Leserbrief der

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vom 19.11.2007

Weiterer Baustein im politischen Taktieren hin zu Gorleben

Betrifft: Bundesumweltminister Zigmal Gabriel in Gorleben/Kommentar „Seltsamer Schulterschluss" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 10. November)

Gabriels Aussage im Fachausschuss: ergebnisoffene EndlagerSuche, erst Sicherheitskriterien, dann der Standort. Gabriels Argument entspricht dem gesundem Menschenverstand, so wirkt es, es ist ja alles gut. In der EJZ ist auch von „ehrenhaftem", „redlichem" Verhalten die Rede, seine Äußerungen seien durchgängig positiv und konstruktiv. Doch : Gabriels Aussagen und die oben genannten Kommentare übersehen Entscheidendes.

Erstens: Was ist mit dem Einfluss der eigennützigen Interessen von Politikern auf die Sicherheitskriterien in ihrer Gewichtung? Heute schon weigern sich Bayern und Baden-Württemberg, Standorte selbst oberflächlich erkunden zu lassen.

Zweitens: Geld - für die Erkundung des Salzstocks Gorleben sind bisher über zwei Milliarden verbraucht worden. In der ganzen Atomwirtschaft im Filz mit der Politik steht Geld über allem, selbst über der Sicherheit von Menschen (Krümmel, Brunsbüttel). Geld wird die Entscheidung beeinflussen.

Drittens: Ein Zwischenlager gefüllt mit Castor-Behältern und eine Verpackungsanlage sind vorhanden als Vorbereitung für eine Endlagerung. Es „passt" schon alles!

Viertens - und das ist das Entscheidende: Es sind geologische Fakten, die eindeutig gegen Gorleben sprechen.
Die Entscheidung für Gorleben 1977 war eine politische. Gorleben war nur zweite Wahl. Es gab drei geeignetere Salzstöcke in Niedersachsen (Professor Lüttig 1997 laut EJZ). Warum dann also Gorleben noch in die Standort-Suche einbeziehen, wo es mindestens drei geeignetere Salzstöcke gibt?

Und die Gutachten der Professoren Duphorn und Grimmel in den 80er-Jahren bestätigen:
Gorleben ist ungeeignet (Verwerfungen, Auslaugungen, Grundwasserkontakt)!

Und doch sagt Gabriel, es gebe keine eindeutigen Hinweise gegen Gorleben. Dieses Aussage ist verantwortungslos. Sie ist ein weiterer Baustein im politischen Taktieren hin zu Gorleben. Gabriels Besuch „redlich", „ehrenhaft", seine Äußerungen durchweg positiv, konstruktiv?

Doch wohin mit dem Müll? Eine Sicherheit auch des aus heutigem Wissen weltweit geeignetsten unterirdischen Endlagers ist in Anbetracht eines Zeitraumes von einer Million Jahren unvorstellbar. Konzepte in den USA: 300 Jahre zwischenlagern, forschen, dann unterirdisch einlagern.

Ein Bild: Atommüll-Stopp, ein internationales Zwischenlager, bewacht und gesichert wie kein zweiter Platz der Erde, angepasst an Eiszeiten und andere Klimaveränderungen, die Information über die tödliche Bedrohung von Jahrhundert zu Jahrhundert weitergegeben an hunderttausende Generationen, ein Mahnmal für die Hybris und Habgier des Menschen im 20. und 21. Jahrhundert.

Hermann Klepper,
Banzau

Bearbeitet am: 19.11.2007/ad


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