Leserbrief der

ejzmini.gif (1299 Byte)

vom 18.09.2010

Von Sabotage distanzieren

Betrifft: Aktion »Castor schottern»

Der Aufruf zum Sabotieren der Gleise ist gefährlich und verantwortungslos. Die Initiatoren haben sich dabei der Logik ihrer Gegner erschreckend angeglichen: Es wird schon nichts passieren, aber ein Restrisiko ist eben unvermeidbar. Von Atomkraftwerken geht ein erhebliches Restrisiko aus, daher lehnen sie die meisten Menschen ab.

Und was ist mit beschädigten Gleisen? Eine Notreparatur macht die Strecke nicht sicherer. Verlassen wir uns darauf, dass die Polizei schon jede beschädigte Stelle entdecken wird? Ein Sprecher der auswärtigen Schotterer hat mir erklärt, der Castorzug fahre ja sowieso nur in Schrittgeschwindigkeit. Schön, dass sich in Berlin da jemand so gut auskennt.

Bekennender, entschlossener und friedlicher Widerstand zeichnen für mich die Castorproteste aus. Auf »Schotterer» wird die Polizei anders reagieren als auf Demonstranten auf den Gleisen. Wenn die Polizei Demonstrationen ohne Vorankündigung mit brutaler Härte auflöst, wird mir die digitale Solidarität der »antifaschistischen Schotterer» spürbar wenig helfen.

Mich erschreckt, dass exponierte Menschen aus Kreisen der BI und »Robin Wood» den Schotterern Respekt für ihren »mutigen Ungehorsam» zollen. Noch ist es nicht zu spät, Einsicht zu zeigen. Von den Vorständen und Sprechern der Proteste erwarte ich eine klare Distanzierung von Sabotage- Aktionen am Gleisbett. Sonst könnte Zivilcourage diesmal bedeuten, sich den eigenen Verbündeten zu widersetzen.

Philipp Horstmann,
Hitzacker

Bearbeitet am: 18.09.2010/ad


Zurück zur Homepage