Ahaus und der Tag X
Eine Dokumentation

Wir müssen von Ort zu Ort geben, Vorwort Werter Vater Staat, wir sind diejenigen deiner Bürger, die ihre staatsbürgerliche Pflicht nicht nur darin sehen, sich alle vier Jahre an der Wahlurne von dir fragen zu lassen: "Na, wie hätten Sie's denn gern?" Wir sind der Meinung, daß es die Pflicht jedes Basisbürgers eines demokratisch regierten Staates ist, sich ständig mitverantwortlich zu fühlen für das, was politisch in unserem Land - und nicht nur da! - geschieht. Deswegen wehren wir uns
gegen die Atommüll-Transporte, die du, Vater Staat, uns aufzwingst. Denn wir wollen und
können sie nicht mitverantworten. Und jetzt noch viel weniger, seit wir erfahren mußten,
daß die Strahlungswerte der bisherigen Castor- Transporte in der Realität viel höher
lagen als jeweils angegeben. Wir wollen unseren Nachkommen ihre Frage: "Wie habt ihr
diese Transporte zulassen können?" nicht verlegen und unehrlich mit "Wir haben
ja nichts davon gewußt." und Air konnten ja nichts tun." beantworten müssen.
Wir wollen ihnen Rede und Antwort stehen können: ja, wir haben gewußt, was in Gorleben
und Ahaus unter Staatschutz geschah!" Und: "Wir haben dagegen getan, was wir -
gewaltlos - tun konnten." Da wirft man der heutigen Jugend immer wieder vor, sie sei so angepaßt, sei nur an Unterhaltung und Konsum interessiert. Damit tut man ihr Unrecht. Wenn sie gebraucht wird, ist sie zur Stelle, fühlt sich mitverantwortlich, macht aktiv mit. Denken wir an die Schüler und Studenten, die zu Beginn des Golfkriegs zu Zehntausenden auf die Straße gingen und gegen den Wahnsinn dieses Krieges demonstrierten! Denken wir an die Schülerund Studentendemos der letzten Jahre gegen unseren Bildungsnotstand 1 Denken wir an Gorleben und jetzt auch an Ahaus, wo sich sehr viele junge Leute am gewaltfreien Widerstand beteiligten! Wir, deine Bürger, sitzen alle in einem Boot: Alte und Junge. Und wir denken nicht daran, kleinmütig aufzugeben!
Das Buch "DIE WOLKE" von Gudrun Pausewang, der wir auch für ihr Vorwort zu dieser Dokumentation danken, trägt den Untertitel: Jetzt werden wir nicht
mehr sagen können, wir hätten von nichts gewusst." Dagegen haben vor allem erst die Proteste gegen die Castor-Transporte nach Gorleben - und jetzt eben auch nach Ahaus - die Lügen von einem bereits bestehenden "Entsorgungskonzept" für den mehrere hunderttausend Jahre strahlenden Atommüll aufgedeckt. Gerade aber die jüngsten Skandale um skrupellose Machenschaften innerhalb der Atomwirtschaft, die wegen einer verfehlten Energiepolitik von vielen Seiten unterstützt und gedeckt worden sind, lassen jeglichen Glauben an Zuverlässigkeit und Sicherheit schwinden. Darüber hinaus haben
viele jetzt im März erstmalig oder auch erneut die Lügen über einen angeblich
gewalttätigen Anti-Atorn-Widerstand erkannt und die Schatten eines drohenden Atom- und
Polizeistaates erlebt und erlitten. Eine Polizeibeamtin aus Wuppertal erklärte in einem Gespräch: "Ich habe meinen Schlagstock nicht einmal in der Hand gehabt, denn das war nicht nötig. Wir standen manchmal daneben und haben uns gefragt "WAS PASSIERT HIER?" Dies ist wohl auch die Frage dieser Veröffentlichung: "Was passiert hier?" - "Was passierte hier?" - "Was soll das?" Was soll das? Was soll das?
Was soll das? Was soll das? Was soll das? Was soll das? Was soll das? Was soll das?
Ohne größere Zwischenfälle? Was soll das?
Diese Einsicht hat auch
uns vier als Redaktionsteam zusammen- und an die Arbeit gebracht. Wir wollten und konnten keine lückenlos dokumentierte Zeitgeschichte veröffentlichen, haben aber unsere eigenen Beobachtungen und Erlebnisse (z.B. auch in der Gefangenensammelstelle in Münster) ergänzt durch viele, sehr unterschiedliche Erfabrungsberichte. Auch eine sehr gut
besuchte Veranstaltung in der Stadthalle in Ahaus zur Aufarbeitung des Tages X" hat
mit dazu beigetragen, Licht in das wohl offensichtlich von Politik und Polizei gewünschte
Dunkel des Tages X zu bringen. Die Berichte und Stellungnahmen sind z.T. so persönlich, dass wir sie - auch zum Schutz der Berichtenden - alle ohne Namensnennung veröffentlichen. Anonyme Zuschriften und entsprechende Interneteinträge haben wir dagegen aber bewusst nicht mit aufgenommen. Die VerfasserInnen aller
hier auszugsweise oder vollständig abgedruckten Beiträge sind uns namentlich und zum
Teil auch persönlich bekannt. Deshalb haben wir auch die Einzeldokumente - von Zeitungsausschnitten, über Zitate, ganze Briefe und verschiedene Fotos - so zusammengestellt, dass sie zu Gesprächen, zu Rückfragen auch an eigene Erinnerungen anregen, dass sie neugierig machen, andere Betroffene zu fragen, und mutig werden lassen, die Verantwortlichen zur Rede zu stellen. Darum haben wir die
Leserin und den Leser nicht an die Hand nehmen wollen, keine langen Erklärungen,
Erläuterungen und Kommentare hinzugefügt, sondern das Anstößige so aufbereitet, dass
es frag-würdig wird. Hierzu möchten wir beitragen, indem wir die Leserinnen und Leser ermutigen: "Jetzt x-tra."
Zu beziehen ist dies Broschüre beim Herausgeber: Bürgerinitiative
"Kein Atommüll in Ahaus" Redaktion: Mechthild
Bettmer-Liebermann, Ahaus Maria Brunneke, Ahaus Ingrid Lowin, Düsseldorf Werner Lowin,
Düsseldorf |
Bearbeitet am : 17.11.1998 /ad
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