| Niedersachsens vergiftetes
Zugeständnis - Neuere Darstellungen über die Geschichte des Auswahlverfahrens
für ein Nukleares Entsorgungszentrum Gorleben (EJZ vom 17.12.2005
1977
- 22.Februar
Standortverkündung durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht
- 12. März
Großkundgebung in Gorleben, ca. 20.000 Teilnehmer Sommer: internationales Sommercamp in
Gartow. Erntehilfe, Wiederaufforstung der Waldbrandflächen, auf denen die DWK (Deutsche
Gesellschaft zur Wiederauf arbeitung von Kernbrennstoffen) eine WAA errichten will.
Herbst: Der Aufruf "Gorleben soll leben" erscheint
- 1 7.0ktober
OVG Lüneburg verfügt Baustopp für Brokdorf, der Weiterbau des AKW wird an
Entsorgungsnachweise (Gorleben) gebunden.
1978
- Jan.-April:
Landkäufe der DWK. Bespitzelung von Bürgern durch ein Stader Wachkommando
- 10.-17. Juli:
innerhalb von 5 Tagen sammelt die Bl 800.000 DM, um der DWK beim Grundstückskauf
zuvorzukommen, der Eigentümer verkauft schließlich doch an die DWK Sommer: 2.
internationales Sommercamp Oktober: bundesweite Aktionstage "Gorleben soll
leben"
1979
- Januar:
mobile Waldwache im Vorfeld erster Baugrundunter suchungen (Flachbohrungen)
- 14. März:
Beginn der Bohrungen, Blockadeaktionen
- 19. März
Bauern blockieren die Bohrfahrzeuge in ihrem Depot
- 25.-31.März
Treck nach Hannover, dort findet zeitgleich das "internationale
Gorleben-Symposium" statt
- 16.Mai
Ministerpräsident Albrecht lehnt den Bau einer WAA in Gorleben ab, hält an dem Endlager
fest September: massiver Polizeieinsatz zur Einrichtung der ersten Tiefbohrstelle (1003)
für die "Erkundung" des Salzstocks Gorleben-Rambow
1980
- 5.Januar
Beginn der ersten Tiefbohrung Ende Januar: Errichtung des zweiten Tiefbohrplatzes (1002)
Ostern: internationales Frauentreffen in Gorleben, 5000 Teilnehmerinnen
- 3. Mai
Besetzung der Bohrstelle 1004, Errichtung eines Hüttendorfes (»Freie Republik
Wendland")
- 4. Juni
gewaltsame Räumung von 1004, bundesweite Proteste Herbst: Gerüchte, in Gorleben sei ein
Zwischenlager geplant, verdichten sich
1981
- 28.Januar
Anhörung der PTB (Physikalisch-Technische Bundesanstalt) zu den Zwischenlagern (Faßlager
und Brennelement Zwischenlager) in Gorleben
- April
Kanzler Schmidt und Oppositionsführer Kohl besuchen das Wendland und geben den
Kommunalpolitikern Rückendeckung
- 26./27. Mai
Ratsentscheidung der Samtgemeinde Gartow zu den Zwischenlagern zugunsten des Antrags der
DWK, gekoppelt an ein Nein zur WAA
1982
- 27. Januar
Grenzbesetzung auf dem Gebiet der DDR als Protest gegen den Baubeginn des Zwischenlagers
- April
Frauenblockade der Baustelle
- 4.Sept
Tanz auf dem Vulkan, Großkundgebung am Zwischenlager mit 10.000 Teilnehmerinnen,
militante Auseinandersetzungen
- 1 . November
die Bl enthüllt Pläne zum Bau einer WAA in Dragahn
1983
- Januar
Fußmarsch von einer Abordnung verschiedener Widerstands- gruppen nach Hannover, wo die
Arche Wendland errichtet wird. Der Kreistag entscheidet mehrheitlich, daß die WAA gebaut
werden soll
- 29. Januar
Ende des Marsches, erst 10, dann 100, schließlich 1.000 Menschen (vorwiegend aus dem
Wendland) protestieren in Hannover
- 20. Februar
300 Traktoren und 2.500 Lüchow-DannenbergerInnen I - demonstrieren in Dragahn Mai:
Besetzung des Bahnwärterhäuschens bei Dragahn, Störungen und Behinderungen der
Baugrunduntersuchungen
- 6. August
am Hiroshima-Tag demonstrieren ca. 2000 Menschen in Dragahn gegen zivile und militärische
Nutzung der Atomenergie
1984
- März
Erörterungstermin zur Errichtung der WAA in Dragahn
-
- 24. März
Menschenkette von Hitzacker bis Clenze, ca. 12.000 Teilnehmerinnen
- 30. April
Wendlandblockade, für 12 Stunden werden alle wichtigen Zufahrtsstraßen nach Gorleben
gesperrt
- 8. Oktober
Tag X, erster Atommülltransport, danach andauernde Proteste und Barrikaden auf den
Straßen Unter den Fässern sind auch falsch deklarierte und illegal verschobene Fässer
(Trans-Nuclear Skandal)
- Dezember
Gewerbeaufsichtsamt verfügt Einlagerungsstopp wegen der Baumängel
1985
- 4. Februar
DWK entscheidet: die WAA soll nicht in Dragahn, sondern in Wackersdorf gebaut werden
- 16. Februar
Sonderbusse aus Lüchow-Dannenberg fahren zur Großdemo nach Wackersdorf
- 23. Februar
Aktionstag im Wendland, Enthüllung eines Mahnsteins August: das
Brennelement-Zwischenlager bleibt gerichtlich blockiert Oktober: nach einjährigem
Einlagerungsstopp neue Atomtransporte zum Faßlager in Gorleben, erfolgreiche Behinderungs
aktionen
1986
- 17. Februar
500 Lüchow-DannenbergerInnen protestieren gegen Rodungen für die Einrichtung einer
Abraum- und Salzhalde, die im Zuge des Endlagerbaus aufgeschüttet werden soll Ende April:
wenige Tage nach dem sowjetischen Super-GAU in Tschernobyl stellt die DWK den Antrag zur
Errichtung einer Konditionierungsanlage in Gorleben.
- 8./9. Mai
Endlagerspektakel in Gorleben, ca. 5.000TeilnehmerInnen; danach: Eltern und Kinder fordern
die Stillegung aller Atomanlagen in 0st und West
- 15. Juli
Biobauern besetzen das Kreishaus aus Protest gegen die Einstellung der unentgeltlichen
staatlichen Meßprogramme
- 18. Sept
Fest des "ersten Kübels" in Gorleben, das Abteufen des ersten Schachtes zur
Errichtung des Endlagers beginnt unter lautstarken Protest
- Mitte November
Staatsanwaltschaft Lüneburg erhebt Anklage gegen drei AKW-Gegner aus dem Wendland, u.a.
wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung
1987
- 25.Jan.
Lilo Woliny kommt in den Bundestag
- Februar
10 Jahre Gorleben Standortbenennung
- 29.März
40 Trecker + 1.000 Demonstrantinnen protestieren in Gorleben gegen den geplanten Bau der
PKA
- 12.Mai
Schwerer Unfall im Schacht 1 in Gorleben, ein Stahlring war gebrochen und auf
sechs Arbeiter gestürzt. Sechs Schwerverletzte, einer tödlich.
- 23.Juni
20 AtomkraftgegnerInnen besetzen das Bergamt Celle, anschließend fehlen wichtige
Unterlagen, die belegen, daß der Unfall im Schacht fahrlässig zustande kam. Durch die
Strafanzeige der Bl und der daraus resultierenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen
kommt es zum Baustop für eineinhalb Jahre.
- 22. Juli
Die INITIATIVE 60 demonstriert im Umweltministerium in Hannover für ein Stop in Gorleben.
- Oktober
Das Widerstanscamp in Gedelitz hat in Gorleben einen Beobachtungsturm gebaut, sie rechnen
bald mit dem ersten Castortransport.
- Dezember
Der Transnuclear-Skandal erreicht seinen Höhepunkt, mehrere Atommanager haben bereits
Selbstmord begangen. Schwachaktive Atommüllfässer waren illegal mit Plutonium etc.
vermischt worden.
1988
- Januar bis März
Einwendungsfrist für die Pilotkonditionierungsanlage, der Sicherheitsbericht liegt aus.
- 13.Januar
In einem Stück Rotwild bei Nienwalde werden 3.346 bq/kg Cäsium gemessen.
- 21 ./22.Januar
70 Bauern blockieren mit ihren Treckern für 2 Tage das Zwischenlager. Die
"Blähfässer" sollen abtransportiert und das Lager geschlossen werden.
- 5.März
8.000 Menschen demonstrieren in Gorleben gegen die Atomanlagen und für den Ausstieg aus
der Atomenergie. Robert Jungk ist Hauptredner.
- 18.März
Der Grill/Licht Bestechungsskandal wir bekannt.
- 27.März
Der Kreuzweg für die Schöpfung von Wackersdorf zu Fuß nach Gorleben beginnt mit 600
Menschen.
- 1. Mai
Das 300-Leute Konzept zur Castor-Blockade wird vorgestellt.
- 13.-15.Mai
Frühjahrskonferenz der Anti-AKW-Bewegung in Trebel.
- 25. Mai
Erörterungstermin für die Pilotkonditionierungsanlage in Gartow wird nach Tumulten
vertagt.
- 28.Mai
Nach 63 Tagen erreicht der "Kreuzweg für die Schöpfung" von Wackersdorf seinen
Zielort Gorleben, wo das Kreuz neben dem ersten Kreuz in der Nähe des Endlagers
aufgestellt wird.
- 2.Juni
Nach 7 Verhandlungstagen wird der PKA-Erörterungstermin beendet.
- 13.Juni
Undine von Blottnitz, Grüne Europaabgeordnete, hat eine Privataudienz bei Papst in Rom.
Er will aber nicht zur nächsten Demo kommen.
- 6.September
Die PTB ordnet den Sofortvollzug für die CASTOR Einlagerung in das Gorlebener
Zwischenlager an.
- 7.September
Der Landtag in Hannover mit seiner CDU/FDPMehrheit stimmt dem Bau der PKA in Gorleben zu.
- 14.0ktober
Der erste kalte, leere CASTOR wird fast unbemerkt nach Gorleben transportiert.
- 25.0ktober
Gerichtlicher Baustop des Endiagerbergwerkes durch Graf von Bernstorffs Klage.
1989
- 2.Januar
Die Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Arbeiten an den Schächten haben begonnen.
-
- 23.Januar
Nach 20 Monaten Baustop wird weiter abgetäuft.
- 22.Februar
3 Stunden Streik am Lüchower Gymnasium, weil die Bezirksregierung einen Informationstag
zur Atomenergie verboten hat.
- 26.Februar
Mit einem Anti-Castor Sonderzug kommen 200 Demonstrantinnen aus Hamburg nach Dannenberg
und mit Bussen weiter nach Gorleben.
- 28.Februar
Das Verwaltungsgericht in Lüneburg stoppt wenige Stunden vor dem geplanten
CASTOR-Transport aus dem AKW Stade die geplante Einlagerung in Gorleben. Auch die
Beschwerde der DWK/BLG wird vom Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen.
- 15.März
Findet der Projekttag Kernenergie im Lüchower Gymnasium statt.
- 28.März
10 Jahre Harrisburg-Unfall, damals wurden bei einer teilweisen Kernschmelze große Mengen
von Radioaktivität freigesetzt, obwohl die Öffentlichkeit darüber belogen wurde,
fliehen über 100.000 Menschen aus der Region. Anschließend wurden in den USA die
Sicherheitsauflagen verschärft, so daß 110 in Planung und Bau befindliche AKW gestoppt
wurden.
- 13.April
Der VEBA-Konzern läutet das Ende von Wackersdorf ein. Er verhandelt mit der COGEMA über
eine Beteiligung an der WAA in Frankreich.
- 30.Mai
Baustop in Wackersdorf, endgültiges "Aus" für die WAA 1.+2.Juli Tag und Nacht
gegen die PKA, Aktionswochenende mit Übernachtung im PKA-Wald, bei Dauerregen.
- 14.August
Der Hochtemperaturreaktor in Hamm wird auf Beschluß der NRW-Regierung endgültig
stillgelegt.
- 23.August
5 leere CASTOR-Behälter werden zu Übungszwecken fast unbemerkt nach Gorleben gebracht.
- 7./8.0ktober
Widerstandswochenende gegen die Europäisierung der Atomwirtschaft in Gorleben. Auf
gräflichem Boden wird eine Schutzhütte errichtet.
- 18.Dezember
Der Gorlebener Gemeinderat stimmt mit 5:3 für den Bau der Pilotkonditionierungsanlage.
1990
- 10.Januar
Im Schacht I wird in 256 m Tiefe der Salzstock erreicht. 31 .Januar Die
atomrechtliche Teilbaugenehmigung für die PKA wird von Hannover erteilt, der Landkreis
folgt mit der Baugenehmigung. Die Bl-Anwälte beantragen beim OVG Lüneburg den sofortigen
Baustopp.
- 1.Februar
Seit 5 Uhr morgens haben ca.100 AKW-GegnerInnen den PKA-Wald besetzt und mit dem
Hüttenbau begonnen.
- 3.Februar
5.000 Menschen aus 0st und West demonstrieren zum ersten Mal gemeinsam in Gorleben gegen
den drohenden Bau der PKA und gegen Atomenergie in 0st und West.
- 6.Februar
Räumung des Hüttendorfes und Baubeginn. Angesichts der großen staatlichen Übermacht
gehen die Besetzer freiwillig vom Platz, nur die Initiative 60 bleibt und läßt sich nach
langen Diskussionen wegtragen.
- 10.Februar
Waldspaziergang um die PKA-Baustelle mit 400 Menschen.
- 19.Februar
ab 5.30 Uhr blockieren ca.200 Atokraftgegner die Zufahrten zum Zwischenlager und der
PKA-Baustelle. Am Nachmittag räumt die Polizei die Blockaden sehr gewalttätig ab.
- 8.März
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revision von drei Klägern gegen das
Endlagerbergwerk zurückgewiesen. Es gibt keinen Baustop.
- 10.März
Beim Waldspaziergang um die PKA wird der Bauzaun von 250 Demonstrantinnen beschädigt. 50
AKW-GegnerInnen aus Wackersdorf schlossen sich am Nachmittag der Demonstration an.
- 11.März
7.000 Menschen aus 0st und West demonstrieren in Stendal gegen das Atomkraftwerk.
- 28.März
Aus Protest gegen die Entscheidung des OVG-Lüneburg zum PKA-Weiterbau ketten sich 15
Leute an die Tore des Zwischenlagers.
- 17.April
Frühstücksblockade der BI wird abgeräumt.
- 6.Mai
Treppenbesetzung des PKA-Geländes von 50 AtomkraftgegnerInnen. Um 14 Uhr
freiwillig beendet. Mit Hilfe von Leitern und Treppen waren Sie bequem über die
Sicherungsanlagen eingestiegen.
- 7.Mai
Ab diesem Montag finden jeden Montag Blockaden vor den Atomanlagen statt, von
verschiedenen Gruppen vorbereitet unter wechselndem Motto. Die Polizei griff nicht ein.
- 14.Mai
Zu dieser Montagsblockade der Familien waren schon etwa 100 Kinder und Erwachsene
gekommen. Die Aktion verlief phantasievoll ohne Räumung.
- 13.Mai
Landtagswahlen, im hiesigen Wahlbereich gewinnt der CDU Kandidat Grill mit 127
Stimmen Vorsprung das Mandat. Ansonsten gewinnt Rot/Grün, Hannes Kempmann kommt über die
Liste in den Landtag.
- 21.Mai
Klassische Konzertblockade der Lebenslaute.
- 24.Mai
Samba-Nacht und ,,Fahrindiehöh" am Endlagerbergwerk. Die ganze Nacht geht
der bunte Festumzug.
- 4.Juni
Die Montagsblockaden gehen weiter und verstärken den Druck zum Ausstieg auf die
neue Landesregierung. Eine Schülerblockade, eine Biobauernblockade und ein Malwettbewerb
erfolgen. Juni 10 Jahre nach der Hüttendorfräumung 1004 findet eine Fotoausstellung dazu
großen Anklang.
- 12.Juni
Umweltministerin Griefhahn und Hannes Kempmann erklären auf einer Veranstaltung
in Gorleben die niedersächsische Vorstellung vom Atomausstieg. Die BI bleibt jedoch
skeptisch.
- 21./22.Juni
14 Leute besetzen die beiden Endlagerschächte in Gorleben aus Anlaß des
Regierungsantritts in Hannover. Die Bergbau arbeiten werden tatsächlich eingestellt, aber
Gerhard Schröder löst in Hannover sein Versprechen zum dauerhaften Gorlebenstop nicht
ein. Die letzten Besetzerinnen verlassen am Morgen des 22.Juni freiwillig den Turm.
- 23.Juni
Etwa 70 AtomkraftgegnerInnen beginnen in Gorleben mit Hammer und Meißel den
Abbruch der Endlagermauer Unter dem Motto "irgendwann fällt jede Mauer", als
die Polizei nach einer halben Stunde kommt, ist bereits alles vorbei.
- 24.Juni
Die Montagsblockade gestaltet einen Malwettbewerb zur zukünftigen Nutzung der
Atomanlagen.
- 6.August
Das staatliche Gewerbeaufsichtsamt hebt die Beschlagnahmung der 1.290 in Gorleben
lagernden Atommüllfässer auf. Sie können jetzt zur Untersuchung nach Karlsruhe gebracht
werden.
- 6.August
Montagsblockade zum Hiroshimagedenktag.
- 13.August
Montagsblockade mit Tschernobyl-Familien.
- 29.August
Die Sonderkommission aus 40 Kripobeamten hat ihre Arbeit in Lüchow-Dannenberg
ergebnislos eingestellt. Atomkraft gegnerinnen wurden monatelang beobachtet, abgehört und
über 2.000 Personen überprüft. Der Verdacht der "Bildung einer kriminellen
Vereinigung" konnte nicht erhärtet werden.
- 3.-5.September
Mit einer 3-tägigen Abschlußblockade enden die seit Mai regelmäßig
stattfindenden Montagsblockaden. Zweimal wird dabei sogar von der Polizei geräumt.
Allerdings gerät die Polizei in Schwierigkeiten, als 600 Schafe die Blockade für einige
Stunden verstärken, die zu diesem Zweck extra vom Elbdeich angewandert waren. Den
Abschluß vor einigen Hundert BlockiererInnen bilden Theater, Kabbaret und Jogleure.
- 6. September
27 von 1.290 illegalen Fässern sind zum Abtransport geprüft und sollen
abtransportiert werden.
- 28.September
Nach langem juristischem Hick-Hack reißt der Landkreis die auf gräflichem Boden
errichtete Schutzhütte wieder ab.
- 7.0ktober
Abtäufarbeiten in den Gorlebenschächten werden eingestellt. Es liegt keine gültige
Genehmigung mehr vor, da 5 Bürger Widerspruch eingelegt haben. Die Landesregierung
weigert sich den Sofortvollzug anzuordnen.
- 15.0ktober
Eine Blockade des Endlagers soll dem Baustop nachhelfen, da dort ohne Rechtsgrundlage
weitergearbeitet wird. Am Abend verkünden Gerhard Schröder und Monika Griefhahn ihre
Ausstiegspläne für Gorleben in der völlig überfüllten "Alten Burg" in
Gorleben.
- 11 .November
Zusammen mit 300 Ärzten die bundesweit in der IPPNW organisiert sind, demonstrieren in
Gorleben 800 Menschen gegen die Atomkraftnutzung.
- 6.Dezember
Mit verkleideten Nicoläusen findet eine Blockade vor den Atomzufahrten statt.
1991
- 6.Februar
Zum Jahrestag der PKA-Hüttendorfräumung besetzen 22 AtomkraftgegnerInnen die
PKA-Baustelle. Um sechs Uhr früh, bei eisiger Kälte klettern sogar einige auf die
Baukräne.
- 20.Februar
Das Verwaltungsgericht Lüneburg hebt den Baustop für das
Endlagererkundungsbergwerk auf.
- 6.März
Das Niedersächsische Umweltministerium erteilt den neuen Hauptbetriebsplan für
das Erkundungsbergwerk und ordnet die Einstellung der Arbeiten wegen fehlender
Salzlagerstätte an.
- 19.März
Bei einem Unfall im Schacht werden zwei Arbeiter verletzt.
- 25.April
Das Umweltministerium ordnet über das Bergamt Celle den sofortigen Stop der
Arbeiten am Endlagerbergwerk an. Das Bundesamt für Strahlenschutz zieht dagegen vor
Gericht.
- 14.Juni
Drei Container, die auf dem Weg von Mol nach Gorleben sind, werden vom Land Niedersachsen
gestoppt und in der Lüchower Polizeikaserne untergestellt. Währenddessen blockierten 200
Demonstrantinnen mit Treckern die Zufahrten in Gorleben.
- 16.Juni
Mit einer Weisung zwingt Töpfer das niedersächsische Umweltministerium zum
Weitertransport des Transnuklear Mülls nach Gorleben.
- 18.Juni
Mit brutalster Polizeigewalt werden die Gorleben-Blockaden abgeräumt und die
Container im Zwischenlager eingelagert.
- 16.Juli
Obwohl das Verwaltungsgericht Lüneburg die Klagen gegen die Gorlebener
Rahmenbetriebspläne abweist, wird nicht weitergearbeitet, weil das Land nach wie vor die
Zustimmung verweigert.
- 4.September
Mit zahlreichen Blockaden vor den Toren und auf den Zufahrtswegen zur PKA-Baustelle
versuchen AtomkraftgegnerInnen vergeblich die zahlreich anrollenden Betonmischer zu
stoppen. Nach kurzer Zeit wurden sie abgeräumt.
- 6.0ktober
Bei der Kommunalwahl verliert die CDU ihre absolute Mehrheit im Kreistag und in
einigen Städten. Es bildet sich eine bunte Koalition.
- 15.November
Verwaltungsgericht Stade bestätigt Die Dringlichkeit der Salzstockuntersuchung
in seiner schriftlichen Urteisbegründung vom 16.Juli.
1992
- 2.Januar
Laugenzuflüsse in Schacht I stellen erneut die Eignung des Salzstockes in Frage.
- 5.Februar
Die neue Kreistagsmehrheit beschließt eine Resolution zu Gorleben, in der PKA,
Endlager und Zwischenlager gestoppt und abgebrochen werden sollen.
- 12.Mai
Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen der illegalen Einlagerung von
Mol-Müll 1987 sind eingestellt worden.
- 11 .Juni
Die BLG will das CASTOR-Lager mit mehr Aktivität und mehr Behältern füllen und
beantragt dafür eine erweiterte Genehmigung.
- 23.Juni
Der letzte der TurmbesetzerInnenprozesse endete wie die vorhergegangenen mit
einer Verfahrenseinstellung gegen Zahlung einer Geldbuße.
-
- 8.Juli
Es beginnt die oft angekündigte Auslagerung von 1.290
Transnuklear-Skaridalfässern. Sie sollen nun doch in Duisburg untersucht werden.
- 28.August
Die Standsicherheit der Schächte in Gorleben wird durch die Laugenzuflüsse
nicht gefährdet sagt das Landesumwelt ministerium.
- 8.September
Das NMU fordert eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Erkundungsbergwerk,
vorher dürfe nicht weitergetäuft werden. Die DBE droht erneut mit einer Klage.
- 13.-19.Sept.
World Uranium Hearing in Sazburg. Vertreter von Ureinwohnern aus der ganzen Welt
treffen sich und berichten von den Folgen des Uranabbaues, der Atommüllagerung und der
Atomtests, die meistens gegen den Willen auf dem Land von Ureinwohnern und Indianern
stattfinden.
- 19.0ktober
Das Zwischenlager in Gorleben soll erweitert werden und der Gorlebener
Gemeinderat stimmt mit 4:3 Stimmen zu.
- 22.0ktober
Die BLG erklärt, daß in den letzten Wochen des Jahres mit dem ersten CASTOR zu
rechnen ist.
- 23.0ktober
Umweltministerin Griefhahn lehnt weitere Zwischenlager in Gorleben ab.
- 15./16.Nov.
Herbstkonferenz der Anti-Atombewegung findet in Schnackenburg mit 80 Delegierten
statt.
- 20.November
In Gartow öffnet die Informationsstelle Gorleben schon vor der offiziellen Eröffnung am
14. Dezember mit Monika Griefhahn. Gudrun Scharmer ist Leiterin dieser lange verwaisten
Stelle.
- 14.Dezember
Zur Eröffnung der INFO-Stelle erhält Griefhahn einen kleinen CASTOR-Behälter,
gleichzeitig wird der CASTOR Verladekran bei Dannenberg von AtomkraftgegnerInnen besetzt.
- 16.Dezember
Wegen der Blockade des Zwischenlagers werden 6 auf dem Weg von Karlsruhe nach
Gorleben befindliche "Mosaikbehälter" gestoppt und im AKW Esensham versteckt.
- 18.Dezember
Mit knapp 300 Traktoren blockieren und protestieren die Bauern anläßlich der
Eröffnung der Dömitzer Brücke gegen Atommüll und Gattabkommen.
1993
- 1.Januar
300 Demonstrantinnen übersteigen anläßlich eines Neujahresempfanges am
Endlager die Mauer mit Hilfe einer Holztreppe. Das Bergwerksgelände wird für die
nachatomare Nutzung neu verplant. Nach Abschluß der etwa 1-stündigen Aktion verlassen
alie unbehelligt das Gelände durchs Tor.
- 10.Januar
In Schacht I wird in 345m Tiefe mit dem festen Schachtausbau begonnen.
- 19.Januar
Mit massivem Polizeiaufgebot werden die beiden seit Dezember versteckten
Atommüllcontainer nach Gorleben gebracht. Etwa 800 Polizistinnen beseitigen die Barikaden
und räumen die 500 SitzblockiererInnen, unter ihnen Landrat Zühlke und viele
Mitgliederinnen der Initiative 60, ab. 30.März Aus Protest gegen die Pläne zur
Erweiterung des Zwischenlagers mauern 40 Demonstrantinnen das Tor des Zwischenlagers zu.
- 31.März
Der Gartower Samtgemeinderat erhebt Einwendung gegen die geplante
Zwischenlagererweiterung.
- 7.April
Die Auslagerung des Skandal-Mülls aus Gorleben stockt, weil für die
Untersuchung der ersten 9 Fässer ein Spezialbohrer fehlt
- 23.Juni
Das Bundesamt für Strahlenschutz fordert von den 14 Turm - besetzerinnen Schadensersatz
in Höhe von 126.901,10 DM für die Stillstandszeit.
- 27.Juli
Die Sternfahrt mit Fahrrädern zum Umwelffestival in Magdeburg macht Station in
Gorleben. 200 Jugendliche klettern über die Endlagermauern und machen einen
Schachtbesuch.
- 1.August
Töpfer bekommt keinen Pfennig, bekunden die 14 TurmbsetzerInnen auf einer
Infoveranstaltung zum Thema der Mahnbescheide.
- 4.August
Wieder einmal soll es zügig Losgehen mit der Auslagerung und Untersuchung der
Skandalfässer.
- 10.August
Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die BLG, wegen illegaler Atommüllagerung,
werden eingestellt.
- 13.August 5
Transportbehälter mit schwachaktivem Müll wurden eingelagert, nachdem 300 Polizistinnen
etwa 100 SitzblockiererInnen abgeräumt hatten.
- 6.-9.September
Zu Beginn des Erörterungstermins für die Nutzungser weiterung des
Zwischenlagers steigen rund 15 Männer und Frauen der BLG auf das Dach. Unter dem Motto
abreißen statt erweitern, beginnen sie mit dem Abdecken der Dachziegel. Auch die Bl nimmt
am Erörterungstermin (Alibiveranstaltung) nicht teil.
- 9.September
Griefhahn stoppt erneut die Erkundungsarbeiten in Gorleben, da eine Enteignung des Grafen
von Bernstorff laut Gutachten nicht möglich ist.
- 11 ./12.Sept.
CASTOR-HALLE-LUJA vor dem Zwischenlager. Eine Blockade mit Podiumsdiskussion zu den
Konsens gesprächen, mit Kinderfest, Lifemusik und Theater, findet anläßlich des 10
Jahre erfolgreich verhinderten ersten CASTORs statt. Ein Mittelalterlicher Rammbock wurde
gebaut.
- 24.September
Das Ziel des Atomausstiegs ist nicht verhandelbar, sagt Schröder vor den
Konsensgesprächen.
- 22.Dezember
Mehrere Hundert Unterzeichnerinnen erklären sich in einer Zeitungsanzeige
solidarisch mit den 14 TurmbsetzerInnen.
- 29.Dezember
Das Verwaltungsgericht Lüneburg äußert Zweifel an der Eilbedürftigkeit des
Endlagerprojektes. Endgültige Entscheidung fällt erst im Februar.
1994
- 30.Januar
Die Herkunft der Laugenzuflüsse in Schacht I ist weiterhin unbekannt. DBE will
weiterbauen.
- 3.Februar
Tritium in der Schachtlauge deutet darauf hin, daß diese entweder von der Oberfläche
kommt oder von Tritiuminjektionen bei der Salzstockerkundung.
- 4.Februar
Beim Bau der PKA wurden Änderungen ohne Genehmigung durchgeführt. Die GNS tauscht
daraufhin drei Verantwortliche für den Bau aus. Das NMU will daher die 2.Teilerrichtungs
genehmigung nicht erteilen.
- 21.Februar
Beim Anhörungstermin zum Bergwerk in Gorleben vor dem Verwaltungsgericht in
Lüneburg wird bezweifelt, ob Gorleben als Endlager noch politisch erwünscht ist.
Entscheidung ist am 7.März.,
- 7.März
Das Verwaltungsgericht entscheidet für den Weiterbau des Erkundungsbergwerkes.
Damit ist der Baustop seit dem Jahreswechsel aufgehoben.
- 3.April
Am Ostersonntag begräbt die Bl vor dem Endlager die Wahlversprechen der
rot-grünen Regierung.
- 14.April
Nach dem Gerichtsurteil genehmigt jetzt auch das NMU den Schachtweiterbau in Gorleben.
- 20.-22.Mai
Belagerung der Atomanlagen mit mittelalterlichen Geräten. Etwa 300 Menschen
bauen bei diesem Pfingstspektakel einen Belagerungsturm, Wurfmaschinen und den bekannten
Rammbock auf. Kurzzeitig gibt es Rangeleien mit der Polizei.
- 21.Juni
Im Vorfeld des erwarteten CASTOR-Transportes verübt die "Gruppe
Waschbär" einen Anschlag auf das BLG-lnfohaus in Gorleben. 20.000 DM Schaden.
- 21.Juni
Über 100 Schülerinnen blockieren die Lüchower Innenstadt aus Protest gegen den
CASTOR.
- 23.Juni
Alle Pastoren des Kirchenkreises Dannenberg haben sich gegen den CASTOR-Transport
ausgesprochen.
- 23.Juni
Bei einem Bahnanschlag auf der Güterbahnstrecke Uelzen Dannenberg wurden 19
Bahnschwellen zersägt und die Schienen verbogen.
- 30.Juni
Über 30 Trecker demonstrieren in Dannenberg zur Wochen marktzeit gegen den
drohenden CASTOR.
- 6.Juli
Erneut Anschläge auf Bahnstrecken. Eisen und Bäume liegen auf den Bahnschienen. Im
Gorlebener Forst entsteht ein Hüttendorf gegen den drohenden CASTOR-Transport.
- 7.Juli
Am frühen Morgen werden auf allen Zufahrtsstraßen des Landkreises die
verschiedensten Blockaden errichtet. In einer Erklärung wird Monika Griefhahn an ihr
Versprechen erinnert, mit zu blockieren, wenn der CASTOR kommt.
- 10.Juli
Das CASTORNIX-Hüttendorf ist am Wochenende auf 1.000 Menschern angewachsen, der
Belagerungsturm und 30 Trecker unterstützen die Dauerblockade.
- 13.Juli
Rund 800 Polizistinnen räumen die Dauerblockade ab. Der Turm wird zersägt,
Straßenuntertunnelungen wieder zugeschüttet. Bis zur CASTOR-Einlagerung gilt jetzt ein
Demonstrationsverbot.
- 14.Juli
Robert Jungk stirbt in Salzburg mit 81 Jahren.
- 15.Juli
Der CASTOR-Transport wird vorläufig abgesagt, das Versammlungsverbot wieder aufgehoben.
- 16.Juli
Trotzdem ziehen 2.000 Menschen zum Zwischenlager. Am Hüttendorf wird weitergebaut. Nachts
ist Lifemusik mit vier Bands aus Hamburg, Stuttgart und Lüchow-Dannenberg.
- 20.Juli
Die Polizei kämpft Umweltminister Töpfer den Weg zu einer Veranstaltung in
Scharnebeck frei. In der Nähe des Verladekranes unterhöhlen 200 Atomkraft gegnerinnen 28
Bahnschwellen. Unterdessen wird der CASTOR-Behälter in Phillipsburg auf den Bahnwagon
verladen. Auf Weisung von Töpfer genehmigt Griefhahn den Weiterbau der PKA:
2.Teilerrichtungsgenehmigung.
- 26.Juli
Wegen Waldbrandgefahr zieht das CASTORNIX-Hüttendorf auf eine Wiese an der Elbe
um.
- 2.August
Töpfer stellt Griefhahn ein Ultimatum zur Bearbeitung der CASTOR
Transportpapiere bis 15 Uhr.
- August
Auf 13 Bahnhöfen im ganzen Bundesgebiet haben die Gorleben-Frauen Station
gemacht und über die Gefahren der CASTOR-Transporte informiert.
- 19.August
klassische Konzertblockade der Gruppe "Lebenslaute~ über den ganzen Tag.
Mittags werden in einer Blitzaktion die beiden Tore des zwischeniagers mit Leitern
überschritten. Trotz einiger,,Ausraster" der Wachleute kann das Konzert
"drinnen" und "draußen" stattfinden.
-
- 20.August
20 Trecker blockieren als CASTOR-Protest die Dömitzer Brücke. Eine
"CASTORNIX-Karawane" zieht über die Atommüll- transportwege von Gorleben nach
Phillipsburg, sie informiert über CASTOR-Gefahren.
- 15.0ktober
Schüler blockieren mehrmals die Lüchower Innenstadt aus Protest gegen den
CASTOR.
- 26.0ktober
Töpfer weist Griefhahn an, innerhalb von 14 Tagen der CASTOR-Einlagerung
zuzustimmen.
- 5.November
1.000 Menschen blockieren mit verschiedenartigen Blockaden die Zufahrtsstraßen in den
Landkreis.
- 10.November
Nächtliche Barrikaden aus Baumstämmen und brennenden Strohballen machen viele
Zufahrtsstraßen stundenlang unpassierbar.
- 14.November
Anschlag auf Bahnoberleitung zwischen Celle und Garßen. Es werden
Castor-Aufkleber gefunden.
- 19.November
Trotz Versammlungsverbotes demonstrieren 2.000 Leute auf den Bahngleisen gegen
den CASTOR. Die Räte der Stadt und Samtgemeinde Dannenberg sprechen sich erneut gegen die
CASTOR-Transporte aus.
- 20.November
Für die Zeit bis zum CASTOR-Transport erläßt die Bezirksregierung ein 6-Zeitungsseiten
langes Versammlungsverbot.
- 21.November
Aus einer Demonstration in Gorleben wurde ein Freudenfest, als der CASTOR-Stop
des Verwaltungsgerichtes Lüneburg bekannt wird. Uber 3.000 Menschen feiern ihren Sieg.
1995
- 21.Januar
Verschiedene Castor-Gruppen, die "Unbeugsamen" und die "Gorleben
Frauen" veröffentlichen das Konzept zum "Zivilen Ungehorsam" -
einer"Öffentlichen und gemeinsamen Schienendemontage" vor dem Dannenberger
Castor-Verladekran.
- 24.Januar
OVG Lüneburg hebt den Einlagerungsstopp für das Gorlebener Zwischenlager auf,
damit ist der gerichtliche Weg für den Castor aus Philippsburg frei. Spontan versammeln
sich vor dem Verladekran, auf dem Lüchower Marktplatz und vor dem Zwischenlager mehrere
100 Menschen, um ihren Unmut gegen die Entscheidung kundzutun.
- 26.Januar
Auf die Bahnstrecke zwischen Uelzen und Hamburg wird ein Anschlag verübt, die
Oberleitung abgerissen. Menschen werden nicht gefährdet. Zettel mit der Aufschrift
"Stoppt Castor" gefunden.
- 10.Februar
Über 300 Unterzeichnerinnen bekennen sich öffentlich in einer Zeitungsanzeige
zu zivilem Ungehorsam im Rahmen der Aktion "Ausrangiert"
- 11.Februar
Mittels Luftballons fliegt ein Castormodell in die Luft und der Zaun um den
Verladekran wird mit Toilettenpapier eingehüllt.
- 16.Februar
Merkel weist Griefahn an, binnen einer Woche, dem Castor Transport zuzustimmen.
- 20.Februar
Eine Kreuzung in Dannenberg wird von 50 Atomkraft gegnerinnen "dichtgemacht".
- 1.März
3. Verhandlungstermin vor dem Landgericht Lüneburg gegen die 14
Turmbesetzerinnen wegen Schadensersatz forderungen der BRD. Das Urteil wird für den 3.
Mai angekündigt.
- 10.März
Der Landkreis verbietet per "Allgemeinverfügung" die für Sonntag angekündigte
Aktion "Ausrangiert".
- 12.März
Etwa 800 Menschen zeigen trotz "Allgemeinverfügung" ihren Ungehorsam
und gelangen trotz massiver Polizei- und BGS Präsenz auf die Gleise und beginnen mit der
Demontage.
-
- 23.März
Mehrere Hundert AtomkraftgegnerInnen prodestieren vor dem Zwischenlager und in
Lüchow gegen den Besuch von Bundesumweltministerin Merkel im Erkundungsbergwerk. Dabei
vergleicht Merkel die Pannen beim Beladen des Castors in Philippsburg damit, daß in jeder
Küche "beim Kuchenbacken mal etwas Bachpulver danebengeht". Dies könnte der
Spruch des Jahres werden.
- 13.April
Unbekannte verüben erneut einen Anschlag auf die Bahnstrecke
Lüneburg-Dannenberg. Aus den Schienensträngen werden jeweils etwa 2 m lange Stücke
herausgeschnitten und zu einem X aufgerichtet. Ein außerplanmäßiger Güterzug
überfährt die Stelle, entgleist aber nicht. Schaden: 20.000 DM.
- 15.April
Für die erneute Aktion zivilen Ungehorsams, "Abschalten", ergeht
wieder eine Allgemeinverfügung des Landkreises. Auktionator "Mister X"
versteigert die Endlager-Erkundungs türme zugunsten der Prozeßkosten für die
Turmbesetzerinnen.
- 16.April
1.500 BGS- und Polizeibeamtinnen verhindern, daß 400 AtomkraftgegnerInnen in die
Nähe des Verladekrans zum "Abschalten" auf die Schienen gelangen.
- 19.April
Erneut Anschläge auf die Bahnstrecke zwischen Uelzen und Celle. Leit- und
Signalkabel werden zertrennt und"Stopp Castor" Plakate gefunden.
- 21 .April
OVG Lüneburg gibt den Weg für den Castor frei.
- 22. und 23.April
Mehr als 4.000 Menschen protestieren in Dannenberg, aber auch im gesamten
Landkreis gegen den unmittelbar bevorstehenden Castor-Transport. Dabei kommt es zu
Demonstationen, Barrikadenbau, Gleisbesetzungen, Errichtung eines Hüttendorfes und vielen
anderen Aktionen.
- 24.April 20.05 Uhr
Der Castor beginnt in Philippsburg seine Fahrt gen Gorleben.
- Dienstag 25.April Tag X
Die gesamte Castor-Transportstrecke ist Ziel von Anschlägen und Protesten.
AtomkraftgegnerInnen leisten im Wendland leisten erbitterten Widerstand. Nach 14 Stunden
Bahnfahrt trifR der Castor gegen 10.30 Uhr in Dannenberg ein, wird verladen und setzt sich
gegen 12 Uhr auf die 18 km lange Strecke nach Gorleben in Bewegung. 6.500 Beamtinnen von
Polizei und BGS bahnen dem Transport unter Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern
den Weg. Es kommt zu zahlreichen Verletzten. Um 17.12 Uhr schließen sich hinter ihm die
Tore des Zwischenlagers in Gorleben. Die Kosten des Transports werden mit 55 Millionen DM
angesetzt.
- 1.Mai
1.000 Menschen "flüchten" im Treck vor der atomaren Bedrohung und ziehen mit
Sack und Pack durch Dannenberg.
- 3.Mai
Landgericht Lüneburg verurteilt die Turmbesetzerinnen zu 126.901,10 DM (+
Zinsen) Schadensersatz wegen Stillstandskosten bei den Erkundungsarbeiten im Gorlebener
Salzstock. Die Turmbesetzerinnen beantragen Berufung beim Oberlandesgericht Celle gegen
dieses Urteil.
- 12.Mai
Mehr ais 3.000 Menschen sagen erneut in einer Zeitungsanzeige"Nein zum
Castor".
- 13.Mai
Etwa 15.000 Menschen und 250 Trecker demonstrieren in Hannover gegen Castor-Transporte.
- 9.Juni
Die Bäuerliche Notgemeinschaft protestiert mit 100 AtomkraftgegnerInnen gegen
den Besuch von Monika Griefahn in Hitzacker
-
- 9.Juli
Die "Castornix Karavane" startet zu ihrer zweiten Reise, diesmal durch
Norddeutschland
- 26.Juli
BfS ordnet den Sofortvollzug für weitere Castortransporte an. Erstmals sollen
auch Glaskokillen aus der WAA La Hague nach Gorleben transportiert werden.
- 1.August
- Nuklearmediziner Prof. Horst Kuni bestätigt in einem Gutachten, daß Transporte mit
Brennelementen aus AKW wesentlich gefährlicher sind, als bisher angenommen.
- 21.August
Anschläge auf den Verladekran und das Zwischenlager in Gorleben verursachen
Schäden von über 300.000 DM.
- 26. und 27.August
"Stay rude - Stay rebel", Benefitz-Open-Air-Festival, mit 24 Bands in Grabow.
- 24.September
Malefiz in Gorleben. 1.000 Menschen demonstrieren am Gorlebener Erkundungsbergwerk. Es
kommt zu Rangeleien mit der Polizei, Schlagstock- und Wasserwerfereinsatz.
- 24.0ktober
Sechs Anschläge auf Bahnlinien im Kreis Uelzen. Menschen kommen nicht zu
Schaden. Ein Bekennerbrief zeigt den Zusammenhang zu Castor-Transporten nach Gorleben.
1996
- Ende Februar
"Gorleben-Frauen" übergeben bei der Siemens-Aktionars versammlung mehr als
2.000 im Wendland gesammelter Unterschriften boykottwilliger Verbraucherinnen. Es sollen
solange keine Produkte von Siemens gekauft werden, solange der Konzern an der
Atomwirtschaft festhält.
- 24.März
Polizei klaut Prozeßakten aus PKW. Ein Bio-Bauer soll bei einer
Treckerdemonstration Polizeibeamtinnen gefährdet - haben. Wenige Tage vor Prozeßtermin
beim Dannenberger Amtsgericht, verschwinden die Prozeßakten des Verteidigers und werden
kurz danach von der Dannenberger Polizei zurückgegeben.
- 30.März
Mehr als 50 Motorräder nehmen an einer Protestaktion der Gruppe IDAS teil.
- 6.April
"Frühjahrsputz" im Wendland mit gut 2.000 Demonstrantinnen
- 13.April
Wieder ergeht eine "Allgemeinverfügung" des Landkreises gegen ein erneutes
"Ausrangiert".
- 14.April
Trotzdem lassen sich mehr als 1 .000 Menschen nicht abschrecken und versuchen erneut die
Schienen öffentlich zu demontieren. Die Polizei verhindert dies mit Härte (Hunde,
Wasserwerfer). Noch April Vor dem Amtsgericht in Dannenberg beginnt eine Prozeßflut wegen
Widerspruchsverfahren, die mit dem letztjährigen Castortransport zusammenhängen.
- 16.April
200 AtomkraftgegnerInnen besetzen die Gleise zum Verladekran. Damit beginnt die
Zeit des "Feierabendsägens" in Dannenberg.
- 20. und 21.April Tag B
ca. 1.000 AtomkraftgegnerInnen begutachten den Zustand der Brücken auf den
Castor-Bahn-Strecken Uelzen- bzw. Lüneburg-Dannenberg.
- 24.April
Strommast bei Lüchow wird erklommen und ein riesiges Transparent entfaltet: Stop
AKW
-
- 26.April
Tschernobyl - 10 Jahre danach. Bundesweite Aktionen für die sofortige Stillegung aller
Atomanlagen.
- 27.April
OVG Lüneburg gibt grünes Licht für die Einlagerung von Glaskokillen aus La Hague.
- 27.April
Zwischen Lüneburg und Dannenberg explodiert ein Srengsatz an einer Brücke der
Bahnstrecke.
- 30.April
Hüttendorf Castornix bei Spietau entsteht.
- 1.Mai
Anschlag auf Bahnstrecke Uelzen-Hannover. Ein umgesägter Strommast beschädigt
die Oberleitungen von 4 Gleisen. 100 Kinder protestieren mit Trommeln und Trillerpfeifen
in Lüchow.
- 2.Mai
erneutes "Demonstrationsverbot" für den Landkreis Lüchow Dannenberg
entlang der Schienen und der Straße nach Gorleben.
- 2. und 3. Mai
Die ohnehin seit drei Wochen hohe Polizeidichte rund um Dannenberg wächst ins
Unermeßliche
.
- 3.Mai
28 Gorleben-Frauen sind mit Performance in U-Bahn schächten der Großstädten
unterwegs und zeigen, daß Gorleben überall ist.
- 4.Mai
Mehr als 10.000 Menschen demonstrieren in Dannenberg. 400 werden im Anschluß bei
Karwitz an der Bahnstrecke von der Polizei eingekesselt.
-
- 6. und 7.Mai
Der Widerstand geht weiter. Viele kleinere und größere Aktionen begleiden das
Warten auf den nahenden Castor. Unter anderem kommt es in Jameln zu einer Blockade des
Tiefladers, in deren Verlauf der Landwirt Adi Lambke aus seinem Trecker geprügelt wird.
- 7.Mai
Gegen 12 Uhr überquert der Castor bei Lauterbourg die deutsch-französische Grenze und
beginnt in Deutschland seine von Protesten begleitete Reise ins Wendland.
- 8. Mai Tag X:
Ein Landkreis im Ausnahmezustand. Gegen 6.00 Uhr erreicht der Castor aus
La Hague Dannenberg. Für die Strecke vom Verladekran zum Zwischenlager werden 6 Stunden
benötigt. 10.000 Polizei- und BGS-Beamtinnen bahnen unter massivem Wasserwerfer- und
Schlagstockeinsatz den Weg gegen den Widerstand der etwa 10.000 Demonstrantinnen. Im
Morgengrauen werden weit entfernt von der Transportstrecke die Trecker der Bäuerlichen
Notgemeinschaft beschädigt und stillgelegt. Ca. 500 Demonstrantinnen werden an diesem Tag
in polizeilichen Gewahrsam genommen, mehr als 100 Personen verletzt.
- Dieser Polizeieinsatz war einer der bisher größten in der Geschichte der BRD. Ende Mai
kündigt die GNS für Herbst einen Sammeltransport mit drei Castorbehältern an.
- 18.Juni
Glogowski beziffert die Kosten für die Sicherung des letzten Castor-Transportes auf 90
Mio. DM.
- 5.August
300 Menschen und 30 Traktoren blockieren einen leeren Castor-Behälter neuen
Typs, der zu Genehmigungszwecken ins Zwischenlager transportiert wird. Gleichzeitig
kündigt die niedersächsische Landesregierung den Umbau am Verladekran an, damit
zukünftig mehrere Castor-Behälter gleichzeitig verladen werden können.
- 7.August
Schröder muß eine Rede auf dem Lüneburger Marktplatz abbrechen, da Trillerpfeifen seine
Atompolitik quittieren.
- 9.August
AtomkraftgegnerInnen stellen 110 Strafanzeigen gegen Polizei- und BGS-Beamte im
Zusammenhang mit dem letzten Transport.
- 11.August
1.400 Menschen beteiligen sich beim "Fit gegen den Castor" Volksradeln und
-laufen.
- 17.August
In Trebel gründet sich die "Salinas Salzgut GmbH" mit dem Ziel "Förderung
und Vertrieb von Gorleben Salz".
- 28.August
400 AtomkraftgegnerInnen reisen per Sonderzug von Dannenberg nach Bonn zum
»Ersten Atommülltransport nach Bonn", einem Theaterstück mit Bullizei,
Wasserwerfer und - Pappmache-Castor.
- 15.September
Auftaktschienensägen zur Aktion öffentlichen Ungehorsams "Keine Bahn zum
Castor-Kran".
- Anfang November
"Der Spiegel" veröffentlicht Teile eines 31 seitigen"vertraulichen"
Dossier des Bundesamts für Verfassungsschutz. Darin erkennen die
"Verfassungsschützer" eine Zunahme des Widerstands gegen die Castortransporte
durch Anzahl und Wirkung der Anschläge und versuchen mittels Einstufung als
"Linksextremistisch/militante Bestrebungen im Rahmen der Castor-Kampagne" die
Kriminalisierung der Bewegung voranzutreiben.
- Ende November
Es wird bekannt, daß der ursprünglich für Herbst geplante dritte
Atommülltransport Anfang März 97 stattfinden soll. Erstmals sollen gleich sechs
Castor-Behälter in einem Sammeltransport ins Zwischenlager gebracht werden.
1997
- 5.Januar
20 AtomkraftgegnerInnen klettern in einer Blitzaktion über das Tor der PKA
Baustelle, um darauf aufmerksam zu machen, daß die technische Inneneinrichtung bereits
installiert wird und demnächst mit der"Kalthantierung" am Castorbehälter
begonnen werden soll.
- 12.Januar
In Hitzacker demonstrieren 300 AtomkraftgegnerInnen mit einer Menschenkette auf
dem Eis der Elbe (von Ufer zu Ufer).
- 16.Januar
Ein Waggon, der kurz zuvor einen leeren Castorbehälter aus der WAA Sellafield
zum AKW Krümmel gebracht hatte, entgleist wegen "Vereisung" der Schiene vor dem
AKW.
- 20.Januar
Politwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Seifert entlarvt den Bericht des
Bundesamtes für Verfassungsschutz als Dossier zum Aufbau eines Feindbildes, damit die
Polizei "ihre Schlaghemmung verliert".
- 4.Februar
Ein Zug mit abgebrannten Brennelementen aus dem AKW Lingen entgleist auf dem Weg nach
Sellafield in der Ortschaft Apach unweit der französisch-luxemburgischen Grenze. Von den
drei Waggons mit Uran 235 kippt keiner um, der erste neigt sich allerdings zur Seite und
hat sich mit den Rädern tief in das Steinschotterbett der Gleise eingegraben.
- 8.Februar
2.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen die Atomgeschäfte von Siemens.
- 14.Februar
Das Oberlandesgericht Celle befindet in einem "Grundurteil" die
Schadensersatzforderungen der Bundesrepublik Deutschland gegen die Turmbesetzerinnen für
rechtens, will aber über die Höhe der Forderung erst verhandeln, wenn dieses Urteil
rechtskräftig wird. Die Turmbesetzerinnen beantragen Revision beim Bundesgerichtshof in
Karlsruhe.
- 15.Februar
Die Aktion "Entwidmung-jetzt" auf der Bahnstrecke von Uelzen nach Dannenberg
brachte 2.000 Menschen zur Auftaktkundgebung nach Zernin. Danach begutachteten zwei
"lnspektionskollonen" den Zustand der stillgelegten Strecke. Zu guter Letzt
wurde vor dem Haus des CDU-Bundestagsabgeordneten Grill eine Fuhre Mist abgeladen.
- 19.Februar
Mitten im Stadtviertel Frankfurt-Sachsenhausen kollidieren zwei Güterzüge,
davon einer mit 21 Kesselwaggons mit Benzin und Gefahrgut. Vier Waggons entgleisen, einer
fängt Feuer.
- 20.Fenruar
Unter dem Vorwand, Beweismaterial im Zusammenhang mit der Aktion "Keine Bahn
zum Castor-Kran" zu suchen, finden acht Hausdurchsuchungen im Wendland und den
Nachbar regionen statt. Offensichtlich soll jedoch vor dem anstehenden Transport der
Widerstand verunsichert und kriminalisiert werden.
- 19. bis 23.Februar
Die Bl Lüchow-Dannenberg feiert 20 Jahre Widerstand nach dem Motto "Unser
Lachen wird sie besiegen". Im Vorfeld des anstehenden Transportes wehren sich auch -
regionale Gremien: der Landkreis weigert sich ein Demonstrationsverbot zu erlassen,
woraufhin dies durch die Bezirksregierung Lüneburg geschieht; der regionale
Wasserbeschaffungsverband untersagt der Polizei und BGS das Füllen der Werfer; diverse
Stadt- und Gemeinderäte fassen Beschlüsse gegen den Atommülltransport; die Städte
Dannenberg und Hitzacker verweigern Polizei und BGS Schul- und Mehrzweckhallen als
Unterkünfte, worauf die Bezirksregierung mit einer Beschlagnahmeverfügung reagiert und
Schülerinnen die Hallen kurzerhand besetzen.
- 26.Februar
Unter lautstarken Protesten findet in Lüchow ein Gespräch (natürlich ohne konkretes
Ergebnis) zwischen der Bundesumweltministerin Angela Merknix und Vertreterinnen einiger
Anti AKW-Gruppen statt.
- 27.Februar
In Bonn findet (ebenfalls ohne konkretes Ergebnis) eine Castor-Debatte statt.
Anschläge auf die Deutsche Bahn AG und Ampelanlagen in Scheswig-Holstein und Hamburg.
- 1.März
Nachdem schon in mehreren Städten Demos gegen den anstehenden Transport
stattgefunden haben und im Wendland mehrere kleinere und größere Aktionen gelaufen sind,
demonstrieren auf der Auftaktkundgebung in Lüneburg etwa 15.000 Menschen und setzen sich
anschließend im Konvoi nach Lüchow-Dannenberg in Bewegung.
- 2.März
Die "Stunk-Parade" setzt mit 10.000 Menschen und etwa 570 Treckern ein weiteres
Zeichen gegen die Selbstherrlichkeit der Atomiker. Abends beginnt mit 80 Treckern die
Blockade der Transportstrecke in Splietau.
- 3.März, 5 Uhr
Die Tage NiX3 beginnen. Um 5 Uhr startet der 510m lange, 1.900 Tonnen schwere, aus 17
Waggons bestehende und von je 2 Dieselloks gezogene bzw. geschobene Zug in Wahlheim. Uber
Bebra, Göttingen, Hildesheim und Hahnover erreicht er begleitet von wütenden Protesten
am Nachmittag Lüneburg. Für die letzte Etappe nach Dannenberg werden mehrere Stunden
benötigt, da der Zug ständig und phantasievoll blockiert wird. Mit mehr als
achtstündiger Verspätung kommt er nach Mitternacht in Dannenberg an.
- 4.März
Verladetag. Recht zügig werden die Castorbehälter auf die Schwerlasttransporter
verladen. Etwa 8.000 Atomkraft gegnerinnen besetzen die Straße direkt vor dem
Verladekran. Die ursprünglich geplante Transportstrecke ist wegen Unterhöhlungen,
Blockaden und anderen Beschädigungen unpassierbar. An der Ausweich-Nordstrecke finden
ständig Auseinandersetzungen zwischen dem massiven Polizeiaufgebot und Demonstrantinnen
statt. Es kommt zu zahlreichen Verletzungen, Ingewahrsamnahmen und Verhaftungen. Der
Landkreis ist wieder einmal im Ausnahmezustand, Straßenkontrollen werden ohne
Rechtsgrundlage zu Straßensperren.
- 5.März
Nachts gegen 0 Uhr beginnt die Polizei mit der Räumung der Sitzblockade. Dabei
wird das Vorgehen der Polizeikrafte von der fortschreitenden Zeit bestimmt. Zuerst erfolgt
ein Wegtragen der BlockiererInnen, die sich meist an anderer Stelle wieder einreihen, dann
erfolgt der Einsatz von Wasserwerfern mit sich steigerndem Wasserdruck bis zuletzt von
beiden Blockadeenden her immer brutaler "weggeräumt« wird. Etwa gegen 11.45 Uhr
rollt der Transport dann los. Immer wieder gelingt es Demonstrantinnen entlang der
Transportstrecke trotz massivster und brutal vorgehender Polizeikräfte auf die Straße zu
gelangen und den Konvoi, wenn auch meist nur kurz, zu stoppen. Kurz nach 15 Uhr ist das
Zwischenlager erreicht. Eine erste Bilanz geht von 400 Ingewahrsamnahmen bzw. Festnahmen
aus, mehr als 650 Ermittlungsverfahren sind eingeleitet. Es sind mindestens 400 Menschen
durch die teilweise unvorstellbar brutalen Polizeieinsätze verletzt worden, zusätzlich
erlitten weitere 30 Personen schwere Verletzungen. Dies war wieder einmal der bisher
größte Polizeieinsatz (etwa 30.000 Beamte) in der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland, wieder einmal ein Lehrstück in "Staatsbürgerkunde" und wieder
einmal offenbarte sich der Atom - Polizeistaat.
- 21. Mai
Nachdem erhöhte Strahlenwerte bei Transportbehältern gemessen werden, stoppt
Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) alle in- und ausländischen Transporte von
Castor-Behältern mit abgebrannten Brennelementen.
- Mitte November
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) kündigt die Wiederaufnahme
der Castor-Transporte an.
- November
Es ruhen die Erkundungsarbeiten im Bergwerk. Das so genannte
"Moratorium" tritt in kraft. Ziel ist es nun erst einmal zu klären, welche
Arten von Kriterien überhaupt erkundet werden sollen. Im Dezember erfolgt die 3.
Teilgenehmigung für die umfunktionierte PKA. Sie dient nun als Reparaturzelle für
kaputte Castor-Behälter.
- 26. März
Ein Castor-Zug mit 85 Tonnen Atommüll
in sechs Castor-Behältern verlässt unter massivem Polizeiaufgebot die
französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Richtung Deutschland. Nahe der
Ortschaft Wendisch Evern besetzen mehr als 500 Castor-Gegner die Bahnstrecke
Lüneburg-Dannenberg. Mit Hilfe eines Sonderzuges räumt die Polizei die Schienen.
- 28. März
Mit fast einem Tag Verspätung trifft der Zug am Abend des in der Verladestation
von Dannenberg ein. Ganz überraschend startet der Konvoi der Spezial-Tieflader mit den
sechs Castoren im Morgengrauen des 29. März von Dannenberg nach Gorleben.
- 14. November
Ein weiterer Transport erreicht das
Wendland. Erstmals wird ein Dutzend Castor-Behälter auf einen Schlag nach Gorleben
gebracht.
- 12. November
Wieder das gleiche "Spiel". Erneut werden 12 Behälter aus Frankreich nach Gorleben gebracht.
Erneut sind 12 500 Beamte sind im Einsatz, etwa 7 000 Atomkraftgegner protestieren im
Wendland meist friedlich. Damit warten dort nun insgesamt 44 Atommüllbehälter auf ihre
Endlagerung. Zwei Tage später geht mit dem niedersächsischen AKW Stade der erste
Atommeiler seit dem Atomkonsens 2001 vom Netz.
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