20 Jahre Widerstand - Adi Lambke, Landwirt, zieht ein Resümee

Weitere Seiten im Zusammenhang mit der Treckerblockade

"Gorleben" Das Wendland wehrt sich !

Es gab in Lüchow-Dannenberg schon eine Bürgeriniative, gegen ein schon früher geplantes KKW Langendorf. Der Widerstand im Wendland geht also aus den gleichen Wurzeln hervor wie der, gegen das geplante KKW Wyhl, gegen Brockdorf und gegen andere Atomprojekte wie den "schnellen Brüter" in Kalkar u.s.w.

Als nun Gorleben am 22. 7. 1977 als Standort für ein NEZ, ein Nukleares Entsorgungs-Zentrum benannt wurde, fingen hier immer mehr Menschen an, sich sachkundig zu machen und mit den geplanten Anlagen auseinanderzusetzen. Es wurden viele detaillierte Fragen gestellt, die gegebenen Antworten waren, fast immer, nichtssagend, beschwichtigend, eigentlich verdummend. Man verlangte blindes| Vertrauen wo wir mißtrauisch waren. Das führte dazu, daß die besorgte Bevölkerung den Beteuerungen und Beschwichtigungen der Politiker, Betreiber und Experten immer weniger vertraute, sich selbst kundig machte und anfing, sich gegen die geplanten Mammut-Projekte zu wehren. Das klassische, immer wiederholte Antwortmuster der "Regierenden" war und ist immer noch, diesen Widerstand nicht ernst zu nehmen, sich von eigenen Gutachtern die Richtigkeit der eigenen Thesen bestätigen zu lassen, Demonstrationen und Proteste "zugereisten Chaoten" zuzuschreiben und durch massive Polizeipräsenz Aktionen sogar zu provozieren, anstatt sie durch Vertrauensbildung zu verhindern.

Widerstandsgruppen im Wendland !

Der Widerstand im Wendland ist, je länger es dauert, immer mehr in die Breite gewachsen. Neben der BI gibt es mittlerweile eine ganze Reihe weiterer Widerstandsgruppen. Wir Bauern haben schon in den ersten Gorlebenzeiten die Bäuerliche Notgemeinschaft gegründet, weil Landvolk und Bauernverband nicht konsequent genug aufgetreten sind und die geplanten Anlagen hinterfragt haben. In der Ini 60 haben sich die "Älteren" organisiert. Sie sind bei allen Demonstrationen dabei. Sie versuchen in brenzlichen Situationen wie beim Castortransport beruhigend zu wirken. In ihrem "Unruhestand" organisieren sie vieles, wie Gorleben Mahnwachen, Mahnwachen für den Frieden usw.

Die Gorlebenfrauen sind sehr aktiv. Sie machen Reisen z.B. nach Bonn und suchen die "Regierenden" heim. Sie reisen nach Philipsburg, machen dabei Station auf vielen Bahnhöfen wm andere Reisende auf die "Gorlebenprobleme" aufmerksam zu machen.

Es gibt acht Castorgruppen, dies sind zum Teil ehemalige BI Ortsgruppen, die jedoch mittlerweile eigenständig ihren Widerstand organisieren.

IDAS nennt sich eine, noch junge, Motorradgruppe, nach demn Sohn des Poseidon der Castor im Kampf erschlug.

Die Lüchower Schülergruppe "Zucker im Tank" hat sich vor 2 Jahren eigentlich als Umweltgruppe mit vielfältigen Anliegen gegründet. Zur Zeit gellen die meisten Aktivitäten jedoch gegen Gorleben. Vor der Castoreinlagerung hat die Gruppe mehrmals Straßenblockaden in Lüchow organisiert. Von der Gruppe stammt die Anzeige "Wenn Ihr unser Leben nicht achtet, achten wir Eure Gesetze nicht".

Im Schülerring treffen sich einmal wöchentlich Vertreter von verschiedenen Schulen. Sie besprechen "notwendiges" und geben das Besprochene dann in ihrer Schule weiter.

Vom Jugendumweltbüro werden -manchmal- Jugendaktionen koordiniert. Zu dem Büro gehört noch die Gruppe DJN Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung.

Die Rechtshilfe Gorleben organisiert die Klagen gegen die verschiedenen Anlagen und versucht das nötige Geld zum Bezahlen der Rechtsanwälte und der nötigen Gutachter zu besorgen.

Die Ärzte im Landkreis sind in der IPPNW (International Physicians for the Pervention of Nuklear WAR) organisiert. Sie haben schon viele Informationsveranstaltungen zu Strahlengefahren organisiert. In einer Anzeige haben Dannenberger Ärzte die Aussage gemacht, beim nächsten Castortransport bleiben unsere Praxen geschlossen, wir sind dann beim blockieren dabei. Nur zwei Ärzte haben nicht unterschrieben, bei dem einen weiß ich genau, daß er kein Kernkraftbefürworter ist.

Der Ermittlungsausschuß registriert und sammelt vorgekommene Polizeiübergriffe, besorgt Rechtsanwälte wenn Demonstranten kriminalisiert werden.

Die Gruppe das "Gorlebener Gebet" organisiert regelmäßig Gottesdienste an den "Gorlebener Kreuzen" die von immer anderen Pastoren und/oder Menschen gehalten werden.

Die Kirchenkreisvorstände mit den Pastoren der beiden Kirchenkreise Lüchow und Dannenberg haben in Resolutionen die "Herrschenden" aufgefordert keine weiteren Castorbehälter nach Gorleben zu bringen. Bei den Demonstrationen und der ersten Castoreinlagerung haben die Pastoren versucht deeskalierend zu wirken.

Der VTG, ein alternativer Verkehrsclub, steht voll zum Widerstand, genau wie eine Reihe weiterer Vereine und Gruppierungen.

Von den Parteien stehen Bündnis90/Die Grünen voll hinter dem Widerstand, SPD und FDP wohl auch nahezu geschlossen, die UWG die Unabhängige Wähler-Gemeinschaft) haben Gorlebengegner gegründet.

Die drei vorstehend genannten Parteien und die UWG haben überall im Landkreis "bunte Koalitionen" gebildet und die "Regierung" im Landkreis und in den Samtgemeinden nach der letzten Kommunalwahl übernommen.

Nur die CDU steht geschlossen zu den Gorlebenanlagen und Gorlebenanlagenplanungen. Zu gestellten Sicherheitsfragen schweigt sie beharrlich. Sie versucht jedoch immer wieder dem Widerstand "Gewalt" vorzuwerfen und Fehlverhalten einzelner dem gesamten Widerstand anzulasten.

Standortbenennung "Gorleben" !

Mitte der siebziger Jahre beschloß die Bundesregierung den Bau eines ( NEZ ), eines Nuklearen Entsorgungs Zentrums. Dieses Zentrum sollte in Niedersachsen über einen der vielen Salzstöcke gebaut werden, und zwar über einen zur Atommül]endlagerung geeigneten Salzstock. Die Bundesregierung schlug dem Niedersächsischem Ministerpräsidenten Albrecht drei Salzstöcke vor, Gorleben gehörte nicht zur ersten Wahl. Am 22.2.1977 benennt MP Albrechtjedoch Gorleben als NEZ-Standort. Insider meinen, den Gorlebenvorschlag habe der MP nur gemacht, weil er fest damit gerechnet habe, daß wegen der Grenznähe sowohl die Bundesregierung als auch die DDR Regierung protestieren würden. Den schwarzen Peter der Standortbenennung hätte dann die Bundesregierung gehabt. Es gab jedoch keine Proteste und somit blieb es bei Gorleben. Seit damals stehen wir im Wendland; im Abwehrkampf gegen die verschiedenen Anlagenplanungen. Wir erreichten mit unserem Widerstand zwar, daß MP Albrecht auf die ursprünglich geplante riesige Wideraufarbeitungsanlage verzichtete, einige Jahre später hatten unsere hiesigen CDU Politiker jedoch einen neuen möglichen WAA Standort Dragahn herbeigeredet. Mit unserem Widerstand erreichten wir wiederum das Dragahn nicht benannt wurde.

"Gorleben" heute !

Statt der WAA wird jetzt in Gorleben eine Pilotkonditionierungsanlage gebaut. Nach wie vor wird versucht den Salzstock "endlagergeeignet" zu machen. Das Lager für schwachaktiven Atommüll ist schon über halb gehüllt. Jetzt wird versucht den Widerstand gegen das Castorlager zu brechen. Der erste Castor ist trotz Trecker und Menschenblockaden, mit großem Polizeiaufwand nach Gorleben durchgeprügelt worden.

Das hat jedoch keineswegs zur Resignation geführt. Das Gegenteil ist der Fall, die Wut ist größer geworden und die Entschlossenheit weitere Castor-Transporte und Einlagerungen zu verhindern auch.

Zur Großdemo nach Hannover fuhren ca 250 Trecker aus dem Wendland. Es ist also sehr deutlich geworden, daß der bäuerliche Widerstand, die Bäuerliche Notgemeinschaft, eine der tragenden Säulen des Widerstands im Wendland ist. Aber auch der übrige Widerstand ist immer breiter geworden und die Widerstandsformen werden immer phantasievoller. Da gibt es z.B. die Aktion "Ausrangiert". Viele Menschen haben namentlich unterschrieben, daß sie bereit sind etwas "kriminelles" zu tun, nämlich das Schienenstück zwischen dem Bahnhof Dannenberg und dem Castorumladekran zu demontieren, also auszurangieren. Bei der ersten Demonstration gelang es tatsächlich unter den Augen der Polizei einige Schrauben zu lösen, etwas Schotter unter den Schienen zu entfernen und dafüir Blumen und Bäumchen zu pflanzen. Daß die Polizei das zugelassen hatte, führte zu großer Aufregung und Irritationen bei gewissen Leuten. Zu den nächsten Demos wurden dann, "die Polizisten mit der nötigen Härte" eingesetzt. Der Widerstand versuchte dann das "Hase und Igel-Spiel" mit der Polizei. Es wurde zur Schienendemontage aufgerufen. Die Polizei (Hasen) mußte dann raten, ob der Widerstand (Igel) schon da ist oder überhaupt nicht kommt.

Bäuerliche Notgemeinschaft !

In den ersten "Gorlebenzeiten" 1977/79 haben wir Bauern versucht, in einen Gorlebenausschuß im Landvolk für bäuerliche Belange zu kämpfen. Dort wurde zwar viel geredet, der Kreisvorsitzende sorgte jedoch dafür, daß nur wenig nach außen drang. Um unsere Sorgen und Ängste artikulieren zu können haben wir dann die bäuerliche Notgemeinschaft gegründet. Immer wenn es notwendig war, wurden die Bauern von der Notgemeinschaft organisiert und mobilisiert. Ein Beispiel, als endgültig feststand, der Castor rollt, gab es abends noch mal eine Notgemeinschaßsversammlung mit weit über 100 Menschen. Daß wir Bauern mit unsern Treckern etwas unternehmen wollen war klar. Da wir nicht alle Anwesenden kannten, bestand die Gefahr das Spitzel geplante Aktionen verraten könnten. Fünf Bauern aus den verschiedenen Regionen des Landkreises haben sich dann zurückgezogen und beraten. Wer bereit war an der Aktion teilzunehmen, konnte dann bei dem Bauern aus seinem Gebiet nachfragen was geplant ist. Wir erfuhren dann, morgen früh 7Uhr blockieren wir bei Splietau. Anzumerken ist dazu noch, der Landkreis hatte entlang der Castortransportstrecke ein weiträumiges Betretungsverbot ausgesprochen. Die Wahrscheinlichkeit daß man uns mit unseren Treckern vorher abfangen wurde, wir also nicht bis an die Castorstrecke kommen wurden, war groß. Wir Bauern auss dem Raum Jameln beschlossen dann, Treffen 24Uhr in Jameln. Wir fahren dann nach Splietau, wo wir unsere Trecker in einer Kartoffelscheune unterstellen (verstecken). In stockdunkler Nacht haben wir uns dann auf Feldwegen hingeschlichen. Der erste Trecker ist zur Orientierung der anderen mit Standlicht gefahren und hat nur an total unübersichtlichen Stellen und Kurven kurz Abblendlicht eingeschaltet. Die anderen sind völlig ohne Licht gefahren und haben sich nur an der Silhouette des vorherfahrenden orientiert. Darum haben wir auch ein paar Trecker unterwegs verloren, die kamen jedoch eine Stunde später auch an. Uber Funktelefon haben wir nebenbei erfahren wie weit der Castor bereits ist. Wie Ratten aus den Löchern kamen dann Punkt sieben Uhr, im Morgengrauen die Trecker aus den Scheunen und sonstigen Verstecken, sind mit Karacho quer über die Felder gefahren und haben vor den Augen der völlig überraschten Polizei, die Castorstraße blockiert. Beim "Abräumen" der rund 35 Trecker durch die Polizei gab es dann zerstörte Diesel-und Ölleitungen. Aus fast allen Treckern, wurde die Luft rausgelassen, was auch zu Ventil-und anderen Schäden fiihrte. Ich habe meine Trecker jetzt "forstsicher" gemacht, also die Ventile so gesichert, daß sie beim Fahren im Wald nicht abreißen können. Der Nebeneffekt ist, daß "Unbefugte" nicht die Luft aus den Reifen lassen können.

Hannover - Trecks !

Am 31.März 1979 fand in Hannover eine Großdemo statt mit zwischen 50 000 und 150 000 Demonstranten. Dabei waren damals auch rund 250 Trecker, davon etwa 140 aus Lüchow-Dannenberg. Der mittlerweile legendäre Treckertreck nach Hanover begann bereits eine Woche vorher. Ein Findling aus dem Wendland, mit der Inschrift "Gorleben ist überall-Treck 1979", wurde als "Stolperstein" in Hannover auf dem Raschplatz abgeladen. Ministerpräsident Albrecht hat dann nach dem Treck erklärt, eine "WAA Gorleben" ist nicht durchsetzbar, daran konnten sich viele noch gut erinnern. Als jetzt wieder zu einer Großdemo am 13.Mai 95 in Hannover aufgerufen wurde, beschlossen wir Bauern spontan, wir fahren wieder mit unseren Treckern nach Hannover um zu beweisen der Bäuerliche Widerstand ist ungebrochen, ein Castorlager mit 420 Castoren ist nicht durchsetzbar.. Wir sind dann bereits am zwölften mittags in Lüchow losgefahren mit über 100 Treckern wobei viele kleine langsame Trecker auf Tiefladern mitgenommen wurden. Auf einem Biohof in der Nähe von Hannover haben wir dann übernachtet.

Nachgekommen sind nochmal fast l 50 Trecker. Von den rund 300 Demotreckern waren also knapp 250 aus dem Wendland. Das waren eigentlich viel im Verhältnis zu den 10 000 bis 15 000 Demonstranten. Es zeigt die Kraft und die Ungebrochenheit des Bäuerliche Widerstands im Wendland, aber auch das er gegenüber 1979 noch entschlossener geworden ist.

Zum Pfingsmontag hatte die Bäuerliche Notgemeinschaft dann wieder zur Treckerdemo aufgerufen. Der Aufruf sollte eigentlich lauten, wir wollen mit 100 Trecker auf die Schienen, diesen Text verweigerte die Elbe-Jeetzel-Zeitung (EJZ) jedoch, weil er nach ihrer Meinung ein Aufruf zur Gewalt war. Zu der Demo kamen wirklich über 100 große Trecker, diese hatten jedoch auch viele kleine Spielzeugtrecker mitgebracht. Mit denen wollten wir nämlich auf die Schienen, nicht mit den Großen, was dann auch gelang. Die Bauern hatten also, wieder mal, die Polizei "auf den Arm genommen". Wahrscheinlich haben "gewisse Kreise" erkannt daß der bäuerliche Widerstand gebrochen werden muß, wenn man weitere Castoreinlagerungen durchsetzen will.

"Politische Justiz" gegen Bäuerlichen Widerstand !

Im Oktober, rund 5 Monate nach der Pfingshnontagsdemonstration, hat unser Amtsgericht zwei Bauern den Führerschein abgenommen, weil sie angeblich Polizisten mit ihren Treckern bedroht haben. Der eine, Biobauer und Bürgermeister hat noch nicht einmal einen Gerichtstermin. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft und des Amtsrichters sind die beiden "charakterlich ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen". Man wirft ihnen vor, mit ihren Treckern Polizisten bedroht zu haben, man argumentiert, sie hätten die Trecker als Waffe benutzt. Insider wissen jedoch, daß die angebliche Bedrohung nur aus einer leichten Rangelei mit den Polizisten bestand. Es wird also wieder einmal versucht durch "Politische Justiz" Bauern zu kriminalisieren um den bäuerlichen Widerstand zu brechen.

Kriminalisierung des Widerstands !

Daß versucht wird, bäuerlichen Widerstand durch Anzeigen und Anklagen zu brechen ist für uns nicht neu. Als 1980 gegen den Willen des Grafen Bernstorff das Oberbergamt Probebohrung in seinem Wald anordnete haben wir Bauern, aus Protest, um die Bohrstelle Gülle gefahren. Ein Polizist hat dabei, angeblich, ein paar Tropfen Gülle auf den Parka abbekommen, das wurde als Körperverletzung ausgelegt. Um die Bohrstelle war ein Trassierband gespa|5mt. Auch auf das Trassierband waren angeblich einige Spritzer Gülle gekommen, das wurde als Sachbeschädigung ausgelegt. Ich wurde damals herausgegriffen und angeklagt. Ein Polizeioffizier hat unter Eid ausgesagt, er habe genau gesehen daß ich der "Täter" war. Zufällig war bei dem Prozeß ein Redakteur der EJZ, unserer Heimatzeitung, anwesend, der auch bei der Gülleaktion dabei war. Der sagte ebenfalls unter Eid aus, er habe genau gesehen, daß ich nicht derjenige war, der den Polizisten mit Gülle bespritzt hat. Ohne diesen Zeugen wäre ich sicherlich verurteilt worden. Da mein damaliger Verteidiger, unser jetziger Ministerpräsident Gerhard Schröder, nichts zur Meineidfeststellung unternommen hat, habe ich nach einiger Zeit an die Staatsanwaltschaft geschrieben und argumentiert, es wären doch zwei gegensätzliche Eide geschworen, einer müßte dann doch wohl ein Meineid gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft antwortete, man habe festgestellt, daß nicht mehr festzustellen sei, wer einen Meineid geschworen habe. Dabei bin weder ich noch der Journalist zu der Frage wieder verhört oder befragt worden.

Auch vor kurzem hat es wieder vor dem Amtsgericht Dannenberg einen derartigen Fall gegeben. Da durch Videofilm belegt war, daß Polizisten einen Meineid geschworen haben, hat der Verteidiger gleich eine Anzeige gemacht. Man darf gespannt sein ob es einen Prozeß und eine Verurteilung gibt. Mein Glaube an unseren Rechtsstaat hat jedenfalls erheblich gelitten, seit ich weiß, das Polizisten einfach einen Meineid schwören, weil sie meinen, sich darauf verlassen zu können das er von der Staatsanwaltschaft nicht verfolgt wird.

Vom Rechtsstaat zum Atomstaat ?

Daß es eine Kumpanei zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft gibt, weiß ich seit damals. Zu fragen ist wohl,gibt es jetzt auch eine rechtsbeugende Kumpanei zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht ? Die Wellen der Empörung schlugen im Wendland besonders hoch, auch weil zeitgleich das Urteil in der Beruffingsinstanz verkündet wurde, gegen einen jungen Mann, der alkoholisiert und ohne Führerschein einen Unfall baute bei dem 5 Kinder/Jugendliche zu Tode kamen. Er bekam 1 Jahr und 8 Monate auf Bewährung. Uber eine Fahrerlaubnissperre nachzudenken, hatte das Gericht, nach Aussage des Richters, vergessen. In einem Leserbrief zum Führerscheinentzug heißt es, "Aus des Bauern unbeugsame Aufrichtigkeit wird Unreife, sein guter Wille wird zum Charaktermangel und sein ungebrochenes Verantwortungsbewußtsein wird zur Gefährdung der Öffentlichkeit."

In einem anderen Leserbrief gegen totalitäre Entwicklungen heißt es "Wer aber den Widerstand gegen noch so bedrohliche Entwicklungen brechen will und dabei nach Dreinschlagen und Exempelstatuieren ruft, denkt faschistoid, da mag er sich drehen und winden wie er will. Davon sollten wir durch unsere leidvolle Geschichte ein für allemal genug haben. Nicht persönlicher Mut und Widerstandswille hat uns ins Unglück gefiihrt, sondern Untertanengeist unter eine mißbrauchte Staatsgewalt." Zu diesen Aussagen kann ich nur aus vollem Herzen ja sagen. Ich bin 1930 geboren und habe den Nationalsozialismus zumindest von 1939 bis 1945 noch bewußt erlebt. Als 10 bis 14 jähriger gehörte ich, Dank der NS-Propaganda, zu den "führergläubigen Hitlerjungen". Habe mich nach 1945 dann, sehr bewußt, mit der Unrechtsdiktatur des "Dritten Reich's" auseinandergesetzt. Da ich ja an der Grenze zu Ostdeutschland lebte, habe ich auch sehr kritisch das neue Unrechtssystem der DDR beobachtet. Ich habe begriffen, wie wichtig eine funktionierende Demokratie ist. Gerade weil ich mich, mit dem Weg in die Nazidiktatur auseinandergesetzt habe, sehe ich auch die erschreckenden Parallelen des Weges in eine Atomdiktatur. Anfang der dreißiger Jahre hat die Masse der Bevölkerung gleichgültig und schweigend der langsamen Demontage der Demokratie zugesehen, ohne sich dagegen zu wehren. Dietrich Bonhoeffer hat einmal geschrieben, als die Sozialdemokraten abgeholt wurden, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat... . Genau so unbeteiligt und schweigend schauen die Menschen, auch die Christen heute zu, wie eine ganze Region vergewaltigt wird. Das Schweigen unserer Eltern Anfang der dreißiger Jahre hat zu dem unsäglichem Leid und den schlimmen Verbrechen von 1938 bis 1945 geführt.

Endlagergefahren !

Man kann nur hoffen daß das Schweigen der Menschen heute dazu, daß das Wendland zum Atomklo der Republik gemacht wird, keine sch]immen Folgen hat. Besonders schlimm und unverantwortlich ist die "Strahlengefahr" die von einem abgesoffenen Endlager für hunderttausende von Jahren ausgeht. Bei dem desolaten Zustand des Salzstocks ist es nicht auszuschließen daß irgendwann radioaktiv verseuchtes Grundwasser in den Lebensraum der dann Lebenden gelangt. Warscheinlich ist dann das Wissen um das Endlager längst verloren gegangen. Viele Menschen werden dann an dem radioaktiv verseuchten Wasser qualvoll sterben, das wird sicherlich erheblich schlimmer sein als jetzt in und um Tschernobyl

Gefahren der Castortransporte und des Castorlagers !

Denn man weiß ja nicht oder verdrängt:

Es gibt sehr viele Fragen zu den einzelnen Castorbehältern und dem gefüllten Castorlager, aber keine oder nur nichtssagende, ausweichende Antworten auf die vielen gestellten Sicherheitsfragen.

Daß der Castor Krebs bringt befürchten viele, spätestens wenn die Presse zum ersten mal schreibt, der Castor hat Krebs gebracht, werden viele junge Familien, wegen des zu großen Krebsrisiko für Kinder von hier wegziehen Spätestens dann werden die Produkte der Bauern "rufgeschädigt"sein, denn wer will wohl dann noch Lebensmittel aus einer Krebsregion essen wollen ? Wer wird dann wohl noch Urlaub in einer Krebsregion machen wollen ? Der Castor wird also die beiden "größten Schätze" unserer Heirnat, eine noch bäuerliche Landwirtschaft und eine noch intakte Natur und Landschaft zerstören.

Wir Wendländer stehen mit dem Rücken zur Wand, besonders wir Wendlandbauern können weitere Castoreinlagerungen nicht hinnehmen, zuviel steht für uns, für unsere Höfe und unsere Nachkommen auf dem Spiel. Auch wenn es beim nächsten Castortransport wieder Demonstrationsverbote gibt, wir Bauern werden mit unseren Trecker dabei sein und blockieren.

Wenn Ihr unser Leben nicht achtet, achten wir Eure Gesetze nicht ! haben 259 Lüchower Schüler in einer Anzeige formuliert.

Dieser Aussage können wir uns nur anschließen, weil wir wissen, die bisher noch nirgends erprobte Langzeiteinlagerung, eines derartigen Gefahrenpotentials in einer Leichtbauscheune macht das Wendland zum größten atomaren Versuchsgelände der Bundesrepublik und ist unverantwortlich.

Wenn unser Staat etwas unverantwortliches tut, haben wir als Staatsbürger nicht nur das Recht sondern sogar die Pflicht, dagegen Widerstand zu leisten, auch oder gerade im Interesse unserer Nachkommen. Wenn unsere Eltern, "im dritten Reich", so gehandelt hätten, wäre der Welt sicherlich viel Leid erspart geblieben.

Prof. Heinz Haber und der Wendländische Widerstand !

Durch unsere vielen, manchmal sehr penetranten Nachfragen bei den "beamteten Wissenschaftlern" auf Regierungs- und Betreiberseite haben sich viele eine große Sachkenntnis angeeignet und auch erheblich an Se]bstvertrauen gewonnen. Da ist z.B. das erste Salzstock-Hearing im Mai 1981 in Lüchow zu nennen Geleitet und moderiert wurde es von Prof. Heinz Haber dem Herausgeber von "bild der wissenschaft". Als Herr Haber am Anfang versuchte, etwas von oben herab, grundsätzliche Ausführungen zu machen, wurde er unterbrochen und bekam gesagt, er habe es hier nicht mit ABC-Schützen der Atomtechnologie zu tun, wir wären sachkundig, er könne sich seine Belehrungen ersparen Er hat dann sehr nachdenklich und ruhig die Veranstaltung moderiert. Im EDITORIAL der Septemberausgabe schrieb er "....Bei zahlreichen Begegnungen mit jungen Eiferern habe ich die Erfahrungen gemacht daß die jungen Leute von der Sache wenig verstehen.

Da ich auf einzelnen Gebieten der Kerntechnik eine gewisse Sachkunde besitze, fällt es mir schwer, die unbegründeten Argumente der jungen Menschen zu akzeptieren. Ich habe deshalb bisher in dieser Entwicklung eine Perversion der klassischen Idee der Bürgeriniative gesehen. Nun ist es mir ein Bedürfnis zu gestehen, daß ich mein Urteil über Bürgeriniativen glücklicherweise revidieren kann. Mitte Mai fand in Lüchow....eine Gesprächsrunde statt. Die Mitglieder der dortigen Bürgeriniative haben sich mit großer Geduld und großem Interesse die zum Teil langwierigen Erläuterungen angehört. Anschließend haben sie mit großer Sachkunde dagegen Stellung genommen. Nach Beendigung dieser Diskussion habe ich der Vorsitzenden dieser Bürgerinitiative einen Brief geschrieben, worin ich unter anderem sagte: Sie selbst, Frau Marianne Fritzen, und die Herren Adolf Lambke, Karl-Heinz Pfeifer, Roland Merkel und Hans Scharmer haben sich über die technisch-wissenschaftlichen Hintergründe hervorragend orientiert, so daß sie damit zu echten Gesprächspartnern der Wissenschaft geworden sind. Es ist Ihnen gelungen, die Kontroverse Ihres Anliegens von der Straße in den Diskussionssaal zu verlegen..."

Geändert haben solche Streicheleinheiten von Prominenten nichts, die Durchsetzung der Atomanlagen wird weiter zielstrebig betrieben.

Das ideale Endlager !

Von kritischen Wissenschaftlern wußten wir, ein Endlager muß die hunderttausende bis Millionen Jahre strahlenden Atomabfälle sicher von der Biosphäre abschließen. Ein Endlagersalzstock so]lte daher keinen Grundwasserkontakt haben. Um daß sicherzustellen müßte er von einer dicken wasserdurchlässigen isolierenden Tonschicht umgeben sein. Er sollte "in Ruhe" sein, also nicht mehr aufsteigen. In Salzstocknähe sollte es möglichst kein Grundwasser geben damit Salzablaugungen auszuschließen sind. Wenn es in Salzstocknähe jedoch Grundwasser gibt, so sollte es seit tausenden von Jahren "in Ruhe" sein, es darf also auf keinen Fall fließen. Es gibt nach Ansicht kritischer Wissenschaftler noch eine Reihe weiterer unabdingbarer Sicherheitskriterien

Salzstock Gorleben !

Die Bohrungen und Untersuchungen hatten ein katastrophales Ergebnis. Der Salzstock liegt nicht, wie man noch vor Untersuchungsbeginn angenommen hatte, seit ein paar hundertmillionen Jahre still und unbeweglich da, das Gegenteil ist der Fall. Er ist in den letzten 800 000 Jahren zweimal aufgestiegen, einmal bis 40 m über NN und das zweitemal bis kurz unter die Erdoberfläche.

Er ist dann immer wieder abgelaugt worden, die Salzablaugungen der letzten 800000 Jahre haben mindestens 4 km3 betragen. Der Salzstock steigt mit großer Wahrscheinlichkeit noch immer auf. Er ist nicht durch intakte Tonschichten hermetisch vom Grundwasser abgeschlossen, das Gegenteil ist der Fall. In einer Eiszeit hat ein Eiskeil die Tonschichten über dem Salzstock ausgeräumt, stellenweise einschließlich des Gipshuts. Die wasserführenden Sande liegen also direkt auf dem Salzstock. Sie sind Teil eines wasserführenden Systems von 40 km2. Das heißt, auch zukünftige Ablaugungen sind zumindest nicht auszuschließen.

Prof. Duphorn !

Viele Untersuchungen zur Endlagererkundung wurden von beamteten Wissenschaftlern der PTB (Physikalisch Technische Bundesanstalt) und anderer, Entsorgungsinstitute durchgeführt. Mit der Quartärgeologischen Untersuchung des Standortes Gorleben war jedoch der Universitätsprofessor Duphorn aus Kiel beauftragt. Er hat auf Grund seiner Untersuchung ein

"Quartärgeologisches Fazit"

gezogen. Er schreibt: "Wir können nicht für einen Endlager-Salzstock plädieren, der" und listet dann 10 Punkte auf, warum er am Ende empfiehlt:

Erkundung anderer Lagerstätten !"

Eine derartig klare wertende Beurteilung des Salzstocks hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Wir hatten zwar immer wieder gefragt, nach vergleichenden Untersuchungen mehrerer Salzstöcke, nach Eignungs- oder Ausschlußkriterien, ohne je eine vernünftige Antwort bekommen zu haben. Die stereotypen Antworten waren, vergleichende Untersuchungen sind zur Zeit nicht nötig, und wenn alle Untersuchungen einschließlich Schachtabteufen durchgeführt sind, wird in einer Gesamtsicherheitsanalyse festgestellt, ob der Salzstock geeignet oder nicht geeignet ist. Diese Arroganz hat mich sehr geärgert. Ich habe nämlich festgestellt, "Beamtete Wissenschaftler" sind eine besondere Sorte Menschen. Da sie ja Staatsdiener in der Endlagerforschung sind, meinen sie anscheinend, sie dienen dem Staat am besten, wenn sie dafür sorgen daß es bald ein Endlager gibt. Da nur Gorleben untersucht wird betrachten sie es als ihre Aufgabe zu beweisen, daß der Salzstock Gorleben ein prima Endlager ergibt.

Wissenschaftliche Verantwortung !

Es ergibt sich dabei allerdings ein Problem, daß ist das sogenannte wissenschaftliche Gewissen das ja angeblich alle gewissenhaften Wissenschaftler haben. Damit diese Herren nicht anfangen, vernetzt zu denken und dabei eventuell ein schlechtes Gewissen kriegen, ist es notwendig, daß sie nur ein streng begrenztes Gebiet erforschen, also Scheuklappen angelegt bekommen, die es ihnen nicht erlauben seitwärts zu blicken. Das, was sie erforschen, haben sie aufzulisten, jedoch keinesfalls vergleichend zu werten. Daß meine These von den "Beamteten Scheuklappenwissenschaftlern" stimmt kann ich beweisen.

Prof. Duphorn war bisher allseits als seriöser unabhängiger Wissenschaftler anerkannt, jetzt wurde er jedoch von den "Beamteten Endlagerforschern" heftig angefeindet.

Ich habe daraufhin einen Brief an Prof Duphorn geschrieben Ich führte aus: "Auf der Info-Veranstaltung im Mai 1981 habe ich Sie kennengelernt als einen Mann der klar und deutlich sagt was er denkt, ganz im Gegensatz zu anderen Wissenschaftlern. Ich bin zwar der Ansicht, daß wir Jetztzeitmenschen nicht das Recht haben, Rohstofflager, daß sind Salzstöcke doch wohl, für unsere Nachkommen durch Einlagerung hochgiftiger radioaktiver Abfälle unbrauchbar und gefährlich zu machen. Ich akzeptiere jedoch auch Ihre Meinung, daß Salz das sicherste Endlagermedium für hochaktive Abfälle ist. Nicht akzeptieren kann ich allerdings, daß auch hier noch Abstriche in Sicherheitsfragen gemacht werden sollen. Wenn Salz wirklich Endlagermedium werden soll, dann darf es nur der sicherste Salzstock sein. Wenn alle Salzstöcke derartige Mängel wie der Gorlebener aufweisen, muß Salz als Endlagermedium ausscheiden." Ich habe weiterhin geschrieben "In vielen Diskussionen habe ich gelernt, daß Wissenschaftler anscheinend eine hohe Meinung von sich und ihrer wissenschaftlichen Verantwortung haben. Wissenschaftler handeln eigenverantwortlich nach ihrem wissenschaftlichen Gewissen, so wurde mir gesagt. Aufgefallen ist mir, daß gerade die Wissenschaftler mit der hohen Meinung von ihrem wissenschaftlichen Gewissen nicht zur Ubernahme von wissenschaftlicher Verantwortung bereit sind. Ein derartiger Wissenschaftler würde nie schreiben(wie es Prof Duphorn getan hat), wir können nicht für einen Endlagersalzstock plädieren, der in den letzten 800 000 Jahren einmal ganz und ein anders Mal fast ganz bis zur Erdoberfläche durchgebrochen ist. Dieser Wissenschaftler hätte wahrscheinlich formuliert, wir haben Fakten und Indizien gefunden, die mit an Gewißheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Aussage zulassen, daß der Salzstock in den letzten 800 000 Jahren zweimal aufgestiegen ist, einmal über die heutige Erdoberfläche hinaus und das zweitemal bis kurz darunter. Bei der noch zu erstellenden Gesamtanalvse wird sicherlich zu prüfen sein, ob dieser Befund für die Sicherheit eines Endlauers relevant ist. Damit wäre er dann die Verantwortung für das, was er erforscht hätte, los. Ein Wissenschaftler so wie ihn mir vorstelle ( und wie es Prof. Duphorn getan hat ), muß das was er erforscht auch werten und die Konsequenzen ziehen. Er muß vernetzt denken dürfen und können auch über sein eng begrenztes Spezialgebiet hinaus. Er muß auch das nötige Rückgrat haben und dafür gerade stehen, was er erforscht und gesagt hat". Ich habe dann auch noch formuliert "Das Kesseltreiben gegen Sie hat begonnen, denn Sie haben es gewagt, so zu handeln, wie ich mir einen eigenverantwortlichen Wissenschaftler vorstelle. Man wird versuchen, Sie fertig zu machen und zum Umfallen zu bringen."

Es kann nicht sein, was nicht sein soll !

Prof Duphorn ist nicht umgefallen, aber erheblich angefeindet worden von den "Gorlebengesundbetern". Den Beweis, das meine Einschätzung von "verbeamteten Wissenschaftlern" richtig ist, hielt ich schon einige Tage später in Händen.

Dem Protokoll der Gorlebenkommissionssitzung 20 8 l 982 war eine Stellungnahme die PTB (Physikalisch Technische Bundesanstalt) angeheftet. Man argumentierte, Schutzziel sei, zu verhindern "daß Radionuklide in einer für Organismen schädlichen Konzentration zurück in die Biosphäre gelangen Die Erreichung dieses Schatzziels wird durch Barrieren (Deckgebirge ,Salzstock Ingenieurbarrieren) sichergestellt. Im Rahmen von Störfalluntersuchungen wird unterstellt, daß einzelne Barrieren ganz oder teilweise versagen. Trotzdem muß das Schutzziel erreicht werden". Die PTB argumentiert dann mit der Duphornschen These 9: "Wir können nicht für einen Salzstock plädieren, dessen geomechanische Stabilität und dessen hydraulische Impermeabilität bis hinab zur geplanten Endlager-Teufe durch die salinare Viererbande von Gorleben (quartärer Diapirismus, Subrosion, Scheitelgraben, Salzstock Uberhang) in Frage gestellt werden kann, weil seine Kinematik mehr von Divergenzen als von Konvergenzen geprägt wird" Ausgerechnet diese von Fremdwörtern wimmelnde These hat sich die PTB herausgesucht Auf Deutsch übersetzt sagt Prof Duphorn, er könne nicht für einen Endlager-Salzstock plädieren, der nicht stabil ist, der nicht vom Grundwasser isoliert ist, bei dem daher nicht auszuschließen ist, daß Wässer bis in Endlagertiefe gelangen können. Salzaufstieg, Salzablaugungen, dadurch Einbruch der darüber liegenden Erdschichten, (der Arendsee ist so ein Einbruch über einen Salzstock ) und der Salzstocküberhang betrachtet Prof. Duphorn als eine salinare Viererbande die eine Endlagereignung ausschließen, vor allem auch weil der Salzstock noch immer auseinanderfließt.

Negative Untersuchungsergebnisse gibt es nicht !

Das Fazit der PTB zu der These lautet: "Selbst wenn unterstellt wird, daß die geologischen Aussagen des Abschlußberichts (der Thesen) richtig sind, muß der Salzstock nicht ungeeignet sein.

Es ist bedauerlich, daß die Thesen gegen den Willen des Verfassers veröffentlicht wurden, so daß sie heute als absolute Aussagen diskutiert werden. Sie waren als Diskussion für ein Treffen von Fachleuten in kleinem Kreis gedacht. Aus These und Antithese hätte sich die Synthese notwendigerweise entwickelt.

Sie könnte so aussehen: Die Deckgebirgsverhältnisse am Standort Gorleben sind nicht ideal. Die quantitative Betrachtung des geowissenschaftlich begründeten Wasserpfadszenariums der PTB wird zeigen, ob die Verhältnisse ausreichend sind."

Im Klartext heißt daß, man sieht keine Gründe mit der Erkundung des Salzstocks Gorleben aufzuhören und sich einen anderen, "Besseren" zu suchen. Irgendwann wird es dann wahrscheinlich heißen, der Salzstock ist zwar nicht ideal (da man keine anderen untersucht hat, weis man ja auch nicht, ob es einen idealen gibt), bei Optimierung der technischen Barrieren ist ein Endlager jedoch verantwortbar. Oder es heißt, die Gefahr daß in ein Endlager Wasser eindringen wird, ist zwar groß, die Berechnungen des Wasserpfadszenarios haben jedoch ergeben, das Wasser fließt so langsam daß die Radioaktivität wahrscheinlich zum größten Teil abgeklungen ist wenn sie die Biosphäre erreicht.

Der Salzstock wird also mit großer Wahrscheinlichkeit gesundgerechnet werden. Das ist, nach meiner Meinung, unverantwortliches Handeln gegenüber den nach uns lebenden. Schließlich geht von den in ein Endlager gepackten Radionukliden Lebensgefahr durch Strahlenverseuchung für unendlich lange Zeiträume aus. Ich denke wir haben nicht das Recht, etwas zu tun, durch daß nach uns lebende gefährdet werden. Durch derartige moralischen Bedenken lassen sich Politiker und Endlagerwissenschaftler jedoch nicht stören. Die offizielle Aussage ist immer wieder, es gibt keinen Beweis für die Nichteignung des Salzstocks.

Rechtlich einwandfrei wäre es gewesen, wenn nach der oberirdischen Salzstockerkundung ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren für ein Endlager beantragt und durchgeführt worden wäre. Um das zu umgehen, baut man ein Bergwerk zur Erkundung des Salzstocks Gorleben und hofft anscheinend daß irgendwann soviel Geld verbaut ist daß der Salzstock "endlagergeeignet" sein muß. Bis dahin dient das Bergwerk zur Erkundung des Salzstocks, als Entsorgungsnachweis für viele Atomkraftwerke.

Ich denke, es gibt zu viele gleichgültige Menschen, sie kümmern sich nicht

Manche haben zwar ein schlechtes Gewissen, aber das verdrängen sie. Was soll man den auch machen ? Wir haben den Atommüll doch nun mal, und irgendwo muß er ja hin !!!!!!! Also Augen und Ohren zu, das Wendland ist ja, (für die meisten,) weit weg, es wird schon gut gehen.

Wie kann Frau/Mann den Widerstand im Wendland unterstützen !

Die Einlagerung des ersten Castorbehälters in Gorleben war die bisher teuerste Aktion zur Durchsetzung von Atomanlagen in der BRD. Das Ziel des Wendländischen Widerstands ist, den Widerstand so stark zu machen, daß die Transporte unbezahlbar werden. Das geht nur, wenn sich zu den nächsten Castortransporten viele Menschen aufmachen ins Wendland, um gemeinsam mit uns Wendländern gewaltfrei zu blockieren. Wenn der Staat 20 000 oder 30 000 und mehr Demonstranten abräumen lassen muß, wird die Castoreinlagerung und die ganze Atomindustrie irgendwann unbezahlbar werden.

Nur durch das "Wehren" vieler ist der Weg in den totalen Atomstaat zu stoppen !

Adi Lambke, Jameln

Adi Lambke ist Landwirt in Jameln, und bereits seit Jahren im wendischen Widerstand aktiv. Bundesweit bekannt wurde der körperbehinderte Treckerfahrer, als er sich in seinem Heimatdorf dem leeren CASTOR-Transportfahrzeug in die Quere stellte, und vor laufenden Fernsehkameras von Polizisten blutig geschlagen und dann, nachdem die Scheiben eingeschlagen worden sind, mit brutaler Gewalt aus seinem Trecker gezogen wurde. (Red. Castor-nix-da).


Bearbeitet am: 12.1.96 (Jobname: LAMBKE)


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