Es ist wieder geschafft: Zum x-ten Mal sind die Castoren sicher im Zwischenlager. Für mich ist das nicht unbedingt ein Grund zur Freude. Zwar hat die strahlende Fracht den Weg geschafft, aber auf der Stecke geblieben sind durch Willkürmaßnahmen, durch Anordnungen wider das Grundgesetz und durch Missachtung geltender Gerichtsurteile durch die Polizei so hohe Werte wie Respekt und Achtung vor unserer Verfassung und der Glaube an eine gesetzeskonform agierende Polizei.
Mit seinem selbstherrlichen und herablassenden Verhalten (ich meine damit auch Führungskräfte der Polizei vor Ort) wird Polizei-Einsatzleiter Niehörster mit Sicherheit bei der kritischen und wachsamen Bevölkerung, insbesondere bei den jungen Leuten, kein Demokratieverständnis erreichen. Gerade ihm dürfte doch nicht unbekannt sein, dass praktiziertes Unrecht (Beispiele von mir erlebter Unrechtstaten aus den vergangenen Castor-Tagen: Kessel in Pudripp, Beschneidung der genehmigten Fahrraddemo, Ausweitung der 50-m-Verbotszone auf 100 m in Laase, verwehrter Zugang zu einer genehmigten Kundgebung in Pretzetze) nichts anderes als Widerstand hervorruft. Druck erzeugt Gegendruck, Frust erzeugt Aggression, und Ohnmacht erzeugt Wut!
Und wenn ich am 15. November die Elbe-Jeetzel-Zeitung aufschlage, fällt mir ein Artikel ins Auge, in dem die Polizeigewerkschafft zunehmende Übergriffe auf Polizeibeamte" beklagt. Diese Meldung ist schrecklich, ja, aber angesichts des von Herrn Niehörster an den Tag gelegten so wenig selbstkritischen und unsensiblen Handels ist sie auch keine Überraschung. Jedenfalls nicht für mich!
Unsere jungen Menschen, und sie dürfen wohl die stärkste Gruppe der Gewalttäter" stellen, benötigen zur Herausbildung von rechtsstaatlichem Verhalten, von Fairness und Toleranz gegenüber Mitmenschen Vorbilder und Leitfiguren, die in der Lage sind, Demokratie vorzuleben. Herr Niehörster und seine Führungskräfte in der Polizei gehören meines Erachtens zu diesem Personenkreis, der sich, dieser Aufgabe nicht verschließen darf und aktiv werden muss. Und das möglichst bald: Denn sonst, befürchte ich, werden weitere diesbezügliche Zeitungsmeldungen noch schrecklicher ausfallen.
Bei aller Konsequenz, und als Lehrer schätze ich diese Verhaltensweise sehr und begrüße es, wenn sie nicht nur in den Mund genommen, sondern auch praktiziert wird, wird diese erst dann überzeugend und einsichtig, wenn polizeiliche Entscheidungen den Boden des Grundgesetzes nicht verlassen. Beschneidungen sind grundsätzlich rechtswidrig und gehören bestraft! Die Polizei sollte uns durch ein besonnenes, umsichtiges, sensibles und vor allem gesetzestreues Agieren rechtsstaatliches Verhalten zeigen, die Bevölkerung wird es ihr mit Verständnis, Wohlwollen und Wertschätzung danken. Zu fiXen Ideen aber und zu plumpen TriX sage ich, und glaube mich damit nicht allein, entschieden niX.
Auf einen Meinungsaustausch hoffe ich als_ überzeugter Demonstrant gegen die Atomkraft und unbeugsamer Demokrat.