Leserbrief der

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vom 25.11.2006

Der immer gleiche Irrsinn wird zementiert

Betrifft: Artikel „Polizei beklagt Härte von CastorGegnern" (EJZ vom 13. November)

Jahr für Jahr der gleiche Irrsinn: Mindestens 16 000 Polizisten gegen „3 500 Castor-Gegner". So jedenfalls die Zählung des niedersächsischen Innenministers (die Zahl der bis zu 800 „gewaltbereiten" CastorGegner, die er nannte, dürfte mindestens um den Faktor 10 nach unten zu korrigieren sein). Sein oberster Einsatzleiter bekennt dabei offen, dass er Demonstranten, die in der hiesigen Region wohnen, nicht mitzählt (wie viel Polizisten, zum Beispiel in Zivil, werden wohl gleichfalls nicht mitgezählt?). Hier lebende AtomenergieGegner werden als lästige Restgröße („Das sind ja nur Wendländer") gesehen und behandelt.

Ganz ähnlich werden Treckerfahrer durch Polizeikräfte am Verlassen eines Versammlungsplatzes oder ein zu einem Löscheinsatz gerufener Feuerwehrmann durch eine brutale Festnahme am Zugang zum Brandherd, Anwälte am Kontakt mit ihren Klienten gehindert und deeskalierend vermittelnde Seelsorger von Polizisten herumgestoßen und verbal abqualifiziert. Wenn ein „Ordnungshüter" eine Siebzigjährige, ohne jede Spur von Gewalt demonstrierende Mitbürgerin unvermittelt und roh auf die Straße stößt, wird er, wenn er nach seinem Namen gefragt wird, von anderen Polizisten abgeschirmt.

Der menschenverachtende Auftrag zerstört den menschlichen Anstand - von Courage gar nicht zu reden - seiner Auftraggeber wie seiner Erfüllungsgehilfen. Wundert es da, wenn ich mich durch die jeweils über mächtige Präsenz der Polizeieinheiten von Jahr zu Jahr mehr bedroht, niemals jedoch geschützt fühle?

Es gibt bei der Polizei offenkundig keine dem „Bürger-inUniform"-Konzept der Bundeswehr vergleichbare Idee nach Maßgabe der „Inneren Führung". Lieber richten Polizisten ihren durchaus verstehbaren Unmut auf Mitbürger als auf die, die ihre Einsätze anordnen, diese zudem in die unwirtlichste Jahreszeit legen und ihnen auferlegen, die Spaltprodukte einer gesellschaftsfeindlichen und lebensbedrohenden Technologie ohne Rücksicht auf davon am meisten betroffene Bürger und gegen deren Proteste zu „schützen". Darüber hinaus müssen die Staatsdiener oft lange Anwege, wenig attraktive Unterkünfte und eine wohl kaum angemessen ausgleichende Bezahlung in Kauf nehmen. Doch die, die für all dies Verantwortung tragen, bleiben vornehm weitab vom Ort des Geschehens. Sie geben - wie die Herren Schünemann und Kauder - lieber Interviews, die den Konflikt noch schüren, die aber vor allem den Sinn haben, den Einsatz staatlicher Gewalt und erneuter immenser Kosten möglichst schon für die Zukunft zu rechtfertigen.

So wird der Jahr für Jahr immer gleiche Irrsinn fortgeschrieben und zementiert. Er macht sichtbar, wie eine rational nicht zu rechtfertigende Risikotechnologie rational nicht zu rechtfertigende gesellschaftliche Folgen zeitigt. Diese werden von den Verantwortlichen indessen nicht beachtet, geschweige denn dass sie begännen umzudenken und umzusteuern.

Dr. Hartwig Drude,
Dannenberg

Bearbeitet am: 25.11.2006/ad


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