Leserbrief der

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vom 19.11.2007

Endlager für die Atomindustrie nur ein teurer Medien-Gag

Betrifft: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in Gorleben (EJZ vom 3. November)

Auch Herr Gabriel springt nicht über seinen Schatten. Er will nicht sehen, dass Gorleben ein geologisch ungeeigneter und ein „moralisch verbrannter" Standort ist. Nicht nur, dass erkundet wurde, ohne vorher Kriterien festzulegen, was auch Gabriel erkannt hat, die „Erkundung" wurde als Entsorgungsnachweis benutzt.

Gleichzeitig wurden Atomanlagen errichtet, die selbstverständlich keine Vorfestlegung auf den Standort sein sollten. Aber auch Gabriel gibt zu, dass sie es doch sind und beugt sich den faktisch verbauten Milliarden. Zitat EJZ: „... sollten zwei Standorte gleich gut sein, könnte die Entscheidung für Gorleben fallen."

Was heißt hier gleich gut oder genauso gut wie Gorleben? Getreu dem Motto: Finden wir nichts Besseres, nehmen wir einen ungeeigneten Standort. Ein genauso ungeeigneter Standort ist schnell gefunden, also bleibt es bei Gorleben. Ist Gorleben deswegen sicher, weil es keinen anderen Platz gibt?
Nein, in Gorleben ist keine faire Entscheidung mehr möglich, Gorleben muss fallengelassen werden. Erst dann können unbelastet Kriterien aufgestellt werden, wie Endlagersuche aussehen soll.

Ohne das Ende von Gorleben bleibt der Verdacht, dass sich die Kriterien am „existierenden Beispiel" ausrichten, Gorleben sozusagen als „Standard". Dem Minister sind keine Gründe für eine Nichteignung Gorlebens bekannt? Selbst Leute, die an Salz als Endlager-Medium glauben, kennen genügend Gründe gegen Gorleben, die ich hier nicht wiederholen möchte. Gorleben muss geeignet sein, weil sonst alle Regierungen aufs falsche Pferd gesetzt hätten und am Ende gar kein Lager auffindbar sein könnte.

Mit dem Festhalten Gabriels an Gorleben spielt er damit den Betreibern und der CDU in die Hände. Wenn auch Gabriel keinen Grund für eine Nichteignung Gorlebens kennt, wer dann in Berlin? Die GorlebenGegner brauchen den Vergleichder Standorte nicht zu scheuen, doch es bleibt eine Luftblase, da Gabriel damit nicht durch kommt.

Für Gabriel ist es eine Profilierung gegenüber dem Koalitionspartner, sozusagen der letzte Politiker, der ernsthaft versucht, die „Entsorgungslüge" aufrichtig zu bearbeiten, um dann auf Gorleben zurückzukommen, da das Moratorium dank Rot-Grün ohnehin bald endet.

Die Sicherheit eines Endlagers kann beliebig behauptet werden, bei den Zeiträumen, um die es hier geht, ist dies ohnehin nicht überprüfbar. Die Atomindustrie ficht das alles nicht an, ist doch der Betrieb von Atomkraftwerken auch ohne Entsorgung und Endlager schon seit 50 Jahren problemlos möglich. Für die ist „Endlager" nur ein teurer Medien-Gag. Praktiziert wird weltweit die „dauerhafte Zwischenlagerung", und diese ist auch hierzulande, so absurd dies auch sein mag, „Entsorgungsnachweis".

Wolfgang Kallen, Molden

Bearbeitet am: 19.11.2007/ad


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