Nachfolgender Offener Brief wurde von Adolf (Adi) Lambke zur Verfügung gestellt. Die Bilder von Adi Lambke, wie er von der Polizei von seinem Trecker gezerrt wurde gingen durch die Republik. Der Landwirt und Rentner ist Atom-Widerständler im Wendland auch bei den Bauern. (s. Bäuerliche Notgemeinschaft)
Adolf Lambke Jameln Rundling 3, 29479 Jameln, Telefon / Fax: 05864 / 233 , den 30.06.97
An den Polizeipräsidenten
Herrn Dautert
Bezirksregierung
Auf der Hude
21339 Lüneburg
Sehr geehrter Herr Dautert! Laut EJZ-Bericht haben Sie auf der Verabschiedung des Lüchower Polizeichefs Niebuhr gesagt, "Ich bin es gewesen, der gesagt hat, was zu tun ist. Wer sich reiben möchte, der sollte sich an mich wenden". Dieses "Reibungsangebot" nehme ich an. Damit Sie wissen, wer sich an Ihnen reiben will, stelle ich mich kurz vor. Ich bin 1930 in Jameln im Wendland geboren, seitdem lebe und arbeite ich hier. Das "Dritte Reich" habe ich als Junge noch bewußt erlebt. Nach 1945 habe ich mich dann sehr kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Genauso kritisch habe ich auch den Unrechtsstaat DDR beobachtet. Diese Auseinandersetzung hat mich zu einem bewußten Demokraten werden lassen, der auch bereit ist, sich für den "Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland" einzusetzen und zu engagieren. Das hat dann dazu geführt, daß "ihre" Polizei mich am 7. Mai 96 in meinem Heimatort von nieinem Trecker geprügelt hat. Ich bin zu einem kritischen Dialog mit Ihnen bereit, weil ich denke, es ist dringend notwendig zu diskutieren, ob unser Staat noch ein fi~nktionierender Rechtsstaat ist, wie Sie anscheinend meinen, oder ob er immer mehr zum Polizeistaat und Atomstaat pervertiert, wie ich meine. Das ist eigentlich wohl nicht so sehr eine Frage an die Polizei, sondern vielmehr an die Politik. Ansätze zu vernünftigerem verantworlicherem Handeln sehe ich jedoch bei den "großen" Politikern in den "großen und regierenden" Parteien noch nicht. Als Vollstrecker der Anordnungen unseres Staates stehen Sie mit ihren Polizisten zwischen den Fronten. Mit jedem Transport den Sie gegen eine ganze Region durchknüppeln lassen, wie bei X 3 geschehen, geht nach meiner Meinung ein Stück mehr Demokratie verloren. Sie setzen mit der Polizei das Grundrecht der Atomkraftwerke auf Einlagerung der Atomabfälle in Gorleben durch. Nur mit diesem Grundrecht der Atomindustrie wird auch die Rechtsstaatlichkeit der Betretungsverbote der Castorstraße begründet. Gründe fur Betretungsverbote während der Castortransporte werden anscheinend von Polizei und Bez.Reg. konstruiert,( siehe Allgemeinverfügung vom 24. Febr. 97 mit dreimalige Erwähnung von Adi Lambke. ) Uns Atomkraftgegnen will man nur das Recht zugestehen, außerhalb der Verbotszone zu demonstrieren. Das dürfen wir anscheinend solange, bis alle Atomanlagen in Gorleben verwirklicht sind. Weitere Rechte, wie das Blockaderecht zur Verhinderung weiterer Castoreinlagerungen, werden uns verweigert. Ich meine, eine derartige Gesetzesauslegung ist nicht mehr rechtsstaatlich zu begründen, sondern Atomdiktatur pur. Wir Atomkraftsgegner im Wendland meinen ein Grundrecht auf zivilen Ungehorsam zu haben, weil die Atomanlagen in Gorleben unser Leben und das Leben der nach uns kommenden bedrohen. Wir meinen auch, daß das Grundrecht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit das höchstrangigste Recht in einem Rechtsstaat sein muß ! Als 1977 das NEZ Gorleben ins Gespräch kam, habe ich, genau wie viele andere im Wendland auch, angefangen kritische Fragen zu stellen. Ich bekam jedoch nur ausweichende und nichtssagende Antworten. Man verlangte von mir Vertrauen, wo ich mißtrauisch war. Weil ich begriffen hatte, daß das unkritische Vertrauen, das meine Eltern in den Nationalsozialismus gesetzt hatten, unendlich viel Leid und Unrecht verursacht hat, war ich natürlich nicht bereit, unkritisch zu vertrauen. Ich habe darum angefangen, mich selber zu informieren und gegen unrechtes Handeln in und um Gorleben zu protestieren. Daß 1980 von einem Polizeioffizier ein Meineid geschworen wurde, den die Staatsanwaltschaft nicht verfolgte, das hat mich tief getroffen und mein Vertrauen in unseren Rechtsstaat schwer erschüttert. Seitdem registriere ich, wie unser Rechtsstaat immer mehr zur Atomdiktatur "verkommt". Da ist der Salzstock in Gorleben, der angeblich auf seine Eignung als Endlagersalzstock untersucht werden soll. Ein Endlager muß den hochgiftigen Atommüll für hunderttausende bis einige Million Jahre sicher von der Biosphäre abschließen. Dazu bedarf es eines Mehrbarrierensystems. In Gorleben ist schon die erste Barriere, eine dicke Tonschicht über dem Salzstock, nicht vorhanden. Der Salzstock steht voll irm Grundwasser. Eine Reihe weiterer negativer Kriterien sind bekannt. Kritische Wissenschaftler, wie die Professoren Duphorn und Grimmel, haben schon vor Jahren "Erkundung anderer Lagerstätten" empfohlen. Prof Kraus BfS hat jedoch auf einer Versammlung in Lüchow unwidersprochen gesagt, man trage dem ethischen Prinzip Rechnung, wenn in den nächsten 10'000 Jahren ein (Sicherheits)Grenzwert eingehalten werde. Diese Einstellung des "obersten Strahlenschützers" der BRD ist für mich in hohem Maße unlauter und unehrlich, denn ethische Verantwortung muß für den Zeitraum gelten, in dem der Strahlenmüll die nach uns Lebenden gefährdet. Ich meine daher, uns und unsere Nachkommen derartigen Gesundheitsgefahren auszusetzen, das ist nicht mehr rechtsstaatlich sondern Atomdiktatur pur ! Schon sehr bald soll die "kleine" Pilotkonditionierungsanlage in Betrieb gehen Aus AKW's darf "theoretisch" keine Radioaktivität an die Umwelt gelangen. Konditionierungsanlagen dagegen dürfen, genau wie WAA's, Radioaktivität an die Umwelt abgeben. Daß die kleine PKA bald zu einer großen Konditionierungsanlage werden soll, ist im Gespräch. Die wird dann auch "große" Mengen Radioaktivität an die Umwelt abgeben. Spätestens dann wird es eine langsame aber sichere Verseuchung geben. Gorleben liegt schließlich nicht an einem großen Meer wie die WAA's in Frankreich England und Japan, wo der Wind die giftigen Gase aufs Meer bläst und die giftige~ Abwässer sich im Meer verteilen. Auch schwere Untälle mit großen Freisetzungen von Radioaktivität, wie vor kurzem in Tokai - Mura, sind nicht auszuschließen. Ich meine daher, uns und unsere Nachkommen derartigen Gesundheitsgefahren auszusetzen, das ist nicht mehr rechtsstaatlich, sondern Atomdiktatur pur ! Dann gibt es in Gorleben noch die beiden Atommüllzwischenlager. Die Zustimmung zu diesen beiden Lagern wurde mit"Akzeptanzgeldern" an unsere Kreispolitiker erkauft. Das LAW-Lager ist gut zur Hälfte gefüllt. Es ist wohl die am ersten zu akzeptierende Atomanlage in Gorleben, wenn es denn die einzige bliebe. Nur von den Castor Transporten schreiben und reden die Betreiber und unsere Regierungen in Bonn und Hannover. Alle wollen uns einreden, die Castortransporte seien ungefährlich. Weil wir uns informiert haben, wissen wir, daß das nicht stimmt und haben Angst, daß etwas passiert bei den Transporten. Viel mehr Angst macht uns jedoch, daß diese Castoren in Gorleben in einer einfachen Scheune 40 Jahre und länger stehen sollen. Wir kritischen und infonnierten Wendländer haben jedenfalls erhebliche Zweifel an der Langzeitsicherheit der Castorbehälter. Die Castoren gibt es erst seit ein paar Jahren und bisher wurden sie nur als Transportbehälter genutzt. Da wir wissen, daß die Castorhalle keinerlei Schatzwirkung hat, können wir auch nicht einsehen, wanun 420 Castoren in Gorleben konzentriert werden sollen. Wenn sie sicher sind, können sie überall auch einzeln gelagert werden. Es bedarf lediglich eines Sandwalls zur Neutronenabschirrnung. Warum die Castoren aber weiter "nur" nach Gorleben sollen, kann man z.B. der atomfreundlichen Presse entnehmen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es am 3.9.96 unter "Die Last des Restrisikos": "Bei der Nutzung der Kernenergie, die jedenfalls zur Zeit unentbehrlich ist, "(was wir bestreiten) " kann - so hat das Bundesverfassungsgericht schon 1978 entschieden - Sicherheit nur unter Einrechnung eines "Restrisikos" zum Maßstab gemacht werden." :..........Der Wunsch der Niedersächsischen Ministerin Griefahn (SPD eigentlich grün) ist eine Ausflucht: Die Atomabfälle sollten in den Kernkraftwerken bleiben." "Das heißt, das Restrisiko über ganz Deutschland verteilen". Ich denke es ist klar: Die, die wollen, daß die Atomkraftwerke weiterlaufen, daß die Atomindustrie weiterhin Milliarden verdient und die Gewinne maximiert, wollen selber kein Risiko eingehen. Sie handeln nach dem "Sankt Floriansprinzip"! Genauso handelt auch Frau Merkel. Weil sie weiß, daß die Langzeitsicherheit der Castoren sehr fraglich ist, kann sie unserem Landvolkkreisverband auch nicht die geforderten Garantien geben. Das Restrisiko soll das Wendland alleine tragen ! Es soll zum gößten Atomversuchsgelände der BRD werden! Ich meine daher: Uns und unsere Nachkommen derartigen Gesundheitsgefahren auszusetzen. das ist nicht mehr rechtsstaatlich. sondern Atomdiktatur pur! Da wir Wendlander uns bestens infonniert haben, wissen wir, daß der Atomstrom laut (Solarzeitalter 2/96) pro Kilowattstunde 69,04 Dpf kostet wenn man alle Subventionen gegenrechnet. Dieser Preis ist noch ohne die Folgerisiken. Wir wissen auch, daß der sofortige Verzicht auf Atomstrom, laut Energiewende 2020, möglich ist, was auch von der"Hastra" nicht bestritten wird.
Es gibt also eigentlich keinen Grund. weiterhin Atommüll zu produzieren und die Einlayeruny in Gorleben durchzusetzen ! Es gibt auch keinen Grund, sich über unser Grundrecht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit, das wir für uns und unsere Nachkommen beanspruchen, hinwegzusetzen ! Ich habe vor einiger Zeit das Goldhagen-Buch "Hitlers willige Vollstrecker" gelesen. Der Autor beschreibt darin, daß es "ganz gewöhnliche Deutsche" waren, die in den Polizeibattallionen Hitlers Holocaust vollstreckt haben. Im Kapitel 5 auf Seite 201 heißt es; "Wer als Mitglied eines Erschießungskommandos Juden tötete, ist ein Täter. Wer die Juden zusammentrieb, sie - in Kenntnis ihres Schicksals - zu einer Vernichtungsstätte deportierte oder das Gebiet absperrte, in dem seine Landsleute Juden ennordeten, ist ebenfalls ein Täter, auch wenn er oder sie persönlich niemand umgebracht hat. Lockführer und Verwaltungsbeamte, die wußten, daß sie Juden in den Tod transportierten; kirchliche Mitarbeiter, die wußten, daß ihre Mithilfe bei der Identifizierung von ehemals jüdischen Konvertiten für diese den Tod bedeuten konnten; der inzwischen sprichwörtliche "Schreibtischtäter", der die Opfer möglicherweise nie zu Gesicht bekam, dessen Bürokratenarbeit aber das Räderwerk der Deportation und Vernichtung in Gang setzte und hielt - sie alle zählen zum Kreis der Täter". Wenn der umfassende Täterbegriff von Daniel Jonah Goldhagen auch hur die Jetztzeit gilt; Dann sind Sie der "Schreibtischtäter", der den Atomstaat durchsetzt ! Die Polizisten die gehorsam die Atomtransporte nach Gorleben "durchprügeln", sind ebenfalls Täter im Goldhagenschen Sinn ! Genauso wie die Lockführer und Verwaltungsbeamte Täter waren, weil sie wissen mußten, daß sie Juden in den Tod transportierten ! Genauso sind auch Sie und ihre Polizei Täter, denn auch Sie können und müssen wissen, welche "lebensbedrohende" Fracht sie ins Wendland bringen! In einer Demokratie soll "das Volk" der Souverän sein . Auch die Weimarer Republik war zweifellos eine Demokratie. Weil in der Verfassung jedoch nicht alles optional geregelt war, hat Adolf Hitler sich errnächtigen lassen, selber Gesetze zu erlassen. Mit diesem Ermächtigungsgesetz hat er dann die Demokratie abgeschafft und die Nazidiktatur durchgesetzt. So einfach wie damals ist es Gott sei Dank bei unserem heutigen Grundgesetz nicht möglich, solch ein Ermächtigungsgesetz zu beschließen Ich denke aber, daß wir aufpassen müssen, daß bestehende Gesetze nicht umfunktioniert und dazu mißbraucht werden, den"totalen Atomstaat" durchzusetzen. Da ist z.B. das Niedersächsische Gefahrenabwehrgesetz (NGefAG). Sinn dieses Gesetzes ist doch wohl, Gefahren von den Bürgern abzuwehren. Landesregierung, Staatsanwaltschaft und Polizei meinen nun anscheinend, dieses NGefAG auch zur Durchsetzung der Atommülleinlagerung in "Gorleben" anwenden zu können. Damit wird der Sinn des Gesetzes ins Gegenteil verkehrt. Anstatt Gefahren abzuwehren, wird es dazu benutzt tödliche Gefahren ins Wendland zu bringen. Beim X 2 Transport hat die Polizei ja viele Trecker stillgelegt und zerstört. Zu der Frage der Treckerstillegungen und Zerstörungen argumentiert die Staatsanwaltschaft bei der Ablehnung einer Anzeige eines Bauern gegen Polizeibeamte im Schreiben an dessen Verteidiger wie folgt: Laut NGefAG 2/1 b hätte eine "gegenwärtige Gefahr" bestanden, daß der Trecker "unterwegs war in Richtung der Transportstrecke, um an einer unzulässigen Blockade des Transportes teilzunehmen. .............Ausgehend von der zuvor aufgezeigten Ausgangslage ergaben sich für die Polizeibeamten zwingende Anhaltspunkte dafür, daß Ihr Mandant auf dem Wege zu einer verbotenen Versammlung war. ....." Es hieß dann später, "Nach den Vorschriften des NGefAG ergaben sich für die Polizeibeamten gemäß §§ 18, 26 und 27 zur Gefahrenabwehr die Möglichkeiten, entweder Ihren Mandanten in Gewahrsam zu nehmen oder den Traktor sicherzustellen, wobei davon auszugehen ist, daß die Ingewahrsamnahme sicherlich die einschneidendere Maßnahme bedeutet. Diese Maßnahme ist bei Ihrem Mandanten nicht zur Anwendung gekommen." Die vorstehende Entscheidung der Staatsanwaltschaft bezieht sich dabei auf eine Stellungnahme der Polizei im Regierungsbezirk Lüneburg ( 303 c-123 19 GK) Ich verstehe Staatsanwaltschaft und Polizei so: Wenn an Castortransporttagen Bauerntrecker unterwegs sind, dann wird unterstellt, daß die auf der Castorstraße blockieren wollen ! Daß die Trecker eventuell außerhalb der 50 m Sperrzone nur zur"erlaubten" Demonstration wollen, wird danach ausgeschlossen. Die Polizei ist dann "ermächtigt" aus Gründen der Gefahrenabwehr, die Bauern festzunehmen und einzusperren ! Sie kann aber auch die Bauerntrecker sicherstellen ! Eine rechtsstaatliche Sicherstellung wäre nach meiner Meinung, die Traktoren am Wegfahren zu hindern indem sie von der Polizei bewacht werden. Nötigenfalls werden sie irgendwo konzentriert und bewacht. Eine derartige rechtsstaatliche Sicherstellung wäre, aber auch nur am Rande einer Verbotszone zulässig, an der die reale Blockadegefahr bestände. Andere und hartere Mittel dürfen in einem Rechtsstaat frühestens in einer Zone angewendet werden, die nicht betreten und befahren werden darf. Also wenn das Betretungsverbot der Castortransportstrecke rechtens war, was ich bezweifle, dort in der 50 m Verbotszone. Aus der vorgenannten Ermittlungsablehnung entnehme ich aber, daß Polizei und Staatsanwaltschaft der Meinung sind, die Polizei ist "ermächtigt" Bauerntrecker weitab von der Verbotszone fahruntüchtig zu machen, also zu zerstören ! Ich entnehme daraus auch, daß Bauern an Castortagen vogelfrei sind, die Polizei also "ermächtigt " ist, Bauern, egal wo sie angetroffen werden, festzunehmen und einzusperren ! Geht die "Ermächtigung" eventuell sogar soweit, daß Bauern ungestraft verprügelt werden dürfen ? Bei X 2 und X 3 hat sich gezeigt: Wenn eine ganze Region sich gewaltfrei wehrt mit tausenden von Demonstranten und hunderten von Treckern ist es unmöglich, die Straße rechtsstaatlich gewaltfrei zu räumen. Die Polizei muß dann wie eine Besatzungsmacht auftreten und gewalttätig werden. Ich meine daher. um den Bauernwiderstand in den Griff zu kriegen, wird hier, in Zusammenarbeit von Landesregierung, Staatsanwaltschaft und Polizei versucht. das NGefAG "zu einer Art Ermächtigungsgesetz" gegen Bauern umzufunktionieren. Das ist eine Entwicklung weg vom Rechtsstaat, hin zur Atomdiktatur nur ! Ich bin sehr neugierig auf Ihre Stellungnahmen und Antworten zu den vorstehenden Feststellungen und Fragen ! An den Tagen X 2 und X 3 waren schließlich außer den Bauerntreckern auch Lastwagen und viele PKWs auf den Straßen im Landkreis unterwegs, die hätten doch wohl auch auf die Castorstraße fahren können. Stillgelegt und zerstört wurden jedoch nur Bauerntrecker. Wie begründen Sie es. daß die Polizei hier so eine Art "Sippenhaft für Bauern" praktiziert ? In der Allgemeinverfügung vom 24. Februar 97 heißt es unter Rechtsbehelfslehrung/ Hinweise/ 4. "Auf Hauptverkehrswegenwie Autobahnen, jedoch auch Hauptverkehrsstrecken der Deutschen Bahn AG gibt es kein Demonstrationsrecht. . . . . . . . . " Es ist schon mehrere Male vorgekommen, das Lastwagenfahrer Autobahnen blockiert haben, um mehr Lohn zu erstreiken. Mir ist nicht bekannt daß die von der Polizei abgeräumt und ihre Fahrzeuge zerstört wurden. Mir ist auch nicht bekannt daß in vorstehendem Zusammenhang Allgemeinverfügungen erlassen wurden mit Betretungsverboten, wie an der Castorstraße. lch bin sehr gespannt, wie Sie es "rechtsstaatlich" begründen. daß die Polizei gegen derartige Blockaden nicht vorgeht. obwohl die doch auch verboten sind. Die Bezirksregierung (Bez.Reg) Lüneburg hat zu X 3 ein Betretungsverbot der Castorstraße erlassen. In der Begründung wurde u.a. auch Bezug genommen auf die Sitzblockade in Jameln am 7. Mai 1996, bei der ich vom Trecker geprügelt wurde. Es heißt dort zum Schluß "....Schließlich konnte Herr Lambke vom Traktor getrennt werden, so daß dieser beseitigt werden konnte. Herr Lambke wußte bei seinem Handeln, daß die Demonstration aufgelöst worden war und handelte, um die aufgelöste Demonstration weiter aufrechtzuerhalten." Ich stelle dazu fest: Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat wegen des Vorfalls in Jameln am 23.7 1996 eine Anklage gegen mich beim Amtsgericht Dannenberg abgegeben. Ich habe arn 5.8.1996 die Polizisten angezeigt ! Erst am 16. April 1997 erging der Beschluß des Amtsgerichts Dannenberg, die Klage gegen mich wegen "Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte in zwei Fällen tateinheitlich mit Nötigung und versuchter Körperverletzung," zuzulassen. Per 12. Mai 1997 kam der Beschluß der Staatsanwaltschaft, daß das; "Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte wegen Körperverletzung u.a. zum Nachteil lhres Mandanten, Herrn Adolf Larnbke" eingestellt ist. Ich denke, in einem "funktionierendem Rechtsstaat" ist man solange unschuldig, bis man rechtskräftig verurteilt ist. In den vorstehenden Fällen hat; die Bez.Reg gegen die für mich geltende Unschuldsvermutung verstoßen ! Sie hat auch Behauptungen aufgestellt, die, nach meiner Meinung, unwahr sind. Sie hat also eine Vorverurteilung meiner Person vorgenommen. Anscheinend weil man eine "zusätzliche Krücke" zur Begründung der fraglichen Allgemeinverfügung braucht ! Genauso wie die Bezirksregierung hat auch die Staatsanwaltschaft mich vorverurteilt ! Sie hat einfach die Aussagen der Polizisten als wahr angenommen und aufgrund dieser Aussagen das Verfahren eingestellt. Dabei haben anscheinend weder die Polizei, noch die Staatsanwaltschaft sich die Mühe gemacht, die "polizeilichen Videoaufnahmen" mit den "polizeilichen Zeugenaussagen" zu vergleichen. Hätte man das getan, wüßte man, daß die Demo erst aufgelöst wurde, nachdem ich vom Trecker geprügelt war, mein Trecker und ich also ohne Einfluß auf die Demonstrationsauflösung waren ! Man wüßte auch daß ich um 12,08 Uhr nicht erst vorgefahren, sondern bereits aus dem Trecker entfernt worden bin. lch meine daher, daß ist nicht mehr der "funktionierende Rechtsstaat", sondern Atomdiktatur pur ! In der Allgemeinverfügung "Betretungsverbot der Castorstraßen" vom 24.2 1997 wird mein Name dreimal genannt. Bei der zweiten Erwähnung heißt es: "In der Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 8.Januar 1997 hat der auch bereits im Jahre 1996 durch eine Treckerblockade in Erscheinung getretene Adi Lambke ausgeführt, bei Castor X 3 müßten die Atomkraftgegner vor allem dafür sorgen, daß die Trecker auch auf die Straße kämen. Bei 200 und mehr im zivilen Ungehorsam blockierenden Treckern und mit Tausenden an den Treckern hängenden Demonstranten würden die nächsten Castoren nur mit massiver staatlicher Gewalt, oder gar nicht durchzubringen sein." Daß ich hier zitiert werde, verstehe ich so, die Bez.Reg. sagt; Vorrang vor allen anderen Rechten hat das Recht der Atombetreiber auf Einlagerung der Castoren in Gorleben. Das Recht der Wendländer auf Leben und Gesundheit und körperliche Unversehrtheit ist dagegen zweitrangig.. Die logische Folgen daraus ist dann, daß ziviler Ungehorsam unzulässig ist nicht geduldet werden darf, bzw. verhindert werden muß. Der bäuerlichen Widerstand mit den Treckerblockaden ist ein Kernstück des zivilen Ungehorsams im Wendland. Um die Castortransporte durchführen zu können, muß also vor allem der Bauernwiderstand gebrochen werden. Vor dem Hintergrund des bisher geschilderten wird natürlich klar warum schon bei X 2 zahlreiche Trecker weit ab von der Castorstraße von der Polizei zerstört wurden und Bauern mißhandelt und festgenommen wurden. Warum bei X 3, als der Castortransport schon unterwegs war, und die in der Blockade in Splietau ineinander verkeilten Trecker eigentlich keine Chancen mehr hatten auf die Castorstrecke zu kommen, von "Ihrer" Polizei, eine bewußt auf Zerstörung und Anrichten von großen Schaden ausgerichtete"Rambo-Aktion" durchgeführt wurde, ist nicht zu verstehen. An verschiedenen Treckern wurden schließlich drei oder sogar alle Reifen zerstört und zwar so, daß sie nicht mehr repariert werden können. Gesamtschaden um 80.000,-DM. Die Staatsanwaltschaft hat es jetzt (12.6. 97) abgelehnt, wegen der Reifenstecherei in Splietau zu ermitteln. Sie beruft sich auf lhre Stellungnahme, in der Sie schreiben, man habe beobachte, daß in Splietau Trecker fahrbereit gemacht wurden. Es heißt dann: "Deswegen ist unter Berufung auf §§ 26 fNGefAG angeordnet worden, die Trecker sicherzustellen. Dazu mußten als einzig in Betracht kommende Mittel Reifen zerstochen werden. Ihre Polizisten sind jedoch an den fahrbereiten Treckern vorbeigelaufen und haben gezielt die ineinander verkeilten zerstört. Das ist fiir mich der Beweis das es eine bewußt angelegte Aktion war, um hohen Schaden anzurichten und uns Bauern einzuschüchtern und zu demoralisieren. Darum die konkreten Fragen: Sind wir Wendlandbauern ietzt die Juden des Atomstaates, deren Eigentum man ungestraft zerstören kann ? Vollstreckt "Ihre" Polizei heute den Atomstaat. so wie die SA damals die Nazidiktatur? Hoffnungsvoll macht mich das Wiedererstarken der Antiatombewegung, sicherlich Dank des Widerstandes der Bürger und Bauern im Wendland. Mit Freude registriere ich die Bereitschaft von immer mehr Menschen, gewaltfrei zu demonstrieren, sich vor die Castoren zu setzen, um für ihr Lebensrecht und das ihrer Kinder zu demonstneren und zu blockieren. Sorgen macht mir das Verhalten der Polizei, oder besser gesagt einiger Polizeieinheiten und/oder einzelner Polizisten, die sich so verhalten wie Besatzer, die auf Wehrlose einprügeln wie in Kähmen. Große Sorgen macht mir, daß die Polizei immer gewalttätiger wird, weil es ihr nicht gelingt, die Transporte gewaltfrei durchzubringen. Ganz große Sorgen bereitet mir die Tatsache, daß immer mehr junge Menschen immer gewaltbereiter werden, weil sie in unsenn Staat nicht mehr den Rechtsstaat, sondern nur noch den gewinnmaximierenden Atomstaat sehen. Ich meine, ich bin ein aufrechter, wehrhafter Demokrat ! In einer funktionierenden Demokratie muß das Recht auf Leben und Gesundheit das höchste Rechtsgut sein ! Für dieses Recht auf Leben und Gesundheit habe ich in Jameln demonstriert und blockiert. Ich habe also ein Grundrecht wahrgenommen. Darum betrachte ich den anstehenden Prozeß gegen mich als einen politischen Prozeß. Auch in Splietau habe ich mit meinem Trecker bewußt in Ausübung des zivilen Ungehorsams blockiert. Ich fordere Sie auf, mich wegen der Treckerblockade in Splietau anzuzeigen. Ich bin bereit, einen politischen Prozeß bis zum Bundesverfassungsgericht zu führen, um abzuklären, ob das Grundgesetz noch gilt mit dem Grundrecht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit ! ! ! ! Mit atomfeindlichen Grüßen Aldolf Lambke
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