Die evangelische Kirche fordert eine ergebnisoffene alternative Suche nach einem Endlager, die sich auf wissenschaftliche Kriterien stützt, Transparenz im Verfahren aufweist und Möglichkeiten der Partizipation bietet. Darin sind sich alle kirchlichen Gremien von der Orts- über die Landes- bis hin zur Bundesebene seit Jahren einig.
Interessant ist, dass auch die Bevölkerung des Landkreises Lüchow-Dannenberg diese Auffassung teilt. 87 Prozent sind der Meinung, dass vor einer Entscheidung für ein Endlager zunächst Standortalternativen zu untersuchen sind. Sechs Prozent sind mit dieser Aussage weniger einverstanden, und sieben Prozent lehnen eine alternative Standortsuche grundsätzlich ab.
Im internationalen Kontext ist es unstrittig, dass nur die Partizipation der Bevölkerung zur Akzeptanz führen kann - viele Seminare der Atomenergieagentur der OECD haben sich in den letzten Jahren mit solchen Fragen befasst. Doch weit über 80 Prozent der Lüchow-Dannenberger erklären auf Nachfrage, sie hätten den Planungsprozess nicht mitgestalten können.
Da ein Drittel der hiesigen Bevölkerung der Nutzung der Kernenergie positiv gegenübersteht, fallen diese Aussagen überraschend eindeutig aus. Die im Sommer veröffentlichte Studie des schweizerischen Bundesamtes für Energie, aus der ich die Prozentzahlen zitiere, stellt fest, dass die politische Grundhaltung kein wesentlicher Faktor der Akzeptanz sei. Vielmehr bilden wirtschaftliche oder finanzielle Erwägungen das Hauptmotiv bei der kleinen Minderheit, die eine alternative Standortsuche ablehnt.
Die Zeit drängt, und man muss endlich zu einer Entscheidung bezüglich der Entsorgung des Atommülls kommen. Diese Position trifft bei 86 Prozent der Bevölkerung auf Zustimmung. Nur der baldige Beginn einer alternativen Standortsuche kann dem allgemeinen Wunsch nach Beschleunigung Rechnung tragen.