Es ist sehr traurig, was für ein einseitiges, falsches und zum Teil haarsträubendes Bild Herr Diercks von der Schülerdemo in Lüchow. zeichnet: Durch kollektiven Gruppenzwang aufgerufen", marschiere man seinen Lehrern und Lehrerinnen iur Polizei hinterher, um dort Lebensmittel über den Zaun zu werfen."
Ich will nicht leugnen, dass Eier von einigen wenigen über den Zaun der Polizeikaserne geworfen wurden, und ich verstehe die Wut darüber. Aber dies zum einzigen Zweck und Inhalt der Demonstration hochstilisieren zu wollen, bedeutet 500 bis 800 friedlich demonstrierende Menschen und deren Meinung einfach zu ignorieren. Und wer übt bitte Gruppenzwang aus? Etwa wir Schüler und Schülerinnen, die die Demonstration selbst organisiert haben? Oder etwa der Direktor der BBS Lüchow, der uns nur vom Unterricht freistellt, wenn wir vorher eine schriftliche Begründung bei ihm einreichen? Leider konnte ich auch keinen marschierenden Klassenverband entdecken, brav den Lehrern folgend. Marschieren sieht man im Wendland für gewöhnlich nur die Polizei.
Nein, wir sind niemandem verpflichtet, wenn wir uns dafür entscheiden, gegen die Atomenergie auf die Straße zu gehen! Niemandem, außer unserer persönlichen Überzeugung, unserem Wissen und Gewissen. Deshalb wurden Flyer verteilt, die zum Stromanbieterwechsel auffordern. Deshalb wurde eine Rede gehalten, die sich mit dem Sinn und Unsinn der Stromerzeugung" auseinandersetzt.
Herr Diercks schimpft auf die .Polemik dieser Rede. Das Wissen über die Macht solcher Reden", so schwadroniert er, hätten wir von Hitler und seiner Gefolgschaft erlernt. Wen möchte Herr Diercks mit diesen Entgleisungen gewinnen? Man könnte den Eindruck gewinnen, er neigt selbst zur Polemik.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe nichts gegen Polemik. Sie sollte sich jedoch auf Fakten, Tatsachen und Argumente stützen und nicht wie bei Herr Diercks auf Vorurteile und auf gemeinsame wilde Mutmaßungen mit jenem ominösen Herrn neben ihm. Vielleicht tut er mir den Gefallen und denkt darüber noch einmal nach, wenn seine Wut verraucht ist und er wieder der unabhängige, nüchterne und sachliche Mensch geworden ist, der sein Ideal zu sein scheint. Vielleicht ist er dann bereit, selbst Sinn und Unsinn der derzeitigen Energiepolitik zu erwägen.
Jörg Werner, Gartow,
Redner auf der Demo
Bearbeitet am: 04.12.2006/ad