Mail vom 30.11.2005
| Die Protestformen der Atomkraftgegner im Wendland stuft Hans Schuh als
"altertümliche Posse" ein von Menschen, die "stets nein gesagt [haben] und
.. auch weiter nein sagen [werden]". Ist ihm entgangen, dass die Menschen im Wendland
gute Gründe für ihren Protest haben? Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat in den in den letzten Wochen veröffentlichten Gutachten und Stellungnahmen festgestellt, dass zwar Salz gegenüber anderen Gesteinsformationen keine besonderen Vorteile birgt. Dies gilt jedoch nur, wenn über dem Salzstock ein wasserundurchlässiges Deckgebirge vorhanden ist. Gerade dieses Deckgebirge fehlt aber in Gorleben, wie das Bundesumweltministerium im September bekannt gab. Der Widerstand gegen die Atommülltransporte richtet sich somit gegen eine politisch bedingte Vorfestlegung auf Gorleben als Endlagerstandort, die aus wissenschaftlicher Sicht eindeutig nicht haltbar ist. Die Protestaktionen bestehen nicht nur aus "Blockieren, Anketten, Lossägen, Wegtragen". Auch ganz "normale" Demonstrationen wie am 5. November in Lüneburg gehören dazu. Und mit einer St.-Leonhards-Prozession zu Pferde machten die Menschen im Wendland deutlich, dass sie sich den öffentlichen Raum trotz flächendeckender Versammlungsverbote nicht nehmen lassen. Wer diese Protestformen als "antiquitiert" bezeichnet, stuft damit praktisch jeden öffentlichen Protest, bei dem sich Menschen friedlich unter freiem Himmel versammeln, zu einer "altertümlichen Posse" herab. Zur Rechtfertigung der Atomenergie und Diskreditierung eines Ausstiegs aus der
Atomenergie muss bei Hans Schuh die "globalisierte Wirtschaft" herhalten. Ist
ihm entgangen, dass trotz der damit verbundenen Wettbewerbsnachteile deutscher Firmen die
großen vier Energiekonzerne ihre Preise massiv erhöht haben und die deutschen
Strompreise zu den höchsten in Europa zählen? Große Kraftwerke mit hohen
Investitionskosten erfordern monopolistische, abgeschottete Energiemärkte, in denen die
Investition über entsprechende Preise wieder erwirtschaftet werden kann. Antiquitiert sind nicht die Proteste gegen die CASTOR-Transporte. Antiquitiert ist eine Form der Energieerzeugung, die zwei Drittel der Energie im Brennstoff verschwendet und der Nachwelt ein Millionen Jahre strahlendes Erbe hinterlässt, für das es weltweit nie ein sicheres Endlager geben wird. Eric Tschöp, Freiburg |
Bearbeitet am: 30.11.2005/ad