Leserbrief der

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vom 24.11.2006

Recht und Gesetz bleiben auf der Strecke

Betrifft: Artikel zur CastorPressekonferenz (EJZ vom 14. November)

Als ich die Stellungnahme des Einsatzleiters Friedrich Niehörster gelesen hatte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich selber bin seit Donnerstag Abend unterwegs gewesen, mal hier, mal dort, habe so Einiges erlebt und so einiges Erlebtes aus erster Hand gehört.
Da wird in den Pressemitteilungen der Polizei von einer harmlosen Fahrzeugkontrolle gesprochen und vergessen zu erwähnen, dass Beamte in Zivil, ohne sich vorher als Polizisten zu erkennen zu geben, in der Dunkelheit fremder Leute Autotüren öffnen. Woher sollte der Fahrer denn bitte wissen, wer
ihn dort„ überfällt"?

In Pudripp wird erst gekesselt und dann aufgefordert, den Kreuzungsbereich zu verlassen, aber bitte nur unter erkennungsdienstlicher Erfassung! Davon habe er nichts gewusst, betont Niehörster, genauso wenig wie, dass in Langendorf Anwälte nicht zu ihren Mandanten durchgelassen wurden.
Nach Niehörsters Angaben sei die „Situation an den Pyramiden" von der Polizei in freundlicher Atmosphäre und ohne großen Stress gelöst worden. Kein Wort davon, dass einer in Langendorf angeketteten Demonstrantin von einem Polizeibeamten der Mund zugehalten wurde, damit sie nicht vor Schmerzen schreien kann, während mehrere andere Beamte an ihr rissen und zerrten, um sie aus dem Beton zu lösen. Das geschah, obwohl die beteiligten Personen bereits vorher angegeben hatten, angekettet zu sein.Da ich Herrn Niehörster nicht der Lüge beschuldigen möchte, frage ich mich jedoch, wer dann so etwas anordnet oder zumindest darüber Bescheid weiß, wenn nicht der Haupteinsatzleiter! Macht jede Einheit einfach das, was sie für richtig hält? Das würde erklären, warum so oft Recht und Gesetz auf der Transport-Strecke bleiben! Oder ist Niehörster mit der Fülle an Aktionen und dem Zeitplan im Nacken mit diesem Job schlichtweg überfordert?

Und dann noch der Kommentar, der das Fass zum Überlaufen bringt: Vergleicht Niehörster doch die Aktionen mit' einem sportlichen Wettkampf, mit Bundesjugendspielen. Da setzen Menschen aus der Region und anderswo ihre Gesundheit aufs Spiel, aus Existenzangst und der Angst vor gravierenden gesundheitlichen Schäden durch die Zwischenlagerung von Atommüll in Gorleben, und ein Herr Niehörster macht darüber seine Scherze! Ich würde sagen, wer so verachtend mit den Ängsten der Menschen umgeht, dem fehlt es schlichtweg an Respekt oder Intelligenz. Das Land Niedersachsen wäre gut beraten, diesen Job neu zu belegen.

Andreas Schulz,
Breese im Bruche

Bearbeitet am: 24.11.2006/ad


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