Castor-Transport 2006: Polizisten in Zivil ohne Ausweis richten eine Waffe auf einen
Bauern, nur weil er einen Betonklotz auf seinem Wagen hat. Eine Gruppe von uniformierten
Beamten stürmt im Krankenhaus Dannenberg bis in die Krankenzimmer. In Pudripp werden ohne
Ankündigung sogar Kinder für die AntiterrorDatei gefilmt. Eine Europaabgeordnete mit
Diplomatenpass wird behindert. Anwälte werden in Ausübung ihrer Tätigkeit in Gewahrsam
genommen. Jeder der an den Demonstrationen beteiligt war, kann mühelos ein Beispiel nach
dem anderen aufzählen. Rechtsbeugung, Polizeiwillkür, Brutalität ohne jede
Verhältnismäßigkeit. Und die
Medien hüllen sich weitgehend in Schweigen.
Bei den Castor-Transporten geht es schon lange nicht mehr nur um Atomkraft. Es geht um die Demokratie an sich. Es geht nicht mehr nur um das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Oder um das auf Versammlung- und Meinungsfreiheit. Es geht eigentlich inzwischen um fast jedes Grundrecht, auch um die Pressefreiheit. Im Wendland im November wird jedes Jahr die freiheitlich-demokratische Grundordnung ein Stück weiter untergraben. Nicht von gewalttätigen Chaoten, sondern von denen, die diese Grundordnung schützen sollen.
Die Polizei lamentiert und jammert über Arbeitsbelastung. bis an die Grenzen und astronomisch hohe Überstundenzahlen. Dennoch kein Protest, wenn die Stromkonzerne rufen und den Staat für sie die Drecksarbeit machen lassen. Und natürlich auch kein Veto von unseren gewählten Volksvertretern, die nur wie unser Herr Innenminister erstmal den Mund vollnehmen und dann aber kuschen und tanzen, wenn die Manager pfeifen. Die Konzerne haben die Macht in Deutschland, die Politik steht ihnen zur Seite und hetzt ihre Beamten auf Bürger, die genau dieses Unrecht spüren. Ist es da ein Wunder, dass diese die Polizisten immer mehr als fremde Besatzer und nicht mehr als Hüterecht und Ordnung ansehen?
Ich kann nur an alle diejenigen appellieren, die immer noch passiv am Rande das Gesehene und Geschehene über sich ergehen lassen, endlich ihre Lethargie aufzugeben und einzugreifen. Es ist ein fataler Irrtum zu glauben, dass man ungeschoren davonkommt, wenn man sich nur ordentlich duckt. Man muss nicht unbedingt an einer Sitzblockade teilnehmen oder sich anketten. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich einzubringen, wenn man merkt, dass etwas völlig aus dem Ruder läuft. Und hier läuft schon lange etwas aus dem Ruder. Unsere Demokratie nämlich. Mir fällt dazu ein Wort von Joachim Fritzen ein: Alles, was du tust, aber auch alles, was du unterlässt, wirkt in Ewigkeit." Recht hat er.
Leute, die ihr sonst alles besser wisst, aber möglichst nichts tut, Mitglieder der schweigenden Mehrheit, macht endlich Augen und Mund auf, bewegt euch, solange es überhaupt noch möglich ist!