Leserbrief der

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vom 21.11.2007

Sicheres Endlager weltweit noch nicht gefunden

Zum Kommentar „Seltsamer Schulterschluss" von Jens Feuerriegel (EJZ vom10. November)

Der Besuch von Umweltminister Gabriel hat eine Menge Diskussionen ausgelöst. Das ist gut so, gerade auch in Zeiten, in denen sich viele im Landkreis zwar zu Recht darüber freuen, dieses Jahr von einem CastorTransport verschont worden zu sein, dabei aber allzu leicht vergessen, dass in den AKW weiterhin radioaktiver Müll produziert wird und sich das Engagement deshalb nicht allein auf einen „Tag X" pro Jahr beschränken darf. Der Atommüllberg wächst, und ein sicheres Endlager für hochradioaktive Stoffe ist bisher in keinem Land der Erde gefunden worden.

Doch Gabriel spricht ganz munter davon, dass sein Ministerium nun ein Verfahren entwickelt, einen Standort in der Bundesrepublik zu finden. Jens Feuerriegel findet das redlich und ehrenhaft. Uns Atomkraftgegnern wirft er vor, gar kein Interesse an der Lösung des Problems zu haben, da wir das Fehlen eines Endlagers als Hebel zur Stilllegung der AKW nutzen wollen. Dabei, so meint er, hätten wir von einem ergebnisoffenen Suchverfahren gar nichts zu befürchten, sollte der Salzstock wirklich so ungeeignet sein, wie wir immer behaupten.

Sollen wir uns denn freuen, wenn ein anderer Standort weniger ungeeignet als Gorleben ist und der Kelch damit am Wendland vorübergeht? St. Florian war für die hiesigen Atomkraftgegner glücklicherweise noch nie ein willkommener Ratgeber. Denn eines hat Gabriel deutlich gemacht: Wenn kein Standort in Deutschland den Anforderungen genügt, was angesichts bisheriger geologischer Befunde sehr wahrscheinlich ist, dann wird trotzdem einer ausgewählt. Passiert dies aber vor einem endgültigen Atomausstieg, dann wird mit diesem unsicheren Lager, so ist zu befürchten, der Weiterbetrieb der AKW gerechtfertigt. Deshalb sehen viele diese Suche kritisch, so lange weiter Atommüll produziert wird.

Besser wäre: Wenn die Badewanne überläuft, zuerst den Hahn abdrehen und dann gemeinsam überlegen, wie wir den Schaden eingrenzen können. Gabriel hat klar gemacht, dass am Ende nicht alleine wissenschaftliche Kriterien entscheidend sein werden, sondern dass politische Kräfteverhältnisse eine große Rolle spielen und es da manchmal auch ganz kleinkrämerisch zugeht: „Gibst du mir eine weitere Standortuntersuchung, geb ich dir ein Ende des Moratoriums etc." Genau dieses Geschacher findet auch bei der Formulierung der eben doch nicht völlig objektiven Kriterien statt, nach denen dann ein
Standort gesucht werden soll.

Wer die Maßstäbe bestimmt, kann damit auch beeinflussen, was am Ende als Ergebnis rauskommt. Schon Ernst Albrecht hat die Geologen vor 30 Jahren vertröstet. Jürgen Trittin wollte den Wissenschaftlern Gewicht geben und ist damit politisch gescheitert. Und nun höre ich auch bei Gabriel, dass die ganze Endlagerfrage am Ende auf einen Machtkampf hinausläuft.

Das kann man kritisieren oder als gegeben hinnehmen. Unterm Strich bedeutet es jedenfalls: Weiterer Widerstand ist nötig, um den politischen Druck zu erhöhen, denn der wird schlussendlich entscheidend sein.

Jochen Stay,
Jeetzel

Bearbeitet am: 21.11.2007/ad


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