spannungen zu Unruhen. Die Kritik an der Energiepolitik mutiert zu Massenkundgebungen und Blockaden von AKWs und Endlagern. Die Schweiz wird vom Widerstandsvirus infiziert. Es regt sich Widerstand gegen den bundesrätlichen Entscheid, das Moratorium für den Bau von AKWs nicht zu verlängern und eine Baubewilligung für ein Endlager zu erteilen. Auf der Bahnstrecke von Diessenhofen nach Schaffhausen behinderten Atomkraftgegner massiv einen Atommülltransport. Erster Einsatz der Zivilschützer: Ein Altersheim vor den bösen Atomkraftgegnern sichern und die Senioren evakuieren ... Danach kommt es auf einem Sportplatz (...) zu einer Demonstration mit buntfarbigen Spruchbändern und lauten Rufen. Für diese Rolle wurden zwei Schulklassen engagiert. Deren Spruchbänder wurden vom Zivilschutz konfisziert, die ehemaligen Halter ausser Gefecht gesetzt und festgenommen. Handgemenge und Verfolgungsjagden folgten. Die Demonstranten waren laut beobachtendem Zivilschutz-Chef jung und schnell. Was als Konsequenz nun eine Verjüngung der Zivilschützer zur Folge haben soll. Francis Althoff
Atomkraft als Zukunftstechnologie mausetotDie Atomkraft ist als Zukunftstechnologie mausetot. Da nützt es auch nichts, wenn Lobbyisten von einer Renaissance der Kernenergie reden. Vor zwei Wochen titelte die ehrwürdige Londoner Times: "Unsere Zukunft gehört der Atomenergie." Und neben anderen seriösen Blättern verkündete auch die Zeit unlängst: "Kernenergie erlebt weltweit eine Renaissance." Auslöser war eine Studie der Internationalen Atomenergieagentur IAEA. Diese sieht für das Jahr 2030 eine zweieinhalb mal so große Menge an produziertem Atomstrom wie heute. Spinnen die alle, oder geht es wirklich wieder los? Bevor man die Kristallkugel zu Rate zieht, ist der Blick auf die Realitäten zuweilen hilfreich. Ende August waren weltweit 439 Reaktoren in Betrieb, gerade mal 16 mehr als 1989. Im Schnitt haben die Stromunternehmen ein AKW pro Jahr angeknipst, deren Leistung etwa ein Prozent des weltweiten Marktes für neue Kraftwerke jeder Art entspricht - oder der Hälfte der seit 2001 jährlich in Deutschland zugebauten Windenergiekapazitäten. Der Anteil der Atomenergie an der Stromproduktion weltweit ist mit 16 Prozent bescheiden. Nimmt man die kommerzielle Primärenergie - also die von der Menschheit verbrauchte Energiemenge inklusive Verkehr, Heizung, Verlusten und anderem - liefern die AKWs nur sechs Prozent. Und die Tendenz verläuft zuungunsten dieses Energieträgers. Der weltweite Ausbau der Atomenergie ist schon lange zu Ende.Alle 103 heute laufenden US-amerikanischen AKWs wurden zwischen 1963 und 1973 bestellt. Steinzeittechnologie quasi. In Westeuropa, außerhalb Frankreichs und nun Finnlands, wurde der letzte Reaktor 1980 geordert, selbst in Frankreich ist seit 13 Jahren keine Anlage mehr in Bau gegangen. Das Durchschnittsalter der heute betriebenen AKWs liegt bei 21 Jahren. Das entspricht der durchschnittlichen Betriebszeit aller 107 bereits stillgelegten Anlagen. Die Atomindustrie behauptet, dass ihre Kraftwerke künftig 40 Jahre und länger betrieben werden können. Unterstellen wir einmal eine derartige erstaunliche Verdopplung der Lebensdauer für heute laufende und im Bau befindliche Reaktoren. Selbst dann gilt: Wollte man nur die Anzahl der laufenden Anlagen stabil halten, müssten bis 2015 etwa 80 neue Kraftwerke ans Netz, bis 2025 um die 200. Selbst wenn man die Bauzeiten in den Griff bekäme - der letzte US-Reaktor war 23 Jahre im Bau, der jüngste französische achteinhalb -, ist eine solche Prognose völlig unrealistisch. Die Ultra-Pro- Atomiker der World Nuclear Association zählen bis 2015 maximal 65 Neuanlagen. In Europa ist derzeit nur ein Reaktorneubau geplant: der European Pressurized Reactor (EPR) in Finnland. Er wird von Siemens und der französischen Framatome zum Festpreis gebaut. Das hat es in der Branche noch nie gegeben. Allerdings jammert Ralf Guldner, Chef der Framatome, schon, dass angesichts gestiegener Rohstoffpreise wie für Stahl "Schwierigkeiten" aufträten. Bleibt die Boomregion Asien. In Japan ist die Moral der Atombefürworter auf dem Tiefstand. Neuerdings sitzt sogar ein prominenter Atomkritiker in der nationalen Planungskommission. Und China? Schon vor 20 Jahren verkündete der damalige Präsident des französischen Energieriesen EDF vor der Presse stolz den Abschluss des ersten Atomdeals mit China über die Lieferung von zwei französisch-englischen AKWs - zum Spottpreis. Das Abkommen ist als Dosenöffner für den vermeintlich stark expandierenden chinesischen Markt gedacht. 2000 sollten bereits 20 Meiler dort laufen. Ob EDF nicht sein Hemd verliere bei dem Geschäft, fragt ein Journalist. "Nicht das Hemd, aber die Manschettenknöpfe", antwortet der Präsident. " goldene", raunzt der Generaldirektor hinterher. Im Jahr 2000 liefen in China gerade mal drei AKWs, einschließlich der zwei französisch-englischen. Heute liefern dort neun Blöcke kaum mehr als ein Prozent des Stroms. Zwei russische Reaktoren sind im Bau, vier weitere in Auftrag für eine Betriebsaufnahme um 2012.Ansonsten wird viel geredet, aber China kauft vor allem Technologie und sitzt auf gigantischen Kohle- und Gasvorräten. Sollte das Land tatsächlich in den nächsten 20 Jahren mehr als ein halbes AKW pro Jahr in Betrieb nehmen, wird es Eigenentwicklungen bevorzugen - irrelevant für den Weltmarkt. Beim größten Energieverbraucher der Welt, den USA, werden wieder viele Meiler gebaut. Nur kein Atomkraftwerk. "Bush hat gut reden, man müsse die Atomenergie wieder ankurbeln. Die Investoren drängeln sich nicht", sagt das Pariser Zentrum Geopolitik der Energie und Rohstoffe (CGEMP). Zwischen 1999 und 2002 haben US-Stromunternehmen über 144.000 Megawatt (MW) Neukapazität ans Stromnetz gekoppelt, anderthalbmal die Gesamtleistung aller amerikanischen AKWs. Nur Großkraftwerke sind out: 2002 lag die Durchschnittsgröße unter 100 Megawatt. Wo passt denn da ein 1.600-MW-Dinosaurier rein? So groß muss nämlich die Leistung eines Atomreaktors sein, damit sich die Investition in die Sicherheitstechnik wenigstens theoretisch rechnet. Zu groß, zu unflexibel, zu kapitalintensiv, zu lange Amortisationszeiten. Kein Wunder, dass weder Weltbank noch die Asian Development Bank je Atomkraftwerke finanzieren. "Union will neue Atomkraftwerke bauen", titelte jüngst die Welt. Das müssen die Christdemokraten dann wohl alleine machen. Die Strommanager werden kaum zur Schaufel greifen. Die Atomtechnologie ist als Zukunftstechnologie mausetot. Der Rest ist Wind, kurioserweise von Atomlobby und Anti- Atom-Bewegung gemeinsam geschürt. Was bleibt: Das Problem der mehr als 400 laufenden Meiler weltweit, die immer älter und nicht sicherer werden, und die erst, wenn man sie abschaltet, richtig viel Geld kosten. Mycle Schneider Mycle Schneider ist internationaler Berater für Energie und Atompolitik. 1997 erhielt er den Alternativen Nobelpreis. Polizeikessel ohne Klohäuschen von Anfang an rechtswidrigGronau: Lieber Kolleje Anton!Da haste mir aba nen Scheißjob vermittelt, diese Hirnies ausm Wendland nach Gronau zu begleiten. Und dit mitBus.Wat gloobste, wat ick für ne Krise jekricht habe, fünf Stunden hin und nochmal zurück mit denen da rumzuhokken, und keen entkomm möchlich! Imme dit gleich Jesprächsthema, nischt üba Hertha, nee, nur von de Atome, de Strahlung und imma wieda Jesundheit ham die da jelabert irre! Bei de Abfahrt dacht ick noch, dit is wohl den Aufwand nicht wert, die paar Männeken in Lüchow, und ooch deine Vorjesetzten hatten von die Piepels wohl nischt erwarten, nich een eenzjer grüner Bulli stand da uff de Parkplätze. Und so jing det ooch weita. In Gronau, Möönsch, wat fürn Kaff! sind die janz brav vom Busbahnhof zum Markt jetappert, nich ma mit- m Mega hamse rumjetönt! Keen Jeld für Batterien, wa, da sollteste mir mal ne Mark zusätzlich rüba reichen...
Und wat se so uff de Kundjebung jesacht ham, war ooch stinkelangweilich, nich een Uffruf zu Jewalt, nischt von Schienblockiern un so. Aber ick hab uffjepaßt: dit sollteste ma von deim Boß prüfen lassen, ob die nich Vabindun zu Terroristen ham! Und zwa nach janz obn! Ham nehmlich von Uran-Muzion und panzabrechende Waffen azehlt, un dit findick schon sehr suspecht, wa? Denn wustik nich, bin ick beim Karneval, oder Kindafest. Ballons mit Karten hamse inne Luft steijen lassen, anjemalte Jesichta hatten se und einja wan ooch vamummt! Hattn weisse Masken uff, und sind imma so jeheimnisvoll um son schwattet Ding rumjeloofen, sone Säule. Passiert is abe nischt, da waick schon froh, stand doch dichte dran, wollte mitkriejn, wat da abjeht, und sone komische Musike hamse abjespielt! Und anre ham mit so Pappwerkzeuje rumjemacht, riesije Zangn und Seegen un so, ick hab ma ooch eenne jenomm, habse ma jeanau anjekuckt, aba wa wirklich nischt dran. Und denn sindse los, Kilometaweit durch de Gronaua Vorjärten, wo jeda Grashalm einzeln beschnitten wird, und denn die bunte Truppe, keen schwaza Block, ick mitten drinne. Peinlich! Laatschen denn zu de Fabrik, nichma zum Einjang, nee, da wo nur trocknet Gras einjezäunt worn is, da soll wohl ma jebaut wern.Aba denn, deine Kollejen! Zwee Hände voll, aba mit Kötern, mönsch ham die jekläfft hintam Zaun! Watn Uffwand, wo nischt passiert. Sin se hinund herjeloofen am Zaun, die Spinna! Un ick uffs Klo, stand extra son Dixi da, soja mit Klopapier un wat zum Desinfizian. Nobel! Scheiße, jenau da habick nich uffjepaßt, plötzlich wa der Zaun kaputt, hätt ick doch so jern jesehn, wie se dit jemacht ham, mit die große Pappkneifzange! Und dann sinse wohl ruff, off de olle Wiese, und Deine Kollejn hinther. Wattn Schwachsinn! Aba, wat ick nu wirlich noch Scheiße fand, daste die nich richtig informiert hast, dassick mit da bin. Hat mir ja richtich weh jetan, von wejen "körperliche unversehrtheit"! Wo ich denen doch, als ick ma muß ja vorndedran sein imma wiede jejen den Draht jeschmissen hab, extra "Castro! Castro" zujezischelt habe. Is denn dein Draht nach Münsta so beschissen? Sacht doch der eene, na dann jeh doch dahin, Zuckarohr ärntn, und zischt zurück. Aba mit Feffaspree. Fandick nich so lustich, hätt fast jeheult, konntick aba nich, da standn ja ooch noch mächen neben mia.Wenn ick den Kerl uff na Einsatzbesprechung wiedasehe, der kricht Zunda! Wat der Hamma wa, die 15 Piepels ham de Kollejen bald einjefan, un Personalien festjestellt. Aba nich vahindert, det denen üban Zaun nochn Tranparent rübajeworfen wurde. Un noch Cola un so. Keena von de Münsta-Truppe hat det Transpi zerfetzt, man, sin die lahm! Un denn hamse die ooch wieda loofen lassn! Nix ab inne Gesa, nee die konnten wieda in Bus. Un ick mußte mit die wieda zurückfahn, hatte mich schon auf mehr Platz im Bus jefreut. Zum Schluß noch der Hamma: Komm doch zwei von die Münsterana Dösköppen rin in Bus, und woll bis zur Autoban mitfahrn! So blöde könn die doch janich sein! In volla Montua mit den Chaoten ausm Wendland mitfahn wolln! Hat der janze Bruss jebrüllt "Haut ab", mir is fast das Trommelfell jeplatzt! Aba, wennde nich petzt: Ick hab mitjebrüllt, hat ma richtich Spaß jemacht zu sehn, wie die beeden Schiß jekricht ham. Ick wa ja noch richtich saua, wejen dit Feffaspree. Und fands jut, dasick sone Sanibroschüre jekricht habe,wo vorm Duschen nachner Feffaspreeattacke jewarnt wurde. Nur wer ick erstma n paa Tage stinken, und dann ab inne Wanne! Det neechste Ma wer ick denn wieda aus Grippel berichtn. Ma sehn, watse diesma so inne Scheune ham! Ob die Hamburja Autonomen wieda beide Katoffelernte jeholfen ham, damit se ausreichen Wurfjeschosse einlagan konnten? Haste dit mit dem jelockaten Zaun im vorjen Jar nu eigentlich rausjekricht? Ick bin ma imma noch sicher, det dit mein Hamburja Kolleje wa, der den Zaun anne Paletten mit die Steine abjeschraubt hat.Aba dit is wohl aus mein Spitzelbericht rausradiat worden, oda? Also, ick freu ma schon! Gruß vom Kollejn Olli! P.S.: Und frach ma den Martin, ob er nich direkt wat für mich zu tun hat, so richtig andacaver! Dieter Metk
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TAG X TAG X TAG X TAG X TAG X TERMINE & INFOSSa 30.10. 10 Uhr Demonstration in Uelzen gegen
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Für Neuerungen und produktive Anregungen sind wir immer ansprechbar. Es ist erwünscht, eigene Texte zum Thema Atomkraft, Gorleben und erneuerbare Energien einzubringen; sie werden gerne veröffentlicht, sofern sie in den Kontext der Ausgabe passen.
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Bearbeitet am:22.10.2004 /ad