Leserbrief der

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vom 20.11.2004 

Ode an die Vernunft

Zum Kommentar "Nix da neue Formen" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 13. November)

Die Anti-Atom-Bewegung sei angesichts des tragischen Todes von Sébastian Briard verunsichert, schreibt Jens Feuerriegel in seinem Kommentar, um sodann neue Formen und ein nachdenkliches innehalten des Protestes anzunehmen. Und die Betreiber und CastorTransporteure? Die Richterfrage ist nur an die Bewegung gestellt, die Urteilsverkündung erfolgt prompt: "Es waren Protestformen, die wir schon kannten."

Der Verkäufer der Ware Ereignis ist darob enttäuscht. Hat doch die Bewegung den Sprung in die Volksgemeinschaft der Besonnenen und gekonnten Event-Inszenierer versäumt und das nicht getan, was Europaabgeordnete und Pfaffen angeraten hatten: Still zu trauern und sich in der Ohnmacht vernünftig ein zurichten. Stattdessen wieder nur Blockaden. Wie langweilig! Wo bleibt der Unterhaltungswert? Selbst die Polizeiübergriffe sind in der Masse nicht mehr das, was sie nie dürfen und offiziell nie gewesen sind.

Schauen wir uns lieber die uniformierte Einsatzleitung an: Den Castor auch unter diesen "schwierigen Bedingungen" sicher und problemlos und beinahe im Zeitplan nach Gorleben zu bringen und dabei untertänig Mensch zu bleiben, ist schon eine Leistung. Eine Leistung, so vernünftig wie die erfolgreiche Unterwerfung unter den blinden Zwang der Verhältnisse mit der Moral als abhängiger Variable des Machbaren.

Machen wir uns nichts vor: Alle, ob Knüppel- oder Talarträger, Abgeordnete und Oberlehrer, wollen nur unser Bestes. Doch das bekommen sie nicht. Ich ziehe jedenfalls lieber mit Gottes Sägen.

Ralf Perbrandt, Clenze

Bearbeitet am: 20.11.2004/ad


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