Leserbrief der

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vom 06.02.2010

Bedenken wurden unterdrückt

Betrifft: Nominierung des Salzstocks Gorleben

Was Bürgerinitiative und kritische Wissenschaftler immer behauptet haben, kann inzwischen als erwiesen gelten: Die Entscheidung für Gorleben war politisch motiviert und war, wenn überhaupt, nur sehr nachrangig am Kriterium der Langzeitsicherheit orientiert. Wie die Steine eines Mosaiks fügen sich die aufgefundenen Dokumente zu einem Gesamtbild: Gorleben war dritte Wahl. Und der Aktenfund der Linksfraktion im Niedersächsischen Landtag ist ein weiterer Beleg dafür, dass Zweifel an der Eignung des Salzstocks von der Regierung Albrecht konsequent in den Wind geschlagen wurden.

Die Bedenken wurden systematisch unterdrückt, Gutachten frisiert und kritische Sachverständige wie der Kieler Geologe Duphorn abserviert. Die sogenannte Eignungshöffigkeit war eine freie Erfindung, die den Weg zur untertägigen Erkundung ebnen sollte. Dass Rot-Grün es für richtig hielt, die angebliche Eignungshöffigkeit 2001 noch zu bestätigen, war ein unverzeihliches Zugeständnis an die Energiewirtschaft und ein kapitaler politischer Fehler.

Ein Auswahlverfahren, das diesen Namen verdient hätte, hat gar nicht stattgefunden. Die Entscheidung für Gorleben steht nicht am Ende eines geordneten, kriteriengeleiteten Suchprozesses, sondern ist Ausdruck politischer Willkür - wie man annehmen muss: unter dem Einfluss der Atomindustrie, also an der kurzen Leine einer Unterabteilung des organisierten Verbrechens.

Vor diesem Hintergrund finde ich es unerträglich, dass CDU und FDP landauf, landab alle Belege für die verantwortungslose Manipulation bei der Standortauswahl ungerührt von sich abperlen lassen. Mit der Teflon-Taktik in Atommüll-Fragen sollte es seit Asse II nämlich ein für allemal vorbei sein!

Das gilt auch für die Kreis-CDU: Wegsehen und schweigen ist schlicht nicht mehr erlaubt! Und wer aus der Geschichte der Asse nicht lernen will, der ist verdammt, sie zu wiederholen.

Wie lange will Frau Bertholdes, wie lange wollen die Herren Friedrich-Wilhelm Schröder, Herbert Krüger und die Kreistags-CDU noch so tun, als ginge es sie nichts an, dass die sachfremde Motivation der Albrecht-Regierung bei der Standortbenennung von Aktenfund zu Aktenfund immer offensichtlicher wird. Es wäre an der Zeit, reinen Tisch zu machen und zuzugeben: Ja, wir haben uns geirrt, wir sind selbst getäuscht worden. Das hätte Größe und würde einem Respekt abnötigen.

Indes: Damit ist nicht zu rechnen. Zu lange schon ist man verstrickt, zu lange schon hat man kein Problem damit, sich anzudienen bei diesem schmutzigen Geschäft. Zu lange schon versuchen sie, Land und Leute für dumm zu verkaufen.

Hermann Taubenberger,
Dannenberg

Bearbeitet am: 06.02.2010/ad


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