Gorleben Rundschau


 

Jan.
01
  24.01              
        

 
              

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Querstellen gegen rot-grüne Castoren

von Dirk Seifert

Der bundesdeutsche Außenminister wird bei dem für Ende März geplanten Transport von hochradioaktiven Kokillen aus der Wiederaufarbeitung bedeutsamer sein, als sein Grüner-Parteikollege und Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Denn Sicherheitsfragen und eine ökologisch verantwortbare Entsorgung spielen aus Sicht der Bundesregierung keine Rolle. Gegenüber dem französischen Nachbarn will die rot-grüne Regierung zeigen, dass sie die Rücktransporte innenpolitisch durchzusetzen wird - komme, was da wolle. Die Weigerung der französischen Regierung, weiteren Atommüll in Form abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atommeilern in La Hague anzunehmen, bevor nicht der dort lagernde Müll von Deutschland zurückgenommen worden ist, hat hektische Betriebsamkeit ausgelöst. Immerhin geht es um den weiteren Betrieb der Atommeiler.

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Bild: Timo Vogt

Ohne die Möglichkeit, den Atommüll auch in den kommenden Jahren in die WAA abschieben zu können, dürfte für die meisten Atomkraftwerke noch in diesem Jahr der Entsorgungsnotstand und die Stilllegung drohen.

Prima, besser kann es gar nicht kommen. Da sollte man doch dran arbeiten, der französischen Regierung auf allen Kanälen zu funken, dass man natürlich den aus Deutschland stammenden Atommüll zurücknehmen wird, diese Rücknahme aber politisch nur durchsetzbar ist, wenn zuvor die hiesigen Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Aber von solch einer Umgangsweise ist die derzeitige Bundesregierung Lichtjahre entfernt. Sie ist den Versprechungen gegenüber der Atomwirtschaft verpflichtet, die ungelöste Entsorgung nicht für die Stilllegung der AKW in Anschlag zu bringen, weil dafür die Betreiber zusichern, dass sie ihre AKW nur, solange werden, wie diese profitabel Strom erzeugen können.

Was diese rot-grüne Bundesregierung in Sachen Entsorgung betreibt, ist kaum noch zu fassen. Vor allem die Grünen stritten jahrzehntelang an der Seite der Anti-AKW-Bewegung mit dem Argument, dass der Betrieb von Atommeilern schon deshalb sofort beendet werden müsse, weil Entsorgung des hochradioaktiven Atommülls weltweit nicht annähernd geregelt ist. Statt diese Problematik zu einem der Hauptargumente in der Auseinandersetzung mit der Atomwirtschaft zu machen, legten die Grünen diesen Konflikt als erste Amtshandlung in der Regierung still. Gutachten aus Hessen, Hamburg und Schleswig-Holstein hatten aufgezeigt, dass strickt nach den Buchstaben des Atomgesetzes die WAA im Ausland weder schadlos erfolge, noch von einer Verwertung gesprochen werden können. Nach bundesdeutschen Strahlenschutz wären die Anlagen in Sellafield und La Hague auf Grund der hohen Emissionen nicht genehmigungsfähig, so das Fazit dieser Studien. Obendrein sei die WAA unwirtschaftlich und vervielfache die irgendwann endzulagernden Atommüllmengen. Gründe genug also, das sofortige Ende der Wiederaufarbeitung anzuordnen.

Dabei war allen Beteiligten klar, dass ein solches Verbot zur Stilllegung der Atommeiler führen müsste. Da innenpolitisch massenhafte Transporte in die Zwischenlager Gorleben und Ahaus nicht vorstellbar waren, solange jedes mal 20 - 30.000 PolizistInnen eingesetzt werden müßten, basierte die gesamte Entsorgungsstrategie der damaligen Bundesregierung und der Betreiber auf die teure Wiederaufarbeitung und nur deshalb nahmen die Betreiber die hohen Kosten der WAA auf sich.

Und wenn demnächst wieder Castortransporte nach La Hague und Sellafield auf die Reise gehen, dann nur deshalb, weil die Bundesregierung das Primat der Atomwirtschaft voll und ganz akzeptiert hat: Keine Abschaltungen von Atommeilern auf Grund der ungelösten Entsorgung. Und ganz nebenbei wird die Müllmenge, die in Form der Glaskokillen in Gorleben eingelagert werden soll, permanent weiter erhöht!

Ohne die Fortsetzung dieser Transporte könnten die AKW die Zeit nicht überbrücken, bis die von der Bundesregierung und der Atomwirtschaft verabredeten neuen Standort-Zwischenlager betriebsbereit sind. Allein dieser Umstand ist für die Fortsetzung der WAA-Transporte verantwortlich. Die atomaren Risiken sind unter rot-grün in Berlin nicht kleiner geworden. Das Risiko von schweren Atomunfällen bis hin zum Super-Gau bleibt auch unter dieser Bundesregierung bestehen, die Entsorgung des Atommülls ist weiter ungelöst. Seit der seit der Regierungsübernahme von Rot-Grün sind Sicherheitsaspekte sogar in den Hintergrund getreten.

Heute gilt um so mehr, dass wir uns auf unsere eigenen Kräfte besinnen müssen und nicht davon ausgehen können, dass andere es schon richten werden. Querstellen gegen Castor und Super-GAU bleibt auch unter dieser Regierung erste Bürgerpflicht!

Dirk Seifert REGENBOGEN - für eine neue Linke, Hamburg


La lutte continue-Widerstand Hand in Hand

Ein Blick nach Frankreich

von Francis Althoff und Jaques Schuler

Seit unserem letzten Besuch bei den Anti Atom Initiativen um La Hague und dem geplanten Endlagerstandort Bure konkretisiert sich die deutsch/französiche Zusammenarbeit langsam aber unaufhaltsam weiter. So sorgten z.B. 100 Menschen, die in Mezidon/Normandie zum letzten Philippsburger Castoralarm Bahngleise besetzten in Frankreich für Schlagzeilen. Auch gegen den Rücktransport der Glaskokillen werden sich in Frankreich Gruppen querstellen. Wurden vor Jahren diese Transporte "nur" informativ begleitet, sieht es jetzt ganz anders aus. Seit dem der Glaskokillentransport Türöffner für die nächsten Transporte in die WAA sein soll, denken die französischen Initiativen gar nicht daran diesem Treiben nur zuzuschauen.

So gibt es am 27./28.01 ein französisch/deutsches Treffen in Rennes/Bretagne. Dort wird es u.a. eine Arbeitsgruppe zur Koordination der Mobilisierung auf die gesamte Strecke geben. Das nächste französisch/deutsche Regierungs-Gipfeltreffen am 31.01. in Straßburg, bei dem es auch um Transporte gehen wird, ist ein weiteres Thema. Beide Regierungen geraten vermehrt unter Druck. Gegen die zu 89% verstaatlichte WAA-Betreiberin COGEMA läuft u.a. ein Strafverfahren wegen "Gefährdung Unbeteiligter" durch illegale Lagerung deutschen Atommülls. Die deutschen AKW, die ihre Castoren für deutsche Einlagerungsbedingungen nicht dicht bekommen, wollen diesen Problemfall aus den Augen aus dem Sinn nach Frankreich schicken.

Und natürlich geht es auch um Finanzen. Bei diesen längst zur Chefsache Schröder/Jospin mutierten Peinlichkeiten geht es auch um einen jährlichen WAA-Umsatz von 3 MRD: DM mit deutschem Atommüll pro Jahr. Seit 1976 wurden 3936 t in La Hague aufgearbeitet, erst 168 t davon konnten zurückgeschickt werden. Das Konzept des Widerstands ist einfach: Alle Transporte gemeinsam stoppen.


Die Castor-Pannen-Serie

Der Castor ist unter Rot-Grün nicht sicherer geworden

von Heinrich Messerschmidt

Ich bin der Überzeugung, dass in verschiedenen Bereichen im Umgang mit Transportbehältern, wie dem Castor HAW 20/28, der jetzt wieder nach Gorleben gebracht werden soll, enorme Sicherheitsmängel den Schutz der Bevölkerung und der Umwelt gefährden. Dies will ich in dem folgenden Beitrag an einigen Sach- und Detailfragen aufzeigen.

Unzureichende Prüf- und Sicherheitsverfahren

Nur einzelne Behälter oder Teilstücke, wie der Castor Ic, der nicht mehr eingesetzt wird, wurden bisher in Originalgröße getestet. Ansonsten vertraut die zuständige Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) den Betreiberangaben ohne ausreichend gründliche Belastungstest mit realen Unfall-Szenarien an Originalbehältern anzuordnen. Statt dessen wird in unzureichenden Modellrechnungen das Gefahrenpotential eines Castors bestimmt. Die veränderten Geometrien und Strukturen der Behälter, mit z.B. höheren Hohlraumanteilen in den Wänden, können die statischen und dynamischen Eigenschaften des Behälters beeinflussen. Es kann zu Rissen und Brüchen eines mit Kokillen aus Frankreich beladenen Behälters HAW 20/28 bei Unfällen auf dem Transportweg kommen. Gerade der HAW 20/28 zeichnet im oberen Deckel-Wand-Bereich eine Riss- und Bruchzone vor. Die BAM hält dennoch Sicherheitsüberprüfungen am Originalbehälter für unnötig.

Mangelhafte Absicherung gegen Neutronenstrahlung

Der Transportbehälter für hochaktive Glaskokillen aus der WAA LA Hague ist im oberen Deckel-Wandbereich und unmittelbar über dem Boden nicht ausreichend durch Moderatorstäbe gegen die Neutronenstrahlung abgeschirmt, weil eine Lücke zwischen den Moderatorstäben in der Außenwand und den Neutronenabschirmungen in den Deckel- und Bodenplatten besteht. Eine weitere Gesundheitsgefährdung, die vom Castor ausgeht. Bereits 1997 wurde bei Neutronenmessungen an dem im Castor-Lager Gorleben befindlichen Kokillenbehälter TS-28 V festgestellt, dass die durchdringende Neutronendosisleistung 25 mal höher ist, als in der Behältermitte. Für das Begleitpersonal (Bahnmitarbeiter und Polizisten) besteht in Behälternähe eine erhebliche radiologische Belastung und die zulässige jährliche Effektivdosis kann weit überschritten werden. Obwohl dies nachgewiesen ist, wird im unzureichend abgeschirmten Deckel-Mantelbereich kein Messpunkt festgelegt, um die Neutronenstrahlung zu messen. Offensichtlich rangieren Überlegungen zur Transportlogistik und Wirtschaftlichkeit weit vor dem Schutz- und Sicherheitsinteressen des Begleitpersonals und der Bevölkerung.

Gefährdung der Behältersicherheit durch falsch berechnete Wärmedehnung der Moderatorstäbe

Die Moderatorstäbe befinden sich in Bohrlöchern in der Außenwand des Castors. Werden die Behälter mit heißen Glaskokillen befüllt, dehnen sich die Moderatorstäbe aus. Der Ausdehnungsspalt ist aber zu klein berechnet und durch die Wärmeausdehnung kommt es zu Spannungen, die einen erheblichen Druck auf die Bohrlochwände im Behältermantel ausüben. Ein derartiger Innendruck auf den Castor-Mantel ist sicherheitstechnisch unzulässig. Er kann dazu führen, dass sich während des Transports auf der Bahn durch Rütteln Risse im Behältermantel bilden können, die zur Radioaktivität freisetzen.

Der Brennelement-Behälter Castor V/19 weist eine ähnliche Konstruktion auf. Um die Spannungen aus der Moderatorstab-Ausdehnung zu vermeiden, musste die Gesamtwärmeleistung der beladenen Brennelemente um 35% reduziert werden.

Diese Sicherheitsmängel treffen auf die sechs in La Hague stehenden Behälter zu. Meiner Ansicht nach sind die sechs "Castor HAW 20/28"-Behälter in La Hague aufgrund ihrer schweren Konstruktionsmängel und der potentiellen Ausdehnungsspannungen die unsichersten Gefahrgutbehälter weltweit. Eine Genehmigung eines derartigen Transports aus der WAA nach Gorleben ist wegen der möglichen Gefahren ein politisch unverantwortlicher Akt.

Der Autor Heinrich Messerschmidt ist Ingenieur und arbeitet seit Jahren in der Fachgruppe Radioaktivität der Bürgerinitiative Umweltschutz. Entdeckung und Nachweiß des "Neutronenfensters" im Deckel- und Bodenbereich gelang ihm nach einer zähen und langen Diskussion mit den zuständigen Stellen, die diese Tatsache inzwischen nicht mehr abstreiten können.

Zur weiteren Information erhalten Sie im BI-Büro: Zur Sache Nr. 3 "Glaskokillen aus La Hague" - Fakten und Bewertungen zu den geplanten Kokillen-Transporten nach Gorleben das Flugblatt "Strahlung, die aus dem Castor kommt"


Die tiefgründige Dialektik des Umweltministers Trittin

Reiner Tramert
resümiert dei Entscheidungen des grünen Umweltministers

Minister Trittin hatte versprochen, möglichst schnell aus der Atomwirtschaft auszusteigen: "Der Ausstieg muss noch in dieser Legislaturperiode beginnen." Dann kamen die langen Winterabende und kurz vor Weihnachten sagte er, er würde sich "mit einem Ausstieg binnen 20 Jahren zufrieden geben". Der Kanzler, der das nicht hören mochte, wünschte sich "mehr Fischer und weniger Trittin".

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Jürgen

Trittin

Da versank der Minister in tiefe Nachdenklichkeit und fand die Lösung: Keine Anlage "soll länger als 25 Jahre laufen". Als er bemerkte, dass der Kanzler noch immer unzufrieden war, erhöhte er schnell, als säße er in einer Skatrunde, auf "28".

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Jürgen

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Bild: Timo Vogt

Nun drohte die Industrie mit dem Ausstieg aus dem Bündnis für Arbeit. Der Minister kam wieder ins Grübeln und erkannte bald: "30 Jahre - 30 Jahre gehen auch ohne Konsens. Dabei gehen wir keinerlei rechtliches Risiko ein. "Das war's, dachte er, und schlug beim Frühstück beiläufig das Hamburger Abendblatt auf. Da stand, er sei noch immer "der einsame Reiter und der sarkastische Asket". Der Schreck fuhr ihm derart in die Glieder, dass er seinen Grünen Delegierten so laut er konnte zurief: "32 Jahre sind ein gutes Ergebnis. "Der Parteitag spendete tosenden Applaus und viele Grüne mit Rang und Namen fielen ihm vor Dankbarkeit um den Hals. Sie mochten auch dann nicht aufhören, ihn zu herzen, als er hinzufügte, dass 32 Jahre durchaus keine 32Jahre seien. "Die Unternehmen können teure Nachrüstungen sparen, wenn diese sich für ein Kraftwerk nicht mehr lohnen und statt dessen Laufzeit und Strommenge auf ein anderes übertragen," das in diesem Fall natürlich viel länger in Betrieb sein dürfe als 32 Jahre. Vielleicht auch 40 Jahre. Wiederspendeten die Grünen ihm tosendem Applaus, weil sie nun endlich das Wesen der Realpolitik verstanden hatten: Man kann nicht alles haben. Wer einen Atomausstieg will, der darf nicht zusätzlich noch verlangen, dass ausgestiegen wird. Mit diesem Schachzug, verkündete er landauf landab, sei es ihm gelungen, "die Blockade der Industrie zu brechen".

Die Industrie hatte sich tatsächlich bereit erklärt, in einem Atomkonsens-Papier den Satz zu unterschreiben: "Wir akzeptieren den Primat der Politik." Sich der ganzen Tragweite des historischen Augenblicks bewusst, sagte der Minister: "Aber natürlich birgt der Satz, den die Energieversorger unterschrieben haben - ,wir akzeptieren den Primat der Politik` - eine tiefe Wahrheit."

Die Wahrheit lag wirklich tief. Die Atomanlagen durften nun solange laufen, wie sie es selber nicht aushalten, und dafür hatte die Industrie sich breitschlagen lassen, den Parlamentarismus zu akzeptieren. Der Minister betrachtete sein Werk mit Wohlwollen und plauderte über seine wahre Mission: "Ich hatte tatsächlich alle Hände voll zu tun mit dem Atomkonsens (und nun)erwarte ich ein Abflauen der Proteste von Atomkraftgegnern.

"Und während er in Zufriedenheit schwelgte, fragte ihn ein Journalist, ob denn bis zur nächsten Bundestagswahl wenigstens ein AKW abgeschaltet werde. Ein typischer Rückfall in den Fundamentalismus, dachte der Minister und bot sein ganzes dialektisches Repertoire auf: "Ich sage, wenn man zwei Kraftwerke ein halbes Jahr früher stilllegt, 17 weitere aber drei Jahre länger laufen, dann ist dieser Preis die Symbolik nicht wert."

Seine Dialektik war so tiefgründig, dass keiner mehr zu fragen wagte, warum denn 17 Anlagen drei Jahre länger laufen, wenn man zwei Anlagen ein halbes Jahr früher stilllegt. Nur Rudolf Scharping hatte sofort begriffen. Er würde in künftigen Kriegen nicht mehr Bilder hoch halten müssen, auf denen nichts zu erkennen war, sondern einfach sagen: Wenn man einen Krieg ein halbes Jahr früher beendet, dann laufen 17 andere Kriege drei Jahre länger und wer will das schon. - Als der Journalist nachfragte, ob denn nun oder ob nicht, wurde der Minister wütend. "Es soll keiner glauben, mit der Abschaltung einer Anlage ... würde der Ausstieg unumkehrbar."

Jede abgeschaltete Anlage "wäre schnell wieder betriebsbereit". Seine Dialektik wurde immer feiner. Was konnte er gemeint haben. Wenn ein Ausstieg mit der Abschaltung einer Anlage umkehrbar ist, wäre dann ein Ausstieg ohne jede Abschaltung von Anlagen unumkehrbar? Oder wollte er sagen: Die Abschaltung von Anlagen lohnt schon deshalb nicht, weil sie ja wieder angeschaltet werden können. Vielleicht hatte der Minister auch nur subtil auf sein Prinzip aufmerksam machen wollen, nach dem er bisher immer gehandelt hatte: Auf jeden Ausstieg folgt der Einstieg. Das war bei der Altauto-Verordnung genauso wie mit der Sommersmog-Novelle, wo er sich den Scherz erlaubt hatte, zunächst eine Novelle vorzulegen, in der es bei hohen Ozonwerten ein Tempolimit und das Verbot von Malerarbeiten und Rasenmähengeben sollte. Dann hatte er sie zurückgenommen und eine neue Novelle vorgelegt, in der es nun jedem erlaubt wurde, so schnell zu fahren und sooft Rasen zu mähen wie er lustig ist. Dazu hatte er lapidar erklärt: "Kurzfristige Maßnahmen brächten wenig, besser ist es, langfristig die Ozonvorläufersubstanzen zu bekämpfen."

Wieder diese rätselhafte Dialektik. Ein Tempolimit würde die Ozonvorläufersubstanzen zwar bekämpfen, hatte er herausgefunden, weshalb der Verzicht auf ein Tempolimit langfristig die Ozonvorläufersubstanzen besser bekämpfen würde oder so. - Er hatte den Journalist ganz vergessen, der hartnäckig wissen wollte: ob denn nun oder ob nicht. Also, passen Sie mal auf, sagte der Minister: "Derzeit sind 9 von 19 Meilern an der Grenze derWirtschaftlichkeit. Wenn der Rauch verflogen ist, werden die Kaufleute der Konzerne kühl kalkulieren und handeln. "Damit hatte er eine noch tiefere Wahrheit angesprochen als vor ihm die Energiewirtschaft. Wenn jemand aussteigen würde, war es die Industrie selber. Mit ihm hatte das gar nichts zu tun.

Dass er trotzdem wichtig war, erfuhr er dann von Bärbel Höhn, die erkannt hatte: "Strahlenden Müll kann man nicht einfach auf der Straße herumliegen lassen." Der Minister pflichtete ihr bei und handelte. "Wir haben fünf innerdeutsche Transportgenehmigungen erteilt," sagte er, und der Müll aus Frankreich und England werde noch dazu kommen.

"Jeder weiß, wo die Abfälle herkommen: aus Deutschland; und jeder weiß auch, wo sie hinkommen: nach Gorleben." Einmal in Fahrt gekommen, forderte er die niedersächsische Regierung auf, "sich mit ihrer Ablehnung von Castor-Transporten ... nicht zu weit aus dem Fenster zu hängen".

Am nächsten Tag warf er beim Frühstück einen Blick in die Frankfurter-Rundschau und war entsetzt über das, was er zu lesen bekam: "Noch bevor auch nur ein einziges AKW vom Netz gegangen ist werden die rollenden Castoren denLüchow-Dannenbergern zeigen, was ein Atomausstieg im Zeichen der Realpolitikbedeutet. ... Denn ausgerechnet der rot-grüne Atomkonsens wird es der Region Gorleben nun abverlangen, die Rolle als Atomklo der Nation zu akzeptieren." Begreifen die denn gar nichts, dachte der Minister und wühlte nervös in seiner dialektischen Trickkiste herum, bis er die Lösung gefunden hatte: "Zum Atomausstieg gehört nicht nur, dass Transporte vermieden werden, sondern auch, dass sich nicht alle vermeiden lassen."

Scharping horchte wieder auf. Zum Frieden gehört nicht nur, dass Kriege vermieden werden, sondern auch, dass Kriege sich nicht vermeiden lassen. Das ist gut, dachte er, das ist wirklich gut. - Beseelt von seinem Auftrag, den Atom-Müll zu verteilten, eilte der Minister zur Polizei-Führungsakademie und lobte die versammelten Polizisten "für ihre Ruhe und Besonnenheit" und scherzhaft "auch für ihre sportive Leistung." Er rief die Polizisten auf zu einer "fairen Streitkultur mit den Atomkraftgegnern". Aber der Inspekteur des Bundesgrenzschutzes war skeptisch: "Die Botschaft ... haben wir wohl gern gehört. Allein, den Polizisten fehlt der Glaube. Am Ende geraten wir doch wieder zwischen die Steine. Was sollen wir denn nach Ihrer Meinung mit denen machen, die sich nicht an faire Spielregeln halten?"

Dem Minister hatte es schon lange gedämmert, dass beides nun mal nicht zusammen geht. Man kann nicht die Verantwortung für die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, ihre Techniken, ihre Wertvermehrung, ihre Eroberungsgelüste, für ihre Ordnung und ihre Polizeiapparate übernehmen und gleichzeitig dagegen sein. Also antwortete er: "Die Polizei soll Recht und Gesetz gegenüber jenen durchsetzen, die bei ihrem Protest gegen die Castor-Transporte die von dem Grundgesetz gezogenen Grenzen überschreiten." So weit war er mit sich zufrieden, nur eines wurmte ihn: "Warum fragt mich keiner zur Rotbauchunke?"

Ja, diese Frage kann ich nur an euch weitergeben. Fragt ihn doch malirgendwas zur Rotbauchunke. Ich nehme seine Antwort vorweg: Wenn man dieRotbauchunke ein halbes Jahr zu früh rettet, dann senkt sich dieLebenserwartung der Bevölkerung mindestens um drei Jahre oder so ähnlich.

Rainer Trampert

aus:
ak - analyse & kritik,
Zeitung für linke Debatte und Praxis,
Nr. 443
www.akweb.de


"Kriminell ist die Atommafia - angeklagt wird der Widerstand"

Prozess gegen BLG-Infohaus-Besetzer- der Gerichtsreport

Mit Treckern und Transparenten auf dem Amtsberg begann am 20. November eine beispiellose Serie von Prozessen vor dem Amtsgericht in Dannenberg. Gegen 27 Personen laufen Verfahren wegen Beteiligung an einer Aktion 1998 im BLG-Infohaus.

Im Mai 98 war bekannt geworden, daß den Castorbehältern radioaktiver Schmutz anhaftet, daß die Betreiber das seit Jahren wußten und daß sie dies jahrelang verschwiegen hatten. Etwa 80 Personen statteten darauf hin dem Infohaus der BLG einen zweitägigen Besuch ab. Um vom eigentlichen Skandal abzulenken, strengte die Brennelement-Lagergesellschaft Strafverfahren an. Die Vorwürfe reichen von Hausbesetzung über Diebstahl und Nötigung bis zu schwerer Sachbeschädigung.

Zunächst waren Prozeßtermine in vier Verfahren festgesetzt. Aber bereits im ersten Verfahren mußten das Gericht und die Staatsanwaltschaft erkennen, daß die Angelegenheit nicht so einfach abzuwickeln ist. Nach bisher 10 Gerichtstagen allein im ersten Verfahren ist ein Ende noch lange nicht abzusehen. Polizei-,Erkenntnisse", die zum Teil ein viertel Jahr nach den Ereignissen produziert wurden, lassen zwar das Bemühen des Staats erkennen, die Geschäftsinteressen der BLG zu schützen, tragen aber zur Herstellung der Wahrheit vor Gericht nicht bei.

Die nächsten Termine beginnen voraussichtlich jeden Montag um 9 Uhr; aktuelles ist im BI-Büro zu erfragen.

anti atom aktuell (Redaktion)


Temelin aktuell

Katastrophenreaktor bedroht Europa

Die Störfall und Pannenserie schon in der Inbetriebnahmefase in Temelin reisst nicht ab: Öl- und Dampfleitungen reissen ab, weil eine Turbine "eiert" und zu hohe Vibrationen verursacht; Brand durch ausgeflossenes Öl in der Maschinenhalle, usw...

Den Bau Temelins haben Tschechien und die USA (Westinghouse-Nachrüstung) zu verantworten. Der Betrieb Temelins ist aber ausschließlich von der Stromabnahme Deutschlands abhängig, da Tschechien bereits derzeit (ohne Temelin) einen großen Stromüberschuß hat, der zu 80% nach Deutschland mit Dumpingpreisen exportiert wird.

Temelin hat keine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) und die tschechische Regierung, sowie der Betreiber CEZ weigern sich beharrlich, eine seriöse und umfassende Gesamt-UVP durchzuführen (obwohl x-mal versprochen). Die GRS (Gesellschaft für Reaktorsicherheit) bestätigt: Temelin wäre in Deutschland nicht genehmigungsfähig. Russland (als Ursprungsplaner des VVER 1000 Reaktor) hat jede Verantwortung über Fehler, Probleme oder auftretende Störfälle in Temelin dezidiert abgelehnt, weil ja US-Westimghouse die "Nachrüstung auf westliches Sicherheitsniveau" übernommen hat. Das AKW Stendal (ehem. DDR) wurde als komplett baugleiches Projekt nach der Wende abgebrochen, weil es als nicht nachrüstbar eingestuft wurde.

Josef Puhringer ist Geschäftsführer der überparteilichen Plattform gegen Atomgefahr und Leiter des Centrum ENERGIE in Budweis.

j.puhring@magnet.at


Der neue BI-Vorstand

Dem neuen Vorstand gehören an: Edelgard Gräfe & Rosi Schoppe (Vorsitzende), Mathias Edler & Wolfgang Ehmke (Pressesprecher), Lucia Wente (Schriftführerin), Holger Schulz (Gruppendelegierter), Regina Kümmel & Wolfram Taubitz (Kassenführer)

Beisitzer: Peter Bauhaus, Stefan Dahlmann, Birgit Huneke, Heiko Jäger und Birgit Schiemann Auf ein erfolgreiches Jahr 2001, voller Kraft, Phantasie und Spaß am Widerstand!


Castoralarm-Widerstand   kommt in die Puschen

Neue Castortransporte nach Ahaus und Gorleben im März

Ein Artikel von Wolfgan Ehmke Das neue Jahr beginnt mit einem atomaren Paukenschlag: am 3. März soll das Brennelementzwischenlager Ahaus erstmalig nach 1998 wieder beschickt werden, und am 26./27. März soll ein weiterer Konvoi mit hochradioaktiven Kokillen aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague nach Gorleben rollen. Knapp drei Jahre nach dem Castorstopp, den die CDU-Umweltministerin Angela Merkel nach Bekanntwerden des Castorkontaminationsskandals verfügt hatte, wird nach den Plänen der AKW-Betreiber in Neckarwestheim ein "Sixpack" mit abgebrannten Brennelementen nach Ahaus geschickt. Hintergrund ist die Entsorgungssituation in Neckarwestheim: ein sogenanntes "Interimslager" steht nämlich noch nicht zur Verfügung, um die Entsorgungsnöte vor Ort zu entspannen.

In La Hague stehen bereits seit März 1998 sechs Waggons mit der verglasten hochradioaktiven Suppe nach Gorleben abfahrbereit. Mal war es eine Transportroute, die die Polizei meinte, nicht sichern zu können. Über den sachsen-anhaltinischen Flecken Arendseee sollte im vergangenen Frühjahr der Transport nach Gorleben abgewickelt werden, es wären 40 Straßenkilometer durch die Wälder gewesen, die bekanntlich nachwachsende Rohstoffe für einen nachhaltigen Barrikadenbau sind. Also wurde der Transport auf Eis gelegt. Dann entpuppte sich eine nicht castor-tragfähige Brücke bei Hitzacker im Landkreis Lüchow-Dannenberg als Nadelöhr, deren Rekonstruktion steht allerdings bevor. Diese Brücke brachte es bereits zu internationaler Beachtung, denn die französische Regierung weigerte sich im Herbst 2000 beharrlich, abgebrannte Brennelemente aus Philippsburg, Stade und anderswo nach La Hague auf den Weg zu bringen, solange "deutscher Müll" in La Hague auf Halde liegt.

Der heißen Müllabfuhr nach Ahaus kommt deshalb die zweifelhafte "Ehre" zu, der erste Castortransport nach langer Zeit zu sein, das weckt den Ehrgeiz der Atomkraftgegner/innen, Aktionsbereitschaft zu signalisieren. Der Gorlebentransport berührt noch andere Fragen: einmal geht es um die Zukunft der Wiederaufarbeitung, dann geht es um die Verbitterung in der Region, dass Gorleben immer noch - auch unter Rot-Grün - das Atommüllzentrum der Nation ist. Folgerichtige Antwort ist, dass das Wendland auch das Widerstandszentrum der Nation ist. Quod erit demonstrandum! Es wird zu beweisen sein. Nicht etwa der Atomausstieg, sondern die Bestandsgarantie war Kern des Atomkonsenses im Juni 2000. So steht Rot-Grün nicht etwa gegenüber der atomkritischen Wählerschaft, sondern gegenüber der Atomwirtschaft im Wort: um einen reibungslosen Reaktorbetrieb zu gewährleisten, müssen die Castortransporte wieder rollen.

Das ist das Ahaus-Drama. Unter einer CDU-Regentschaft hätte es massive Proteste auch von einer grünen (Oppositions-) Partei gegeben. Das Fiasko der nuklearen Entsorgung mit allen ihren Scheinlösungen und Provisorien, wie es auch die Interimslagerung darstellt, wäre angeprangert worden. Wäre! Denn jetzt sind die Regierungsgrünen gezähmt und geben sich staatsmännisch. So wie im Fall La Hague/Gorleben. Von nationaler Verantwortung wird getönt, der Müll dürfe nicht "den Franzosen" aufgebürdet werden, müsse nach Deutschland, und dort gibt es in der Tat nur einen Platz, an dem dessen "Zwischenlagerung" erlaubt sei, nämlich Gorleben. Was nicht mehr diskutiert wird: die Konsensvereinbarung sieht kein Verbot der Wiederaufarbeitung vor, weitere fünf Jahre können mit der Zustimmung von Rot-Grün abgebrannte Brennelemente nach La Hague und Sellafield verfrachtet werden, ein Ende der Wiederaufarbeitung ist in den Papieren nirgendwo datiert!

Mit den Protesten und Blockadeaktionen in Ahaus und Gorleben ist die große Chance verbunden, die Atomausstiegsdebatte wieder anzufachen. Das, was im Juni 2000 zwischen Bundesregierung und Stromwirtschaft ausgehandelt wurde, ist völlig unzureichend, die Etikette "Atomausstieg" ist plumpe Täuschung. Nackte Tatsachen sind: die Atomkraft ist auf ihrem Zenit angekommen, die Atomstromkontingente, die bislang erzeugt wurden, werden verdoppelt (das sind 2.600 Terrawattstunden).. Entsprechend werden auch die Atommüllmengen verdoppelt, mindestens! Denn wegen des Abenteuers Wiederaufarbeitung steht sogar noch mehr hochradioaktiver Müll in Zukunft ins Haus als bislang erzeugt, nämlich rund 10.000 Tonnen - gegenüber 9.000 Tonnen bisher. Wichtige Stationen des Widerstands im Frühjahr werden sein: die Demonstration in Ahaus am 18. Februar, ein "Schienenaktionswochende" am 24. Februar in Dahlenburg (Landkreis Lüneburg), die Tage X in Ahaus und Gorleben: dort wird am 24. März in Lüneburg die Auftaktkundgebung stattfinden, danach wollen sich viele Atomkraftgegner/innen entlang der Bahnstrecke Lüneburg -Dannenberg auf die Bahnhöfe, Bahnübergänge und Brücken kaprizieren.

Die Devise lautet "50 plus 20", das heißt, in dieser Runde der Castorauseinandersetzung wird es um 70 Streckenkilometer gehen, die BGS und Polizei von Quersteller/innen frei zu halten hätten.

Kosteneskalation und bürgerlicher Ungehorsam ist nur eine Seite dieser Auseinandersetzung, was viel mehr zählt ist der politische Preis, der Gesichtsverlust von Rot-Grün. Denn in Gorleben wurde gerade grünes Licht für den Betrieb einer weiteren Atommüllfabrik, der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) gegeben. Mangels "Futter" für die endlagerfertige Konditionierung von Atommüll soll die PKA eine Servicestation für die Reparatur von defekten Castoren werden. Niemand nimmt im übrigen dem grünen Umweltminister Jürgen Trittin ab, dass das Moratorium auf der Endlagerbaustelle in Gorleben gleichbedeutend mit der Aufgabe des Salzstocks Gorleben ist. Die Verbitterung und Enttäuschung im Wendland sitzt tief, sehr tief.

Wolfgang Ehmke Kontakte:

BI Ahaus Bahnhofsstr.51
48683 Ahaus
Tel. 02561/67581

BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg,
Drawehnerstr. 3 ,
29439 Lüchow
Tel. 05841/ 4684 Fax -/ 3197
www.bi-luechow-dannnenberg.de

Spendenkonto KSK Lüchow (BLZ 258 513 35) 2 060 721


Hat der Castor BSE?

Der ganz normale Wahnsinn

von Udo Jentzsch "Deutschland ist BSE - frei", so tönte es Land auf Land ab von schwarz - gelben und rot - grünen Politikern und Verbandsfunktionären. Deutschland war frei vom Rinderwahnsinn genau solange, bis man mehr durch Zufall als aus Verantwortung der Sache auf den Grund ging. Jahrelang wur-de die Bevölkerung belogen. Und wie sieht's aus im Falle der CASTOR - Transporte?

- "CASTOR" ein anderes Wort für "Sicherheit", so tönten Politiker, Atomlobby und ihre Ex-perten. 17 Jahre fuhren CASTORen mit radioaktivem Staub, - mit bis zu 2000 mal höherer Kon-zentration als der dafür vorgesehene Grenzwert erlaubt - kreuz und quer durch Europa. Deutsche Kontrollbehörden und Experten bemerkten davon nichts. Die Informationen, die den Kontami-nationsskandal aufdeckten, kamen aus Frankreich. - Wasser im Dichtungsbereich der CASTORen, das die Dichtung zerstört und Radioaktivität entweichen lässt. Das kann es nicht geben, so hörten wir von den Experten, bis man Wasser dort fand.

- "CASTOR - Behälter sind unfallsicher", so versichern Behörden und Atomkraftbetreiber. Sie verschweigen, dass die verwendeten Behälter niemals entsprechend internationaler Normen im Experiment geprüft wurden. Sicher sind sie, rein theoretisch! Werbefilme und Hochglanzbilder, die der Öffentlichkeit Sicherheitstests vorgaukeln, wurden mit Behältern durchgeführt, die nicht verwendet werden. Sollte ein CASTOR im Prüfexperiment versagen, käme es zum Transport-stopp wie beim Kontaminationsskandal. Die Atomkraftwerke würden im eigenen Müll ersticken. Versagt ein CASTOR während des Transports, wird ein weiträumiges Gebiet hochgradig radio-aktiv verseucht.

- "CASTOR - Strahlung ist ungefährlich", so wirbt der bündnisgrüne Umweltminister bei Polizei und Bevölkerung kurz vor den angekündigten Transporten. Seine Experten vertuschen konstruk-tionsbedingte Abschirmmängel am CASTOR. Wo es am stärksten strahlt, wird nicht gemessen. Das Gefährdungspotenzial wird um mindestens das Fünffache verharmlost. Nur so lassen sich die internationalen Grenzwerte einhalten. Das CASTOR - Begleitpersonal ist am stärksten durch die Strahlung gefährdet. Kosten - Nutzen - Analyse bestimmt den Strahlenschutz. Was bedeutet da schon das eine und andere Menschenleben im Vergleich zu den volkswirtschaftlichen Gewinnen aus ungestörtem Atomkraftbetrieb? Und den haben roter Kanzler und bündnisgrüner Um-weltminister den Atomkraftbetreibern fest versprochen.

CASTOR - Transporte, der ganz normale Wahnsinn!


Neues aus der Ukraine

ein Bericht über die aktuelle Situation von Julia Myasisheva julia@bakhmat.or

Nachrichten aus der Ukraine:

EBRE (EBRD auf Englisch) stimmte zu, Kredite für K2/R4 zu geben. Vor kurzem erschien ein Bericht über die aktuelle Situation an der Baustelle von K2. Alle Bauarbeiten sind schon zu Ende, jetzt muss man die Einrichtungen kaufen und installieren. In den Dörfern um das AWK schaltet man ab und zu den Strom aus, um den Menschen zu zeigen, dass es in der Ukraine wirklich Mangel an Strom gibt. Schon drei Jahre lang bezahlen die Menschen 0,3% extra Tarif für Strom, das Geld wird für K2/R4 gebraucht, und diese Summe wäre schon genug, um alles fertig zu stellen, falls man das Geld zweckmäßig benutzte. Die Einrichtungen werden bei verschiedenen Firmen gekauft, die sich direkt damit nicht beschäftigen und nur als Zwischenhändler dienen. Die Qualität sehr ist zweifelerregend.

Tschernobyl

Jetzt werden die Pläne für den Bau des zweiten Sarkophags erstellt. In diesem Jahr wird beschlossen, welche Firmen sich damit befassen werden. Das Projekt kostet 768 Millionen US $, der Anteil der Ukraine macht $59 Millionen aus. Bis März 2007 werden alle Arbeiten abgeschlossen sein. Roter Berg

Am 9. Dezember 2000 fand in Artemowsk, Ukraine, ein öffentliches Hearing statt. Es wurde organisiert, um die Ergebnisse der Abwicklung der Sondersituation im Dorf Roter Berg zu besprechen. Von 1947 bis 1998 existierte dort ein Militärstützpunkt. Seit 1997 ist die Gegend verlassen.

Im Herbst 1999 hat man dort radioaktives Metall (250-800 Mikroröntgen/Stunde) gefunden. Das Militärministerium ignorierte völlig alle Petitionen, Anfragen der lokalen Verwaltung und den bürgerlichen Protest und verneinte seine Verantwortung für die Kontamination. Im August 2000 haben Kinder Munition dort gefunden. Die Umweltschutzorganisationen Mama 86 und Bakhmat aus Artemowsk haben eine Informationskampagne und Protestaktionen durchgeführt, um das Militär zu beeinflussen, die Probleme des Dorfes in vollem Masse zu lösen. Die Kampagne führte zum Hearing, wo Vertreter des Ministeriums über die Resultate der Abwicklung berichtet haben. 6125 kg des radioaktiven Metalls und 117.000 Schuss Munition wurden von dem Stützpunkt abtransportiert. Die Munition wurde vernichtet, das radioaktive Metall wurde ins Zwischenlager abtransportiert. Ein Vertreter des Ministeriums hat gesagt, das die Situation im Dorf Roter Berg genauso wie im Kosovo ist, die Probleme sind die gleichen. Im Februar wird eine Gesundheitsuntersuchung der Bevölkerung des Dorfes und der Soldaten, die dort gedient haben, durchgeführt.

Die Gruppe "Bakhmat" organisiert das mit der finanzieller Unterstützung von X Minus Y Solidarity Fonds.

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Bearbeitet am:31.01.2001 /ad


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