Pressemitteilung v. 04.12.98
Gesellschaft für |
Strahlenschutz |
e.V. |
Atommülltransporte:
Die zur Lagerung hochradioaktiver Brennelemente eingesetzten Castor-Behälter sind nicht korrosionsfest. Zu dieser alarmierenden Erkenntnis gelangte die Bundesanstalt für Materialforschung in Berlin in einem der Berliner Zeitung vorliegenden Schreiben vom 23. November an das Bundesamt für Strahlenschutz. Behälter wurden trotz Unregelmäßigkeiten nicht auf ihre Sicherheit hin überprüft und der Transport von atomarem Material erweist sich zunehmend als störanfällig. Das berichtet die Berliner Zeitung in ihrer jüngsten Ausgabe vom 4. Dezember 1998. Mindestens hundert Transporte stehen in den nächsten Jahren an, wenn allein die deutschen Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich vertragsgemäß zurückgenommen werden. Die von der rot-grünen Regierungskoalition angekündigten dezentralen Lager an den Kraftwerksstandorten müßten erst gebaut werden und seien mit heutiger Technik offenbar nicht sicher. Die Transporte werden also auf unabsehbare Zeit weitergehen, befürchtet die Gesellschaft für Strahlenschutz. In einem jetzt im Auftrage der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) erstellten 88seitigen Bericht dokumentiert sie, daß es sich bei den in großer Zahl bekannt gewordenen Überschreitungen international verbindlicher Grenzwerte an Transportbehältern für abgebrannte Brennelemente nicht um Einzelereignisse, sondern um systematisch auftretende Vorkommnisse handelt. Den bisherigen Berichten und Stellungnahmen von offizieller Seite ist eine Tendenz zur
Einengung der Ursachensuche auf den Effekt des sogenannten "Schwitzens" zu
entnehmen. Dies sei unzulässig, weil auch andere Ursachen denkbar sind, heißt es in dem
Bericht der Gesellschaft für Strahlenschutz. Die in dem Bericht aufgezeigten
Zusammenhänge zwischen Strahlenbelastung durch inkorporierte Radioaktivität und
Gesundheitsschäden ließen die gegenwärtigen Standards für zulässige
Strahlenbelastungen als nicht ausreichend für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und
des Begleitpersonals erscheinen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, daß bereits
zahlreiche Personen radioaktive Partikel mit der Atemluft in ihren Körper aufgenommen
haben. Abgesehen von der massiven Überschreitung der Grenzwerte durch die Unterbewertung
der besonders gesundheitsgefährlichen Neutronen, führe die Aufnahme sogenannter
Crud-Partikel, die nach heutigem Kenntnisstand die Ursache der an den Behältern
gefundenen hohen Verseuchungen sind, mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer
Überschreitung des Dosisgrenzwertes für die Bevölkerung und damit zu einer erheblichen
Gefahr für die Gesundheit, erklären die Autorinnen und Autoren des Berichtes. Dies sind
die Professoren Dr. med. Horst Kuni, Marburg, Dr. rer. nat. Wolfgang
Köhnlein, Münster, Dr. rer. nat. Inge Schmitz-Feuerhake, Bremen, und die
Diplom-Physiker Wolfgang Neumann, Hannover, und Heiko Ziggel, Bremen. Durch die bisherigen
Transporte seien mit großer Wahrscheinlichkeit bereits Menschen zu Schaden gekommen. Wer
dies ist und wieviel betroffen sind, lasse sich jedoch nicht ermitteln, weil länger
zurückliegende Radionuklidaufnahmen nicht mehr nachgewiesen werden könnten. Horst Kuni, Wolfgang Köhnlein, Wolfgang Neumann, Inge Schmitz-Feuerhake, Heiko Ziggel:
CASTOR gefährdet Gesundheit. Gesundheitsgefahren durch radioaktiv kontaminierte
Oberflächen von Brennelementtransportbehältern. Otto Hug-Bericht
Nr. 19-20, Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. 1998, ISSN 0941-0791, 88 Seiten,
Abbildungen und Tabellen, DM 32,-. Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:
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Bearbeitet am: 08.12.1998/ad