Ist es nicht selbstverständlich, dass wir leben? Dass wir Zähne im Mund haben? Dass eh hier in der Provinz Kunst und Kino gibt? Genauso selbstverständlich scheint eh zu sein, dass es zur Castor-Zeit immer wieder Menschen gibt, die viel einsetzen: die bei Sturm und Regen auf Straßen sitzen, durch Wälder laufen, ihre Traktoren beschlagnahmen lassen, sich anketten und in den Dreck legen, ist das alles wirklich selbstverständlich?
Nein, liebe Leute, Selbstverständlich ist gar nichts! Wenn du deine Zähne nicht benutzt und pflegst, fallen sie aus. Wenn du dich am tollen Kulturprogramm nur von Ferne freust, aber nicht hingehst, kann es passieren, dass die Veranstalter pleite gehen. Auch der Atomwiderstand läuft nicht von selber, Viele Menschen haben dafür unsagbar viel gearbeitet, organisiert und eingehetzt. Das ist großartig! Trotzdem bleibt der Eindruck, dass die Macher weniger werden, Und die freundlichen Zuschauer werden mehr.
Zu der Sitzblockade beim Verladekran kamen viele Sonntagnachmittagsspaziergänger, Viele haben gesagt: Was ihr da macht, das könnte ich nicht." Mag sein. Aber mit Sicherheit kannst du etwas anderes, Einen Kuchen backen. Wärmende Dinge verteilen. Mut zusprechen. Die Aktiven nicht im Regen stehen lassen.
Wenn es dir am Herzen liegt, dass der Widerstand weitergeht, dann gibt es noch in dieser Woche für dich etwas Wichtiges zu tun. Es gibt eine (noch unvollständige) Liste mit Aufgaben, die keinen Aufschub dulden. Such dir etwas aus, was du gut kannst. Auf der Liste stehen zum Beispiel: Einladung zum Essen für die Organisatoren von der BI, Saunaabend für die Angeketteten, Frühstück am Bett für die mutigen Seilkletterer, Massage für die Sambagruppe, die den Menschen in der Sitzblockade 13 Stunden lang Mut zugetrommelt hat, Blumenstrauß für die Juristen, Kinokarte für Ärztinnen und Sanitäter.
Nichts im Leben ist selbstverständlich. Lasst uns achtsam und dankbar miteinander umgehen!