Als ich die Stellungnahme des Einsatzleiters Friedrich Niehörster gelesen hatte,
wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich selber bin seit Donnerstag Abend
unterwegs gewesen, mal hier, mal dort, habe so Einiges erlebt und so einiges Erlebtes aus
erster Hand gehört.
Da wird in den Pressemitteilungen der Polizei von einer harmlosen Fahrzeugkontrolle
gesprochen und vergessen zu erwähnen, dass Beamte in Zivil, ohne sich vorher als
Polizisten zu erkennen zu geben, in der Dunkelheit fremder Leute Autotüren öffnen. Woher
sollte der Fahrer denn bitte wissen, wer
ihn dort überfällt"?
In Pudripp wird erst gekesselt und dann aufgefordert, den Kreuzungsbereich zu
verlassen, aber bitte nur unter erkennungsdienstlicher Erfassung! Davon habe er nichts
gewusst, betont Niehörster, genauso wenig wie, dass in Langendorf Anwälte nicht zu ihren
Mandanten durchgelassen wurden.
Nach Niehörsters Angaben sei die Situation an den Pyramiden" von der Polizei
in freundlicher Atmosphäre und ohne großen Stress gelöst worden. Kein Wort davon, dass
einer in Langendorf angeketteten Demonstrantin von einem Polizeibeamten der Mund
zugehalten wurde, damit sie nicht vor Schmerzen schreien kann, während mehrere andere
Beamte an ihr rissen und zerrten, um sie aus dem Beton zu lösen. Das geschah, obwohl die
beteiligten Personen bereits vorher angegeben hatten, angekettet zu sein.Da ich Herrn
Niehörster nicht der Lüge beschuldigen möchte, frage ich mich jedoch, wer dann so etwas
anordnet oder zumindest darüber Bescheid weiß, wenn nicht der Haupteinsatzleiter! Macht
jede Einheit einfach das, was sie für richtig hält? Das würde erklären, warum so oft
Recht und Gesetz auf der Transport-Strecke bleiben! Oder ist Niehörster mit der Fülle an
Aktionen und dem Zeitplan im Nacken mit diesem Job schlichtweg überfordert?
Und dann noch der Kommentar, der das Fass zum Überlaufen bringt: Vergleicht Niehörster doch die Aktionen mit' einem sportlichen Wettkampf, mit Bundesjugendspielen. Da setzen Menschen aus der Region und anderswo ihre Gesundheit aufs Spiel, aus Existenzangst und der Angst vor gravierenden gesundheitlichen Schäden durch die Zwischenlagerung von Atommüll in Gorleben, und ein Herr Niehörster macht darüber seine Scherze! Ich würde sagen, wer so verachtend mit den Ängsten der Menschen umgeht, dem fehlt es schlichtweg an Respekt oder Intelligenz. Das Land Niedersachsen wäre gut beraten, diesen Job neu zu belegen.