Es geht um die
wahrscheinlich gefährlichste Müllkippe der Welt, um Lügen, faule Tricks und blinden
Größenwahn. Die Geschichte des Endlagerprojekts in Gorleben ist eine Skandalchronik, die
ihresgleichen sucht. Landbesitzer wurden bespitzelt und genötigt, kritische
Wissenschaftler diffamiert und Kommunalpolitiker mit Millionensummen geködert. Gutachten
verschwanden auf Nimmerwiedersehen, Genehmigungen wurden aus dem Hut gezaubert, notfalls
wurden die Gesetze einfach umgeschrieben. Nur ist die Rechnung mit der
Lüchow-Dannenberger Bevölkerung nicht aufgegangen ...
Es geht um zwanzig Jahre leidvoller Erfahrung mit der Atomindustrie - niederschmetternde
empörende, manchmal auch komische Erlebnisse und Anekdoten, über die Lilo Wollny wie nur
wenige berichten kann. Mit ihrer Sachkenntnis und ihrem erzählerischen Talent hat sie
ihre Zuhörer immer wieder in den Bann gezogen. Jetzt hat sie diese Geschichte von
Gorleben aufgeschriebenInhalt
Vorwort
Bestellung
Einleitung
Vom Nuklearen
Entsorgungszentrum zum Integrierten Entsorgungskonzept
- Entscheidung für Gorleben - ein
ungelöstes Rätsel
- Die Machenschaften der DWK
- Hannover-Hearing: Unabhängige
Experten sind entsetzt
- Die Protestwelle rollt
- Nein zum Entsorgungszentrum - Ja zum
Endlager
Was ist überhaupt Atommüll?
- Radioaktive Strahlung Radioaktive
Abfälle
- Das Integrierte Entsorgungskonzept -
von einem Verschiebebahnhof in den nächsten Wohin mit dem Strahlenmüll: Ins Weltall oder
unter die Erde?
- Sinn und Unsinn der Wiederaufarbeitung
- Der Salzstock Gorleben:
Mindestkriterien nicht erfüllt
- Das Deckgebirge: Sicherheitskonzept
auf den Kopf gestellt
- Das Zwischenlager: Atommüll auf dem
Abstellgleis
- Die Lüge des Ministerpräsidenten
- Ein neues Atomgesetz: Narrenfreiheit
für die Betreiber
- Vom Scheitern der WAA zur direkten
Endlagerung
- Wohin mit dem Plutonium?
- Eine Konditionierungsanlage in
Gorleben - aber wofür?
- Schwach- und mittelradioaktiver Müll:
verhängnisvolle Unterschätzung
- Von Gutachten, Genehmigungen und
Gesetzen
Das Prognos-Gutachten
- Das Intercity-Gespräch
- Das Breuer-Gutachten DWK-Salander
verplappert sich
- Das Niedersächsische Berggesetz
- Ein Gutachter wird kaltgestellt: der
Fall Duphorn
- Die seltsame Wandlung eines Kritikers:
der Fall Hermann Bohrkerne vorübergehend verschwunden: der Fall Jessberger
- Warnungen
in den Wind geschlagen: der Fall Grimmel
- Ein maßgeschneidertes Atomgesetz: Lex
Bernstorff
- Salinas - oder was man mit einem Salzstock auch noch machen
kann
- Ich weiß, daß ich nichts weiß
(Sokrates)
- Anhang
- Lilo Wollny
- Chronologie
- Zur Vertiefung empfohlene Literatur
- Abkürzungen
- Fotoverzeichnis
Vorwort
Herausgeberin dieser Broschüre ist
die Arbeitsgruppe Rechtshilfe Gorleben. Diese Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, in
einem "Rechtshilfefond" Geld zu sammeln, um die Prozesse in Gorleben zu
finanzieren. Das Geld wird im wesentlichen für zwei Bereiche ausgegeben:
Es werden verwaltungsrechtliche
Klagen gegen die Atomanlagen in Gorleben finanziert. Da es in Deutschland keine
Popularklage gibt, müssen immer einzelne Bürger und Bürgerinnen als Klagende auftreten.
Sie müssen nachweisen, daß sie in ihren Rechten betroffen sind. Es ist oft sehr
schwierig, diese Klagebefugnis zu erreichen. Diesen Einzelpersonen hält die
Rechtshilfegruppe finanziell den Rücken frei. Es werden Gutachten für diese Klagen
finanziert.
Außerdem organisiert die
Rechtshilfegruppe Veranstaltungen, bei denen die juristisch-politischen Aspekte der
Auseinandersetzung um die Atomanlagen in Gorleben dargestellt und diskutiert werden.
Seit der Gründung 1979 hat die Rechtshilfegruppe eine unübersehbare Fülle von Prozessen
unterstützt. Klagen, Revisionen, Eilverfahren, Weisungen und Änderungen der sofortigen
Vollziehung bilden einen juristischen Dschungel, der selbst für Insider kaum zu
überschauen ist. Insgesamt hat die Rechtshilfegruppe Gorleben in derr zwanzig Jahren
ihres Bestehens rund eine halbe Million Mark gesammelt und weitergeleitet. Sie ist ein
fester und von den Atombetreibern gefürchteter Teil des wendländischen Widerstands. Um
weiter erfolgreich gegen die Atomanlagen vorgehen zu können, brauchen wir Ihre
finanzielle Unterstützung.
Mit der Herausgabe dieser Broschüre
möchten wir die Geschichte und die Hintergründe des Gorlebener Atomskandals einer
breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Es geht darin nicht nur um haarsträubende
Verdrehungen von geologischen Daten, Grenzwerten und Paragraphen. Es geht auch um die
vielen unglaublichen Ereignisse und Anekdoten aus zwanzig Jahren leidvoller Erfahrung mit
der Atomindustrie - niederschmetternde, empörende, manchmal auch komische Geschichten
über persönliche Begegnungen mit Politikern und Betreibern, über die Lilo Wollny wie
nur wenige erzählen kann. Auf vielen Veranstaltungen, vor Gruppen und im Freundeskreis
hat sie ihre Zuhörer mit ihrer Sachkenntnis und ihrem erzählerischen Talent in den Bann
gezogen. Wir haben Lilo Wollny gebeten, die Gorlebener Geschichte aufzuschreiben. Dafür
danken wir ihr.
Asta von Oppen für die Rechtshilfegruppe
Gorleben November 1998
Einleitung
Seitdem im Jahr 1977 Gorleben als Standort für ein atomares Endlager im Rahmen eines
sogenannten Integrierten Entsorgungszentrums benannt wurde, sind zwanzig Jahre vergangen.
Zwanzig Jahre, in denen eine junge Generation herangewachsen ist, die die Entwicklung von
Gorleben nicht mehr aus eigenem Erleben kennt. Aber gerade in den letzten Jahren haben die
Vorgänge um die Castortransporte viele Menschen auf die Atomproblematik aufmerksam
gemacht.
Wir stellen immer wieder fest, daß es einen wahren "Hunger" nach Informationen
gibt. Ich will deshalb versuchen, die Entwicklung des Problems der Entsorgung radioaktiver
Abfälle mit Schwerpunkt auf das geplante Endlager im Salzstock Gorleben-Rambow
darzustellen.
Die Geschichte des Endlagerprojekts in Gorleben - das ist eine endlose Aneinanderreihung
von Täuschungen, Nötigungen, Verunglimpfungen, Rechtsbeugungen und Vertuschungen. Es ist
die Chronik eines Skandals, der bis in die fünfziger Jahre zurückreicht.
Nachdem im Jahre 1955 der Bundesrepublik endlich von Seiten der Siegermächte die
Erlaubnis erteilt wurde, an dem zwei Jahre zuvor von General Eisenhower in Genf
verkündeteten Projekt Atoms for Peace teilzunehmen, entwickelte sich auf dem Gebiet der
Atomtechnik hektische Betriebsamkeit. Als erstes wurde unter der Leitung von Franz Josef
Strauß ein Atomministerium gegründet. Neue Forschungsinstitutionen wurden eingerichtet
und mit Riesensummen gefördert: So entstand 1956 die Großforschungsanlage Karlsruhe, die
sich zu 75 Prozent in Bundes- und zu 25 Prozent in Landeseigentum befindet. Ein Jahr
später folgte die Kernforschungsanlage Jülich, die zu 90 Prozent dem Bund gehört.
Trotz der Dringlichkeit wurde erst 1959 ein Atomgesetz verabschiedet. Der erste Entwurf
war 1957 gescheitert, weil man sich nicht auf eine rein zivile Nutzung der Atomtechnik
festlegen wollte. Bei dem schließlich verabschiedeten Gesetz wurde die Frage der
militärischen Nutzung einfach ausgeklammert. In diesem Gesetz hatte die Förderung der
Atomkernspaltung erste Priorität. Die Sicherheit der Bevölkerung kam erst in zweiter
Linie zur Sprache, von der Entsorgung der Abfälle war überhaupt nicht die Rede.
Die Bundesrepublik verhielt sich so, als würde sie Flugzeuge starten, ohne daß irgendwo
eine Landebahn vorhanden wäre. Mit anderen Worten: Man begann, atomare Abfälle zu
produzieren, ohne zu wissen, wie man sich ihrer je würde entledigen können. Gleichzeitig
wurde die Bevölkerung mit einem wahren Propagandafeldzug für die Atomindustrie
überzogen: Schiffe sollten atomar betrieben, Flugzeuge und Autos mit dieser Technik fast
umsonst fliegen und fahren können. Unter dem Slogan "sauber, sicher und billig"
wurde die Atomenergie der Bevölkerung als die Rettung vor allen künftigen
Energieproblemen angepriesen. Sie sollte der Menschheit ein wahres Paradies auf Erden
bescheren.
In dem Zusammenhang fällt mir der Bericht eines Bauern aus Whyl ein, jenem Ort, an
dem der Widerstand gegen die Atomkraft begann. Der Mann betrieb auf seinem Grundstück ein
kleines Wasserkraftwerk und erzeugte damit den für seinen Hof nötigen Strom. Als man in
der Nähe einen Kanal baute, befürchtete er, man würde ihm das Wasser abgraben. Er fuhr
deshalb nach Freiburg, um zu fragen ob es möglich sei, ein kleines Atomkraftwerk in
seinem Garten zu bauen. Ihm wurde geantwortet, daß wäre leider unmöglich, weil es
wirklich zu kompliziert sei. Aber er solle sich keine Sorgen machen: Wenn man erst
genügend Atomkraftwerke habe, könne er sein Wasserkraftwerk vergessen. Der Strom würde
dann nur noch ein Pfennig pro Kilowatt kosten - na ja, vielleicht drei Pfennig mit
Gebühren. Aber das wäre das Höchste, was in Frage käme.
Wir alle können auf unserer Stromrechnung ablesen, was daraus geworden ist. Im Gegenteil:
Bis zum heutigen Tag warten wir vergeblich darauf, von den verantwortlicher Seite über
den wirklichen Preis für die Erzeugung von Elektrizität aus Kernspaltung informiert zu
werden. Unabhängige Wissenschaftler, die alle Faktoren einschließlich der Entwicklungs-
und Folgekosten berechnet haben, kommen zu einem "ehrlichen" Preis von etwa 4,60
DM pro Kilowattstunde.
So versucht die Atomlobby bis zum heutigen Tag, die Bevölkerung mit Lügen und
Vernebelungstaktiken zu manipulieren und ihren Zwecken gefügig zu machen. Das
Batelle-Institut, selbst Mitglied im Deutschen Atomforum und aktiv an Forschungen zur
Kernspaltung beteiligt, formulierte das in einer vom Bundesministerium für Forschung und
Technologie (BMFT) 1977 in Auftrag gegebenen Analyse so: "Die Propaganda für
Atomstrom dient der Infantilisierung des Passivbürgers." Die Geschichte des
geplanten Atommüll-Endlagers in Gorleben ist ein eindrucksvoller Beleg für diese These.
Nur ist die Rechnung mit der Lüchow-Dannenberger Bevölkerung nicht aufgegangen.
Bitte richten die Bestellung per
Post an:
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Rechtshilfegruppe Gorleben
Hauptstraße 6
29471 Gartow
Bezugs- und Spendenkonto:
Kreissparkasse Lüchow-Dannenberg Konto.Nr.:3001609 BLZ: 25851335
Preis : DM 10,-
das BI-Büro
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..............Exemplar/e von Lilo Wollny: Es wird wie ein Kartenhaus zusammenbrechen
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104 Seiten, DIN A5
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