Keine Ahnung oder ideologisch verblendet
Betrifft: MdB Pols» Äußerung zum Salzstock
Da behauptete der CDU-Bundestagsabgeordnete Pols zum wiederholten Male kürzlich, es gebe »keinerlei stichhaltige Hinweise darauf, dass der Salzstock Gorleben als sicheres Endlager ungeeignet ist». Dabei ist Pols ein absoluter »Frischling» in der Materie »Endlager» und beginnt im Grunde gerade mit seiner Ausbildung. Im Moment jedenfalls ist seine Atomwelt immer noch eine Scheibe.
Ebenso verhält er sich übrigens auch im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss »Gorleben» des Bundestages. Dort allerdings schweigt er durchweg, und so sollte es lieber auch bleiben.
Pols spricht in seinen Verlautbarungen beispielsweise von einem unverritzten Salstock, obwohl es schon Anfang des 20. Jahrhunderts um Gorleben herum etliche Bohrungen tief ins Salz gegeben hat, die teilweise unzureichend verfüllt worden sind. Ebenso wurde auf Seiten der damaligen DDR an mehreren Stellen bis weit über 3000 m tief durchs Salz gebohrt, und es kam 1969 im Zuge einer Bohrung nach Gas zu einer fatalen Explosion mit nachfolgendem mehrtägigem Brand - auch hier unzureichend verschlossen.
Pols sollte weiterhin die Studie durcharbeiten, die meine Linksfraktion vor einem Jahr herausgegeben hat. Er kann sie sich im Internet herunterladen. Dort werden die problematischen Anhydrit- und Kaliflös- Staßfurt-Schichten aufgeführt, die potenzielle Wasserwegsamkeiten darstellen. Auch die Einspülung oberflächennaher Sände bis in Tiefen von über 400 Meter beweisen das Eindringen von Wasser. Zudem sind Frostrisse als Folge des Permafrostes der Eiszeiten in norddeutschen Salzstöcken sogar so tief nachgewiesen worden, dass dann zu den möglichen Einlagerungskammern ein Restabstand von etwa 140 m bleibt. Wer wie Pols dann behauptet, das Salz sei für eine Million Jahre ein sicheres Endlagermedium, hat bestenfalls keine Ahnung oder muss ideologisch total verblendet sein. Die durchbohrten Anhydritschichten oder heraus tropfendes Öl hätte Pols durchaus bei seiner Untertagefahrt bemerken können.
Außerdem erwarte ich von Pols, dass er sich bei der Mehrheit der Bevölkerung Lüchow-Dannenbergs und des Kreistages entschuldigt. Er hat wörtlich gesagt, die Oppositionsparteien im Bundestag wollten über ein Infragestellen des Standorts Gorleben die Bevölkerung in die Irre führen. Genau diese Parteien bilden aber die Mehrheit im Kreistag und erarbeiten seit 1991 im Fachausschuss »Atomanlagen» die Gorleben-Problematik akribisch. Viele Menschen haben sich zudem über die Jahrzehnte so fachkundig gemacht, dass Pols von ihnen eine Menge lernen könnte.
Nichts hören und sehen wollen und dann aber lauthals falsche Fakten herauszuposauen, so geht es nicht, Herr Pols. Es ist schließlich auch kein Zufall, dass die CDU bei der jüngsten Bundestagswahl im Landkreis Lüchow-Dannenberg nur noch magere 28 % der Stimmen bekommen hat.
Kurt Herzog,
Dannenberg, MdL