Leserbrief der

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vom 18.11.2006

Niehörster würde haushoch verlieren

Betrifft: Castor-Pressekonferenz (EJZ vom 14. November)

Polizei-Einsatzleiter Niehörster bezeichnet die ohne seine Kolonnen nicht durchführbaren Transporte des hochradioaktiven Mülls als tollen Sport in freundlicher Atmosphäre. Diese Sicht der Dinge aus gutbezahltem und gewärmtem Sessel kann ich nur als entweder dreist oder absolut weltfremd empfinden. Bewundern darf ich dagegen das spielerische Fairplay der um die Zukunft besorgten Sitzblockierer, welche zum Teil seit Jahrzehnten kostbare Freizeit opfern, ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und tagelang in Kälte und Regen ausharren. Ihnen geht es nicht darum, herauszufinden „wer besser sei, die Polizei oder die Demonstranten" (Zitat Niehörster). Ihnen geht es um die Zukunft und um Gefahren, die unvorstellbar groß sind.

Trotz der schrecklichen Gewissheit der atomaren Bedrohung wissen sie sich „auf dem Platz" zu benehmen. Sie spielen ohne „bodycheck", lassen sogar Räumaktionen und Einkesselung laut Niehörsters Aussage „passiv, friedlich und unaufgeregt" über sich ergehen. Keine Aggression, obwohl der Polizeieinsatz hilft, genau die Fakten zu schaffen, die andere vor Angst nicht schlafen lassen.

Herr Niehörster möchte im sportlichen Wettbewerb antreten? Gerne. Dann aber bitte mit gleichen Regeln, gleicher Ausrüstung und gleichgroßer Mannschaftsstärke für beide „Teams". Jede Wette, dass ihm dafür der entsprechende Sportsgeist fehlt. Er weiß, dass er haushoch verlieren würde! Er kann ja mal versuchen, eine „Mannschaft aufzustellen", die genauso ehrenamtlich aufläuft, wie die Anti-Atom-Aktivisten. So schnell, wie sich sein Team in Nichts auflösen würde, so schnell kann der gar nicht gucken! Eine Minute nach Feierabend oder ohne Sold stünde er wahrscheinlich selbst nicht auf der Strecke.

Die Atomkraft-Gegner berichten von elf Klinikeinweisungen und insgesamt knapp 150 dokumentierten Verletzten.

Wer ein böses taktisches Foul nach dem anderen zulässt und trotzdem von „tollem Sport" spricht, braucht sich nicht zu wundern, immer wieder die Rote Karte gezeigt bekommen. Ob er es gerne hört oder nicht: Herr Niehörster wird der Nachwelt nicht als großer Sportsgeist in' Erinnerung bleiben, sondern als einer derjenigen Vollstreckungsgehilfen, die dafür gesorgt haben, dass das Wendland zum strahlend giftigen Atomklo mutiert. Schlafen Sie gut, Herr Niehörster!

Willem Wittstamm,
Clenze

Bearbeitet am: 18.11.2006/ad


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